Standort Deutschland

  • Lustiger Vorschlag vom Arbeitsminister: Unternehmen sollen Steuervorteile erhalten, wenn sie in die Tarifbindung gehen.


    Glaubt er, die Unternehmen könnten oder würden nicht rechnen?


    Hilfreicher wäre es, das "kleine Gewerkschaften Verbotsgesetz" seiner Vorgängerin wieder abzuschaffen, die Gründung unabhängiger Gewerkschaften zu ermuntern und die Bonzen der Einheitsgewerkschaft aus den Aufsichtsräten rauszuschmeißen, damit sie die Vertretung ihrer Mitglieder wieder aufnehmen.

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • Moin woody,


    danke für die Nachfrage - freut mich :o)


    Bin ja seit gut 4 Jahren abstinent an der Börse und warte auf eine richtig knallige Einstiegs-Gelegenheit. Bis dato war mein Ausstieg in 2014 noch keine besonders gute Idee, aber ich fange wieder an, die Kurse zu beäugen und ab und zu den Screener anzuwerfen. Hin und wieder juckt es in den Fingern. Das "Problem" dabei: Von einer Bereinigung der Überbewertung im Leit-Markt USA (welche mich aussteigen ließ) sind wir nach wie vor weit entfernt.


    Ich sitze immer noch auf einer satten Überrendite zum CDAX (der müsste immer noch mehr als 70% steigen, um auszugleichen) und habe keine finanziellen Probleme, wenn ich noch ein paar Jahre abwarte. Aber ich würde mich schon ganz gerne wieder ins Getümmel stürzen - so ist das alles ziemlich langweilig bis frustrierend. Dumm nur: Wenn die Situation kommt, die ich mir wünsche, dann werden die aktiven Depots hier im Forum ziemlich leiden - auch keine schöne Vorstellung. Kostolany hat dieses Dilemma von Baissiers mal sehr schön beschrieben.


    Hussman rechnet in den USA beim S&P500 mit einem Rückgang um gut 50% vom Top - das ist so etwa meine Zielmarke. Wenn Trump so ein Trampel ist, wie man überall liest, sollte dieses Kursziel nicht übermäßig ambitioniert sein ;o)


    Kann also sein, dass meine Lust am Börseln demnächst wieder ansteigt.

    "Knowing what you don’t know is more useful than being brilliant."
    Charlie Munger 2015

  • witchdream

    Bin gespannt, ob das "Im Crash günstig kaufen" diesmal wieder so klappt.


    Man sollte in jedem Falle nicht vergessen, dass ein "Crash" in seltenen Fällen auch zu stark steigenden Kursen in Lokal-Währung führen kann. Ist halt nur die Frage wie wahrscheinlich ein (Hyper-)inflations Szenario ist.


    The Venezuelan Stock Market’s on Fire as Inflation Heads to 1,000,000%
    https://www.barrons.com/articl…s-to-1-000-000-1532517514

    First focus on risk, before focus on return! (Seth Klarman)

  • Bin ja seit gut 4 Jahren abstinent an der Börse und warte auf eine richtig knallige Einstiegs-Gelegenheit.

    4 Jahre...Respekt dass Du das durchhältst.

    Mir fällt es schon immer schwer für wenige Monate an der Seitenlinie zu stehen.


    Rein bewertungsmäßig wäre ein Einbruch um 50% beim S&P durchaus nicht crazy.

    Aber ob der kommt? Wie oft gab es eine Halbierung (außerhalb der Nullerjahre)?

    Kostolany hat dieses Dilemma von Baissiers mal sehr schön beschrieben.

    Absolut valider Punkt. Rational sollte es zwar keinen Unterschied machen, denn jeder hat halt die gleichen Schmerzen, der eine hochwärts der andere runterwärts.

    Bei ist es komischerweise auch so, dass ich mich bei "unschönen" Börsen wohler fühle, und auch mehr Überrendite erwirtschafte als in rosigen Zeiten. Und dass man damit immer etwas aus der Reihe fällt als Herdentiere die wir nun mal sind.


    aber ich fange wieder an, die Kurse zu beäugen und ab und zu den Screener anzuwerfen.

    Welche Screener verwendest Du aktuell? Und welche Sektoren/Länder hast Du im Blick?


    Die mechanische Methode funktionierte die letzten Jahre nicht so gut weil alles hoch bewertet war, aber ich würde auch gerne wieder mehr in diese Richtung machen, und mittlerweile sollte doch wieder der ein oder andere Wert hängenbleiben im Filter.


    wp

  • Ja, so ein schöner, schneller crash, das wäre fein.


    Ich befürchte allerdings, dass es diesmal langsam und quälend abwärts gehen wird und uns möglicherweise etliche Jahre seitwärts bevorstehen, halt das "Goldene Zeitalter" à la Carlota Perez.


    So ähnlich, wie es Ende des 19. und Anfang des 20.Jhdt. war. Die neuen Technologien (damals Eisenbahn und Stahl) reifen und durchdringen langsam aber sicher alle Bereiche. Aus Wachstumsstars werden "Versorger" (gut zu sehen zB bei Apple), Senkrechtstarter werden nur noch einzelne Firmen sein und nicht mehr ganze Branchen, sowas wie FAANG, dass die größten Firmen im Index jede Woche 5% steigen wird es dann nicht mehr geben.


    Im Durchschnitt erreichten die Firmen im S&P ein Alter von ca. 70 Jahren, Amazon hat bald die Hälfte davon schon hinter sich ...

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  • halt das "Goldene Zeitalter" à la Carlota Perez

    kannte diese Carlota Perez noch nicht.


    Bin beim Googeln auf diesen Vortrag gestoßen, sehr sehenswert und schöner Gegenentwurf sowohl zu den ganzen Untergangs- als auch den diversen Tech-Religion-Szenarien.

    Carlota Perez - Techno-economic paradigm shifts, 2018 Summit


  • Ganz interessante Dame, danke für den Hinweis. Wobei ich mit dem Kontradieff Zeugs für meine persönlichen Anlageentscheidungen nie warm geworden bin. Das ist für Timing wohl eher nicht brauchbar und die ganz engen Parallelen zu den 30ern sehe ich jetzt auch nicht.


    Eine Seitwärtsbewegung im Aktienmarkt ist sicher nicht unwahrscheinlich, allerdings ähnlich wie in diesem Jahr mit einer extremen Spreizung. Wenn das eintritt was die Dame so vorhersagt sollte man sich aber eher Sorgen um die "Old Economy" machen.


    Es kann aber auch ganz anders kommen.


    mmi

  • Ich denke zur Aktienvorhersage taugen ihre Thesen nur sehr bedingt.

    Die Zeiträume sind zu groß, es ist unklar wer überlebt, und sogar unklar wer dann old economy sein wird (ist das nur BMW und Daimler oder ist auch Google und Amazon dann schon "old"?!).


    Interessant finde ich aber den gesellschaftlichen Aspekt.


    Klar, wir sind hier im Aktienforum, aber man sollte nicht vergessen dass diese ganze Veranstaltung, die sich "Wirtschaft" nennt, kein Selbstzweck ist, sondern nur ein Mittel um ein gutes Leben für möglichst viele zu ermöglichen und das Abenteuer der Menschheit voranzubringen.

    Und da finde ich ihren Gedankengang extrem spannend und absolut korrekt:

    Gesellschaftlich stecken wir noch in der Denkweise des Industriezeitalters fest. Nun braucht es eine neue Vision für das neue Zeitalter.

    Wenn diese Vision fehlt, wird auch die Wirtschaft auf Dauer nicht viel erreichen, außer sich von Krise zu Krise zu hangeln und letzlich immer zynischer und blutleerer zu werden.


    Nur in Kombination mit einem gesellschaftlichen Fortschritt kann das wahre Potential der neuen Techniken voll entfaltet werden und die Menschheit einen echten Schritt nach vorne machen.
    Ich finde sehr ermutigend dass diese Option ja real existiert...und die Zeit dafür durchaus reif scheint.


    wp


    ps ein weiterer Autor der Interessantes zu diesem Thema zu sagen hat (in diesem Fall in Bezug auf die Organisation von Firmen), ist Frederik Laloux.

    Zusammenfassung seiner These hier:

    https://www.denkmodell.de/fund…einventing-organizations/

    Ich denke Firmen wie Admiral sind da auf einem guten Weg, andere können noch viel lernen.

  • Welche Screener verwendest Du aktuell? Und welche Sektoren/Länder hast Du im Blick?

    Hallo woodpecker, zu deiner Frage: Ich verwende zur Zeit den ValueSignals-Screener. Der war seinerzeit etwas günstiger als der Quant Investing Screener, den ich ansonsten für gleichwertig halte.


    Bei den Sektoren schließe ich nichts aus, d.h. ich behandle alle Sektoren "gleichberechtigt".


    Bei den Ländern habe ich zwei Screenings angelegt: Ein Screening mit den Ländern, in denen ich direkt über Comdirect handeln kann; das Screening beinhaltet small-caps ab 50 mio € Börsenkapitalisierung. Beim "Rest der Welt" muss die Kapitalisierung deutlich höher sein, in der Hoffnung, dass ich Konzerne erwische, die auch in Frankfurt usw handelbar sind. Die Länder-Einteilung ist also rein pragmatischer Natur (Handelbarkeit), nicht wegen irgendwelcher Präferenzen.


    Gruß, witchdream

    "Knowing what you don’t know is more useful than being brilliant."
    Charlie Munger 2015

  • Zum "Pflegenotstand" in Deutschland: die NZZ beschreibt, warum deutsche Pflegekräfte lieber in die Schweiz gehen: https://www.nzz.ch/schweiz/deu…hr-zurueckgehen-ld.141089

    Wesentliche Kernpunkte: bessere Bezahlung, Wertschätzung und flachere Hierarchien.

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

  • Einen ähnlichen Artikel gab es vor ein paar Tagen/Wochen auch in der FAZ. Boris Palmer hat schon irgendwie recht ...

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

  • Ach, wenn eine Stadt sich zur Nummer 2 für Start-Ups in Europa (hinter London) entwickelt hat, aber dem Multi Google nicht den roten Teppich bereiten will, interpretiere ich das nicht als Wirtschaftsfeindlichkeit, sondern eher als eine Konzentration auf seine Stärken, also das Recht auf eine eigene Wirtschaftspolitik mit Schwerpunktsetzungen.

    Und wenn eine Stadt - sofern sie sich das leisten kann (und darin liegt hier für mich eher die ernsthafte zentrale Frage, denn Berlin knappst immer noch an allen Enden und Ecken) bei dem gerade in Metropolen knappen Monopolgut Flächen und Wohnungen ein Vorkaufsrecht in Anspruch nimmt und den erreichten Marktpreis selber zahlt, erkenne ich darin auch nicht direkt Wirtschaftsfeindlichkeit, sondern eher eine eigenständige Wirtschaftspolitik.

    Zugegeben, strukturplanende Wirtschaftspolitik ist hierzulande nicht mehr sonderlich bekannt, da kann es schon mal zu Fehlinterpretationen kommen.

    Auch Potsdam bemüht sich darum, den Anteil kommunaler und genossenschaftlicher Wohnungen beim Wachstum zu erhalten, um das herausdrängen weniger gut bezahlter, aber zugleich für funktionierende Gesellschaften eminent wichtiger Teile der Bevölkerung vom Kindergärtner bis zur Krankenschwester durch extreme Mietsteigerungen einzudämmen.


    Berlin muss so langsam sehr ernsthaft überlegen, wie und wohin die Stadt sich in den nächsten Jahren entwickeln soll.
    "Stadtentwicklung: Berlins Vorteil ist zum Nachteil geworden"

    https://www.tagesspiegel.de/be…il-geworden/22947304.html

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Wir hatten hier ja schon ab und an die Strom-Netzstabilität diskutiert:


    https://edition.faz.net/faz-ed…4a91f74600c9c37e8a8d9a2d/


    „Wir verfolgen diese Entwicklungen sehr genau, kritische Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit sehen wir zum aktuellen Zeitpunkt aber noch nicht“, heißt es bei 50Hertz. (fett von mir)


    Na also, geht doch. Kohlekraftwerke sofort abschalten.

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  • Na also, geht doch. Kohlekraftwerke sofort abschalten.

    Kommt alles noch. Wäre doch schade um die schönen neuen Gas kraftwerke, die fast nur rumstehen wg. Vorrangeinspeisung für den Zappelstrom. Ein Drittes, gerade im Bau befindliches, wird fürs Rumstehen immerhin bezahlt, die ersten beiden nicht - dumm gelaufen für die Investoren. Die wären vermutlich dafür, ein paar Kohlekraftwerke stilllegen. Natürlich braucht es danach wieder ein paar Rumstehkraftwerke mehr, diesmal bezahlt. Kostet höchstens noch eine Kugel Eis im Monat.

    Das läuft übrigens nicht über die EEG Umlage sondern über Netznutzungsentgelte, ebenso wie die Zahlungen fürs Abregeln der Zappelstromspitzen insbesondere Wind. Die Netznutzungsentgelte sind lt. Artikel inzwischen höher als die EEG. Steuern kommen noch obendrauf. Tolles System.

  • Ich bin kein Stromexperte, aber auch in den sonnenlosen Nächten, wird Strom exportiert:

    https://www.energy-charts.de/p…me_de.htm?source=intraday


    War der Sommer so Sonnlos, das der Export einbricht und im Winter wieder steigt:

    https://www.energy-charts.de/t…monthly&source=sum_energy

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

  • 146 Stunden mit "negativen Strompreisen" in 2017, das steckt das Prekariat doch locker weg.


    https://www.nzz.ch/wirtschaft/…er-schnauf-aus-ld.1345943


    Die Strom"wirtschaft" kann sich den ehernen Gesetzen der Planwirtschaft halt auch nicht entziehen - gleichzeitig unbezahlbar und nicht lieferbar (die Aluminiumhütten werden bereits abgeklemmt, siehe Faz-Artikel oben).

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  • hmm was mich etwas stutzig macht ist das hier:>


    Zitat

    Anbieter „abschaltbarer Lasten“ werden dafür bezahlt, wenn Netzbetreiber mit einer Vorankündigung von 15 Minuten den Saft abdrehen. Weil es um sehr große Strommengen geht, betrifft das nur die sehr stromintensive Industrie, die direkt am Höchstspannungsnetz hängt.

    Abgeschaltet werden anscheinend nur die, die Geld dafür bekommen. Die beschweren sich dann, dass sie tatsächlich abgeschaltet werden.


    Zudem dürften die meisten dieser Betriebe von der EEG Umlage befreit sein. Ich muss sagen, mein Mitleid hält sich da stark in Grenzen. M.E. ist Deutschland eh kein besonders praktischer Standort für solche Energie intensiven Unternehmen.

  • Abgeschaltet werden anscheinend nur die, die Geld dafür bekommen. Die beschweren sich dann, dass sie tatsächlich abgeschaltet werden.

    Das klingt nicht so, als ob die freiwillig abschalten. sondern eher nach Zwangsmassnahme mit kleiner Aufwandsanerkennung a la Zeugengeld. Weisst Du denn mehr dazu?


    Edit - zur "Entschädigung" steht was im von mmi zitierten Artikel. Offenkundig nicht freiwillig sonder als Zwangsmassnahme u.U. soger ohne Vorwarnung. Da kommt Freude auf. Für ungeplante Abschaltungen gibt es satte 5000.-. Für geplante vermutlich deutlich weniger. Blöd nur, wenn die Schäden eine oder mehrere Grössenordnungen höher liegen.