Spekufrist weg - Besteuerung aller Aktiengewinne

  • Nachdem die Regierung die Spekulationsfrist zunächst von 6 auf 12 Monate verdoppelt hat, sollen steuerfreie Kursgewinne jetzt komplett abgeschafft werden:

    http://www.hz-online.de/index.php?mode…egin=0&id=55351

    Ein paradoxer Vorschlag angesichts der Aufforderungen, die Bürger sollten stärkere Eigenvorsorge fürs Alter treffen. Bin gespannt, ob das dann auch für Kursgewinne von Lebensversicherern gilt...

    Hier ein Auszug:

    "FINANZEN / Alle Gewinne aus Aktien- und Immobilienverkäufen besteuern

    SPD: Spekulationsfrist weg
    Die SPD erwägt, die Gewinne aus dem Verkauf von Aktien und Immobilien in jedem Fall zu besteuern. Das berichtet der "Spiegel". ...
    Für private Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren und Immobilien soll es keine Spekulationsfrist mehr geben, nach der solche Gewinne steuerfrei sind. Das sieht ein Leitantrag der SPD-Spitze zum SPD-Parteitag im November vor, berichtet der "Spiegel". Außerdem sollten die Erbschaftsteuer neu geregelt und Großvermögen stärker belastet werden. Der Entwurf der SPD-Spitze, entstanden unter Federführung von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, Finanzminister Hans Eichel, Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Generalsekretär Olaf Scholz, sei ein Arbeitsentwurf, sagte eine SPD-Sprecherin. Nichts stehe fest."

  • Ob die Regierung da nicht eher Verluste macht? Schließlich habe ich gehört, daß in vielen Depots noch die eine oder andere Leiche schlummern soll - und aufgrund der Steuergerechtigkeit müßten nicht nur Spekulationsgewinne immer versteuert werden, sondern auch Spekulationsverluste unbegrenzt damit verrechenbar sein.

    Irgendwie habe ich bei der ganzen Diskussion ein starkes Deja-Vu-Gefühl. War das nicht schonmal Anfang des Jahres dran?

    "The only function of economic forecasting is to make astrology look respectable." - John Kenneth Galbraith

  • Nene, cktest,

    Du musst das schon richtig lesen. Die Initiative lautet klar "Besteuerung aller Gewinne". Von Verlusten ist da keine Rede. Und selbstverständlich wird das rückwirkend gelten - bis zum Beginn der Zeitrechnung (das ist extra wegen Beobachter, wegen des Josephspfennigs ;-)

    Diese und ähnliche dusselige Vorschläge (KfZ.-Steuer verbrauchsabhängig, Bürgerversicherung - wird wohl einen Freibetrag für Abgeordnete geben, etc.) können nur von nicht produktiven Leuten kommen, die sich und ihre nicht produktiven Anhänger noch bisschen über Wasser halten wollen. Ich empfehle zum wiederholten Male "Kishon für Steuerzahler"....

    Nic

  • Eine besondere Gemeinheit ist bei der Geschichte, dass die Regierung massive Anreize für eine höhere Inflation setzt (Staatsverschuldung, Erhöhung von Steuern und Abgaben usw).

    Gemein deshalb, weil Sachwerte wie Aktien im Zuge der Inflation quasi automatisch im Preis steigen - auch ohne Zunahme des inflationsbereinigten inneren Wertes (siehe auch: Siegel - "Stocks for the long run").

    Mit anderen Worten: "dank" Inflation erhält man auf dem Papier Kursgewinne, die man dann versteuern muss.

    Kurzfristig und beim jetzigen Inflationsniveau wirkt mein Argument wahrscheinlich auf viele läppisch. Auf Jahrzehnte gerechnet (Altersvorsorge!!) sieht das ganz anders aus. Man muss nur mal überlegen, wie wenige Leute in den 60er-Jahren mit hohen Steuersätzen belegt wurden, und wie viele das heute sind - "dank" Inflation und Inflationsausgleich bei den Löhnen. Die Leute rutschen im Lauf der Jahre ganz automatisch in der Steuerprogression nach oben, und bei den Aktien dürfen wir uns auf Ähnliches freuen.

  • Das einzige was dieser "Moderator" kann
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    Einmal editiert, zuletzt von Beobachter (10. Mai 2009 um 00:44)

  • Das ist einer der wenigen Punkte, in dem wir uns schon immer einig waren: niemand kann auf Dauer über seine Verhältnisse leben - weder ein(e) Privatmann/-frau, noch eine Firma, noch ein Staat.

    Um eine Überschuldung wieder ins Lot zu bringen, gibt es genau zwei Möglichkeiten:
    a) Erhöhen der Einnahmen
    b) Kürzen der Ausgaben

    zu a) Das Erhöhen der Einnahmen beherrscht unser Staat bis zur Perfektion, man denke nur an die diversen Steueränderungen der letzten 15 Jahre: "Solidaritäts"zuschlag (...nur für ein paar Jahre...), Pflege"versicherung", Einstieg in die Riester-Renten-Zusatz"versicherung", Vorbereitung der "privaten" Zahnersatz-Zwangs-"Versicherung", die geradezu philantrophische "Öko"-Steuer usw. Wir werden mit gnädigen "Versicherungen" geradezu zugeschüttet. Daneben natürlich ein paar klitzekleine Steuererhöhungen für so unmoralische Sachen wie Alkohol, Zigaretten oder gar Kapitalgewinne.

    zu b) Beim Kürzen der Ausgaben wird's natürlich weltanschaulich. Was der eine als "soziale Errungenschaft" sieht, ist für den anderen eine "soziale Hängematte". Ich persönlich sehe - je mehr ich die Sache beobachte - erhebliches Einsparpotenzial in der herrschenden Kaste des gehobenen Beamtentums. Ich wüsste nicht, wo sonst man sich nach vier Jahren Arbeit eine Rente (Verzeihung: Pension) von 250,000 Euro auf Lebenszeit erwerben könnte - natürlich zuzüglich Chauffeur und Sekretärin. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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    Einmal editiert, zuletzt von Beobachter (10. Mai 2009 um 00:44)

  • Was meinst du damit: "selbst der Staat muss Zinsen zahlen" ???

    Warum sollte ausgerechnet der Staat von Zinszahlungen befreit werden, obwohl er mehr Geld ausgibt als er einnimmt??? Das hat m.E. null und niente mit dem Währungssystem zu tun - so eine Fehlwirtschaft würde auch mit Goldstandard nicht funktionieren.

  • Seit wann zahlt der Staat die Zinsen ??? Diese Transferleistung wird immer noch vom Steuerzahler erbracht. Jeder EURO der vom gewählten Volksvertreter zuviel ausgegeben wird muss vom arbeitenden Bürger zzgl. Zinsen zusätzlich zurückbezahlt werden. :(

    Die Schweden haben m. M. sich vorerst richtig entschieden. Erst wenn alle Euro-Teilnehmer-Staaten einen ausgegl. Haushalt haben, macht eine Gemeinschaftswährung Sinn !

    Grüße Sam

    2 Mal editiert, zuletzt von Sam (15. September 2003 um 21:32)

  • @ Sam:

    jau, so iss' es! Volle Zustimmung.

    Ich frag' mich nur, wann das der Masse der Steuerzahler (Bürger, Industrielle, Arbeitnehmer usw) endlich mal aufgeht. Ohne Flachs: hier gärt das Potenzial für einen Umsturz. Die meisten Barrikadenstürmer werden nur keine Ahnung von den Zusammenhängen haben - so wie es bei Revolutionen üblich ist.

  • "Das hat m.E. null und niente mit dem Währungssystem zu tun - so eine Fehlwirtschaft würde auch mit Goldstandard nicht funktionieren."

    Gerade das ist der Punkt, diese Misswirtschaft wäre unter dem Goldstandard nicht möglich. Der Goldstandard wirkt disziplinierend auf den Staat und erlaubt ihm nicht, langfristig über seine Verhältnisse zu leben.
    Das ist wohl auch ein Grund, weshalb er vom Staat abgeschafft wurde :-(

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    3 Mal editiert, zuletzt von Beobachter (10. Mai 2009 um 00:44)

  • Moin, moin,

    heute ist ein wunderschöner Spätsommertag, es ist die Stimmung, sich auf einen Hügel auf einen besonnten Stein zu setzen, den Blick über die friedliche Landschaft schweifen zu lassen und mit einem Pfeifchen zu philosophieren .... über die Feststellung: 'der Staat sind wir'.

    Nic

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    Einmal editiert, zuletzt von Beobachter (10. Mai 2009 um 00:45)

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    2 Mal editiert, zuletzt von Beobachter (10. Mai 2009 um 00:45)

  • @ Thom & Beobachter,

    Zitat

    Der Goldstandard wirkt disziplinierend auf den Staat und erlaubt ihm nicht, langfristig über seine Verhältnisse zu leben.

    Ihr könnt mich gerne korrigieren, aber mir fallen spontan etliche Staaten ein, die es trotz Goldstandard geschafft haben, über ihre Verhältnisse zu leben. Zum Beispiel Frankreich vor der französischen Revolution...

    Mir scheint auch, es wäre einfacher und pragmatischer, den Politikern beim Geldausgeben auf die Finger zu klopfen anstatt eine Währungsreform durchzuführen.

    @ all:

    Was die Abschaffung der Spekulations-Frist betrifft: heute ausführlicher Artikel in der FT:

    http://www.ftd.de/pw/de/1063435799729.html?nv=wn

    Gruss, witchdream

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    Einmal editiert, zuletzt von Beobachter (10. Mai 2009 um 00:46)

  • Hi Beobachter

    Ich denke man sollte die Bedeutung des Goldstandards an Hand von einem kleinen Beispiel erläutern.

    Wenn ich heute bei einer Bank einen Kredit aufnehme brauch ich Sicherheiten. Diese Sicherheit kann Gold sein oder auch was anderes. So weit sollten wir uns einig sein.

    Der Staat hat zum heutigen Zeitpunkt eine bestimmte Zahl an Schulden (S). S hat 100 Einheiten und muss durch eine Sicherheit abgedeckt sein. Diese Sicherheit kann Gold sein oder z. B: das Bruttosozialprodukt (BSP). Wenn ich nun neue Schulden (nS) mache und nS 4 Einheiten sind, brauche ich auch dafür Sicherheiten. Wenn Gold meine Sicherheit ist brauch ich eben 4 Einheiten mehr oder das BSP muss um diese 4 Einheiten wachsen. Egal was ich als Sicherheit habe, wenn es nicht genauso stark wächst wie meine Neuverschuldung habe ich ein riesiges Problem.

    Wir haben z. Zt. 0 (in Worten null) Wachstum aber 4 % Neuverschuldung.

    Ob nun Gold als Sicherheit unseren Hans Eichel dazu bewegen würde einen ausgeglichenen Haushalt zu schaffen kann bestenfalls als Philosophie zur Diskussion stehen, genauso wie Dein philosophischer Rettungsanker - WIR SIND DER STAAT. Ich mag mich allerdings eher mit realwirtschaftlichen Dingen beschäftigen, da ich nicht Glaube, dass dem Hänschen Eichel, egal ob nicht vorhandene Goldklumpen oder die EZB im auf die Finger hauen, jemals ein ausgeglichener Haushalt gelingt, weil er nicht mal die einfachsten makroökonomischen Grundlagen der Volkswirtschaftslehre kennt.

    Grüße Sam

    Einmal editiert, zuletzt von Sam (16. September 2003 um 11:33)

  • Zitat

    Natürlich können Staaten auch mit Goldstandard über ihre Verhältnisse leben. Das geht ganz einfach: sie müssen nur gegen die vom Goldstandard auferlegten Beschränkungen verstoßen. Ob sie dies tun ist relativ einfach festzustellen - entsprechend kann man ihnen dann auf die Finger klopfen.

    Das errinnert mich an die EU-Verträge, die den EU-Staaten eine Neuverschuldung > 3% des BSP verbieten - bei Androhung von Sanktionen. Auch hier kann man denkbar einfach feststellen, dass sich DE und FR einen Dreck um diese Verträge scheren. Man kann ebenso leicht feststellen, dass diverse Staaten mit exakt dem gleichen Währungssystem (also ohne Goldstandard) ihren Staatshaushalt im Griff haben - zum Teil werden dort sogar Überschüsse erwirtschaftet.

    Die Frage ist also nicht "Gold oder nicht Gold", sondern Haushaltsdisziplin oder nicht. Ich hoffe, dass die EU unserer Regierung endlich mal saftig eins auf die Pratzen gibt - die Wähler sind dazu in DE offenbar zu blöd.

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    Einmal editiert, zuletzt von Beobachter (10. Mai 2009 um 00:49)