Levermann - die Schönwetterstrategie ?

      Levermann - die Schönwetterstrategie ?

      Eigentlich wollte ich ja den Titel Levermann - der Listomat des kleinen Mannes verwenden :D .

      Zunächst die Fakten zu Levermann: Die Aktienauswahl erfolgt über 13 mechanische Kriterien nach dem Buch von Susan Levermann "Der entspannte Weg zum Reichtum". Es gibt zwei gute Datenanbieter (aktienassistent.de und aktien.guide/levermann-strategie) und zwei Webseiten mit Gratislisten (levermann24.com und aktien-reich.de/bewertungsmethoden/levermann-strategie). Man solte die Daten aber vor allfälligem Kauf kontrollieren (ich habe einige Fehler gefunden). Und es gibt eine Seite mit einem Selbstversuch zur Strategie von Petra Wolff (petrawolff.blog).

      Nun zunächst meine Meinung (die Trump-Fakten ^^ ).

      Mechanische Kriterien sind gut. Während der Listomat aber eher für Langfristanleger gedacht war, könnte die Levermannmethode eher für Trader im Bullenmarkt interessant sein. Für ein Update beim Listomat reichten die Kurse und alle paar Jahre die Fundamentaldaten, für Levermann ist zumindest ein wöchentliches Update nötig. Für mich ist im wesentlichen der Unterschied die Auswahl basierend auf Fakten vs. der Auswahl basierend auf Schätzungen.

      Nur kurz vorweg - bevor die Verbesserungsvorschläge auf mich hereinprasseln. Es ist mir nicht gelungen Kriterien zu finden die in einem rein mechanischen Backtest (bisher habe ich aber nur die zweiwöchentlichen Daten von etwa einem Jahr geklaut :) ) zu Gewinnen führen.

      p.s. eine weitere "Levermann-Seite" mit "Gratislisten" aktien-rezept.de/

      "If it sounds too good to be true, it probably is."

      "Theoretisch gibt es keinen Unterschied zwischen der Theorie und der Praxis. Praktisch stimmt das aber nicht."

      "Erfahrung ist das was man bekommt, wenn man nicht bekommt was man möchte."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „looser“ ()

      memyselfandi007 schrieb:


      Meines Erachtens ist eine mechanische Methode ohne entsprechende (out of sample) Backtests kompletter Mumpitz.

      Als Mechaniker findet man mechanische Kriterien natürlich gut. Ein Regelwerk erstellen an das man sich hält hilft immer. Ob die Regeln gut waren zeigt ein Backtest. Und: Nach meinem Verständnis ist jeder Backtest der in einem Zeitraum nach Festlegung der Regeln (e.g. durch Druck eines Buches) erfolgt ein "out of sample" Backtest. Mein out of sample Zeitraum beträgt daher ein Jahr.
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      @MMI: Hast du nicht. Ich habe dich falsch verstanden. Ich dachte du meinst mein Test wäre kein out of sample Test.

      Zur Levermannstrategie. Man darf nicht vergessen, daß ich nur für ein Jahr und auch da nur für ca. 500 Aktien die historischen Daten habe. Da mich Prognosen nie interessiert haben, habe ich Analystenmeinungen, Gewinnschätzungen, Reaktionen auf Quartalsberichte u.ä. nie angesehen und daher auch nie gespeichert. Es ist daher gut möglich, daß das eine Jahr welches ich überprüfen konnte ungünstig liegt und es von 2010 bis 2017 wunderbar funktioniert hat.

      Was mich interessiert ist, ob jemand das System schon rein mechanisch getestet hat oder ob die Listen nur zur Vorauswahl geeignet sind. Balkenchart hat schon 2008 mit der Buchvorstellung von "The little book that makes you rich" von Louis Nevellier, John Wiley & Sons, 2007, eine (fast) mechanische growth-Strategie die man als Vorläufer von Levermann sehen könnte vorgestellt.
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      Ich probiere die Levermannstrategie seit 8 Monaten in einem Musterdepot aus, aus Bequemlichkeit handele ich viel seltener als ich wohl müsste, mit 12 Prozent Rendite. Aber in der Zeit lief halt eh fast alles super. Das Levermann-Wikifolio lief auch sehr gut, wobei das in so marktenge Werte investier, dass es den Markt selbst verändert.

      memyselfandi007 schrieb:

      Methodisch ist m.E. eine mechanische Strategie mit 13 Faktoren ziemlicher Unfug. Eine Faktoren sind auch doppelt gemoppelt. Statt P/E und Eigenkapitalquote sollte man lieber EV/EBIT als Kriterium nehmen.


      Warum soll das Unfug sein?

      Durch das Betrachten von immer den gleichen Kennzahlen wird doch eine Auswahl an Aktien erst repräsentativ/objektiv bezogen auf den Gesamtmarkt.
      Subjektive Betrachtungen verfälschen das Ergebnis und Menschen machen eben Fehler.

      Beispiel:
      Wenn ich nur nach KUV investieren würde, dann hätte ich die billigsten Aktien mit drin, die mehrere Hundert Prozent zulegen werden aber eben auch ab und zu mal einen Insolvenzfall.
      Kaufe ich nur 10 Aktien nach KUV, dann kann ich damit ganz schön Pech haben. Wähle ich eher so um die 30 Aktien, dann wird das Ergebnis im Durchschnitt aufgehen.

      Einige Kennzahlen bei der Levermann-Strategie werden mehrfach verwendet und das führt einfach nur zu einer höheren Gewichtung.
      Sie schrieb in ihrem Buch, dass man sich seine eigene Checkliste erstellen soll. Das kann man dann auch mit EV/EBIT machen.

      Das Buch will uns m.E. nur sagen, dass quantitative Valuestrategien Emotionen erfolgreich ausschalten können, wenn man sich an seine Regeln hält...
      3.) Gib nie mehr für einen Erwerb aus, als absolut nötig
      16.) Geschäft ist Geschäft (... bis sich ein besseres anbietet)
      218.) Kauf nie ohne zu wissen, was Du kaufst
      Unfug in Fachsprache übersetzt heisst "Overfitting". ich vermute mal dass die "Levermann Strategie", sofern sie denn Überrenditen erzielt hat, sich im Wesentlichen auf die Faktoren "Smallcap" und "Momentum" reduzieren lässt.

      ich habe auch nix gegen Checklisten, aber ich behaupte dass sich eine starre, an historischen Kennzahlen orientierte Strategie auch nicht dazu eignet Überrenditen einfzufahren, insbesondere nicht nach Steuern.
      valueandopportunity.com/

      Man kann MMI als antizyklisches Omen werten.
      Da bin ich ja so richtig antizyklisch zu MMI :) . Ich bin der Meinung es handelt sich um Underfitting, weil sich die Levermann-Strategie zu wenig an historischen Kennzahlen orientiert. Aber ich vermute halt nur ungern und bin eher an Fakten interessiert.
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      Ich habe die Levermann-Strategie mit einem kleineren Teil des Portfolios über mehr als ein Jahr ausprobiert, mit sehr erfreulichem Erfolg, über 30% CAGR. Die Strategie war in dieser Zeit überwiegend investiert in deutsche small Caps, oft Microcaps.

      MMI hat aus meiner Sicht recht, wenn er sagt, dass die Strategie sich überwiegend aus den Faktoren "small cap"+"momentum" zusammensetzt, vielleicht mit ein bisschen fundamentalem Zucker oben drauf. Was noch dazu kommt, ist ein Mini-Finanzblasen-Effekt:
      das größte Wikifolio ist ein Levermann-Portfolio und hat 25Mio investiertes Volumen. Das hat dazu geführt, dass Lang&Schwarz, die die Wikifolio-Zertifikate emittieren, bereits der Meldepflicht auf Grund des Wikifolios unterlag, weil sie bei kleinen Unternehmen die Meldegrenzen überschritten hatte. Und wenn man bedenkt, dass die Wikifolios sehr oft geclont werden und sehr viele die Aktienlisten verfolgen, ist da noch sehr viel mehr Geld dahinter. Da kann die Levermann-Strategie durchaus das Momentum nochmal deutlich hochpushen.

      Was ich gut finde, dass die Strategie Aktieninvestments für Leute öffnet, die nie selbst Kennzahlen analysieren würden. Das hält sie von irrationalen Entscheidungen ab und von windigen Beratern und Finanzprodukten fern. Ist doch schon was.
      @kannitverstan.

      Schöner Name :) . Ich finde die Strategie aus denselben Gründen wie du überlegenswert. Ich mag mechanische Strategien die von Beratern fernhalten :D . Da ich aber keine Datenbank mit historischen Analystenschätzungen und Prognosen habe, habe ich die Bewertungen aus den verfügbaren Quellen (bei Aktienreich gehen die daten bis zum 22.01.2017 zurück) genommen. Bei den anderen Quellen werde ich noch eine Weile sammeln müssen, bis ein Test erfolgen kann. Die Frage die mich beschäftigt ist die, ob stures befolgen von Kauf/Verkaufsignalen nach Levermann zu einem Erfolg führen kann. Einzig bei Smallcaps wäre das Ergebnis etwas besser gewesen - aber 2 Trades in einem Jahr ist für eine endgültige Aussage zu wenig. Wenn man L- und M-Caps dazunimmt um etwas mehr Daten zu haben, sieht das Ergebnis nicht gut aus. Deshalb auch meine Frage ob jemand die Signale stur befolgt und wenn ja in welchen Märkten. Bei den Wikifolios habe ich jedenfalls nicht den Eindruck als wären nur die Levermannpunkte für den Handel maßgeblich gewesen. Mein Eindruck ist da eher ein wildes drauflostraden unter dem Titel Levermann.
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      Nach wie vor interessiert mich das "Levermann-Geheimnis". Da mein Backtest keine positiven Renditen für die Zukunft erwarten läßt, habe ich mich gefragt woran es liegen könnte. Eine Möglichkeit neben vielen anderen wäre, daß die Unterteilung in Small/Mid/Large von vor 10 Jahren keinen Sinn mehr macht. Die Grenzen sind inzwischen schon deutlich verschoben. Wie halten es die "Levermann-Tester"? Generell alle Aktien im Hauptindex eines Landes als Large zu sehen ist mir zu unsystematisch.
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