Die Lage

  • https://www.krone.at/2123838


    SCNR

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Wow, Demut/Selbstironie in Börsenkreisen, wo sonst selbstverständlich nur ultraharte Hunde unterwegs sind, das zeugt von eine gewissen Charakterstärke. Und m.E. ansolut wichtig (wenn auch leider kein Garant) für einen dauerhaften Erfolg.


    Chapeau!


    Davon abgesehen vermutlich ein Zeichen des Schmerzes des Unterinvestierten in der Erholung, oder täusche ich mich da?

    Exponentialfunktion zu Polynomfunktion zu linearer Funktion verhält sich wie: Darth Vader zu Frodo zu Mickey Mouse.

    "If you have a nail and a hammer, then use it!"

  • Warum glaubst Du ist die Reisbranche dauerhaft negativ betroffen? Im Moment scheint es ja gerade in China und anderen asiatischen Ländern schon wieder deutlich besser zu werden. Nachdem ich dort die Haupt-Märkte vermute würde ich die Nachfrage nach Reis jetzt nicht sooo negativ sehen..


    :)

    Welche Reis-Aktien gibt es denn eigentlich so?! ^^

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  • Wurde alles hier schon so geschrieben, aber ich versuche es mal zusammenzufassen.


    Ein paar Thesen:


    1. Die nächste Woche wird in den USA dreckig.

    Die Krankenhäuser in New York sind jetzt schon völlig überlastet, und die Infektions- wie auch Krankenhauseinlieferungen steigen nach wie vor ungebremst. Das wird sich anderswo in der nächsten Woche auch zeigen.

    Die resultierenden Fernsehbilder werden bei vielen, die derzeit von baldigen Lockerungen träumen, einen zweiten Schock auslösen.


    2. Spätestens Ende der nächsten Woche wird der Druck so weit steigen, dass ein nationaler LockDown ausgerufen wird (wie tiefgreifend auch immer.)


    3. Das wird den Druck auf die Börse weiter erhöhen:

    a: Panikverkäufer, die von den aktuellen "Bald wird alles besser"-Hoffnungen auf dem falschen Fuß erfasst werden.

    b: Privatverkäufer, die durch den nicht nur kurzfristigen ihren Lebensunterhalt wegbrechen sehen und Cash brauchen.

    c: Hedgefonds etc., die den Geldabflüssen nachkommen müssen, indem sie großflächig ihre Bestände liquidieren.


    4. Der Aspekt 3a sollte nur kurzfristig wirken, die Aspekte 3b und 3c auch lmittelfristig.


    5. Der Kursrückgange könnte alle Aktiengattungen betreffen, weil in der Breite Geld benötigt wird. Also auch IT-Branchen, die kurzfristig auf Homeoffice wechseln und mittelfristig von den veränderten Kaufströmen profitieren sollten.


    6. Heute ist ein guter Tag für Verkäufe von Aktien, bei deren man sich nicht ausreichend sicher ist, dass man sie für mindestens 6 Monate auch unter Druck halten will (Puts mal ausgenommen).

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • 6. Heute ist ein guter Tag für Verkäufe von Aktien, bei deren man sich nicht ausreichend sicher ist, dass man sie für mindestens 6 Monate auch unter Druck halten will (Puts mal ausgenommen).

    Heute ist Freitag. S&P ist in dieser Woche seit Montag um 20% gestiegen, 4 Verkaufstage hintereinander. Schätze mal eher, dass dies ein roter Kauftag wird. Aber wir werden sehen. Different opinions make a market.

    Don't wrestle with pigs. You both get dirty and the pig likes it. (M. Twain)

  • Mal zurück vom Reis für die Welt zur Lage an den Börsen:


    Kurzes Update des USA-Modells.


    Die Verstorbenen fitten weiter fast gespenstisch perfekt an die Exp-Kurve mit Basis 1,3 (der fit generiert 1,297 mit sensationell hohem R^2 von 0,9956).

    pasted-from-clipboard.png


    Somit ergeben sich für Montag ca. 3580 Verstorbene.

    Und von Montag auf Dienstag der erste Zuwachs von >1000 auf 4620.

    Vielleicht auch einen, max zwei Tage später je nachdem ob die Kurve hoffentlich doch mal abflacht (wann war der Lock-Down in NY ?).


    Frage nun:

    Die Zahl ansich ist dem Markt wurst, die Frage ist nur was ist bereits eingepreist?

    Ist für mich unklar.

    Eigentlich kann ich es mir kaum vorstellen, andererseits, die Amis sind ja schonungsloser als hier, die Medien dort zirkulieren bereits hohe Zahlen, zB las ich irgendwo dass mit 85.000 Toten in USA gerechnet würde (weiß allerdings nicht wie die drauf kommen, da ja noch null Abflachung irgendeiner Kurve erkennbar ist).

    Jedenfalls wird die Bevölkerung und der Markt aktuell eingestimmt dass es heftig wird.


    Wenn dann sollte also der Markt direkt heute reagieren.


    Anschnallen.

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    Edited once, last by woodpecker ().

  • Al Sting : das Problem was ich dabei sehe ist, dass ich auch so denke wie Du. Und wir sind bestimmt nicht nur zu zweit. Viele sehen das so.

    Wenn man also antizyklisch denken moechte, dann muss man Punkte suchen, die Deinen Widersprechen, auch wenn es schwer faellt.


    Ich versuche also Deine Punkte anzugreifen, ob es mir gelingt?

    1. Das ist zu erwarten, und das ist eine unschoene Sache, aber die Boerse interessiert nicht die Anzahl der Toten und wie sehr die Krankenhaeuser ueberlastet sind, sondern da wird nur gefragt: wann ist es vorbei? Und je naeher uns wir der Katastrophe naehern, desto eher ist liegt sie dann hinter uns. Und dann koennen die Firmen wieder vollgas weiterarbeiten.


    2. Auch ein Lockdown bedeutet - die Krise wird schneller vorbei sein. Und man rechnet eh damit, selbst Du sagst: spaetestens naechste Woche.


    3.

    a) Panikverkaeufe? Es geht seit einer Woche wieder steil bergauf an der Boerse.

    b) Wer braucht schon viel Geld? Essen wurde schon zuhause gebunkert, und wenn niemand raus darf, braucht man auch kein Geld. ausserdem wurden milliardenschwere Hilfspakete in die Wege geleitet, niemand wird verhungern. Viele Leute haben schon Geld abgehoben, in weiser Vorraussicht, dass man spaeter nicht mehr extra zum Bankautomaten moechte, wenn das Virus da draussen wuetet.

    c) Jedem Aktienverkauf steht auch jemand gegenueber, der Geld hat und es in Aktien steckt. Geld und Aktien wechseln den Besitzer. Irgendwer hat immer das Geld, und irgendwer hat immer die Aktien. Ist der Kurs guenstiger, kann man entsprechend mehr Aktien fuer sein Geld bekommen, es ist nur eine Frage des "Wechselkurses". Niemand, auch ich nicht, kann auch nur eine einzige Minute in die Zukunft gucken und wissen, wieviel Geld man morgen fuer so und soviele Aktien haben moechte um einem Tausch Aktien gegen Geld zuzustimmen.


    4. Das ist kaum ein neuer Punkt, sonder einfach nur die Wiederholung von Punkt 3.


    5. Wofuer wird denn das Geld benoetigt? Ausserdem, es ist immer Geld vorhanden, es wechselt nur den Besitzer. Wie gesagt: jedem Verkaeufer steht ein Kaeufer gegenueber, weder Aktien noch Geld verschwinden oder entstehen ploetzlich. (naja, anzuenden von Geldscheinen, oder neue IPOs... aber Du weisst was ich meine: 99.9% bleibt unveraendert)


    6. Wenn Du nach 6 Monaten verkaufst, koenntest Du schlimmere Verluste haben als heute. Oder Du koenntest auch fette Gewinne haben. 6 Monate ist viel zu kurz: man sollte immer Aktien kaufen mit dem Gedanken, dass man sie vielleicht nie wieder verkaufen wird, sollten sie nicht exorbitant teurer werden, oder das Geschaeft ist nicht mehr das was es einmal war, und es missfaellt einem was aus dem Unternehmen geworden ist. Meist ist das ein mehrjaehriger Prozess. Analgehorizont bei Aktien sollte 10 Jahre sein und laenger.


    o.k., das bedeutet nicht, dass ich es positiv sehe. Ich will nur zeigen, dass es immer Argumente gibt, die dem wiedersprechen was man gerade glaubt. Und viele glauben nun das, was Du angefuehrt hast.


    Ich lasse mal alle Deine Punkte zur Seite und konzentriere mich auf das grosse Bild.:

    In Amerika ist die Funamentale Bewertung immer noch zu teuer.

    Hingegen in Europa sind wir schon deutlich billiger, aber die juengste Erholung macht daraus nur noch ein moderat Bewertet.

    Der Aufwaertstrend in Amerika ist noch intakt, und doch meine ich ist er gerade am brechen.

    Das Sentiment wechselt von Risk-on auf Risk-off. Jetzt uebertreibt man mit den Risiken, vorher hat man sie ausgeblendet.

    Ich war der Meinung, die fundamentale Bewertung an den Boersen war eine Blase, und dass sie platzen wird. Corona ist nur der Ausloeser, aber es gab schon vorher anzeichen einer Rezession.

    Die FED senkte deshalb bereits ihren Leitzins mehrmals waehrend 2019.

    Daran hat sich nichts geandert, und im Gegenteil: Corona hat noch ordentlich nachgeholfen.

    Wir liegen nur 16% unterhalb der 200 Tageslinie beim S&P 500 (mit Schlusskurs gestern)


    Vergiss Corona: vielleicht findet man einen Impfstoff, oder was weiss ich. Corona ist in 2 Monaten vielleicht vorbei. Und dann?

    Was ist wenn Corona heute vorbei waere? Wie geht es weiter? Immer noch so teuer wie bisher? Zurueck zum Allzeithoch vom Februar 2020 und darueber hinaus?

    Anders als die EZB hat die FED zwischenzeitlich sogar den Leitzins bis auf 2.5% angehoben. Das ist jetzt kein Wucherzins, aber es ist nicht Nullzins-Politik, und die hohe Fundamentale Bewertung kann noch nicht mal mit dem Argument begruendet werden: es gibt ja sonst nirgendwo gescheite Rendite.

  • Wenn die Südstaaten ebensolche Programme auflegen wollen wie Deutschland (weiß jemand Näheres?), um eine heftige Wirtschaftskrise abzumildern, bekommen wir dann eine Eurokrise 2.0? Eigentlich sollten diese Länder anders als Deutschland im Dilemma stecken.

    Geht schon los. Die Südländer schreien wieder nach Eurobonds:


    https://www.dw.com/de/eu-mit-g…n-gegen-corona/a-52917801


    https://www.rnd.de/politik/ret…BZDRFEVC4RWYXU7NFIZI.html

    "Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil." - Albert Einstein -

  • Hallo Joe,


    Danke, dass du dich mit meinen Thesen so intensiv auseinandergesetzt hast! Du hast selber eingangs geschrieben, dass der Widerspruch eher bemüht ist. Es ist wichtig, diesen mitzudenken, aber die meisten Antworten benötigen m.E. keine Erwiderung.


    Aber einige Punkte möchte ich dennoch beantworten und damit die These bestärken.

    Panik: Die bisherige Panik war m.E. primär aus Asien bzw. Europa importiert und kaum in den USA selber erlebt. So wie die meisten Europäer (auch ich) den Ausbruch in Wuhan etwas auf die leichte Schulter nahmen und erst von der Eskalation in Italien tief erschüttert wurden, scheinen insbesondere viele Trump-Anhänger die Ausbrüche in Asien und Europa und selbst in demokratischen Bundesstaaten noch auf die kalte Schulter zu nehmen. Da sehe ist das "Neupanikpotential" der nächsten Woche und Wochen, wenn es in New York, aber auch im konservativen Lousianna eskaliert.


    "Wofür wird das Geld benötigt": Für den blanken Lebensunterhalt. Freiberufler, Unterhaltungsbranche, viele Selbstständige. Keine Arbeitslosenversicherung, vielleicht keine ausreichende Krankenversicherung, Rücklage in Aktien für das Alter. Durch Herunterfahren der Gesellschaft fällt das Einkommen weg, also müssen Sparreserven angegriffen werden --> Notverkäufe auf dem Aktienmarkt, Verkausdruck


    Dazu kommt die dominante Rolle der USA für die Börsen. Die deutlich stärker als beispielsweise in Deutschland ausgeprägte Kultur, Kapital in guten Zeiten an der Börse anzulegen - und in Notzeiten dort auch wieder abzuziehen. Zudem die schwächer ausgebauten Sozialversicherungssysteme der UISA einen schlechteren gesamtgesellschaftlichen Krisenpuffer darstellen dürften, Bazooka hin oder her.


    6 Monate: Kannst du auch gegen 2 Jahre ersetzen (Ich denke, länger ist echt schwer zu prognostizieren). Oder was man halt zum ruhigen Schlaf braucht.


    Aber ich rechne nicht mit einem sechsmonatigen Lockdown der Welt. Nicht einmal Deutschlands. Das kann sich niemand leisten.
    Ich rechne damit, dass das Land wieder hochfährt, sobald die Ausbreitungsgeschwindigkeit halbwegs im Griff ist und insbesondere die Testkapazität so weit gestiegen ist, dass man halbwegs flächendeckend messen kann, Angesteckte heraussammeln und in Privatquarantäne stecken kann.

    Ich bin hoffnungsvoll, dass das könnte Ende April oder Mai schrittweise gestartet bzw. erreicht werden kann. Von Roche bis Bosch kommen ja immer mehr neue Spieler auf den Markt, die große Testkapazitäten versprechen.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Meinen Tesla-Put (Die Bank gibt den Schein nicht mehr aus, kauft nur noch zurück) tausche ich frühestens dann gegen Geld für andere Aktien ein.

    Glückwunsch, dass Du bis jetzt gehalten hast. Ich beiße mir gerade in den A******

    Aber ich habe zumindest etwas gelernt (und hoffentlich endlich verstanden) -> halte die Positionsgrößen ein! Eine Position darf nur so groß sein, dass es mir egal ist, wenn sie komplett ausfällt.

    Ich war so fett in den PUTs (gut 4fache Position und in Relation zu meinem Monatseinkommen sehr viel Geld), dass ich emotional geworden bin und die knapp 50% gesichert habe.

    Aktuell wären es eher Richtung 150% :saint:

  • woodpecker : Danke fuer Dein "Chapeau".


    Ja, das war wohl auch getrieben von den Schmerzen.


    Wenn Du eine Veraenderung in Deinem Depot machst, wirst Du es garantiert bereuen.

    Wenn Du z.B. einen Teil Deiner Aktien verkaufst und der Markt steigt, wirst Du bereuen, etwas verkauft zu haben. (Ich habe beispielsweise Renault verkauft)


    Und solltest Du verkaufen und der Markt sinkt tatsaechlich, dann wirst Du bedauern, nicht noch mehr verkauft zu haben.


    Oder aber, Du hast nichts verkauft und der Markt steigt, dann wirst Du bereuen nicht noch mehr gekauft zu haben.


    Die Sache ist doch die: egal wie sorgfältig Du versuchst abzuwägen wie denn die allgemeine Bewertung so ist, und die vorherrschende Stimmung, und ob die Aktie in Frage schon guenstig genug ist, ob Du sie nun kaufen kannst oder besser noch nicht, oder Du noch schnell aussteigen solltest - es wird schwer sein nichts zu bereuen. Es ist praktisch unmoeglich keine Schmerzen zu haben.


    Erst wenn Du demuetig akzeptieren kannst, dass Du bereuen wirst, bedauern wirst, Fehlentscheidungen treffen wirst, nur dann kannst Du wenigsten verhindern nicht gelähmt und apathisch zu werden. Weil sobald Du das akzeptieren kannst, dann bist Du soweit zu Dir selbst sagen zu koennen: "Ja, jetzt werden die Schmerzen kommen, das gehoert dazu."


    Ich versuche mit Scherz und Sarkasmus und Ironie alledem Herr zu werden. Sonst wuerde ich einfach nur abschalten und apathisch werden. Wenn ich mich also nicht traue, etwas zur Marktlage zu sagen, weil der Schmerz gerade extrem hoch ist, dann kann ich doch wenigsten den Schmerz lindern indem ich mich ueber mich selbst lustig mache.

    Dadurch gewinne ich etwas Abstand zu mir selbst, betrachte mich selbst von oben, und hoffe das verleiht mir ein klein wenig mehr Objektivitaet.

  • Joe


    Du solltest dich nicht so sehr mit der aktuellen Marktlage, dafür aber mehr mit den einzelnen Aktien bzw. Unternehmen beschäftigen.


    Ausserdem denke ich selten laenger ueber mein Engagement nach als 5 Minuten und habe sogar oft Schwierigkeiten mir den vollen Namen der Aktie zu merken die ich da gerade gekauft habe.

    Nein, das kann nicht funktionieren. So wirst du die Unsicherheit, dieses Hin-und-hergerissen-Sein niemals los. Du würdest doch sicher auch keine Frau heiraten, von der du noch nicht einmal weißt, wie sie heißt, oder?!


    Wenn du eine Aktie gefunden hast, bei der du dir selbst oder - und das ist die Königsdisziplin - sogar Anderen gut und nachvollziehbar begründen kannst, warum diese Aktie mehr wert ist (Wert), als sie jetzt gerade kostet (Preis), und dieser Wert sich in der Zukunft noch weiter erhöhen sollte, dann können, nein dann müssen dir die täglichen Kursschwankungen egal sein.


    Beim Ein- und Ausstieg immer den perfekten Zeitpunkt zu erwischen, das gelingt nur Genies und Lügnern. Um aber nicht doch zufällig (gerade in bewegten Zeiten) zu einem (im Rückblick!) ziemlich schlechten Zeitpunkt zu handeln, kaufe und verkaufe ich (und viele andere hier offenbar auch) meist gestaffelt. Ich muss aber ehrlicherweise sagen, dass mir dies beim Kaufen deutlich leichter fällt als beim Verkaufen.

    "Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil." - Albert Einstein -

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  • Erst wenn Du demuetig akzeptieren kannst, dass Du bereuen wirst, bedauern wirst, Fehlentscheidungen treffen wirst, nur dann kannst Du wenigsten verhindern nicht gelähmt und apathisch zu werden. Weil sobald Du das akzeptieren kannst, dann bist Du soweit zu Dir selbst sagen zu koennen: "Ja, jetzt werden die Schmerzen kommen, das gehoert dazu."


    Ich versuche mit Scherz und Sarkasmus und Ironie alledem Herr zu werden.

    Zustimmung.

    Das wichtigste psychologische Rüstzeug für eine Krise sind Demut, Humor und Selbstironie.


    Mir helfen z.B. immer zwei Dinge:


    - Richtig beherzt dem Worst Case FRÜHZEITIG ohne Zwinkern direkt ins Gesicht schauen.


    Das kann für den Moment extrem schmerzhaft sein, grade wenn (wie jetzt) menschliches Leid mit finanziellem Leid kombiniert kommen. Aber es ist (für mich) notwendig, und es ist hilfreich.
    Wenn man es schafft nach diesem Schock nicht apathisch zu werden, wird man nüchtern, sehr sehr nüchtern.


    Bei mir war dieser Moment das Eingangspost im dunkle Stunde Faden.

    War mir direkt einen Tag drauf peinlich das so emotional geschrieben zu haben, aber ich werds nicht löschen. Es ist meine Erinnerung an diesen für mich persönlich schrecklichen Moment.

    Die Alternative ist es die schlechten Nachrichten nur scheibchenweise reinzulassen (das übliche Vorgehen).
    Ist vermutlich Typsache, aber ich mag lieber den direkten kalten Schock zu Beginn:

    Denn alles was jetzt so kommt an unschönen Entwicklungen ist für mich schon "bekannt", es überrascht mich nicht mehr.

    Die verbundenen Emotionen sind bereits "ausgebrannt".

    So kann ich viel nüchterner handeln, und das ist nichts Schlechtes (an der Börse und auch in anderen Krisen).


    - Die Frage Was brauche ich eigentlich zum Leben?


    Also das mit dem worst case gilt ja auch bzgl. Finanzen.


    Der worst case ist dass all meine Kohle weg ist.

    Alles was ich sparte und für das ich arbeitete, futsch, einfach so.

    Alle Pläne von early retirement, einem anderen Leben, was auch immer, im Eimer!


    Diesem worst case sollte man sich auch ab und an mal stellen, und sich fragen: Komme ich damit klar?

    Bei mir ist die Antwort ja.

    Und hier kommt die Demut rein und der Humor. Wenn es so kommt, mei, bin ich einer von Milliarden deren Pläne halt nicht aufgehen.

    Life is only a show anyway!

    Und diese bekloppten Zahlen in unseren Depot, was zur Hölle spielen die am Ende für eine Rolle ?!


    Nun, genug geschwätzt muss zurück an der Kaufliste arbeiten.


    Es kann eh keiner so gut ausdrücken wie der Typ hier:):






    ps. Wir sollten eigentlich einen Faden für die Psychologie in Crashs haben...

    Exponentialfunktion zu Polynomfunktion zu linearer Funktion verhält sich wie: Darth Vader zu Frodo zu Mickey Mouse.

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  • Neben der Reisbranche könnte auch die Weizenbranche der nächste Dominostein sein ;-)

    Da gäbe es allerdings ein paar börsennotierte Händler :).


    https://www.boell.de/de/2017/0…beherrschen-den-weltmarkt

    Und BayWa fiel mir noch ein (einfallen, nicht gefallen)


    Meine guten Bunge sind allerdings auch gut abgeschmiert..

    When a management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.


    W. B.


    Investment is most intelligent when it is most businesslike.


    B. G.

  • Ich weiss nicht , ob man 1922-1923 mit heute vergleichen kann, aber gewisse Ähnlichkeiten gibts schon.

    Aktuell ist es ja so , dass die Firmen in Kurzarbeit gehen und die Staaten die Gehälter bezahlen.

    Die Staaten weltweit drucken Geld, aber niemand kann das in dem aktuellen Umfeld ausgeben bzw. konsumieren.

    Höchstens man hat kein Klopapier mehr :-)


    Laut Geschichte rief ja die deutsche Regierung 1923 die Menschen auf, passiven Widerstand gegen die "Besatzer" zu leisten, d.h. nicht mehr zu arbeiten und übernahm infolgedessen die Gehaltszahlungen. Die Druckerpresse lief auf Hochtouren.

    Danach kam ja wie bekannt die Hyperinflation, weil zuviel Geld auf Warenknappheit gestossen ist.

    Aktuell wird ja auch nichts produziert , aber das Geld fliesst weiterhin.


    https://www.planet-wissen.de/g…hyperinflationvon100.html


    https://www.zeitklicks.de/top-…widerstand-im-ruhrgebiet/


    Audi -VW Mitarbeiter bekommen für 2019 noch eine dicken Bonus.


    https://www.produktion.de/wirt…en-die-autobauer-120.html


    Wenn ich mir den den Dow Jones historisch anschaue, dann gab dieser nochmals richtig Gas um 1929 so richtig abzustürzen.


    https://www.macrotrends.net/13…100-year-historical-chart


    D.h eigentlich rechnet ja niemand mit extremen Kursen nach oben nach diesem Crash und warum sollte es nicht so kommen?


    Was mich stört sind folgende Punkte:


    Die Sparkassen meldet seit gestern, dass alle Filialen wegen Corona geschlossen bleiben und nur vereinzelt Kunden nach Termin in die Filialen kommen können. Die Geld Versorgung wäre garantiert. Sparta-Bank schliesst auch alle Filialen und die Deutsche Bank die meisten.

    Das Problem ist aber, wenn jemand eine größere Summe auf dem Konto hat (und das haben laut der Statistik die meisten Deutschen) kommen die nicht an das Geld ran. Denn wie sollen die Filialmitarbeiter alle Kunden terminlich bedienen? Dafür reicht doch die Zeit nicht, bei zig tauend Kunden pro Filiale ?!

    Und die Automaten spucken nur 1000€ pro Tag , mehr nicht.

    Wenn es auch so weit kommen sollte, dass die Börsen geschlossen werden und vermutlich dann auch die Banken, was passiert mit dem ganzen Geld auf dem Konto wenns wieder los geht? Erleben wir einen "Crash" nach oben weil alle das "geld" loswerden wollen, bevor es nichts wert ist? Was ist wenn eine Nachfrage auf ein knappes Angebot stösst?


    Fragen über Fragen.