• Wenn wir von der These ausgehen, dass bislang der Ölpreis hoch gehalten wurde und militärische Interventionen dazu dienten, Konkurrenten am Liefern zu hindern, ist ja nun die Lage, dass der Ölpreis von den gleichen Playern nachgerade mit Gewalt gesenkt wird.

    Ziel könnte sein, Russland zu zeigen, wo der Hammer hängt und den Verbrauchern der Welt ein Konjunkturprogramm zu verpassen.

    Bloß, warum spielt die so auch sinkende Nachfrage nach amerikanischen Bonds in der Gleichung keine Rolle?

    Weil die FED den Aufkauf übernimmt?

    "Hey Du, möchtest Du ein A kaufen?" Standard & Poor's (zitiert aus: Marc-Uwe-Kling: Der falsche Kalender - 365 falsch zugeordnete Zitate)

  • Fugro - Capital Markets Day Unterlagen.

    Auf Seite 16 findet sich eine schöne Kostenkurve zum Ölpreis.
    Ich habe allerdings das Gefühl, dass die average-Preise nicht so 100% stimmen.
    Die schreiben ja "for non producing assets". Die meisten Unterlagen die ich kenne sehen zwar die ähnliche Anordnung der einzelnen Produktionsbereiche (ja Offshore-Küste ist billiger als Onshore) - aber im Schnitt deutlich teurer.

    Ich meine gerade Fracking wäre ehrer in Richtung 80 USD...
    Aber wer weiß das schon...

    http://www.fugro.com/docs/default-s…29.pdf?sfvrsn=0

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Danke, sehr interessant!
    2/3 der gesamten Produktionskapazität im Preisband von average 49-63$, das ist erstaunlich eng beieinander.
    Wenn ich bedenke, dass der Bedarf bei etwa 90 Mio Barrel/Tag liegt, wäre ein mittelfristiger Marktpreis um den Bereich von 60-65$ nicht wahrscheinlich, wobei sinkende Nachfrage den Preis auf Dauer nicht wesentlich drücken können sollte.

    Ich hatte allerdings US-Shale auch etwa 10$ teurer in Erinnerung, und Ultra-deep offshore halte ich auch für etwas teurer.

  • 1) wo siehst Du denn ernsthaft sinkende Nachfrage beim Öl? Die Nachfrage ist ziemlich stabil.
    2) ich habe auch im Hinterkopf, dass die gesamte Preiskurve etwas "steiler" ist. Aber das ist immer so eine Sache - die Firmen zeigen einem was immer sie wollen.

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Fugro - Capital Markets Day Unterlagen.

    Auf Seite 16 findet sich eine schöne Kostenkurve zum Ölpreis.
    Ich habe allerdings das Gefühl, dass die average-Preise nicht so 100% stimmen.
    Die schreiben ja "for non producing assets". Die meisten Unterlagen die ich kenne sehen zwar die ähnliche Anordnung der einzelnen Produktionsbereiche (ja Offshore-Küste ist billiger als Onshore) - aber im Schnitt deutlich teurer.

    Ich meine gerade Fracking wäre ehrer in Richtung 80 USD...
    Aber wer weiß das schon...

    http://www.fugro.com/docs/default-s…29.pdf?sfvrsn=0

    Verstehe ich die Grafik richtig? Das sind Schätzungen für die vorraussichtlichen Break Even Cost von neuen Ölquellen (bisher "non producing assets") für eine geschätzte Nachfrage in 2020? Da sind eine Menge schwierig zu schätzender Variablen drin...

    2) ich habe auch im Hinterkopf, dass die gesamte Preiskurve etwas "steiler" ist. Aber das ist immer so eine Sache - die Firmen zeigen einem was immer sie wollen.


    Wenn ich das richtig verstehe, dann zeigt die Grafik keine aktuelle Preiskurve.

    In letzter Zeit hab ich einige Grafiken mit 2020 Schätzungen gesehen (warum auch immer 2020 gewählt wird), z.B. hier:
    http://www.businessinsider.com/citi-breakeven…-prices-2014-11
    listing the breakeven price for every international oil company project through 2020. (Lupe/ Speicherung und Vergrößerung empfehlenswert) Ist wie gesagt eher eine nutzlose Spielerei.

    beati pauperes spiritu

    "we shall fight on the landing grounds, we shall fight in the fields and in the streets, we shall fight in the hills; we shall never surrender.“ W.C.

    “Facts do not cease to exist because they are ignored.” – Aldous Huxley


    Einmal editiert, zuletzt von qed1984 (2. Dezember 2014 um 17:36)

  • Vielleicht interessant

    http://business.financialpost.com/2014/10/14/can…__lsa=d552-1462

    Danach sind nur 3% der US Produktion mit Breakeven oberhalb 80 US$.
    Und nur 1% der erschlossenen deep water Vorkommen oberhalb 80 US$, wohl aber ca. 8% der küstennahmen Vorkommen.

  • Der Artikel ist schon etwas älter, aber doch ganz interessant, auch was den historischen Rückblick auf den Zusammenbruch der Sovietunion angeht:
    http://www.telegraph.co.uk/finance/commen…viet-Union.html

    Demnach wäre der niedrige Ölpreis vor allem deshalb politisch gewollt, um Putin in die Knie zu zwingen. Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker.

    Vor die Wahl zwischen zwei möglichen Alternativen gestellt, wähle die Dritte!

  • 1) wo siehst Du denn ernsthaft sinkende Nachfrage beim Öl? Die Nachfrage ist ziemlich stabil.
    2) ich habe auch im Hinterkopf, dass die gesamte Preiskurve etwas "steiler" ist. Aber das ist immer so eine Sache - die Firmen zeigen einem was immer sie wollen.


    Ich sehe keine sinkende NAchfrage, sondern wollte darauf hinweisen, dass selbst ein solches Ereignis mittel- bis langfristig nicht zu stark sinkenden Ölpreisen führen solle. Ich sehe allerdings einen sinkenden Energiebedarf in entwickelten Ländern wie Deutschland.
    Kurzfristig kann der Ölpreis trotzdem turbulent durch die Gegend springen, schon weil viele Förderer nicht mal eben die Förderung senken können, ohne die Verluste noch weiter zu steigern.

  • Wenn wir von der These ausgehen, dass bislang der Ölpreis hoch gehalten wurde und militärische Interventionen dazu dienten, Konkurrenten am Liefern zu hindern, ist ja nun die Lage, dass der Ölpreis von den gleichen Playern nachgerade mit Gewalt gesenkt wird.

    Ziel könnte sein, Russland zu zeigen, wo der Hammer hängt und den Verbrauchern der Welt ein Konjunkturprogramm zu verpassen.

    Bloß, warum spielt die so auch sinkende Nachfrage nach amerikanischen Bonds in der Gleichung keine Rolle?


    Weil Russland nicht das Ziel ist.

    Die Frage wurde auf irgendeiner Pressekonferenz in Moskau auch gestellt, und da antwortete die Zentralbankpräsidentin lapidar, dass sie vor der Krise 3200 Rubel pro Barrel verdienten, heute aber 3400. Die Moral ist die, dass man einen netto-Exporteur von wichtigen Rohstoffen nicht durch eine Attacke auf seinen Wechselkurs nicht so leicht zu Fall bringen kann. Energieminister Novak sagte ja auch vor der OPEC-Konferenz schon, dass man sich auf eine "Krise" mit extrem niedrigen Ölpreisen einstelle.

    Ein paar Tage vor der OPEC-Konferenz gab es in Wien zudem ein inoffizielles Treffen zwischen Saudi-Arabien, Venezuela (OPEC), Mexiko (nicht OPEC) und Russland (nicht OPEC). Das sieht für mich nicht so aus, als wäre Russland das Ziel.

    Meiner Ansicht nach bekommt Nordamerika ein Risenproblem, wenn der Ölpreis längere Zeit unter USD 75 pro Barrel liegt. Die Zahlen zu den Kosten sind üblicherweise genauso geschönt, wie zur Lebensdauer pro Bohrloch beim Schieferöl.

    Lasst uns mal abwarten,
    1) welche Rohstoff-ETFs und rohstofflastige Hedge-Fonds den niedrigen Ölpreis alle nicht lange aushalten
    2) welche Lasten bei den Banken hängenbleiben
    3) wie der Markt für USD High-Yield-Anleihen in einem Jahr aussieht. (In Q1-Q3/2014 stammten laut Financial TImes etwa 20% der Emissionen aus dem Ölsektor)
    4) wem China finanziell noch alles unter die Arme greift
    5) wie die Geschichte incl. Ölpreis aussieht, wenn Aktien mal 20% tiefer stehen als heute
    6) wie lange der Goldmarkt den niedrigen Ölpreis noch aushält. GOFO ist schon bis 6 Monate negativ.

    Balkenchart

  • Ich bezweifle mittlerweile, dass die Saudis bzw. die OPEC überhaupt gegen irgendjemand speziell zielen.
    Sie akzeptieren schlicht die Tatsache, dass sie den Ölpreis nicht auf dem Level um 100$ zu halten, weil dann zu viele neue Förderkapazitäten erschlossen werden. Warum sollten sie sich auch auf einen Kampf einlassen, in dem sie keine Chance hätten?

    Ob der Marktpreis mehr den Amis mit Fracking, den Russen mit Onshore-Förderung oder mehr Norwegern oder Basilianern etc. mit Offshore-Förderung schadet, kann den Saudis als starkem Mann der Opec egal sein - Hauptsache der Markt sorgt dafür, dass ein paar Förderkapazitäten aus dem Markt geschossen werden.

    Bei den Russen glaube ich gerne, dass sie kurzfristig mit sinkendem Rubel und Ölpreis leben können. Sofern sie aber weiterhin technische Unterstützung bei der Erdölförderung mit harte Währungen bezahlen müssen, wird das mittel- bis langfristig schmerzen.
    Putin ist stark auf der Kurzstrecke, aber je länger der Lauf, desto schwerer wird es für ihn.

  • Bei den Russen glaube ich gerne, dass sie kurzfristig mit sinkendem Rubel und Ölpreis leben können. Sofern sie aber weiterhin technische Unterstützung bei der Erdölförderung mit harte Währungen bezahlen müssen, wird das mittel- bis langfristig schmerzen. Putin ist stark auf der Kurzstrecke, aber je länger der Lauf, desto schwerer wird es für ihn.


    Ja, wenn man gegen sie ein totales Embargo verhängen würde, dann haben sie sicher ein solches Problem.

    Die andere Frage ist die, woher die Amerikaner die harte Währung bekommen, um ihre Importe zu bezahlen. Ohne eigenes Öl, das international konkurrenzfähig ist, sieht das nicht so gut aus. Schon auf der Kurz- bis Mittelstrecke.

    Balkenchart

  • Ja, wenn man gegen sie ein totales Embargo verhängen würde, ...
    Balkenchart

    Es geht wohl eher darum, dass die Russen Technik im Westen für harte Devisen kaufen müssen als um ein Embargo per se. .

  • ...
    Weil Russland nicht das Ziel ist.

    ...

    Jipp: Das Ziel der Saudis ist es, den Iran zu schwächen und eine iranische Atombombe zu verhindern. Kein Wunder, dass die Verhandlungen gut vorankommen, wenn der Iran die Sanktionen abschütteln muss, um auf den Beinen zu bleiben: http://www.handelsblatt.com/politik/intern…e/11062994.html

    Wenn der Iran auf Atombomben verzichtet, haben die USA gewonnen, die Saudis eine Atommacht weniger in der Nachbarschaft und darüber, was der IS darf und was nicht, wird neu diskutiert.

    "Hey Du, möchtest Du ein A kaufen?" Standard & Poor's (zitiert aus: Marc-Uwe-Kling: Der falsche Kalender - 365 falsch zugeordnete Zitate)


  • Jipp: Das Ziel der Saudis ist es, den Iran zu schwächen und eine iranische Atombombe zu verhindern.


    Glaube ich genausowenig. Zur Erinnerung. Etwa eine Woche vor der regulären OPEC-Konferenz gab es das hier:

    Treffen der Außenminister von Russland und Saudi-Arabien

    Zitat

    Russia and Saudi Arabia are against using geopolitical schemes on the oil market, Russia’s Foreign Minister Sergey Lavrov said on Friday
    following a meeting with Saudi Arabia’s Foreign Minister Prince Saud al-Faisal Al Saud. “As for the situation in the oil market, we and Saudi Arabia share the position that pricing should be market-based,” Lavrov said. “Offer and demand are playing major role here."


    Pressekonferenz mit Lawrow

    Saudi-Arabien spielt dabei natürlich wie immer die Rolle des "Swing Producer". Sie sagen das nicht offiziell, aber ihre Vermarktung geht dann wie folgt: "Liebe Kunden. Der Preis pro Barrell für Lieferung von Referenz-Öl im Monat X ist $72.00. Wieviel wollt Ihr bestellen?" Dann müssen sie bereit sein, zu liefern, auch wenn die nachgefragte Menge überraschend hoch ist, und sie müssen bereit sein, mit wenig Volumen zu leben, wenn nicht.

    Die Saudis haben in der letzten Zeit immer so zwischen 8 und 10 Millionen Barrel pro Tag gefördert. Die US-Presse schreibt, sie hätten nur max. 12,5 Mio Barrel an Kapazität. Saudi Arabien selbst behauptet ab und zu, sie könnten bis zu 15 Mio Barrel fördern.

    Wenn ich den Preis auf ca. $65 halten will, wieviel Öl muss ich dann bereit sein zu fördern? Es wäre auf jeden Fall prima, wenn man das Iranische Öl wieder auf den Markt bringen könnte. Hier sieht man sehr schön die Wirkung der US-Sanktionen (an die sich China, Südkorea und ein paar andere übrigens nicht halten):

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    Aha. Also wie bekomme ich das iranische Öl auf den Markt? Ach so: Iran-Russia Oil-for-Goods Deal Moment mal, wieso kauft Rosneft jetzt iranisches Öl? Russland hat doch genug Öl. Klar, oder? Die Russen wollen einfach einen Teil des iranischen Öls vermarkten. Den USA passt das verständlicherweise gar nicht.

    Ich kann mir vorstellen, das der Iran Teil der Strategie des niedrigen Ölpreises ist. Traditionell hatten Saudi-Arabien und Persien auch immer gute Beziehungen. Dass das nicht dem amerikanischen Wunschdenken entspricht, ist auch klar. Sollte der Iran sein Öl aber über Russland vertreiben wollen, dann müsste, weil Pipelines fehlen (und eine gute Bahnverbindung auch), immer noch ein guter Teil auf dem Seeweg transportiert werden, z.B. ab Bandar Abbas. Dummerweise kontrollieren die USA aber die Schiffahrtsrouten. Also müsste jemand den Iran schützen. Interessanterweise fiel der Name Bandar Abbas vor ein paar Wochen in einem anderen Zusammenhang.

    Natürlich sind China, Iran, Saudi-Arabien und Russland nicht unbedingt dicke Freunde. Aber offensichtlich wollen Iran, Russland und Saudi-Arabien nicht diejenigen sein, die wegen des amerikanischen Schieferöls einseitig ihre eigene Produktion reduzieren müssen:

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    Und offenbar hat China ein Interesse an niedrigen Energiepreisen. Europa eigentlich auch, aber wir helfen gerade den Amerikanern in der Ukraine-Krise, unsere eigene Energieversorgung nachhaltig zu sabotieren, und zum Hurra-Geschrei unserer angeblich freien Presse.

    Balkenchart

  • Das interessante ist doch, dass sich sowohl Verbrauch als auch Produktion sich in den letzten Monaten nur wenig verändert haben.
    Ja es hat einen gewissen Aufbau an Inventory gegeben - aber es ist nicht so, dass Shale-Produktion jetzt ein riesiges Überangebot erzeugt hat - aber das kann nicht so einen massiven Preisverfall erklären...
    Ich finde zumindest keine belastbaren Daten dazu - und ich habe da auch noch insgesamt wenig zu gelesen.

    Die bestgemachte Seite zu diesem Thema finde ich hier:
    http://labs.timogrossenbacher.ch/worldoil/

    Gute und anschauliche Daten zur US-Produktion gibt es da hier:
    http://www.eia.gov/dnav/pet/hist/…&s=mcrfpus2&f=m


    Hat jemand eine Idee wo ich anschaulich die Veränderung von Forward-Kurven sehe?
    Mich würde mal interessieren ob sich die Forwardkurve bspw. für 2020 deutlich verändert hat?
    Soweit ich das sehe ist die ziemlich stabil geblieben bei irgendwas 80-90 USD (wo sie (soweit ich das weiß) auch vorher schon war als Brent bei 100 USD notierte)

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Hat jemand eine Idee wo ich anschaulich die Veränderung von Forward-Kurven sehe?
    Mich würde mal interessieren ob sich die Forwardkurve bspw. für 2020 deutlich verändert hat?
    Soweit ich das sehe ist die ziemlich stabil geblieben bei irgendwas 80-90 USD (wo sie (soweit ich das weiß) auch vorher schon war als Brent bei 100 USD notierte)

    Korrigiere mich wenn ich falsch liege, aber kannst du das nicht bei der CME direkt anschauen?
    http://www.cmegroup.com/trading/energy…weet-crude.html
    Von der Liste den gewünschten Zeitpunkt wählen und dann den Chart aufklappen (ist der zweite Kasten, neben Zeitpunkt und Optionen)
    PS: Bei manchen Kontrakten spinnt der Chart und endet bei 2011. Aber z.B. der Dec 2019 Kontrakt funktioniert bei mir.

    Eine aggregierte Darstellung (Kombination aller Forward Kurven in einem einzigem Chart, freies Verschieben des Zeitpunktes über Scrollen) habe ich leider auch noch nicht gefunden.

    beati pauperes spiritu

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