• Aber die Abneigung gegen Finanzthemen steckt aus irgendeinem Grund den ich noch nicht ganz begreife so tief in den Deutschen dass es leichter scheint ihnen nach dem Mund zu reden als sie zum Überdenken ihres Anlageverhaltens aufzufordern.

    Für mich rührt die Abneigung der Deutschen gegenüber Aktienanlagen vor allem daher:

    1. Die hiesigen Branchen/Unternehmen sind zu zyklisch (Auto, Chemie, Maschinenbau, Banken), gepaart mit einem zusätzlichen Hebel durch relativ hohes Fremdkapital, was dann zu enormen Kursschwankungen der betreffenden Aktien führt.

    2. Die Banken und Versicherungen haben überhaupt kein Interesse, dass der Anleger direkt in Aktien investiert. Sie wollen ihre abgeleiteten Produkte wie Zertifikate, OS, Aktienanleihen, LV vertreiben.

    3. Die Anleger werden in schöner Regelmäßigkeit abgezockt, sei es durch überteuerte Börsengänge (Telekom, dritte Tranche), dubiose Steuersparmodelle (Bauherren-, Container-) und andere "Angebote" am grauen Kapitalmarkt.

    "I am not buying anything right now. I am mainly looking out the window." (Jim Rogers, Feb. 2012)

  • Chiru Ich glaube, Deine drei Punkte beschreiben eher Symptome, weniger die eigentlichen Ursachen.

    Deutschland besitzt ein bankbasiertes Finanzsystem, im Gegensatz zum kapitalmarktbasierten System im angelsächsischem Bereich, aber auch in den Niederlanden und Skandinavien. Einhergehend damit ist der im internationalen Vergleich ungewöhnlich niedrige Marktanteil der Privatbanken im Verhältnis zu den öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Banken. Politiker, die die Aufsichtsräte der letzteren beiden Bankentypen besetzen, bestimmen gleichzeitig die finanzrechtlichen Rahmenbedingungen, welche den privaten Aktienbesitz in vielfacher Hinsicht benachteiligen.

    Historisch lässt sich diese Struktur so erklären: Zur Kaiserzeit war die Berliner Börse eine der drei weltweit größten. Die Ausgangslage war also nicht anders als in den angelsächsischen Ländern. Seitdem hat Deutschland 2 Weltkriege verloren, die angelsächsischen haben selbige gewonnen. Zur Finanzierung der Kriege und der Folgekosten wurde die deutsche Bevölkerung mehrfach enteignet (die einen mehr, die anderen weniger). Aktienbesitz war zwischen 1914 und 1949 (im Osten bis 1989) objektiv eine schlechte Idee.

    Nach dem 2. Weltkrieg wurde die westdeutsche Wirtschaft nicht über von deutschen Kapitalgebern bereitgestelltes Risikokapital (es gab ja keins) wieder aufgebaut, sondern über eine vom Staat und den Banken (Adenauer, Abs und zum Teil Erhard) koordinierte Industriepolitik. Aktionäre waren in diesem Zusammenhang nicht nötig; die existierenden Aktiengesellschaften wurden von den Banken kontrolliert. Die Einstellung zu den Aktionären war: Sie sind dumm und frech. Die deutsche Politik war und ist nicht aktionärsfreundlich. Die CDU favorisiert bis zum heutigen Tag dirigistische Industriepolitik (Altmaier, Schäuble), bei SPD und Gewerkschaften (sowie Grüne, Linke etc.) sind es ideologische Gründe.

    Ein weiterer Grund für das bankbasierte Finanzsystem ist die umlagenfinanzierte Rente. Eine bedeutende Kapitalquelle für den Ausbau des Kapitalmarkts fällt damit flach. Man hat es versäumt, rechtzeitig einen Kapitalstock zur Finanzierung der Renten der Babyboomer aufzubauen. Um die Basis an Beitragszahlern nicht zu schmälern, muss die Politik die nachfolgenden Generationen davon abhalten, sich eine kapitalmarktbasierte Altersvorsorge aufzubauen.

    Da die Politik nicht daran interessiert ist, ein kapitalmarktbasiertes Finanzsystem zu etablieren, sind die rechtlichen Regelungen entsprechend ausgestaltet. Deine drei Punkte sind aus meiner Sicht eine Folge dieser Situation:

    • Es sind vornehmlich zyklische und damit unsichere Branchen, bei denen die Risikospitzen in der Kapitalstruktur der Unternehmen den Aktionären überlassen wird. Die Banken sagen hier "nein, danke".
    • Zertifikate, Optionsscheine, Lebensversicherungen, Anleihen sind steuerlich und regulatorisch bevorteilt gegenüber Aktien. Das bietet den Banken ein großes Geschäftsfeld.
    • Die Rechte von Minderheitsaktionären sind in Deutschland im internationalen Vergleich unterentwickelt. Banken generieren private Informationen und müssen diese nicht mit anderen Investoren teilen. Die Öffentlichkeit ist sehr viel schlechter über Unternehmensdaten informiert. Zusammen sorgt das für einen florierenden grauen Kapitalmarkt.

    PS: Beteiligungs- und Kapitalmarktfinanzierungen im deutschen Finanzsystem: Zustand und Entwicklungsperspektiven  (BmWi Abschlussbericht)

    Einmal editiert, zuletzt von monopole (22. November 2019 um 11:37)

  • in einem geschlossenen System. Nur ist D halt kein geschlossenes System.

    Den Punkt hatten wir x-fach.

    Dann stimmt die Aussage auch nicht, denn die NIPA (Net-Interest-Position-Abroad) Deutschlands ist gestiegen.

    Man müsste dann eher behapten, dass die USA es versäumt hätten, rechtzeitig einen Kapitalstock zur Finanzierung der Renten der Babyboomer aufzubauen.

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

  • @monopole

    Merci für den klasse Beitrag, der die ganze Situation historisch einordnet und dem Link zu dem Gutachten!

    "I am not buying anything right now. I am mainly looking out the window." (Jim Rogers, Feb. 2012)

  • nixda

    Das geht auch überhaupt nicht.

    Du meinst, das Konzept zum Beispiel eines norwegischen Staatsfonds geht überhaupt nicht? Oder wie soll ich Deinen Einwand verstehen?

    Dann stimmt die Aussage auch nicht, denn die NIPA (Net-Interest-Position-Abroad) Deutschlands ist gestiegen.

    Man müsste dann eher behapten, dass die USA es versäumt hätten, rechtzeitig einen Kapitalstock zur Finanzierung der Renten der Babyboomer aufzubauen.

    Das wäre mir neu, dass eine Kennziffer wie die NIPA (den ich nicht kenne und den mir Google auch nicht fand) deutsche Investitionen in ausländische Aktienmärkte beschreiben würde. Ich lebe unter dem Eindruck, oder mangels relevanter Statistiken besser Vorurteil, dass ausländisches Eigentum am deutschen Aktienmarkt in der Summe größer sei als deutsches Eigentum an ausländischen Aktienmärkten. Aber ich lerne gerne dazu.

    Oder meintest Du net foreign assets?

    Die amerikanischen Babyboomer, die ich so kenne, betrachten ihre Aktienpositionen (und sie brüsten sich damit) als ihre Altersvorsorge.

    Ich fürchte, ich verstehe Dein Argument nicht.

  • Die NIPA kursiert auch schon mal als NIIP (https://en.wikipedia.org/wiki/Net_inter…stment_position) oder auch

    NIIPA = Net investment interest position abroad durchs Netz, hängt vom Autor ab.

    In einer geschlossenen Volkswirtschaft gilt, dass Sparen und Schulden sich ausgleichen. D.h. wenn Deutschland eine geschlossene Volkwirtschaft wäre, dann kann kein Kapitalstock durch sparen gebildet werden. Deutschland ist aber offen, d.h. die Bildung des Kapitalstocks entspricht der Summe der Exportüberschüsse plus/minus deiner Rendite auf Auslandsinvestitionen (die ist in Deutschland negativ), der NIPA oder NIIP

    Anschaulicher erklärt ausgedrückt: Du kannst im jahr 2019 deine gesamte volkwirtschaftliche Produktion von 2019 konsumieren. Im Jahre 2040 kannst du die gesamte volkwirtschaftliche Produktion von 2040 konsumieren. Wenn du in 2019 Geld sparst, wird die Produktion keiner einzigen Kartoffel aus dem Jahr 2019 in das Jahr 2040 verlegt. d.h die konsumierbare Menge an Produktion in 2040 kann durch Sparen in 2019 nicht erhöht werden.

    Wenn du heute Geld sparst, und dein Nachbar nicht, dann kann dein Nachbar einen höheren Anteil der heutigen Produktion konsumieren, und du bekommst dafür einen höheren Anteil an der Produktion in 2040. Die Politik will aber, dass ihr beide heute spart, um euch später mehr leisten zu können. Das geht aber nicht. Dann bekommt nur der Anlageberater von der Bank noch einen Teil ab.

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

  • Die NIPA kursiert auch schon mal als NIIP (https://en.wikipedia.org/wiki/Net_inter…stment_position) oder auch

    NIIPA = Net investment interest position abroad durchs Netz, hängt vom Autor ab.

    In einer geschlossenen Volkswirtschaft gilt, dass Sparen und Schulden sich ausgleichen. D.h. wenn Deutschland eine geschlossene Volkwirtschaft wäre, dann kann kein Kapitalstock durch sparen gebildet werden. Deutschland ist aber offen, d.h. die Bildung des Kapitalstocks entspricht der Summe der Exportüberschüsse plus/minus deiner Rendite auf Auslandsinvestitionen (die ist in Deutschland negativ), der NIPA oder NIIP

    Anschaulicher erklärt ausgedrückt: Du kannst im jahr 2019 deine gesamte volkwirtschaftliche Produktion von 2019 konsumieren. Im Jahre 2040 kannst du die gesamte volkwirtschaftliche Produktion von 2040 konsumieren. Wenn du in 2019 Geld sparst, wird die Produktion keiner einzigen Kartoffel aus dem Jahr 2019 in das Jahr 2040 verlegt. d.h die konsumierbare Menge an Produktion in 2040 kann durch Sparen in 2019 nicht erhöht werden.

    Wenn du heute Geld sparst, und dein Nachbar nicht, dann kann dein Nachbar einen höheren Anteil der heutigen Produktion konsumieren, und du bekommst dafür einen höheren Anteil an der Produktion in 2040. Die Politik will aber, dass ihr beide heute spart, um euch später mehr leisten zu können. Das geht aber nicht. Dann bekommt nur der Anlageberater von der Bank noch einen Teil ab.

    Sorry Nixda,

    aber das Posting ist quatsch. Aus Konsumverzicht kann durchaus in einer geschlossenen Volkswirtschaft eine Investition in Produktivvermögen erfolgen und dadruch ein Kapitalstock aufgebaut werden. Dazu brauche ich null Aussenhandel.

    MMI

  • J

    Aus Konsumverzicht kann durchaus in einer geschlossenen Volkswirtschaft eine Investition in Produktivvermögen erfolgen und dadruch ein Kapitalstock aufgebaut werden.

    Ja, aber: Erst kommt die Investition, und die erzeugt ermöglicht das Sparen, nicht umgekehrt.

    Wenn wir heute weniger unseres Einkommens sparen würden, und mehr nachfragen würden, dann würde auch mehr investiert. D.h. das allgemeine Sparen ist sogar kontraproduktiv.

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

    Einmal editiert, zuletzt von nixda (22. November 2019 um 20:16)

  • Aktienbesitz war zwischen 1914 und 1949 (im Osten bis 1989) objektiv eine schlechte Idee.


    Die Einstellung zu den Aktionären war: Sie sind dumm und frech.

    Der Besitz von Staatsanleihen oder Kontoguthaben war aber noch schlechter - Inflation und Währungsreform führten zur faktischen Enteignung. Am besten war Grundbesitz - und doch ist Deutschland eher eine Mieternation.

    Zum Zweiten:

    Aktionäre sind dumm und frech: Dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie dann auch noch Dividende haben wollen.
    Carl Fürstenberg

    (1850 - 1933), deutscher Bankier, Inhaber der Berliner Handelsgesellschaft

    Das würde ich heute auf die Haltung des Staates bzw. der EZB bei Anleiheemissionen anwenden.

  • J

    Ja, aber: Erst kommt die Investition, und die erzeugt ermöglicht das Sparen, nicht umgekehrt.

    Wenn wir heute weniger unseres Einkommens sparen würden, und mehr nachfragen würden, dann würde auch mehr investiert. D.h. das allgemeine Sparen ist sogar kontraproduktiv.

    Falsch. EInfaches Beispiel: EIn frühzeitlicher Bauer konnte seine seine Weizenernte entweder zum großen Teil konsumieren und nur den Teil den er selber braucht "sparen" um ihn dann im nächsten Frühjahr zu "Investieren" bzw. zu pflanzen. Oder er konnte noch mehr "sparen" um dann im nächsten Jahr noch mehr zu "Investieren" bzw. pflanzen ode zu tauschen.

    Also erst sparen, dann investieren. Eigentlich logisch.

    Edit: Das gleiche gilt natürlich für die Viehzucht. Viehzucht und Ackerbau dürften die ersten wesentlichen Aktivitäten der Menschheit sein die zu wesentlicher Kapitalbildung durch vorhergehendes Sparen geführt haben.

    Einmal editiert, zuletzt von memyselfandi007 (23. November 2019 um 10:30)

  • Falsch. EInfaches Beispiel: EIn frühzeitlicher Bauer konnte seine seine Weizenernte entweder zum großen Teil konsumieren und nur den Teil den er selber braucht "sparen" um ihn dann im nächsten Frühjahr zu "Investieren" bzw. zu pflanzen. Oder er konnte noch mehr "sparen" um dann im nächsten Jahr noch mehr zu "Investieren" bzw. pflanzen ode zu tauschen.

    Also erst sparen, dann investieren. Eigentlich logisch.

    Woher stammt die erste Saat und das Land?
    Könnte geborgt/finanziert/gepachtet gewesen sein und somit wäre das Verschulden und Investieren der erste Schritt gewesen.

    ( dürfte dem Huhn/Ei-Problem ähneln )

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.« Buffett

  • Lt. Wissenschaft stammt die erste Saat von den wildwachsenden Sorten. Auch hier galt: Entweder gleich futtern und hoffen dass was nach wächst oder "sparen" und selber dafür sorgen dass was wächst.

    Eigentlich sehr einfach und logisch.

  • Woher stammt die erste Saat und das Land?
    Könnte geborgt/finanziert/gepachtet gewesen sein und somit wäre das Verschulden und Investieren der erste Schritt gewesen.

    ( dürfte dem Huhn/Ei-Problem ähneln )

    Die Geschichte der Domestizierung des Menschen durch den Weizen: Yuval Harari

    Die Konzepte "Schulden, Pachten, Investieren" sind geschichtlich erst einige tausende Jahre nach der ersten Saat entstanden. Das Land war einfach da und gehörte dem, der es nutzte.

  • Nachdem Michael Bloomberg jetzt offiziell eingestiegen ist hab ich etwas mehr Hoffnung für die nächste Wahl in USA.

    Ich weiß ja nicht wie hier die Meinung ist, aber die Warren nervt mich sehr mit ihrer Art. Abgesehen davon, ich glaube nicht dass sie irgendwelche Chancen hat, insofern. Sanders nervt mich nicht, aber ich traue ihm ebenfalls wenig Chancen zu. Biden hätte ich gern, aber ich befürchte dass er zu angreifbar ist. Ich persönlich fand es bei der letzten Wahl eine Schweinerei dass die Clinton ständig als kriminell abgetan wurde obwohl es keinerlei Hinweise in die Richtung gab. Und das haben viele gesagt, so nach dem Motto, naja, die hat sicher Dreck am Stecken. Ich hab dann immer gefragt, was hat sie denn getan? Und niemand konnte mir was sagen. Jedenfalls, der Biden, sein Sohn hat ihm da sicher keinen Gefallen getan und man sieht ja dass nur ein gewisser Anruch schon reicht, vor allem weil ja alles mögliche verbreitet wird, ob es nun stimmt oder nicht.

    Insofern, mir geht's nur darum, ich denke die Demokraten die bisher im Rennen waren, haben alle keine Chance. Vor allem die Linken. Inzwischen glaube ich dass solche Kandidaten in den USA zumindest im Moment einfach nicht wählbar sind.

    Bloomberg hat da vielleicht bessere Chancen. Auch wenn er im Moment bei Umfragen wohl noch nicht so stark ist. Aber mir wirkt er wie gemacht. Er ist wirklich ein sehr erfolreicher Unternehmer. Er war schon Politiker. Er ist politisch in der Mitte und dürfte somit potenziell für viele wählbar sein die hauptsächlich das Ziel haben den aktuellen Clown abzuwählen.

    https://www.bbc.com/news/world-us-canada-50539242

    Das Hauptproblem sehe ich aber darin dass die Demokraten sich nun erstmal monatelang bekämpfen werden und dann Einigkeit heucheln. Statt sich einmal zusammenzusetzen und zu überlegen wer wirklich Chancen hat und gemeinsam ein Ziel zu verfolgen. Aber gut, naiv naiv.

    P.S.:

    Wie ich verstehe unterstützen zumindest schon einmal die 3 reichsten Amerikaner (Bezos, Gates, Buffett) Bloomberg. Das kann spannend werden, denn natürlich macht man ihm das von anderer Seite gleich einmal zum Vorwurf. Ich hoffe die Leute können schon einmal unterscheiden zwischen reich und reich. Vor allem die Warren gleich wieder, wie gesagt, ich finde sie einfach nur nervig.

    https://www.vox.com/policy-and-pol…onaire-new-york

    Warum soll einer bloß weil er reich ist nicht einen ihm geeignet erscheinenden Menschen bitten zu kandidieren. Ein Milliardär ruft den anderen an, so what?

    Tatsächlich besteht aber die Gefahr dass gerade die moderaten Demokraten sich gegenseitig weh tun. Ich hoffe dass zumindest die so vernünftig sind und sich beizeiten gegenseitig unterstützen.

    When a management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.

    W. B.

    Investment is most intelligent when it is most businesslike.

    B. G.

    Einmal editiert, zuletzt von buccaneer (25. November 2019 um 03:40)

  • EInfaches Beispiel: EIn frühzeitlicher Bauer konnte seine seine Weizenernte entweder zum großen Teil konsumieren und nur den Teil den er selber braucht "sparen" um ihn dann im nächsten Frühjahr zu "Investieren" bzw. zu pflanzen. Oder er konnte noch mehr "sparen" um dann im nächsten Jahr noch mehr zu "Investieren" bzw. pflanzen ode zu tauschen.

    Um das noch einmal aufzugreifen: In realen Gütern kannst du Sparen und Investieren gar nicht auf der Zeitachse auseinanderdividieren, weil das faktisch das gleiche ist. Und natürlich ist das reale Nichtkonsmieren um das Nichtkonsumierte als Produktionfaktor zu nutzen der entscheidende Faktor für höhere Arbeitsproduktivität in der Zukunft.

    Ich habe oben aber explizit vom Geldsparen gesprochen, weil Finanzsystem und Realwirtschaft nicht deckungsgleich sind.

    Wenn du als Ausgangssituation annimmst, das nicht gespart wird, dann wird alles von den Firmen an Eigentümer und Mitarbeiter ausgeschüttete Einkommen auch Nachfrage, und das Geld läuft in der Wirschaft im Kreis

    Wenn jetzt jemand in diesem Kreislauf sein Einkommen in Geld spart, dann nehmen die Unternehmen plötzlich weniger ein. Wenn kein Kreditsystem existiert, dann müssten die Unternehmen ab sofort weniger Gehälter auszahlen. (Taler, Taler, du musst wandern...)

    Umgekehrt: Wenn das Unternehmen aktiv Kredite nachfragt, um davon Investitionen zu machen, kann unproblematisch gespart werden, weil der Sparbetrag über den Umweg des Kreditnehmers als Investitionsgüternachfrage wieder auftaucht. Aber: Die Kreditnachfrage bestimmt die Sparmöglichkeit, nicht umgekehrt.

    (Um das Model komplett zu machen müsste man hier die Unternehmen in Konsumgüterunternehmen und Investitionsgüterunternehmen aufteilen. Der Umsatz der Investitionsgüterunternehmen entspricht dann genau der Kreditnachfrage/dem Sparen).

    Fast foward Geldschöpfung durch die Banken: Das private Bankensystem kann eine Kreditnachfrage auch bedienen, wenn kein Spargeld da ist, in dem es das notwendige Geld einfach schöpft. Geld ist nicht knapp und deshalb gibt es auch keine Zinsen mehr drauf. Umgekehrt kann das Bankensystem aber kein Spargeld verzinsen, wenn keine Kreditnachfrage da ist, weil es zu diesem Zweck kein Geld schöpfen kann.

    Und: Durch Kreditnachfrage kann Wirtschaftswachstum erzeugt werden, wenn in Produktionsfaktoren investiert wird. Durch Sparen aber nicht oder nur, wenn das gesparte Geld in Kredite zur Investitionsgüternachfrage fließt. Das moderne Bankensystem hat aber Sparen und Investieren faktisch entkoppelt.

    Zurück zu Ausgangspunkt: Man kann nicht durch Geld sparen Alterssicherung betreiben. Einzelne können das, so lange es nicht alle machen.

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

    3 Mal editiert, zuletzt von nixda (27. November 2019 um 09:03)

  • Eisenerz-Lieferant Cleveland-Cliffs übernimmt AK Steel.

    https://www.marketwatch.com/story/clevelan…ewsviewer_click

    https://www.barrons.com/articles/cleve…6?mod=hp_LEAD_1

    http://s1.q4cdn.com/345331386/file…=article_inline

    CEO ist und bleibt dieser Typ, der im Umgang mit Analysten sehr freundlich ist:
    https://www.cnbc.com/video/2018/10/…it-suicide.html

    Witzig, weil ich gerade, d.h. heute morgen, Cliffland-Cliffs angeschaut hab. Hab gesehen, der Michael Burry (von Big Short) hat die im Depot und mir ist noch aufgefallen dass AK Steel quasi alles an Erz bei denen kauft.

    AK Steel hat sich letztes Jahr erst beim fleißigen Tweeter über die Stahl-Tarife bedankt. Gestern gab's ja wieder welche für Brasilien und Argentinien. Offensichtlich vertraut man hier darauf dass der Markt schön abgeschottet wird/bleibt, denn jetzt mit Erz + Stahl ist das ein recht lokaler Produzent.

    When a management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.

    W. B.

    Investment is most intelligent when it is most businesslike.

    B. G.

  • Zitat

    CEO ist und bleibt dieser Typ, der im Umgang mit Analysten sehr freundlich ist:

    Cliffs hat sich vor ein paar Jahren auch katastrophal verhoben mit ihren kanadischen Operationen. Haben ca. $5 Mrd für Thompson (Bloom Lake) gezahlt, und sind dann mit Bloom Lake & Wabush in die Insolvenz und Abwicklung gegangen.

    “Reality is that which, when you stop believing in it, doesn't go away.”  

    Philip K. Dick