• Also doch noch einen thred zum Thema Dollar-Kurs, Zinsen in den USA, Immobilien et alii:


    Heute macht mich folgende Meldung stutzig und lässt mich wieder mal fast völlig verzweifeln:



    Also übersetzt heißt das doch: Der Dollar wird mehr wert, weil er weniger wert wird.
    Was machen denn die Käufer des Dollar? Staatsanleihen kaufen wohl kaum; sicher sind es die Hedgefonds mit Zins-Calls, die sind doch immer an allem Schuld.


    Die Erzeugerpreise steigen annualisiert um 8,7%.
    Heute werden die Daten zu den Verbraucherpreisen bekannt gegeben. Endet dann der freie Fall des Goldes?


    etwas ratlos ob der obigen sog. Zusammenhänge,
    value

    Das Drehbuch für den Untergang steht fest - es geht nur noch um den Preis für die beste Maske (H. v. Buttlar)

  • Hi value,


    Quote

    etwas ratlos ob der obigen sog. Zusammenhänge,


    Da bist du sicher nicht der einzige. Die Ursache für die Schwierigkeit sich ein Gedankengebäude aus einigermaßen schlüssigen Zusammenhängen zu errichten besteht m.E. darin, daß man versucht wirtschaftliche Zusammenhänge auf beliebig manipulierbares Spielzeuggeld anzuwenden. Die angebliche Fähigkeit der FED et. alii über die Regulierung des Zinsniveaus steuernd in die Realwirtschaft eingreifen zu können existiert längst nicht mehr. Die wurde durch das hasardeur-artige Aufblasen der Schuldenblase verspielt.


    Seit Jahren stelle ich in diesem Forum die Frage, wie wohl das Problem der überbordenden Staats- und Privatschulden gelöst werden wird. Bisher hat mir darauf niemand geantwortet. Die von der FED angestrebte Lösung scheint eine Hyperinflation zu sein. Da die Schuldner - selbst wenn sie wollten - nicht mehr imstande sind ihren Verpflichtungen nachzukommen ist dies die einzige Möglichkeit sich aus der Verantwortung zu stehlen. Sollte es tatsächlich gelingen die Hyperinflation, die wir jetzt schon seit Jahren an den Anlage- und Immobilienmärkten sehen durch die beispiellose und verantwortungslose Geldvermehrung auf die Gütermärkte zu verlagern sind wir dem unausweichlichen Endszenario für das Dollarspiel einen guten Schritt näher gekommen. Sollte es nicht gelingen und die Wirtschaft unmittelbar in eine Rezession sinken, dann wohl auch. Wie sich allerdings der Zusammenbruch dieses Schneeballsystems im Detail vollziehen wird das läßt sich kaum vorhersehen.


    Ich habe im Moment den smartinvestor als Probeabbo und werde wohl dabei bleiben. Im neuesten Heft sind mehrere Artikel zum Thema Kondratieff-Zyklen. Ein Autor - m.E. ein mit dem Thema etwas überforderter Yuppi (gibt's die noch?) sieht uns momentan im Frühling eines neuen Zyklus. In dessen Weltbild spielt eine noch nie da gewesene Hyperverschuldung wie wir sie z.Z. erleben nur eine untergeordnete Rolle. Ähnlich wie ein bekannter selbsternannter deutscher Antizyklik-Guru lösen bei ihm allfällige wissenschaftliche Quantensprünge immer wieder die Probleme. Auslöser sei dabei allerdings eine Sättigung der etablierten Märkte, welche dort keine profitable Expansion mehr ermögliche und deswegen Innovationsdruck aufbaue.


    Die Argumentation des anderen Autors (Herausgeber von "The long wave analyst") hat mich da mehr überzeugt. Er sieht uns am Beginn eines Kondratieff-Winters. Dessen Auslöser sei immer überbordende Verschuldung infolge monetären Missmanagements in der Boomphase des Zyklus. Seine Antwort auf die abschließende Frage des Interviews, was man denn nun für die Wirtschaft und die Märkte erwarten dürfe:


    Wie schon gesagt, dürfte die Wirtschaft in eine sich in die Länge ziehende deflationäre Deprssion fallen. Der Bärenmarkt bei den Aktien wird vermutlich sehr bösartig werden und viel Vermögen vernichten. Die Preise für Immobilien sollten in ähnlicher Weise unter Druck kommen. Die Rohstoffpreise werden ebenfalls fallen, weil die Nachfrage hiernach zurückgehen wird. Aufgrund der sogenannten Kreditklemme dürften die Anleihenpreise fallen, was mit steigenden Zinsen einhergehen wird - trotz der schwachen Wirtschaft. Gold dürfte wie in den 30er Jahren außergewöhnlich gut performen.


    Vermutlich nicht sehr hilfreich für eine unmittelbare Umsetzung in Trades.


    Die gemachten Aussagen beziehen sich übrigens in erster Linie auf die US-Wirtschaft. Japan befindet sich demnach schon seit über einem Jahrzehnt in der Winterphase und nicht erst am Anfang. Auch in Europa sei der Winter schon weiter fortgeschritten.


    Was den Winter diesmal besonders hart machen dürfte sind die infantilen Omnipotenzträume der Macher, die sich mit aller Gewalt den nötigen Bereinigungsprozessen entgegenstemmen wollen und die Situation damit nur verschlimmern. Der Weitblick der FED-Politik auf der Wirtschaftsebene ist m.E. durchaus mit dem Weitblick der Cheney/Bush-Clique auf politischer Ebene vergleichbar. Wenn man solche Gangster erst mal eine zeitlang gewähren läßt gibt es keinen geordneten Rückzug aus der Katastrophe mehr wie sich im Moment grade täglich mehr im Irak bestätigt. Wie die "Früchte" der FED-Politik schmecken werden davon läßt sich m.E. nichts Gutes erwarten.


    Quote

    sicher sind es die Hedgefonds mit Zins-Calls, die sind doch immer an allem Schuld.


    Bill Bonner, der immer gut ist für drastische Vergleiche sagt die FED habe die US-Wirtschaft inzwischen von einer produktiven Wirtschaft in einen gigantischen Hedgefonds verwandelt. So etwas ähnliches meinte ich immer, wenn ich von dem Krebsgeschwür Finanzwirtschaft redete, daß den gesunden Wirtschaftsorganismus langsam aber sicher zerstört.


    Quote

    Endet dann der freie Fall des Goldes?


    Das hoffe ich doch sehr. ;)


    Der weiter oben zitierte Autor gibt keine näheren Gründe dafür an warum er auch in einem deflationären Umfeld Gold außergewöhnlich gut performen sieht. Ich vermute der einzige Grund hierfür könnte der vollkommene Vertrauensverlust in die Spielzeugwährungen und die Wiederentdeckung des Geldcharakters der Edelmetalle sein.


    Gruß Willy

  • Hi willy



    Quote

    Seit Jahren stelle ich in diesem Forum die Frage, wie wohl das Problem der überbordenden Staats- und Privatschulden gelöst werden wird. Bisher hat mir darauf niemand geantwortet


    Na ich bin mir sicher das ich Dir schon min. ein oder zwei mal mit "Inflation" geantwortet habe. Oder guck mal hier:
    http://www.antizyklischinvesti…threadid=1355&page=1&sid=



    Quote

    Die angebliche Fähigkeit der FED et. alii über die Regulierung des Zinsniveaus steuernd in die Realwirtschaft eingreifen zu können existiert längst nicht mehr.


    Da muß ich Dir widersprechen. ;-) Auch jetzt funktioniert der "Zinssatz" zur Regulierung der Wirtschaft immer noch. Wir erleben es doch in den vergangen Monaten und heute
    am allerbesten durch Grünspahn und die FED ! Leider finde ich einen Beitrag von A. Hoose auf w : o nicht mehr. Er hatte da eine Grafik erstellt, aus der man das US-Wirtschaftswachstum im Zusammenhang mit dem Zinssatz seit 1984 bestens betrachten kann.


    Vielleicht hat ein anderer zufällig die Grafik noch bei der Hand, oder der Beitrag existiert als NL oder so, und kann die besagte Grafik hier noch kurz reinstellen.



    Gruß Sam

  • Hi Sam,


    Quote

    Na ich bin mir sicher das ich Dir schon min. ein oder zwei mal mit "Inflation" geantwortet habe.


    Stimmt, diese "Lösung" ist mir schon desöfteren präsentiert worden. Allerdings habe ich es nicht in die Kategorie LÖSUNG eingeordnet, da dies m.E. keine Lösung ist sonder Betrug derjenigen die auf Pump leben an denjenigen, die die Wirtschaft produktiv am Laufen halten.


    Quote

    Auch jetzt funktioniert der "Zinssatz" zur Regulierung der Wirtschaft immer noch


    Stimmt. Laut den ofiziellen Wirtschaftsstatistiken ist die US-Wirtschaft ja am Brummen. Zuletzt war da was von Wachstumsraten um die 8% zu lesen. Da müßte natürlich nach Fiatmoney-Lehrbuch die Zinsschraube sofort angezogen werden und dürfte nicht bei historisch niedrigen 1% stehen. Die Regulierung funktioniert in der Tat nach wie vor. Ein Anziehen der Zinsschraube wird dieses "Wachstum" sofort bremsen und die US-Wirtschaft in eine jähe Rezession bzw. Depression stürzen ;)
    Insofern: ist doch alles im Lot ;)


    Gruß Willy

  • Hi Willy


    Eine moderate Zinserhöhung bzw. wohl dosierte Zinspolitik hat nicht zwangsläufig eine Rezession zu Folge.


    Das für Dich nur eine Abschaffung des "Zinsbasierten Wirtschaftssystems" als Lösung in Frage kommt, ist mir schon klar. Nur bevor dieses Jahrtausendereignis eintritt sehen wir vorher noch einen DOW 72000 und DAX 54000. ;-)


    Gruß Sam


    p.s.


    Die Zahlen haben keine null oder sonstwas zuviel ;D

  • Value, die von Dir angesprochenen zusammhänge sind in der Tat sehr komplex. Da kann einem nur das herauslösen und betrachten einzelner Faktoren weiterhelfen.


    Ich sag einfach ausgedrückt: wenn ich für 1 Dollar 1 Prozent Zinsen bekomme ist im Vergleich zu anderen Währungen mit höherem Zins der Dollar weniger wert. Der Wert eines Dollars steigt dann auch wenn sich der Zinssatz des Dollars erhöht.


    In Zusammenhang mit Wechselkursschwankungen sollte der Kurs Euro/US Dollar auch mal betrachtet werden. Vor etwas mehr als 1 Jahr lag der Kurs so bei 0,90 und vor kurzem bei fast 1,30. Diese "Abwertung" des Dollars hat bezogen auf die Kurse vom Dow Jones der damals grob gesehen bei 8000 lag bewirkt, dass diese pi mal Daumen in etwa die Abwertung ausgeglichen haben. Wer also US-Aktien im Depot hat, hat zwar höhere Dollarkurse, aber in Euro umgerechnet nur die Abwertung des Dollars ausgeglichen. Dagegen haben DAX und Co. aus dem Euro-Raum "echte" Gewinne abgeworfen. Die Zinserhöhung in den Staaten hat dann umgekehrt dann natürlich auch eine "Aufwertung" des Dollars zur Folge, die sich dann analog negativ auf die Kurse niederschlagen sollte und tatsächlich ist der ¤/$ Kurs aktuell etwa bei 1,18 und der Dow niedriger.


    Den oberen Link von mir auf den Thread finde ich lesenswert, da auch die Inflation mit den entsprechenden Anlagemöglichkeiten wie zum Beispiel kapitalgedeckte Lebensversicherung etc. beleuchtet wird.


    Fazit: Und ganz speziell für Willi nochmal ne kurzzusammenfassung. Der Zins ist nicht die Ursache von Wirtschaftswachstum oder Rezession sondern ein Instrument zur Steuerung.
    Aktien sind für mich neben der (eigengenutzten) Immobilie und (bedingt) physisches Edelmetall (Gold) die einzigen langfristigen und wertsichernden Anlagemöglichkeiten die vor der Kaufkraftverlust der Inflation schützen können.


    Gold deshalb bedingt, da es auch so seine negativen Aspekte hat. In erster Linie sehe ich darin die Preisbindung zum Dollar.


    Gruß an alle und schönes WE - Sam

  • Hi Sam,


    Quote

    vorher noch einen DOW 72000 und DAX 54000


    Auch da hast du sicher recht - falls die betrügerische Inflationierung zur Schuldenvernichtung funktioniert. In heutiger Kaufkraft entsprechen diese Notierungen dann dank dieses Erfolges vermutlich 720 $ bzw 540 Euro ;)


    Gruß Willy

  • Aber in den 20ern war es auch nicht so, daß der Kurs der RM gestiegen wäre, weil Anleger wegen der Inflation mit höheren Zinsen in Deutschland gerechnet haben. Wäre doch wunderbar gewesen: Die Inflation in Deutschland hätte man prima durch Einkäufe im benachbarten Ausland umgehen können, da deren Währungen ja wg Zinsgier abgewertet wurden

    Das Drehbuch für den Untergang steht fest - es geht nur noch um den Preis für die beste Maske (H. v. Buttlar)

  • um auch noch meinen Senf dazugeben zu können:


    das mit dem stärkeren Dollar bei höheren Zinsen gilt nur kurzfristig. Langfristig gilt genau das Gegenteil.


    Langfristig gilt die sog. Zins-Währungsparität.


    Im Klartext: Wenn in einem Land A z.B. für 1 Jahr der Zins um 2% höher ist als in Land B, muß die Währung von Land A in einem Jahr um 2% niedriger notieren. Ansonsten wäre risikolose Arbitrage möglich.


    Wie wirkt sich das in der Realität aus ? immer dann, wenn man die Währung absichern also hedgen will.


    In obigem Beispiel würde man also eine Währungssabsicherung in einem Jahr nur zu einem 2% schlechteren Kurs als dem aktuellen bekommen.


    Sehr schön beobachten konnte man diesen Zusammenhang am Beispiel des YEN Kurses.


    So, sind jetzt alle verwirrt ?




    MMI

  • Hi Sam,


    Quote

    bevor dieses Jahrtausendereignis eintritt


    Daß du den Zusammenbruch oder auch nur eine grundlegende Veränderung eines Währungssystems für ein Jahrtausendereignis hältst läßt mich befürchten, daß der historische Horizont, den du da anwendest, sehr begrenzt ist. Entsprechend wenig stichhaltig dürften demnach auch die gewonnenen Schlußfolgerungen ausfallen.


    Quote

    Der Wert eines Dollars steigt dann auch wenn sich der Zinssatz des Dollars erhöht.


    Ich denke, es ist genau umgekehrt. Ein Land, das über eine WERTVOLLE Währung verfügt kann es sich leisten niedrigere Zinsen zu bezahlen als andere. Nur eine gegenüber anderen Währungen relativ wertlose Währung muß als Kompensation zwangsläufig mehr Zinsen bezahlen.


    Quote

    Der Zins ist nicht die Ursache von Wirtschaftswachstum oder Rezession sondern ein Instrument zur Steuerung.


    Danke für die Belehrung. Wie die Praxis gezeigt hat funktioniert das sogar in einem als Schneeballsystem konzipierten und deswegen auf lange Sicht nicht funktionsfähigem Konstrukt wie einem zinsbasierten Fiatwährungssystem eine zeitlang ganz gut. Das stelle ich nicht in Abrede. Der systemimmanenten Versuchung dieses Systems welcher der Besitzer der Basiswährung ausgesetzt ist – nämlich zum Nulltarif auf Kosten des Rests der Welt zu konsumieren – wird aber auf lange Sicht unweigerlich dahin führen wo wir jetzt sind: zu eklatanten Verwerfungen (s. Haushalts- und Handelsbilanzdefizit der USA) und gewaltigen, nicht mehr beherrschbaren Schuldengebirgen. In dieser Phase hat dann der Zins seine Rolle als Steuerungsinstrument für die Wirtschaft endgültig verspielt, wie man seit einem Jahrzehnt in Japan und seit kurzem in den USA beobachten kann. Dann kann damit nur noch der Fluß des akkumulierten Kapitals von einer Blase in die andere gesteuert werden so lange bis die unter dem sich dabei bildenden Krebsgeschwür Finanzwirtschaft leidende Realwirtschaft zusammenbricht. Ihrer selbst deklarierten Aufgabe (die auch ihre Existenzberechtigung ist) – nämlich überbordende Inflation von der Realwirtschaft fernzuhalten – können die Zentralbanken angesichts der permanent notwendigen Chemotherapie für das Krebsgeschwür Finanzwirtschaft nicht mehr nachkommen. So konnte ein Zinssatz von fast Null Prozent über die Dauer von jetzt bereits mehr als einem Jahrzehnt die Deflation in Japan nicht verhindern. Und für die FED ist angesichts des unbezahlbaren Schuldenbergs der US-Regierung die Verpflichtung zu einer Politik des Inflationsschutzes zu einem reinen Lippenbekenntnis geworden (das ungefähr so viel wert ist wie die Beteuerungen der US-Regierung nur zum Zweck der Demokratisierung in Irak zu foltern) während es ihre tatsächliche Absicht ist eine Inflation herbeizuführen um auf diese betrügerische Weise die Schulden loszuwerden.


    Quote

    Aktien sind für mich neben der (eigengenutzten) Immobilie und (bedingt) physisches Edelmetall (Gold) die einzigen langfristigen und wertsichernden Anlagemöglichkeiten die vor der Kaufkraftverlust der Inflation schützen können.


    Im Prinzip stimme ich dir da zu. Wobei den besten Schutz vor einer Hyperinflation m.E. Gold bietet.


    value ,

    Quote

    Aber in den 20ern war es auch nicht so, daß der Kurs der RM gestiegen wäre


    Die RM war auch eine ganz normale Währung wie jede andere. Drum ist mit ihr passiert, was mit jeder anderen Währung in so einer Situation auch passiert wäre (s. Asienkrise, Argentinien etc.). Der Dollar bildet insofern eine Ausnahme, als er zur Basis des Währungssystems auserkoren wurde, obwohl ihm sämtliche Eigenschaften fehlen, die für diese Funktion erforderlich sind (nämlich diejenigen des Goldes). In diese Rolle wurde der Dollar ja auch nicht aus wirtschaftlich vernünftigen Gründen gehievt sondern es handelte sich dabei um die Durchsetzung der gegebenen Machtverhältnisse. Die USA konnten ihrer bis 1971 „garantierten“ Verpflichtung zur Bedienung ihrer Schulden in Gold nicht mehr nachkommen. Sie waren mit anderen Worten bankrott. Die Konkursverschleppung der USA ist der Ausgangspunkt unseres aktuellen Währungssystems. Nicht umsonst ist Konkursverschleppung in der normalen Wirtschaft eine erhebliche Straftat, da hiervon sehr negative Folgen für die beteiligten Wirtschaftsobjekte ausgehen.
    Was wir jetzt beim Dollar sehen werden ist absolutes Neuland. Hierfür gibt es kein historisches Vorbild und auch keine seriöse Wirtschaftstheorie die uns erklären könnte, was nun im Detail passieren wird. Es stehen uns also spannende Zeiten bevor.


    Gruß Willy

  • Warum steigt der Dollar, wenn eine Zinserhöhung und fallende Anleihekurse erwartet werden? Für sich genommen ist das wirklich ein Paradoxon. Also muss die Ursache woanders liegen:


    Contraryinvestor.com betont im aktuellen Mai-Artikel einen interessanten Sachverhalt, der das vielleicht (mit-)erklärt: Die Big Boys haben sich 750 Milliarden USD (mit kurzer Laufzeit) zu niedrigen Zinsen ausgeliehen, um das Geld an anderer Stelle mit höheren Renditen zu investieren. Siehe Grafik:



    Meine Überlegung: Wenn die Zinsen für kurzfristige USD-Kredite steigen, schrumpft die Rendite-Differenz zu anderen Investments, d.h. diese Art von "Arbitrage"-Spekulation wird weniger attraktiv und das Risiko steigt. Die Jungs werden also ihre Positionen glatt stellen, sprich: die geliehenen USD zurückzahlen.


    Wenn die per USD-Kredit finanzierten Investments in Fremdwährung ( z.B. Euro) erfolgt waren, dann müssen sie zur Glattstellung der Kredite USD zurückkaufen. Et voilá: bei erhöhter Nachfrage (nach USD) steigt der Preis bzw. der USD-Kurs.

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • Quote

    Die Big Boys haben sich 750 Milliarden USD (mit kurzer Laufzeit) zu niedrigen Zinsen ausgeliehen, um das Geld an anderer Stelle mit höheren Renditen zu investieren


    Dies ist nichts anderes als die kurze und prägnante Darstellung der aktuell verabreichten Chemotherapie für das Krebsgeschwür Finanzwirtschaft.
    Mal sehen was passiert, wenn die Therapie nicht mehr wirkt und deswegen modifiziert werden muß ;)


    Gruß Willy

  • Sattler (Aktienkursprognose) beschreibt auf S. 205:


    Quote

    Anleger preferieren Anleihen (...), wenn ihre Verzinsung hoch ist; (...) hoch und niedrig orientiert sich dabei irrationalerweise an der nominalen Verzinsung der Anleihen und nicht an der für rationale Anleger an sich relevanten Verzinsung - also der Differenz von nominaler Rendite und Inflationsrate!


    Er nennt diesen Vorgang "Nominalverzinsungsillusion".


    So doof?


    witchdream : Wegen der Unsicherheit über den Wahlausgang haben die Big Boys in Indien für Kursverluste gesorgt und ziemlich viel Kapital abgezogen - die zwei Teilchen passen also schon mal...

    Das Drehbuch für den Untergang steht fest - es geht nur noch um den Preis für die beste Maske (H. v. Buttlar)

  • Das Beispiel aus dem contraryinvestor zeigt exemplarisch wie in der Endphase eines fehlkonstruierten Währungssystems die vermeintlichen Instrumente zur Steuerung der Wirtschaftsaktivität und Verhinderung überbordender Inflation nicht mehr funktionieren.
    Da wurden also aufgrund der Befürchtung, die Wirtschaft könnte in eine Rezession abgleiten die Zinsen binnen kürzester Zeit auf historische Tiefststände gesenkt (Man wollte ja nicht die Fehler der Notenbanken aus den 20er-Jahren wiederholen. Sehr lobenswert – bloß muß man um das zu erreichen erst mal richtig erkennen, was deren Fehler waren.) Der eigentliche Zweck dieser Operation ist es ja, die Wirtschaft mit billigem Geld zu versorgen damit sie wieder in die Gänge kommt. Leider befand sich die Wirtschaft aber grade in einer Phase, in der gewaltige Überkapazitäten aufgebaut worden waren. Anstatt nun eine gesunde Bereinigung dieser Situation zuzulassen pumpten die Propheten des ewigen Wirtschaftswachstums Geld in gewaltigen Mengen in den Kreislauf. Da es die produzierende Wirtschaft mit ihren vorhandenen Überkapazitäten aber nicht braucht findet es andere Verwendung.
    Z.B. die im contraryinvestor beschriebene. Unterstellt man mal, daß die Bigboys mit diesem geschenkten Geld nur eine Arbitrage von 2% „erwirtschaften“ (vermutlich ist die Rendite weitaus höher), dann summiert sich das immerhin auf 15 Milliarden US$ pro Jahr. Diesen 15 Milliarden Gewinn steht aber keinerlei realwirtschaftliche Wertschöpfung gegenüber. Wer bezahlt denn nun diese schönen Gewinne? Selbstverständlich die kleinen Arbeitnehmer und der Mittelstand, bei denen – im Gegensatz zu Kapitaleinkünften – Quellenbesteuerung selbstverständlich ist und die sich deswegen nicht gegen diesen Mechanismus wehren können. Bei den höher-verzinslichen Anlagen, in welche die Bigboys da investiert haben dürfte es sich in erster Linie um Staatsanleihen handeln. Und für die Zinszahlungen darauf stehen natürlich diejenigen grade, die nicht von den Segnungen der wunderbaren Freiheit des Kapitals profitieren. Eine ausgeweitete Geldmenge ohne entsprechende Wertschöpfung muß natürlich – sofern die Bereinigungsprozesse zur Beseitigung von Fehlinvestitionen unterdrückt werden – über kurz oder lang zu Inflation führen. Und die Rechnung hierfür bezahlt natürlich wiederum in erster Linie der kleine Mann. Während die Bigboys nämlich schon vor Eintritt dieser Inflation ihre Arbitragegewinne eingefahren haben wird eine Anpassung der Löhne (wenn überhaupt) erst mit erheblicher Verzögerung stattfinden. Während also die Inflation den Wert der Löhne schmälert bleiben diese nominal noch lange auf dem Niveau, auf dem sie einst zu Zeiten höherer Kaufkraft festgelegt wurden. Kann ja gar nicht anders funktionieren – irgendwo müssen die Gewinne dieser arbeitslosen Einkommen ja erwirtschaftet werden. Soviel zum leistungsbezogenen Charakter unseres Währungssystems.


    Ein Grund für diese systemimmanente Fehlfunktion ist, daß es nach dem Prinzip „von hinten durch den Kopf ins Auge“ funktioniert anstatt Anreize zu setzen, mit denen das gewünschte Ziel unmittelbar angesteuert wird. Gäbe es statt arbeitsloser Zinseinkünfte für unproduktives Kapital eine Liquiditätsgebühr würden sich die Bigboys schön sputen ihr Geld möglichst produktiv zu investieren (um zu vermeiden, daß sie bei z.B. 2% Liquiditätsgebühr 15 Milliarden US$ jährlich berappen müssen). Da Rendite nur über unmittelbare Beteiligung (auch am Risiko) an der produktiven Wirtschaft möglich wäre ständen sie in der Pflicht sich darum zu kümmern ihr Kapital wirtschaftlich sinnvoll zu investieren anstatt es aus den Kassen bankrotter Staaten mit satten Zinsen alimentieren zu lassen. Klevere und weitblickende Investoren hätten somit unter anderem längst dafür gesorgt, daß unsere Energieversorgung nicht mehr so stark vom „schwarzen Gold“ abhängig ist und würden angesichts steigender Ölpreise bald kräftige Renditen einfahren während diejenigen, die ihr Geld in Rüstungsprojekten verplempert haben vergeblich auf die entsprechende Rendite warten würden. Womit auch der eigentliche Grund angesprochen wäre, warum unser Währungssystem so aufgebaut ist wie es eben ist. In einem goldgedeckten Währungssystem wäre eine Megarüstung wie wir sie in den letzten Jahrzehnten weltweit gesehen haben vollkommen unmöglich.


    Nun kommt natürlich wieder das Argument, so etwas wie eine Liquiditätsgebühr ließe sich im nationalen Alleingang nicht bewerkstelligen. Vollkommen richtig. Im Interesse einer funktionierenden globalen Wirtschaft wäre dessen Durchsetzung tatsächlich ein vorzügliches Ziel für Befürworter einer Globalisierung der Wirtschaft. Solche Ziele könnte ich jederzeit unterschreiben. Den neokonservativen Befürwortern der Globalisierung der Gegenwart geht es aber ja in Wirklichkeit um etwas ganz anderes. Die angebliche Sorge um ein gutes Funktionieren der globalen Wirtschaft mit der die grenzenlose Freiheit des Kapitalverkehrs gerechtfertigt wird ist nur vorgeschoben. Derartigen Befürwortern geht es nur um eines: das Kapital muß möglichst verlustfrei und schnell von einem Punkt zum anderen transferierbar sein, damit es jederzeit dort die höchsten Renditen abschöpfen kann wo noch die beste Sklavenarbeit verfügbar ist bzw. wo die Abschöpfung der erwirtschafteten Wertschöpfung durch den Staat zugunsten der Finanzierung arbeitsloser Einkommen gemäß dem weiter oben beschriebenen Mechanismus am besten funktioniert.


    Gruß Willy

  • Here is a recap: the gold price in US dollars is a function of the US dollar’s exchange rate. If the dollar strengthens the gold price declines (this is because the average gold price in the world remains fairly constant, rising gradually in proportion to total fiat money creation).


    Genau so ist es, dafür sorgen diejenigen die schon erkannt haben, daß der Kaiser gar keine neuen Kleider anhat sondern nackt dasteht.


    Last week’s Wall Street Journal (Online Edition) reported that Greenspan said the US Budget Deficit threatens the nation’s economic stability. There is only one reason for him to worry about the Budget Deficit. He knows that it will cause interest rates to rise and that higher interest rates will kill any chance this economy has of averting a serious downturn.


    Genau so ist es, Herrn Greenspan und Konsorten ist das Steuerrad (die Zinsschraube) entglitten.


    Here is the key: we need dollar-weakness on the news of higher interest rates before the gold market resumes a sustainable upward trend. Currently the dollar is strengthening on the prospect of higher interest rates, but that will change.


    Daß dauert genau so lange, bis sich der Schleier in denjenigen Hirnen lüftet die immer noch davon ausgehen, daß sich steigende Zinsen zwangsläufig wirtschaftslehrbuchmäßig auf den Außenwert der Währung auswirken. Das stimmt nur so lange bis das Leck im Fiatmoneyboot zu groß geworden ist um noch notdürftig geflickt zu werden. Wie gesagt, was den Dollar (und Gold) betrifft stehen uns interessante Zeiten bevor ;)


    Gruß Willy

  • @ value: Zu deiner Frage "So doof?" in deinem vorletzten Beitrag (im Zusammenhang mit der Realverzinsungs-Illusion):


    Ich sag mal: JAAA, so doof, und noch viel doofer.


    Es gibt in der Tat diverse Hirnis, die Brutto- und Realverzinsung nicht unterscheiden können oder wollen.


    Noch schlimmer: Sogar scheinbare Zinsexperten "vergessen" die Auswirkung von Steuern auf Zinseinnahmen. Ironischerweise schlagen diese Steuern um so brutaler zu, je höher die Bruttozinsen ausfallen.


    Ein kleines Rechenbeispiel mit folgenden Annahmen:


    - Inflation 3% (Nachkriegsdurchschnitt in Deutschland)
    - Nominalverzinsung 5%
    - Realverzinsung 2%
    - Grenzsteuersatz (also Steuersatz auf jeden Euro zusätzlich zum Basiseinkommen): 50%


    Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3


    Startkapital 100.000 ¤ 102.500 ¤ 105.063 ¤


    Nominalzins 5,00% 5,00% 5,00%
    Inflation 3,00% 3,00% 3,00%
    Realzins 2,00% 2,00% 2,00%


    Grenzsteuersatz 50% 50% 50%


    Zinseinnahme 5.000 ¤ 5.125 ¤ 5.253 ¤
    Steuern -2.500 ¤ -2.563 ¤ -2.627 ¤
    Nettozins 2.500 ¤ 2.563 ¤ 2.627 ¤


    Endkapital 102.500 ¤ 105.063 ¤ 107.689 ¤


    Preisindex 103,0% 106,1% 109,3%
    Geldwert 97,1% 94,3% 91,5%


    reales Endkapital 99.515 ¤ 99.031 ¤ 98.551 ¤


    Auf den ersten Blick bringt das Kapital von 100.000 ¤ in 3 Jahren über 15.000 ¤ Zinsen - tolles arbeitsloses Einkommen!!! Auf den zweiten Blick - nach Steuern - erhöht sich das Kapital nur noch von 100.000 ¤ auf 107.689 ¤. Auf den dritten Blick - nach Inflation - bleiben von 100.000 ¤ nur noch kaufkraftbereinigte 98.551 ¤ - sprich: dank Steuern und Inflation findet Kapitalschwund statt, trotz ansehnlicher Brutto- und Netto-Zinsen.


    A bisserl "Excel für Anfänger" genügt, um das zu berechnen. Ich sag ja: wer´s nicht sieht, ist mehr als doof...


    Interessant ist übrigens auch, die Rechnung mal aus Perspektive von Hans Eichel aufzumachen. Geldentwertung plus Steuern auf Zinsen ergeben ein nettes Resultat fürs Staats-Säckel...


    Gruss, witchdream

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • Auweja! Da scheint ja Norbert’s Ignorefunktion mal wieder nicht korrekt funktioniert zu haben ;) Und jetzt steht der arme Wichsdream wieder da wie ein bloßgestellter Spanner. Mich beschleicht da so ein deja-vu-Gefühl ;)


    Hoffentlich muß ich mir jetzt nicht wieder vorrechnen lassen, wie die Sparbuchzinsen eines armen Studenten in WKH mangels Freibeträgen und/oder wegen der dort verwendeten Quellenbesteuerung nicht nur auf Löhne und Gehälter sondern auch auf arbeitslose Einkommen allesamt weggefressen werden und der arme Kerl seine Freundin deswegen nicht einmal ins Kino einladen kann. Die Excel-Tabellen in WKH geben das allemal her, wie seinerzeit im berühmten Erstkläßlersräd so eindrucksvoll demonstriert wurde.

  • Ein schönes Lehrbeispiel wie man mit dem lästigen Grenzsteuersatz umgehen muß - wenn man das Stadium es mit A bisserl "Excel für Anfänger" zu attackieren hinter sich gelassen hat und nicht zu den Blödmännern gehört, denen alles schon an der Quelle abgezogen wird - kann heute in folgendem Artikel nachgelesen werden:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,302929,00.html


    MANNESMANN-ABSCHREIBUNGEN


    Vodafone will 50 Milliarden Euro vom Fiskus


    Die Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch den britischen Mobilfunk-Riesen Vodafone im Jahr 2000 könnte für die deutschen Finanzbehörden noch ein teures Nachspiel haben. Die Briten wollen Kursverluste bis zu 50 Milliarden Euro abschreiben, die die Mannesmann-Aktie seitdem erlitten hat.


    Berlin - Der Berliner "Tagesspiegel" berichtet am Samstag unter Berufung auf Kreise des Aufsichtsrats, dass Vodafone bei den Finanzbehörden in Düsseldorf so genannte Teilwertabschreibungen in Höhe von 50 Milliarden Euro geltend gemacht habe. Sollte sich der Konzern damit durchsetzen, würde er in Deutschland voraussichtlich jahrzehntelang keine Steuern mehr zahlen müssen. Stellungnahmen des Unternehmens und des Bundesfinanzministeriums waren am Samstagmorgen zunächst nicht zu erhalten.


    Teilwertabschreibungen sind im Steuerrecht dann möglich, wenn der Wert eines Bilanzpostens dauerhaft unter den Betrag gefallen ist, mit dem er in den Büchern steht. Das sei bei dem Erwerb von Mannesmann durch Vodafone 1999/2000 der Fall gewesen, berichtete der "Tagesspiegel". Das Unternehmen wurde auf dem Höhepunkt des Aktienbooms gekauft, von März 2000 an verloren die internationalen Aktienbörsen dramatisch an Wert. Ein Vodafone-Sprecher habe dem "Tagesspiegel" bestätigt, dass es Teilwertabschreibungen gegeben habe, insbesondere, "als Telekomwerte an den Börsen stark verloren haben. Das ist ein normaler Vorgang".


    Das Mobilfunkunternehmen Vodafone hatte Mannesmann in einer in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einmaligen Übernahmeschlacht für knapp 200 Milliarden Euro gekauft. Die Aktionäre des Düsseldorfer Traditionskonzerns hatten Vodafone-Aktien im Gegenwert von 353 Euro pro Mannesmann-Aktie erhalten. Später sei das Mannesmann-Aktienpaket von einer Luxemburger Vodafone-Tochter für 146,9 Milliarden Euro an die deutsche Vodafone GmbH verkauft worden, was einem Kurs von 309 Euro entspreche, so der "Tagesspiegel".


    Schon ein Jahr darauf habe die deutsche Vodafone-Tochter den Kurs auf nur noch 200 Euro taxiert und entsprechende Abschreibungen vorgenommen. Das entspreche einem Buchwert von 50 Milliarden Euro. Den Verlust wolle Vodafone nun mit angefallenen Gewinnen verrechnen. Die Finanzbehörden hätten allerdings Zweifel, ob der Ende 2000 gewählte Kurs von 309 Euro angemessen gewesen sei, weil das Kursniveau zu der Zeit deutlich niedriger gelegen habe.


    Wegen der Abfindung des Mannesmann-Managements in Millionenhöhe müssen sich derzeit mehrerer frühere Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte, darunter Ex-Firmenchef Klaus Esser und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vor Gericht verantworten.


    Jaja, ich weiß, jetzt hab ich wieder schwer das Thema verfehlt ;) und der IWF ist die Abteilung des Heiligen Stuhls zur Verteilung von Almosen an die Bedürftigen ;)


    Gruß Willy