Gesundheits-Aktien liegen an der Börse momentan im Krankenbett - sie leiden an akutem Schmidt-Seehofer-Syndrom. Die Symptome sind bei allen Patienten gleich: niedrige KUV-Werte, beschleunigter Abfall des KBV, galoppierender KCV-Schwund und stark überhöhte Divi-Pegel. Die Patienten gelten als stigmatisiert - trotz robuster KGV-Struktur fasst selbst das hauptamtliche Pflegepersonal die ekelerregende Branche höchstens mit der Kneifzange an.
Die Patienten selbst stöhnen und röcheln und klagen über Muskelschwund. Einige wirken in dieser Tristesse trotzdem erstaunlich robust - ja, es werden im Sanatorium untereinander sogar Heiratspläne geschmiedet.
Eine dieser Bräute mit fahlem Antlitz ist Andrea(e) Noris-Zahn. Der Doppelname lässt auf einen gewissen Emanzipationsgrad und gesundes Selbstbewusstsein schliessen - ihre Freunde nennen sie kurz Anzag.
Anzag arbeitet seit Jahren im pharmazeutischen Grosshandel und hat es dort zu einer führenden Position gebracht, bei der sie selbst in der Flaute gutes Geld verdient. Privat ist sie allerdings etwas zickig: Sie hat gleich drei feste Freunde, denen sie je ein Viertel ihrer Aufmerksamkeit widmet: die Herren Sanacorp, Noweda und DZ-Bank. Das restliche Viertel widmet sie OBC und Unichem und als free float wechselnden Bekanntschaften. DZ-Bank will das nicht länger mitmachen und hat Herrn Sanacorp seinen Anteil an Anzag versprochen. Das allerdings verschnupfte den Nebenbuhler Noweda, den Anzag postwendend aus dem Aufsichtsrat schmiss. Dieses Tohuwabohu rief ausserdem das Bundesaufsichtsamt auf den Plan, das die enge Liaison zwischen Anzag und Herrn Sanacorp erst mal untersagt hat. Herr Sanacorp - ganz Kavalier der alten Schule - kämpft jetzt vor Gericht um seine Anzag.
Das Publikum wendet sich mit Grausen, so dass dieses Theater weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Irgendwie interessiert diese tränenreiche Krankengeschichte niemanden. Selbst in einschlägigen Klatschblättern wie w:o interessieren sich nur hartgesottene Krankenschänder für den Fall. Es sind die üblichen Verdächtigen: Syrtakihans, Mandrella und pantarhei - alle einschlägig bekannt, aber selbst sie gehen der armen Anzag seit Monaten aus dem Weg.
Dabei ist sie - wenn man den Schleier des Grauens ein wenig lüftet - gar nicht so unattraktiv:
Sie bringt beim aktuellen Kurs von 28 ¤ an der Börse dralle 300 mio auf die Waage, davon 28 mio frei floatend. Ihr Substanzwert liegt bei 23 ¤ / Aktie, den sie sich mit einem Umsatz von 3.000 mio angefuttert hat. Letztes Jahr blieben pro Aktie 3,33 ¤ Überschuss hängen, wovon sie 1,54 ¤ an ihre Freunde weitergab.
Die Kliniker berechnen daraus folgende Werte:
KUV 0,10
KBV 1,2
KGV (2002) 8,4
Divi 5,2%
KCV 5 (mit EBITDA)
Mit diesen Werten ist Anzag zur Zeit ein Top-10-Model, das sogar Lady Turbon schlägt. Aber es schaut halt keiner hin. Dabei kann die Anzag auch noch mit Geld umgehen - sie hat Null Schulden. Jaja, die armen Mauerblümchen...
Hier ist noch die Fieberkurve von der armen Anzag - seit Monaten ist kein rechter Schwung drin, aber früher war das anders...