grenke - das letzte Unternehmen am neuen Markt

  • Zu viele Value-Investoren sind zu sicher in Ihrem Handeln. Und das macht mich stutzig.


    Wer ist denn hier sicher - ich sehe extrem wenig positive Stimmen?!


    Ich höre aus dem Markt nur, dass einige die handeln wollen nicht können - weil ihnen das Haftungsdach / die KAG die Grenke auf die Sperrliste gesetzt hat.


    Dazu kommen so Themen dass bspw. Jupiter Asset Management seinen ehemaligen "Star-Investor" Alex Darwall verloren hat. Der hatte groß in Wirecard gemacht und mag Finacials. Jupiter ist aber immer noch einer der größeren Aktionäre und Darwall hat lautstark seine Position verkauft.


    https://citywireselector.com/n…ter-short-attack/a1401796


    Gerade erster Insider-Kauf von ex-AR der auch in dem Short Report genannt wird. Der ist wahrscheinlich kein Insider mehr und kann frei handeln. (edit: ist immer noch im AR?! - das ist spannend).

    https://www.dgap.de/dgap/News/…e-florian/?newsID=1398359

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Wer ist denn hier sicher - ich sehe extrem wenig positive Stimmen?!

    Bei den meisten hab ich das Gefühl, dass die Hose voll ist. Diejenigen, die das Unternehmen besser kennen bzw. investiert sind, sind da entspannter. Aber die Mehrheit ist in massiver Panik und können vielfach auch nicht einschätzen in was sie da teilweise investierst haben.

    Auch ganz unterhaltsam ist, dass ich bestimmt schon ein Dutzend Fragen gelesen oder bekommen habe, die man einfach durch das Wolfgang Grenke Interview oder etwas Recherche hätte klären können. Besonders unterhaltsam sind die Zeitgenossen, die dazu auch noch eine große Meinung raushauen :D.

  • Für mich ist auch die Frage, ob die Welle wirklich so kommt. Aktuell glaube ich eher, dass da vieles doch besser ist als erwartet. We will see...

    Mal eine kurze Übersicht zu Grenke inkl. HJ 2020:


    2018 2019 6m 2020
    Level 2 256 381 489
    Level 3 382 461 620
    Total 638 842 1109
    Impairment 279 363 437
    In % 44% 43% 39%
    In % of level 3 73% 79% 70%

    Zur Erklärung: Das ist eine Aufstellung der Assets mit Zahlungsverzug und der entspechenden Risikovorsorge.


    Grenke hat die Risikovorsorge deutlich geringer erhöht als der Anstieg der problematischen Forderungen. Hätten Sie so reserviert wie immer wären das ungefähr -45 Mio Aufwand mehr gewesen und sie hätten einen Verlust ausgewiesen.


    Zudem ist des größte Länderexposure Italien und da sind sie bis ins Q1 noch stark gewachsen. Leider veröffentlicht Grenke keine Statistiken hinsichtlich der Branchen, sie teilen nur auf zwischen Dienstleistung (ungef. 75%) und Industrie.


    Je nachdem wie viel Touristik, Hotels und Rstaurants sie haben, kann da schon noch einiges kommen. Insbesondere dann, wenn Insolvenzverschleppung wieder starfbar wird (was es jetzt gerade nicht ist).



    Ich bin aber gespannt auf Argumente warum es viel besser kommen sollte als erwartet.

  • Ich habe das Gefühl, dass Grenke heute sehr viele überraschen wird.

    Die Käufer der Aktie heute demonstrieren ("Der Grenke wird's euch schon zeigen).

    Tage zuvor war Panik.

    Ich könnte mir vorstellen, das Grenke heute Nachmittag einige Fehler zugeben wird und somit beide Seiten überraschen wird. Ich denke das wird sehr volatil heute nachmittag.

    Zu viele Value-Investoren sind zu sicher in Ihrem Handeln. Und das macht mich stutzig.

    Ich glaube es gibt immer ein Restrisiko dass tatsächlich mehr im Argen ist. In die Jahre gekommen Patriarchen neigen manchmal dazu wirklich dumme Sachen zu machen (z.B. Merckle).


    Der Rebound in der Aktie (+10%) nach vorher -50% dürfte auch eher "technischer" Natur sein. Insbesondere in einem Market wie aktuell gibt es immer welche die zocken. Wirecard ist z.B. immer noch 105 Mio EUR wert....


    Aber warten wir ab, es wird sehr spannend heute und morgen.


    Sollte Grenke morgen mit gespreizten Fingern an einem Tisch stehen wäre es allerdings unschön ;-)

  • Letztendlich ist das nur raten, weil aber die Nachrichten, die ich in den letzten Wochen wahrgenommen habe, waren eher in Richtung einer positiven Tendenz im Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung.


    Ein Beispiel:

    Quote

    Baden-Württemberg muss wegen der Corona-Krise zwar mit weiteren massiven Steuerausfällen rechnen - der Einbruch fällt aber nicht so deutlich aus wie noch im Frühjahr angenommen. Die außerordentliche Steuerschätzung geht für 2020 und 2021 von einem Rückgang der Steuereinnahmen um rund 4,4 Milliarden Euro aus, wie das Finanzministerium am Montag in Stuttgart mitteilte.

    Die Einnahmen liegen im laufenden Jahr voraussichtlich rund 2,6 Milliarden Euro niedriger als im Landeshaushalt veranschlagt. Die Mai-Steuerschätzung hatte noch ein Minus von rund 3,3 Milliarden Euro ergeben, wie das Ministerium mitteilte. Für 2021 wird nun ein Rückgang um etwa 1,8 Milliarden Euro prognostiziert. Im Frühjahr ging die Steuerschätzung noch von circa 3,5 Milliarden Euro weniger aus.


    Da du mich hier leicht falsch zitierst, vielleicht noch mal ein klarere Formulierung: Es wird definitiv im Vergleich zu 2019 ein beschissenes Jahr. Aber im Gegensatz zur Stimmung vom März tendiere ich mehr dazu zu glauben, dass wir doch eine bessere Entwicklung als angenommen haben. Wirtschaftliche Erholung, große Disziplin und Konjunkturstützen tragen dazu bei. Einge wird es treffen, aber ich könnte mir vorstellen, dass einige durch Reorganisation doch überleben.

  • Da du mich hier leicht falsch zitierst, vielleicht noch mal ein klarere Formulierung: Es wird definitiv im Vergleich zu 2019 ein beschissenes Jahr. Aber im Gegensatz zur Stimmung vom März tendiere ich mehr dazu zu glauben, dass wir doch eine bessere Entwicklung als angenommen haben. Wirtschaftliche Erholung, große Disziplin und Konjunkturstützen tragen dazu bei. Einge wird es treffen, aber ich könnte mir vorstellen, dass einige durch Reorganisation doch überleben.

    Sorry, wollte Dich nicht (leicht) falsch zitieren. Mir geht es vor allem darum, dass das Aussetzen der Insolvenzregelung zu sehr seltsamen Effekten geführt hat. Z.B. war die Zahl der Insolvenzen im Mai 2020 in Deutschland ca. 10% NIEDRIGER als 2019:


    https://www.destatis.de/DE/Pre…20/08/PD20_300_52411.html


    Selbst wenn es für Deutschland nicht so schlimm kommt wie ursprünglich erwartet, kann es für Grenke sehr viel schlechter kommen als das was man bisher gesehen hat und was Grenke Aktionäre bis vor wenigen tagen noch erwartet haben.

  • Sorry, wollte Dich nicht (leicht) falsch zitieren. Mir geht es vor allem darum, dass das Aussetzen der Insolvenzregelung zu sehr seltsamen Effekten geführt hat. Z.B. war die Zahl der Insolvenzen im Mai 2020 in Deutschland ca. 10% NIEDRIGER als 2019:


    https://www.destatis.de/DE/Pre…20/08/PD20_300_52411.html


    Selbst wenn es für Deutschland nicht so schlimm kommt wie ursprünglich erwartet, kann es für Grenke sehr viel schlechter kommen als das was man bisher gesehen hat und was Grenke Aktionäre bis vor wenigen tagen noch erwartet haben.

    Klar. Das kann es definitiv und ich kann da auch ziemlich falsch liegen. Die Arbeitshypothese, dass wir bald richtig Probleme bekommen, haben ja auch viele. Ich tue mir aber etwas schwer das mit den Daten und Eindrücken, die ich so bekomme, zu synchronisieren. Auch die Konjunkturprogramme und die weitgehende Normalität passen für mich nicht so ganz. Aber auch alles nur mein Eindruck.


    Wie begründest du denn deine Patriachthese? Ich hab Wolfgang Grenke da ziemlich anders erlebt. Er hat ja den Staffelstab abgegeben - auch klar mir gegenüber kommuniziert, dass er wenig zum aktuellen operativen Geschäft sagen will, weil das die Nachfolger machen. Und er schien auch eher noch auf der strategischen Ebene dabei zu sein. So aus den Zeilen heraus hab ich auch eine große Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern herausgelesen und ein Arbeiten auf selbstverantwortlicher Augenhöhe.


    Ich glaube beim nächsten Livestream mit Unternehmern musst du mal dabei sein und kritische Fragen stellen ;).

  • Quote

    Wie begründest du denn deine Patriachthese? Ich hab Wolfgang Grenke da ziemlich anders erlebt. Er hat ja den Staffelstab abgegeben - auch klar mir gegenüber kommuniziert, dass er wenig zum aktuellen operativen Geschäft sagen will, weil das die Nachfolger machen. Und er schien auch eher noch auf der strategischen Ebene dabei zu sein. So aus den Zeilen heraus hab ich auch eine große Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern herausgelesen und ein Arbeiten auf selbstverantwortlicher Augenhöhe.

    Das ist jetzt keine These von mir sondern nur ein Beispiel. Ich kenne Grenke (Person und Firma) nicht wirklich.


    Bei Silver Chef, die ich glaubte etwas besser zu kennen, ging es mit dem Absturz auch erst dann los, als der Gründer abgetreten ist, obwohl der Grundstein vorher gelegt wurde.


    ich will nur sagen dass man sich nie 100% sicher sein kann.

  • Vollkommene Zustimmung.

    Deswegen muss die Risk/Reward Ration stimmen ja definitiv stimmen bevor man stärker einsteigen kann und man sollte sich idealerweise auch länger mit dem Unternehmen auseinandersetzen. Aber trotzdem kann da noch einiges schief gehen. Siehe SilverChef oder auch amaysim.