• Hallo cktest,


    ich finde es schoen, das mal nicht nur Beobachter den Teufel an die Wand malt.

    Aus Deiner Quelle geht hervor, dass die USA im Falle einer Überschuldung ihre Auslandsschulden nicht mehr bedienen dürfen.
    Falls das passiert, wird massiv Kapital aus den USA abgezogen. Um optimal profitieren zu können, müsste man nun wissen, wohin (in welchen Währungsraum) das Kapital fliessen wird.
    Der USD wird natürlich gegenüber allen Währungen fallen, am stärksten wird aber die Währung gegenüber dem Dollar steigen, nach der die grösste Nachfrage besteht. Der Euro ist da sicher keine schlechte Wette.

    Von der technischen Seite her gesehen:
    Der EUR/USD-Kurs hat vor einigen Tagen ein symetrisches Dreieck nach oben verlassen, was man als sehr "bullig" werten kann.

    Von der Technik zu den Medien:
    Es steht jetzt in der FTD, was viele schon wussten. Aber es steht nicht auf der Titelseite, und in amerikanischen Medien ist momentan keine oder wenig Kritik an der Staatsverschuldung zu spüren.
    Sobald sich das aber ändert, wird der Dollar gegenüber anderen Währungen fallen wie ein Stein.

    Generell sollte man dabei aber auch beachten, das es natürlich keine Lösung sein kann, sein Kapital in europäische Aktien umzuschichten. Alle exportorientierten Werte leiden schon jetzt unter dem starken Euro.

    Ich habe vor 3 Wochen einen EUR/USD Call gekauft und werde nochmals nachlegen (bis der Arzt kommt).

    Wegen der Goldspekularion wird sich Beobachter sicher hier melden. :)

    MfG Schwarzgeld

    Einmal editiert, zuletzt von schwarzgeld (7. Mai 2002 um 00:16)

  • Hallo schwarzgeld und cktest,

    ich habe hier auch einen interessanten Artikel. Leider kann ich diesen nicht als Link reinstellen, weil er mir nur in Mailform vorliegt, deswegen sorry, aber der Artikel hat viel wahres:

    Kredit- und Zinssystem reformieren
    Liebe Berliner/Brandenburger,
    während meiner 110tägigen Kanzlerwanderung (S.O.S. Deutschland - Politiker ändern oder geändert werden) habe ich jeden Tag mehrmals in Firman Halt gemacht, um mich mit den Unternehmern zu unterhalten. Nicht immer war wegen Zeitmangel sofortige Bereitschaft vorhanden - Auf meinen Einführungssatz: "Ich möchte mich mit Ihnen über den desolaten Zustand des Mittelstands unterhalten" erhielt ich etwa 4 x die Antwort: "Ich habe keine Probleme, mir geht es nicht schlecht!" Meine entwaffnende Antwort darauf, dem immer eine Einladung zu einer Tasse Kaffee folgte: "Das macht nichts, ich kann warten!" All den Politikern, die noch immer das Vertrauene ihrer Wähler mißbrauchen, wiederhole ich diesen Satz, unter Hinweis auf die Entwicklung in unserem Land, allein der letzten Monate: Ketzin ist pleite, Potsdam ist pleite, die Kommunen sind pleite, die BRD ist pleite, Argentinien ist pleite, Japan ist pleite, die USA sind pleite, England ist pleite, Jugoslawien ist pleite, Afghanistan ist pleite, Pakistan ist pleite, Israel ist pleite ............. Sehen Sie hierzu die Weltnetz-AUsgabe der Märkischen Allgemeine Zeitung: Hier klicken: MaerkischeAllgemeine.de - Brandenburgs beste Seiten - MAZ exklusiv
    Liebe Politiker der unteren Bereiche (Kommunal- Landespolitiker und Bundestagsabgeordnete): "Ich kann warten, bis Ihre Zeit der Lügen und Wahrheitsunterdrückung (ja eigentlich Volksverarschung) endlich abgelaufen ist!" Dies wird noch in diesem Jahr sein. Lesen Sie aber unbedingt vorher das Buch von Gerhart Hauptmann: DIE WEBER und überlegen Sie sich gute Antworten auf viele Fragen, die wir Bürger Ihnen stellen werden. Ich, Klaus Weichhaus, auf jeden Fall. Die Wut in den Bäuchen der Menschen in all diesen Ländern ist riesengroß und kurz vor einer Explosion. An Ihrer Stelle würde ich mir Gedanken machen, Sie Dienerin und Sie Diener des Volkes. Vor dem bald folgenden Aufschrei von Millionen gedemütigter und belogener Menschen werden Sie auch nicht die zusätzlich einzustellenden Sicherheitskräfte schützen. Denn die reichen gerade für die sogenannten Toppolitiker, Topmanager, Topjournalisten, Ihre Familien und Ihre Handlanger. Wir werden aus dieser Talfahrt erst dann wieder herauskommen, wenn das Kredit- und Zinssystem reformiert wird. Tatsächlich gehen die Unternehmen und die Länder an der gnadenlosen Zinsspirale (Zinsfalle) pleite. Die Zinsen können einfach nicht mehr aufgebracht werden. Die Lösung: Sämtliche Geldvermögen und Schulden gelöscht (Währungsreform) und eine staatliche, zinsfreie Geldschöpfung eingeführt. Denn tatsächlich muß der Staat - der ja eigentlich über die Geld- und Finanzhoheit verfügt - Zinsen für sein eigenes Geld bezahlen. Der einfache Grund: Diese Banken gehören einigen wenigen Privatpersonen. Meyer Amschel Rothschild (1743 - 1812), Mitglied der mächtigsten, jüdischen Bankiersfamilie, prägte diesen bedeutungsvollen Satz: "Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht." Die Folge: Die Rothschilds haben England den Bau des Suezkanals finanzieren und dem Staat Israel das Gebäude für den Bundesgerichtshof schenken können. Dies nur eines von vielen Beispielen.
    Wenn Geld die Welt regiert - wer regiert eigentlich das Geld?
    Gruß Klaus Weichhaus, Journalist Der Kanzlerwanderer


    DAQel

    "Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ist Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk."

  • Gehen wir mal von einem Sturz des Dollars aus.

    Was entwickelt sich dann besser zum USD? EUR oder SFR?

    Ich habe Zahlen von 1999, aus denen hervorgeht, das zu diesem Zeitpunkt 170% der SFR mit Goldreserven gedeckt waren.

    MfG Schwarzgeld

  • @ schwarzgeld

    Ich habe zwar auch keine aktuellen Zahlen, aber rein von der Geschichte und Vergangenheit, sowie den Zahlen, die ich kenne - würde ich auf den Schweizer Franken tippen. Euroland ist einfach zuviel und zu sehr verschuldet. Sollte jemals Amerika geldmäßig zusammenbrechen (und damit meine ich nicht nur ein paar Prozent Währungsdifferenzen, sondern richtig zusammenbrechen...), wird es Euroland einen Tag später tun, gefolgt von Japan. Die Frage, die man vielleicht noch provokativ stellen könnte - wie sehe es dann mit China aus?

    Schöne Grüße,
    DAQel

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    2 Mal editiert, zuletzt von Beobachter (17. März 2009 um 02:32)

  • Hallo Beobachter,

    das war eine sehr ausführliche und sehr konkrete Meinung zu dem Thema. Mich würde mal interessieren, wie Du zu meiner etwas provokanten Frage zum Thema China stehst.

    Es sieht so aus, daß Amiland wirklich momentan die Zügel nach dem Fall der UDSSR in der Hand hat, sowohl politisch, wie auch währungskonform.

    Was wäre, wenn wirklich die gesamte westliche Welt an der Geldpolitik pleite gehen würde, und China als einziges momentan noch vorhandene Bollwerk gegen die Politik und Währung übrigbleibt?

    Hat zwar nur indirekt mit dem Thema zu tun, aber diese stellt sich mir in diesem Zusammenhang.

    Zu dem eigentlichen Thema hier ein kurzer Abschnitt, und danach der Link dazu:

    Auf dem Weg in einen neuen Staatsbankrott?
    Oder sind wir gar schon mitten auf dem Weg dorthin? Die USA z. B., die Ende 95/Anfang 96 zeitweise nicht einmal in der Lage waren, ihre Staatsbediensteten zu bezahlen, und sie deshalb mehrmals vorübergehend in unbezahlten Zwangsurlaub schickten? War das schon der Anfang eines Staatsbankrotts? Oder bei uns die sich verschärfenden Auseinandersetzungen um die Sparpakete der öffentlichen Haushalte - auf Bundesebene, bei den Ländern und den Gemeinden, um die Gefährdung der Renten, um die Demontage des Sozialstaats? Sind das alles Vorboten eines neuerlichen Staatsbankrotts? Und wenn ja: Wie könnte er diesmal abgewickelt werden? Und mit welchen Folgen? Wir wollen diesen Fragen etwas systematischer nachgehen, und das erfordert zunächst einige etwas trockene Modellüberlegungen. Aber sie werden uns helfen, die wesentlichen Zusammenhänge besser zu verstehen und den Nebel zu durchdringen, der normalerweise über sie gelegt ist.

    Der Link, in dem diese Thematik ausführlich erläutert wird: http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/bankrott.html

    Ich hoffe mal, daß dieser noch nicht vorher in dem ersten Geldthread besprochen wurde...


    Schöne Grüße,
    DAQel

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    Einmal editiert, zuletzt von Beobachter (17. März 2009 um 02:33)

  • Hi Beobachter,

    da habe ich auch noch etwas interessantes für Dich:

    Wie Zinsen funktionieren


    Das elfte Lederstück
    Wucher


    Das letzte offensichtliche Merkmal aller offiziellen nationalen Währungen sind die Zinsen. Wieder glauben wir, daß Zinsen irgendwie naturgemäß dazugehören, und vergessen dabei, daß dies die meiste Zeit in der Geschichte ganz und gar nicht der Fall war; denn wie schon gesagt wurde, haben alle drei »Offenbarungsreligionen« den »Wucher« nachdrücklich verdammt, und Wucher bedeutete jede Form, Zinsen auf Geld einzustreichen. Nur islamische Religionslehrer halten bis heute an diesem Grundsatz fest. Bisweilen gerät in Vergessenheit, daß die katholische Kirche beispielsweise bis ins 19.Jahrhundert an vorderster Front gegen die »Sünde des Wuchers« kämpfte.
    Die folgende Geschichte aus Australien veranschaulicht, wie Zinsen in den Stoff unseres Geldes hineinverwoben sind und wie sie den Wettbewerb zwischen den Menschen stimulieren, die mit einer Zinsen enthaltenden Währung umgehen.


    Das elfte Lederstück
    Es war einmal ein kleines Dorf im australischen Busch. Dort bezahlten die Menschen alles mit Naturalien. An jedem Markttag spazierten sie mit Hühnern, Eiern, Schinkenkeulen und Broten herum und verhandelten lange miteinander über den Tausch der Güter, die sie brauchten.

    In wichtigen Zeiten im Jahr, etwa zur Ernte oder wenn jemand nach einem Unwetter seinen Stall reparieren mußte, erinnerten sich die Menschen wieder an die Tradition, einander zu helfen, die sie aus der alten Heimat mitgebracht hatten. Jeder wußte, wenn er einmal in Schwierigkeiten geraten sollte, würden die anderen ihm helfen.

    An einem Markttag tauchte ein Fremder auf. Er trug glänzende schwarze Schuhe und einen eleganten weißen Hut und beobachtete das Treiben mit einem sardonischen Lächeln. Beim Anblick eines Farmers, der verzweifelt versuchte, die sechs Hühner einzufangen, die er gegen einen großen Schinken eintauschen sollte, konnte er sich das Lachen nicht verkneifen. »Die armen Leute«, stieß er hervor, »wie primitiv sie leben.«

    Die Frau des Farmers hörte seine Worte und sprach ihn an. »Meinen Sie, Sie kämen mit den Hühnern besser zurecht?« fragte sie ihn. Mit den Hühnern nicht«, erwiderte der Fremde, »aber es gibt einen viel besseren Weg, sich den ganzen Ärger zu ersparen.« »Ach ja, und wie soll das gehen?« »Sehen Sie den Baum dort?« sagte der Fremde. »Ich gehe jetzt dorthin und warte, bis einer von euch mir eine große Kuhhaut bringt. Dann soll jede Familie zu mir kommen. Ich werde euch den besseren Weg erklären.«

    Und so geschah es. Er nahm die Kuhhaut, schnitt gleichmäßige runde Stücke davon ab und drückte auf jedes Stück einen kunstvoll gearbeiteten, hübschen kleinen Stempel. Dann gab er jeder Familie ein rundes Stück und erklärte, daß es den Wert von einem Huhn habe. »Jetzt könnt ihr mit den Lederstücken Handel treiben anstatt mit den widerspenstigen Hühnern.«

    Das leuchtete den Farmern ein. Alle waren sehr beeindruckt von dem Mann mit den glänzenden Schuhen und dem interessanten Hut. »Ach, übrigens«, meinte er noch, nachdem jede Familie ihre zehn runden Lederstücke entgegengenommen hatte, »in einem Jahr komme ich zurück und sitze wieder unter diesem Baum. Ich möchte, daß jeder von euch mir elf Stücke zurückgibt. Das elfte Stück ist ein Unterpfand der Wertschätzung für die technische Neuerung, die ich in eurem Leben eingeführt habe.«

    »Aber wo soll das elfte Stück denn herkommen?« fragte der Farmer mit den sechs Hühnern. »Das werdet ihr schon sehen«, erwiderte der Mann und lächelte beruhigend.

    Angenommen, die Bevölkerungszahl und die Produktion bleiben im folgenden Jahr genau gleich, was, glauben Sie, wird geschehen? Bedenken Sie, daß das elfte Lederstück gar nicht abgeschnitten wurde. Darum, so lautet die Schlußfolgerung, muß jede elfte Familie ihre gesamten Lederstücke verlieren, auch wenn alle gut wirtschaften, den nur so können die übrigen zehn ihr elftes Stück bekommen.

    Als das nächste Mal ein Unwetter die Ernte einer Familie bedrohte, waren die Menschen nicht so schnell bei der Hand mit dem Angebot, beim Einbringen der Ernte zu helfen. Zwar war es wirklich sehr viel bequemer, an Markttagen nur die Lederstücke auszutauschen und nicht die Hühner, aber die neue Sitte hatte die unbeabsichtigte Nebenwirkung, daß sie die traditionelle spontane Hilfsbereitschaft im Dorf hemmte. Statt dessen entwickelte das neue Geld einen systembedingten Sog zum Wettbewerb zwischen allen Beteiligten.


    Genauso bringt das heutige Währungssystem alle am Wirtschaftsleben Beteiligten in eine Konkurrenzsituation zueinander. Die Geschichte von den australischen Bauern isoliert die Rolle des Zinses des elften Lederstücks im Rahmen des Prozesses der Geldschöpfung und seine Auswirkungen auf die Beteiligten.


    Wenn die Bank Geld schöpft, indem sie Ihnen einen Hypothekenkredit über 100 000 Euro zur Verfügung stellt, schafft sie mit dem Kredit nur das Ausgangskapital. Sie erwartet nämlich, daß Sie ihr im Laufe der nächsten, sagen wir einmal, 20 Jahre 200 000 Euro zurückbringen. Wenn Sie das nicht können, sind Sie Ihr Haus los. Ihre Bank schafft nicht die Zinsen, sondern sie schickt Sie hinaus in die Welt in den Kampf gegen alle anderen, damit Sie am Schluß die zweiten 100 000 Euro mitbringen. Weil alle anderen Banken genau das gleiche tun, verlangt das System, daß einige der Beteiligten bankrott gehen, denn anders kommen Sie nicht zu den zweiten 100 000 Euro.

    Um es auf eine einfache Formel zu bringen: Wenn Sie der Bank Zinsen auf Ihr Darlehen zahlen, brauchen Sie das Ausgangskapital von jemand anderem auf.

    Mit anderen Worten: Der Mechanismus, mit dem die für die Giralgeldschöpfung unverzichtbare Knappheit erzeugt wird, bedingt, daß die Menschen miteinander um das Geld konkurrieren, das noch nicht geschaffen wurde, und bestraft sie im Falle des Mißerfolgs mit dem Bankrott.

    Wir verfolgen die Zinspolitik der Zentralbanken mit Interesse, und das ist einer der Gründe dafür. Wenn die Zinsen angehoben werden, verursacht das zusätzliche Kosten, und dies wiederum führt unweigerlich zu einem Anstieg der Konkurse in der nächsten Zukunft. Damit kehren wir zu den Zeiten zurück, als die Hohepriester entschieden, ob die Götter mit dem Opfer von nur einer Ziege zufrieden wären oder ob sie statt dessen den erstgeborenen Sohn verlangen würden. Weiter unten auf dem Totem-pfahl, wenn Ihre Bank Ihre Kreditwürdigkeit überprüft, checkt sie in Wirklichkeit, ob Sie in der Lage sind, mit den anderen Spielern zu konkurrieren und gegen sie zu gewinnen, d.h. etwas aus ihnen herauszupressen, was gar nie geschaffen wurde.

    Zusammenfassend halten wir fest, daß das moderne Währungssystem uns dazu zwingt, uns kollektiv zu verschulden und mit anderen in der Gemeinschaft zu konkurrieren, damit wir die Mittel erhalten, die Austausch zwischen uns ermöglichen. Kein Wunder, daß die Welt hart ist und daß Darwins Erkenntnis vom »Überleben des Stärksten« im England des 18.Jahrhunderts bereitwillig als offensichtliche Wahrheit akzeptiert wurde, genau wie bis heute alle Gesellschaften fraglos die Prämissen ihres Währungssystems akzeptiert haben und wir es heute tun. Glücklicherweise haben wir heute reichlich Belege, die für eine weniger strenge Definition der »natürlichen Welt« sprechen.

    Wucher
    Die Religionen und der Wucher
    Explizit war im Judentum der Wucher nur zwischen Juden verboten. "Du darfst von deinem Bruder keine Zinsen nehmen: weder Zinsen für Geld noch Zinsen für Getreide noch Zinsen für sonst etwas, wofür man Zinsen nimmt" (Deuteronomium 23,20). Dies ermöglichte den Juden, gegen Zinsen Geld an Nichtjuden zu verleihen.

    Im Mittelalter war dies einer der Gründe für die Unbeliebtheit der Juden. Der Islam verdammt den Wucher umfassender: "Und was ihr auf Wucher ausleiht, um es zu vermehren mit dem Gut der Menschen, das soll sich nicht vermehren bei Allah" (Koran, 30. Sure 38).

    Da sich die Entwicklung der modernen Welt größtenteils unter christlichem Einfluß vollzog, ist für den Zusammenhang unseres Themas der mehrfache Richtungswechsel der christlichen Religion im Laufe der Zeit von besonderem Interesse. Die geschichtliche Bedeutung des Wuchers in den Lehren der christlichen Kirche können wir nur damit vergleichen, welche Bedeutung heute sexuelle Verirrungen und Abtreibung für sie haben.

    Das Verbot des Wuchers war unbestreitbar eines der besonders beständigen Dogmen der Kirche. Ein früher Kirchenvater, Clemens von Alexandria, führte aus: "Die Gesetze verbieten einem Bruder, Wucher anzunehmen, und ein Bruder ist nicht nur der, der von denselben Eltern geboren ist, sondern auch einer von derselben Abstammung und Denkungsart...Glaubt nicht, dieses Gebot sei von Menschenliebe bestimmt."

    Die Liste der Konzile, auf denen der Wucher als eine besonders schlimme Sünde verdammt wurde, ist eindrucksvoll: die Konzile von Elvira (305-306), Arles (314), Nizäa (325), Karthago (348), Taragona (516), Aachen (789), Paris (829), Tours (1153), das Laterankonzil (1179), die Konzile von Lyon (1274) und von Wien (1311).

    Das letztgenannte Konzil urteilte noch radikaler als die früheren: Jeder Herrscher, der nicht alle Wucherer in seinem Herrschaftsbereich aburteilte, sollte exkommuniziert werden (auch wenn der Herrscher selbst sich nichts hatte zuschulden kommen lassen!). Da die Zinszahlungen oft mit verschiedenen Vorwänden kaschiert wurden, mußten die Geldverleiher den kirchlichen Autoritäten ihre Bücher zeigen. Das fünfte Laterankonzil (1512 bis 1517) bekräftigte noch einmal die Definition von Wucher als "jegliche Zinszahlung auf Geld".

    Im Jahr 1545 legalisierte Heinrich VIII. nach seinem Bruch mit dem Papst erstmals in der abendländischen Welt die Zinszahlung. Innerhalb der katholischen Kirche wurde die Lehre zum ersten Mal 1822 in Frage gestellt. Eine Frau aus dem französischen Lyon hatte Zinsen für Geld genommen, und ihr sollte so lange die Absolution verweigert werden, bis sie den unrechtmäßigen Gewinn wieder zurückgezahlt haben würde. Bischof Rhedon suchte um Klarstellung in Rom nach und erhielt folgenden Bescheid: "Laß die Bittstellerin wissen, daß ihre Anfrage zur gegebenen Zeit beantwortet werden wird...; unterdessen mag sie das Sakrament der Absolution empfangen, wenn sie uneingeschränkt bereit ist, sich den Lehren des Heiligen Stuhls zu unterwerfen."

    Eine baldige Entscheidung wurde noch einmal 1830 in Aussicht gestellt und von der Propaganda-Kongregation erneut 1873. Doch die versprochene Klarstellung kam nie. Die Sünde des Wuchers wurde nie offiziell gestrichen, sondern geriet einfach in Vergessenheit. Das kanonische Gesetz aus dem Jahr 1917 (Kanon 1523), das bis heute gilt, verlangt von Bischöfen zu investieren: "Die Pflichten der kirchlichen Vermögensverwalter ergeben sich aus dem allgemeinen Grundsatz, daß sie ihr Amt mit der Sorgfalt eines guten Hausvaters verwalten müssen... Sie haben die Pflicht..., überflüssige Gelder soweit als möglich zum Nutzen der Kirche fruchtbringend anzulegen." Kein Wort über Zinsen.

    Später jedoch wird Wucher definiert als die Berechnung überhöhter Zinsen. Es muß ein Zufall sein, daß die Sünde des Wuchers genau zu dem Zeitpunkt "in Vergessenheit" geriet, als die Kirche selbst Kapitaleignerin geworden war (d.h. eine Quelle von Geld) und nicht mehr wie traditionell in der Geschichte nur Landbesitzerin (d.h. Nutzerin von Geld) war. Estelle und Mario Carota, zwei mexikanische Katholiken, richteten in der Hoffnung, sie könnten die lateinamerikanischen Länder in der Schuldenkrise der 80er Jahr von ihrer drückenden Last befreien, 1985 ein formelles Ersuchen an den Vatikan, seine Position zum Wucher darzulegen. Sie wurden von keiner geringeren Instanz als de Kongregation für die Glaubenslehre unter der Leitung von Kardinal Ratzinger beschieden, daß die Lehre über den Wucher nie neu formuliert worden sei, daß sich nichts geändert habe.

    Informell wurde ihnen weiter mitgeteilt, daß es unglücklicherweise keinen einzigen Experten zu dieser Frage mehr in Rom gebe, weil sich unterdessen alle auf die Themen Sexualität und Abtreibung spezialisiert hätten. Die beiden Mexikaner suchten weiter nach einem Experten bei den Jesuiten, Augustinern, Dominikanern, Salvatorianern und befragten sogar Professoren der Moraltheologie, die in Seminaren über die Dritte Welt eine Theologie der wirtschaftliche Gerechtigkeit lehrten. Doch sie fanden niemanden, der sich noch an das Verbot des Wuchers erinnerte.


    Schöne Grüße,
    DAQel

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    Einmal editiert, zuletzt von Beobachter (17. März 2009 um 02:33)

  • Hi Beobachter,

    gerne - hier der Link: http://www.futuremoney.de/geld/zinsen_text.html

    Wenn Du das Anhängsel Geld/Zinsen weglässt - also nur http://www.futuremoney.de bekommst Du in der Tat noch weitere interessante Links und Literaturhinweise zu dem Thema.

    Schöne Grüße,
    DAQel

    P.S.: Auch ich glaube - besser und treffender - als die Geschichte mit den Lederstücken kann man das Thema nicht beschreiben.

    "Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ist Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk."

  • Hallo DAQel,

    ich vermute einen kleinen Denkfehler in der zitierten Geschichte: der Autor geht mit blinder Selbstverständlichkeit davon aus, dass es sich bei der Wirtschaft um ein Nullsummen-Spiel handelt, d.h. dass Gewinne eines Teilnehmers zwangsläufig zu Verlusten eines anderen führen müssen. Damit wären Gewinne und Gewinnstreben moralisch äusserst fragwürdig.

    Die Geschichte zeigt Gott-sei-Dank, dass Wirtschaftswachstum in der Regel auf technischen Neuerungen basieren, die allen "Spielern" zur Verfügung stehen, sobald sie erfunden sind. Das gilt vom Ackerbau über das Rad bis zum Computer.

    Um im Bild der Geschichte mit den Lederstücken zu bleiben: was passiert denn, wenn die Bauern ihre Zeit nicht mehr mit Handeln vertrödeln müssen, sondern sich auf die Hühnerzucht konzentrieren können? Die Zahl der Hühner nimmt zu, und plötzlich gibt es nicht mehr genügend Lederstücke für alle Hühner (1 Huhn = 1 Lederstück). Logische Folge: der Hühnerpreis sinkt oder die Geldmenge wird ausgeweitet. Im letzteren Fall können die Zinsen plötzlich problemlos bezahlt werden...

    Gruss, witchdream

  • @ witchdream,

    Dann schreibe ich mal die Hühnergeschichte eigenständig noch etwas um:

    Von den arbeitenden Hühnerzüchtern mußten einige für die Verwaltung und Verwahrung der Lederstücke eingesetzt werden. Da nun weniger Hühnerzüchter vorhanden waren, mußten die anderen Hühnerzüchter mehr Leistung bei der Zucht erbringen. Um dies zu gewährleisten wurden einige Hühnerzüchter Aufseher der anderen. Da sie dies aber nicht alleine erledigen konnten, ernannten sie andere Hühnerzüchter zu Co-Controllern. Diese erkannten, daß die Hühnerzucht nur mit neuen innovativen Ideen und Konzepten weiter vorangetrieben werden konnte. So wurden einige Hühnerzüchter für Marketing und Entwicklung eingesetzt.

    Damit nahm aber wiederum die Zahl der Hühnerzüchter ab. Da nun noch weniger Hühnerzüchter vorhanden waren, gab es logischerweise auch weniger Hühner und ein Huhn kostete auf einmal 2 Lederstücke. Große Familien, die mehrere Münder zu stopfen hatten, benötigten mehr Hühner für die Ernährung als andere. Dies konnten sie aber nicht mehr bezahlen, und so liehen Sie sich von den Verwaltern Lederstücke. Diesem Kreislauf entkamen sie leider nicht mehr.

    Einige der verbliebenen Hühnerzüchter wurden auf einmal gierig. Sie wollten mehr Hühner züchten als andere und mehr davon verkaufen. Also beschlossen auch sie, sich mehr Lederstücke auszuleihen, um zu expandieren. Sie kauften andere Hühnerzüchter auf und bauten größere Farmen und machten mehr Gewinne.

    Am Ende gab es nur noch den Unterschied Lederstücke haben oder nicht. Die verbliebenen Hühnerzüchter, die den Erfolg den anderen mißgönnten - denen sie einst bei Unwetter oder Not geholfen hätten - sowie die Familienväter, die sich Lederstück um Lederstück hart erarbeiten und leihen mußten, bekamen Wut auf die großen Hühnerbesitzer - und irgendwann gab es eine Rebellion.

    Heute züchten wieder alle in gleich großen Gebieten ihre Hühner. Das Huhn sieht heute noch genauso wie früher aus, nur die Menschen sind nicht mehr so nett zueinander...


    Schöne Grüße,
    DAQel
    (P.S.: Verlage bitte bei mir melden ;D )

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    Einmal editiert, zuletzt von Beobachter (17. März 2009 um 02:34)

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    Einmal editiert, zuletzt von Beobachter (17. März 2009 um 02:34)

  • Hallo DAQel,

    interessante Variante! Wenn du im ersten Absatz das Wort "Marketing" durch das Wort "5-Jahres-Plan" ersetzt, und im dritten Absatz "aufkaufen" durch "enteignen", dann bekommst du eine nette Zusammenfassung der osteuropäischen Wirtschaftsgeschichte im letzten Jahrhundert. Nur den letzten Absatz muss man ändern: nach der Rebellion wurden die ehemaligen Farmer nicht wieder zu Hühnerzüchtern, sondern arbeitslos. Ihre Familien erhalten zur Verhinderung einer weiteren Rebellion heute vom Herrn mit dem Hut kostenlose Gutscheine für Chicken-Mac-Nuggets bei McDonalds - dort werden die Hühner verarbeitet...

    Gruss, witchdream

  • Hi Beobachter,

    ich schätze mal, der Stammesgenosse mit dem Zaun hat seine Erfindung zu der idyllischen Zeit gemacht, als der Mensch noch eins war mit der Natur und mit dem Huhn. Deshalb kam er damals auch nicht auf die Idee, seinen Zaun kommerziell zu verwerten, sondern er half am Wochenende seinen Nachbarn beim Zaun-Bauen.

    Heute sähe das anders aus: der gute Mann würde ein Patent auf die Erfindung des Hühnerzauns beantragen und das Zaun-Modell vermarkten. Wenn die Erfindung sich bewährt, müsste er Legionen von Anwälten beschäftigen, die seine Erfindung gegen koreanische Billig-Imitationen verteidigen. Letztlich würde er aber doch verlieren, weil er vergessen hat, einen Warnhinweis gegen Überspringen des Zauns am Zaun anzubringen: eine benachbarte Hühnerzüchterin bricht sich bei ebendieser Tätigkeit den Oberschenkelhals und erlangt Schadenersatz in Millionenhöhe. Seitdem laufen die Hühner wieder frei und tragen ein Schild um den Hals, das davor warnt, über freilaufende Hühner zu stolpern.

    Gruss, witchdream

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    Einmal editiert, zuletzt von Beobachter (17. März 2009 um 02:35)

  • Hallo Beobachter,

    ich habe kein Problem damit, mit dir einer Meinung zu sein, obwohl ich die Diskussionen mit dir schätze. In einem Punkt muss ich aber trotzdem contra geben:

    Die Erfindung des Lederstücks hat m.E. keine neue zwischenmenschliche Entwicklung in Gang gesetzt, sondern nur den bisherigen Materialismus vereinfacht. Lies mal die entsprechende völkerkundliche Literatur, und du wirst überall den Bedarf nach Geld feststellen: die Fischer auf den Trobriand-Inseln benutzen keine Münzen, sondern seltene Muscheln. Die Buschleute - Jäger und Sammler in der Kalahari - verwenden einen Grossteil ihres Kollektiv-Gedächtnisses darauf, sich daran zu erinnern, wer wem welchen Gefallen getan hat und wem wer welchen Gefallen schuldet. Kurz gesagt: es ist nicht so, dass das Geld den Menschen aus dem Paradies vertrieben hat - es erleichtert ihm vielmehr das Leben in der Diaspora.

    Gruss, witchdream