gezwungene, (teils) irrationale Verkäufer

      nixda schrieb:

      ...
      Sonst mal Google Translater bemühen?


      Der Google Translator liefert wenig brauchbares - aber danke für die anderen Hinweise. Ich finde auch die Tatsache interessant, dass es Abengoa trotz der finanziellen Schwierigkeiten schafft, noch Großprojekte zu akquirieren. Normalerweise kann ein Anlagenbauer zumachen, wenn sich finanzielle Schwierigkeiten auch nur abzeichnen, weil sich kein Kunde auf die Gefahr eines Projektabbruchs einlassen möchte.
      "Hey Du, möchtest Du ein A kaufen?" Standard & Poor's (zitiert aus: Marc-Uwe-Kling: Der falsche Kalender - 365 falsch zugeordnete Zitate)
      Hm, auf einer spanischen Börsenseite wurde eine Analyst zitiert, der ihnen nicht den Turnaround zutraut: "Wenn sie es bisher nicht geschafft haben, werden sie es auch nicht mehr schaffen." Alles sehr vage. Aber eigentlich kann man bei dem Preis kaum was falsch machen, oder?
      Ich denke, es gibt mehrere Gründe: der erste triviale ist, dass im Bondboard mehr über Anleihen diskutiert wird. Der zweite ist, dass bei der Pleite eines Unternehmens die Gläubiger in der Regel noch einen Restwert erhalten (so vorhanden), während die Aktieninhaber leer ausgehen. Dann gibt es vielleicht noch eine Reihe von Gründen, die manche Leute attraktiv finden; z.B. sollte der Wert einer Anleihe gegen Ende der Laufzeit idealerweise gegen den Nennwert konvergieren (sofern das Unternehmen nicht direkt vor der Pleite steht), während der innere Wert einer Aktie schwer abzuschätzen ist. Wenn ich also eine fünfjährige Abengoa-Anleihe zu 20% kaufe und davon ausgehe, dass das Unternehmen die nächsten fünf Jahre überlebt, dann habe ich nach fünf Jahren meinen Einsatz verfünffacht. Andererseits zeigt der Anleihenkurs, dass die meisten Leute nicht davon ausgehen, dass Abengoa die nächsten fünf Jahre überlebt.
      "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer
      Anleihen zu unterschätzen (wieder besseren wissens) war mein Top3 Fehler meiner Investment-Karriere bisher. 2008 habe ich viel zu wenige Hybride und Anleihen gemacht. Obwohl ich die verstanden hatte...

      Anleihen tendieren schneller wieder auf 100 wenn die zahlungsfähigkeit doch da ist.

      bspw. immofinanz: die Anleihen notierten bei 10% in 2008. die gingen dann schnell wieder auf 100% in wenigen wochen, während sich die Aktien auch erholten - aber eben nicht
      so stark. 10x in wenigen Monaten ist eine "once in a lifetime Sache"


      meine rationale damals war das Aktien langfristig mehr Potential hatten. das war vielleicht auch so - aber schlecht investiert da dir Anleihen sehr zügig (und das war das relevante) wieder hoch gingen. Da hätte man immer noch Aktien danach machen können.
      Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klaman

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Matze“ ()

      jerobeam schrieb:

      Ich pack es mal hier rein, könnte auch unter "schöne Anleihe" oder "Sondersituationen" laufen.
      Die Prokon-Insolvenzquoten-Tilgungsanleihe DE000A2AASM1.

      Hat viel interessantes zu bieten:
      * Verbrannter Name, werden viele nicht anfassen wollen. Viele kleinstanleger (Alt-Prokon-Anleger) stecken drin, wollen evtl. raus und den Verlust realisieren
      * Anleihe ist mit den Windparks und den entsprechenden Cashflows besichert
      * Es wird jährlich getilgt, Nennwert reduziert sich Jahr für Jahr. Ist eher unüblich, daher interessant weil auch die meisten "Tools" mit der Renditeberechnung nicht klarkommen.
      * Gläubiger die nicht in die Anleihe tauschen wollen werden aus einem "gezwungenem irrationalen Verkauf" befriedigt. Hier besteht wohl noch ein Überhang von 90 Mio EUR der im Extremfall einfach in den Markt gedrückt wird (Emissionserlös egal, trifft ja nur die Gläubiger), bis Juni.

      Prospekt und Nachtrag:
      prokon.net/?page_id=3513

      Thread bei Bondboard
      bondboard.de/forum/showthread.…-Regenerative-Energien-eG


      Die Plazierung der 90m "Resterampe" ist jetzt vorzeitig gelaufen.
      dgap.de/dgap/News/adhoc/prokon…nsanleihe/?newsID=1010053
      Glückwunsch an die "institutionellen Investoren", die sich hier >12% Rendite auf dem Rücken der Insolvenzgläubiger gesichert haben.

      Die PROKON Regenerative Energien eG hat heute rund EUR 89,9 Mio. Schuldverschreibungen im Rahmen einer Privatplatzierung an institutionelle Investoren platziert. Bei diesen Schuldverschreibungen handelt es sich um den Teil der EUR 500.000.000 3,50% Anleihe 2016/2030, die nicht von erwerbsberechtigten ehemaligen Genussrechtsgläubigern erworben wurden, und die gemäß Insolvenzplan von PROKON zu veräußern waren. Die Schuldverschreibungen wurden zu einem Preis von 65 % des Nennbetrags platziert. Der Erlös abzüglich Verwertungskosten wird an die ehemaligen Genussrechtsgläubiger, die ihr Erwerbsrecht nicht ausgeübt hatten, ausgezahlt. PROKON fließt kein Erlös zu. Nach Abschluss der Transaktion wird PROKON rund EUR 30 Mio. Schuldverschreibungen der voll valutierten Anleihe halten.


      Jetzt bin ich mal gespannt wie der Kurs reagiert. Im Vorfeld der Plazierung kam ja einiges an Druck auf (was ich genutzt habe um Bestände aufzubauen). Sorgt die Nachricht nun für Entspannung, oder wird jeder kleine "Zeichnungsgewinn" der Investoren gnadenlos abverkauft?
      Interessant wäre auch zu erfahren, wer hier günstig zugegriffen hat.
      reuters.com/article/us-russia-…ons-plummet-idUSKCN1HD2BS

      A General License document published by the U.S. Treasury alongside the new sanctions list said investors had until May 7 to “to divest or transfer debt, equity, or other holdings” in EN+, Rusal and Russian vehicle maker GAZ.


      Ich würde EN+ und Rusal aber aus grundsätzlichen Erwägungen (Deripaska und Schulden) nicht anfassen.

      Side note: die Prokon-Anleihe (s.o.) ist mittlerweile auf ~85% hoch.