Börsengurus, Dummschwätzer oder Verbrecher ??

  • Die Probleme dürften die gleichen sein: Aktionen werden stärker aufgrund der eigenen Freude am großen Auftritt und dem Adrenalinkick des eingegangen Risikos (mit fremdem Geld) begangen und weniger als Folge einer sauberen rationalen Abwägung von Chancen und Risiken.
    So etwas kann gut gehen, auch spektakulär gut, aber unter dem Strich steigen die Chancen für Fehlschläge.


    Ob das Geld nun dem Vermögensverwalter oder dem Firmenlenker anvertraut wurden, sollte letztlich egal sein.
    Es gibt aber auch Branchen (Start-ups, schnell wachsende und sich verändernde Märkte...), in denen schnelles, risikofreudiges und rückichtsloses Agieren genau zu den gesuchten Charaktereigenschaften für ein gutes Management gehört.

    "Gründe schnell, scheitere schnell, versuche es schnell noch einmal."

    Elon Musk ist ein Musterbeispiel für einen großen Erfolg dieses Charaktertyps.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Sehr schöner Fund, danke!
    Passt voll zum Konzept des Gesichtsindikators, klingt für mich überzeugend und ist zudem gut weitererzählbar.


    Edit: Geht ihr mit, dass man diese Kombination von Gesichts- und Auftrittsindikator auch zussammenfassend als "Narzisten-Warnung" bezeichnen kann?

    Im Artikel wird die miese Performance mit dem psychologischen Merkmal „sensation seeker“ erklärt.

    Meinem Laienversändnis nach besteht hier ein Unterschied zum Narzist.

    Narzissmus ist eine pathologische Störung, hier ist jede Menge krimineller Energie denkbar um das Selbstbild aufrecht zu erhalten (wie das genannte Diplome kaufen).

    Sensation seeking dagegen ist nicht pathologisch, diese Personen sollten sich also zumindest legal im Rahmen bewegen, aber gehen halt gerne hohe Risiken ein, leben extravagant etc.


    Narzisten sind übrigens nachweislich vermehrt in hohen Positionen zu finden (sind oft große Charismatiker).


    Aber klar wird es da etliche Überschneidungen geben.


    wp

  • Sehe ich teils ähnlich und teils anders.
    Ich folge wahrscheinlich einem anderen Ansatz:


    Ja, NArzissten sind häufig in hohen Positionen in der Wirtschaft zu finden.
    Nach meinem Verständnis sind Narzissten mit sehr hoher Selbstliebe und resultierend mit einem übermäßigen Selbstbewusstsein und einem Mangel an Selbstzweifel ausgestattet.
    Charima rührt nach meiner Wahrnehmung häufig (auch) auf sehr großem, sehr gut vorgetragenem Selbstbewusstsein - passt also recht gut zu Narzissmus.


    Die hohe Selbstliebe zeigt sich nicht selten in einer außergewöhnlichen Eitelkeit - und genau so würde ich MMIs Gesichtsindikator in einem Wort zusammenfassen.

    Das übermäßige Selbstbewusstsein korelliert mit einer mangelnden Risikoeinschätzung und einer mangenden Bereitschaft, von Anderen Zweifel und Kritik anzunehmen - und damit sind wir schnell bei der hohen Risikobereitschaft und der Suche nach dem Adrenalinkick, bei den Sportwagen - (Zur Eitelkeit passen Sportwagen natürlich auch).


    Das Problem besteht eben darin, dass die hohe Risikoneigung, sofern erfolgreich, der eigenen Karriere hilft, da besondere HErausforderungen gesucht, präsentiert und als ausschließlich eigene Leistung auch besonders selbstbewusst vorgetragen wird. Aber wenn die hohen Risiken schiefgehen (soll ja passieren), dann war es oft (auch) das Geld der Anlager, das futsch ist.


    Kriminell sind Narzissten nicht per se, gerade nicht wenn alles gut läuft.

    Aber wenn es schief läuft, lässt sich das mit dem Selbstverständnis (und Fremdbild) der eigenen Grandiosität so gar nicht vereinbaren und wird deshalb besonders gerne verheimlicht und verdrängt, wo andere leichter eigene Fehler und Irrtümer eingestehen können. Und diese übermäßige Verheimlichung und Verdrängung sehe ich als "narzisstischen Weg in die Kriminalität".

    Die Außenausstrahlung bleibt weiterhin grandios, unter der Decke hingegen ballt sich etwas zusammen - und der Anleger bekommt erst sehr plötzlich und final die ganz große Katastrophe mit, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt. (Wenn die kognitive Dissonanz zu groß wird und Selbstbild und Realtität zu sehr aufeinanderknallen, ist auch die Selbsttötung eine nicht unlogische Reaktion.)


    Der Umfang dieser sehr unerfreulichen Überraschungen ist bei Narzissten charakterbedingt höher als bei Menschen mit besserer Reflektionsfähigkeit. Und deshalb halte ich bei der hohen "Narzissten-Quote" in Führungsetagen eine funktionierende "Narzissmus-Warnlampe" der eigenen Rendite für förderlich.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Sensation seeking dagegen ist nicht pathologisch, diese Personen sollten sich also zumindest legal im Rahmen bewegen

    legal in vielen Fällen durchaus.

    pathologisch aber evt. auch - genauer: die haben womöglich Toxoplasmose

  • risikobereite Menschen sich in größerem Maße Situationen mit dem Risiko der Toxoplasmose-Infizierung aussetzen

    hmm, Infektionsquelle für den Menschen sind in erster Line Katzen, richtig? Das bedeutet dann, dass Katzenliebhaber besonders risikoliebend sind. Kommt mir nicht so naheliegend vor. Zumindest kenne ich dafür keinerlei Indizien.

  • Wie kann ich meinem Fondsmanager zwingen dass er einen Toxoplasmose-Test macht?

    Scheint erst mal eine spinnerte Idee zu sein, klar. Allerdings gibt/?gab es für diverse Berufsgruppen Gesundheitsuntersuchungen (z.B. gewerbliche Lebensmittelzubereitung). Sollte sich der Zusammenhang Toxoplasmose / erhöhte Risikobereitschaft erhärten, könnte so eine Untersuchung durchaus Einstellungsvoraussetzung bzw. jährlich wiederholt werden, warum nicht.