Standort Deutschland

  • Der Bestand an Rentnern [in Frankreich] wächst zur Zeit also deutlich (als grobe Schätzung um knapp 0,3 Mio pro Jahr: etwa 800 k 65-Jährige, 600 k Sterbefälle, davon 15% unter 65 Jahre), während der Bestand an Beitragszahlern in etwa konstant bleibt.


    Zur Zeit steigt die Zahl der Rentner [in Deutschland] um etwa 0,2 Million pro Jahr (Zahl der 65-Jährigen: etwas über 1 Mio, Zahl der Sterbefälle etwa 930 000, davon 15% unter 65), die Zahl der Beitragszahler dürfte stagnieren.


    Rein von den Zahlen her erkenne ich da bestenfalls einen sehr zart anfangenden Stresstest der Sozialsystem in F und auch nur recht wenig absehbare Steigerung im Vergleich zu D.


    Täusche ich mich? Für mich relevant weil:

    Exakt aus dem Grund halte ich an EUR-Aktien eine hohen Anteil in F und nur einen winzigen in D.

  • Täusche ich mich?

    Nein.

    Ich teile Deine Einschätzung, dass der Stresstest der europäischen Sozialsysteme durch die Babyboomer im Falle von Frankreich wohl mit Abstand am harmlosesten verlaufen wird - mein Punkt war lediglich, dass das französische System bereits mitten in seinem Stresstest ist, weil dort die Zeit des Babybooms 10 Jahre früher anfing als in Deutschland. In 10-15 Jahren dürfte das französische System, für sich betrachtet, in einem neuen Gleichgewichtszustand sein.

    Im restlichen Europa hat der eigentliche Stresstest noch gar nicht begonnen. Zur Zeit sind die Renten-Balken (60-69) in etwa gleich lang, wie die Berufseinsteiger-Balken (20-29). Man beachte den Unterschied zwischen m/w.

    In 15 Jahren sieht das ganz anders aus.

  • m.W. braucht DE ca 400.000 Zuwanderer netto in den Arbeitsmarkt pro Jahr um das System stabil zu halten.

    derzeit ja, zukünftig reicht das nicht, siehe

    In 10 Jahren kommen 1,4 Mio pro Jahr ins Rentenalter, 0,7 Mio ins beitragszahlende Alter.

  • Eine der großen Nachteile der rein demographischen Sichtweise für die Rentenprognose ist, dass die Zahl der Menschen noch wenig über die Zahl der Beitragszahler aussagt.


    Arbeitslosigkeit, mehr Selbstän dige, Sharing Economy etc. können auch einen sehr großen Einfluss auf das Umlagesystem haben. Die vergangenen Jahre waren durch sinkende Arbeitslosenzahlen in Deutschland (und höhere Erwerbstätigkeit) gekennzeichnet. Sollte es mal in die andere Richtung gehen dann hilft auch Zuwanderung nicht viel.

  • Eine der großen Nachteile der rein demographischen Sichtweise für die Rentenprognose ist, dass die Zahl der Menschen noch wenig über die Zahl der Beitragszahler aussagt.


    Arbeitslosigkeit, mehr Selbstän dige, Sharing Economy etc. können auch einen sehr großen Einfluss auf das Umlagesystem haben. Die vergangenen Jahre waren durch sinkende Arbeitslosenzahlen in Deutschland (und höhere Erwerbstätigkeit) gekennzeichnet. Sollte es mal in die andere Richtung gehen dann hilft auch Zuwanderung nicht viel.

    • Die demographische Sichtweise liefert Einsicht in Art und Umfang des Problems. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    • Beitragszahler sind letztlich alle, die netto ins staatliche oder staatlich regulierte Steuer-/Abgabensystem einzahlen. Wie man die einzelnen Maßnahmen zur Umverteilung nennt (Steuer, Sozialabgabe, soziales Pflichtjahr, Versicherung, Riestern, CO2-Abgabe, Öko-Steuer, Umlageverfahren, ... ), ist eine Frage der Phantasie und der Kosmetik und dient der Verschleierung und Parzellierung der Lastenverteilung.

    Das Grundproblem ist die Altersversorgung. Dass diese mit festen Altersgrenzen verknüpft wird, ist weniger sachlich begründet, sondern hat ihren Ursprung in der Art und Weise, wie in unserem Kulturkreis die kollektive Altersversorgung organisiert ist.

    Hatte ein Mann um 1900/10 das 40. Lebensjahr erreicht, so konnte er noch mit einer Lebensdauer von etwa 26 Jahren rechnen. Für Frauen lag sie bei 29 Jahren. Nur wenige Menschen aber, nämlich rund fünf Prozent der deutschen Bevölkerung, erlebten das Rentenalter, das die 1889 in Kraft getretene Invaliditäts- und Altersversicherung auf 70 Jahre festlegte.


    Wie sich das Standard-Lebenskonzept von damals (15 Jahre Ausbildung 55 Jahre Arbeit) auf heute (25 Jahre Ausbildung, 40 Jahre Arbeit, 20 Jahre bezahlter Urlaub) hin entwickelte, war nicht abzusehen und spiegelt die gesellschaftliche Arbeitsteilung und den gesellschaftlichen Wohlstand wider. Die sich stark wandelnde Demographie impliziert, dass dies in Europa praktizierte (weniger als 5% der Weltbevölkerung betreffende) Konzept nicht zukunftsfest ist.


    Wie mit dem Problem der Altersversorgung umgegangen wird, das entscheidet die Gesellschaft; die Palette ist sehr weit, von Ættestup bis zur Umverteilung von Jung zu Alt, von selbstverantworteten Individuallösungen über das Spannen von Sicherheitsnetzen, bis hin zu kollektiven Zwangslösungen.


    Mögliche Lösungsansätze kann man nie trennen von

    • der Größe des zur Verfügung stehenden Kuchens
    • der Einsicht und Bereitschaft der die Lösung tragenden gesellschaftlichen Gruppen.
  • Nun ja, z.B. bei einer kapitalgedeckten Variante ist der Kuchen ja nicht mehr nur innerhalb der Landesgrenzen zu finden....


    Die Angelsachsen, aktuell insbes. die Amis und die Australier machen es vor wie man da ordentlich Vermögen aufbauen kann wenn man global in produktive Assets investiert. In Deutschland hängt man leider an Sparkonten und Umverteilung fest.


    Die Kohle machen dann die reichen Familien wie der iWF das jetzt mal etwas provokant veröffentlicht hat.

  • Nun ja, z.B. bei einer kapitalgedeckten Variante ist der Kuchen ja nicht mehr nur innerhalb der Landesgrenzen zu finden....


    Die Angelsachsen, aktuell insbes. die Amis und die Australier machen es vor wie man da ordentlich Vermögen aufbauen kann wenn man global in produktive Assets investiert. In Deutschland hängt man leider an Sparkonten und Umverteilung fest.

    Bis vor kurzem war ich auch noch Deiner Meinung. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Den Grund möchte ich mal etwas provokant formulieren:


    Die Entscheidungen des US District Court of the Southern District of New York sind für die Dax-Konzerne von größerer Bedeutung als die der deutschen Gerichte.

  • Umverteilung, wohin man schaut.


    Heute tagt das "Klimakabinett" (böse Zungen sagen Klimakabarett") und brütet neue Steuern für die Mindestlöhner aus. Sind schließlich selber schuld, wenn sie ausatmen.


    Derweil in den Reichenportfolios:


    A19PCG

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • Hängt doch alles von der Zuwanderung ab, oder?


    m.W. braucht DE ca 400.000 Zuwanderer netto in den Arbeitsmarkt pro Jahr um das System stabil zu halten.

    Zumindest aktuell scheint man die auch zu bekommen wenn man will.

    Die Betonung liegt auf in den Arbeitsmarkt.

    Erstens wird das schwierig, langfristig attraktiv zu bleiben, z.B. gehen diverse Polen wieder zurück und der Lebensstandard dort zieht stark an. Andere Ostländer genauso. Deswegen bomben wir die Ukraine kaputt und lassen sie in die EU, damit wir günstige Arbeitskräfte von dort bekommen. IT Arbeitskräfte arbeiten schließlich sowieso schon oft von dort für uns, wie eben von Indien aus auch.

    Zweitens müsste man noch die Zuwanderung nicht in den Arbeitsmarkt, sprich in die Sozialsysteme gegen rechnen.

    Summasumarum bin ich pessimistisch, kann aber natürlich an meinem Charakter liegen.

    Sobald genug Geld da ist, ziehe ich ostwärts ;)

  • Was für ein Quark

    Mit wir waren wir Westeuropäer gemeint. Wenn Sie sich die Ostukraine mal angucken, können Sie sich die zerbombten Häuser angucken. Sind zwar nicht unsere Jets, aber wir haben das veranlasst. Da tragen wir wohl eine gewisse Verantwortung, denn ohne unser Drängen hätte es den ganzen Umsturz nicht gegeben

  • Mit wir waren wir Westeuropäer gemeint. Wenn Sie sich die Ostukraine mal angucken, können Sie sich die zerbombten Häuser angucken. Sind zwar nicht unsere Jets, aber wir haben das veranlasst. Da tragen wir wohl eine gewisse Verantwortung, denn ohne unser Drängen hätte es den ganzen Umsturz nicht gegeben

    Puh ne, da machst du es dir zu einfach.

    Und du überschätzt - in typischer Verschwörungsmanier - m.E. die Fähigkeit irgendwelcher "Kräfte", den großen Plan auszuarbeiten und die Welt quasi an ihren Fäden tanzen zu lassen.


    Keine Frage, auch der Westen hat einen Haufen vermasselt in der Ukraine; und es stimmt auch dass wir vom Zufluss ukrainischer Arbeitskräfte quasi als Kollateralschaden profitieren...aber daraus kann man nicht ableiten dass das Absicht war...


    wp


    ps. Wir duzen uns hier übrigens üblicherweise. Also ich bin der Woodpecker... ;-)

  • Da bin ich mir nicht so sicher, die USA haben es jahrelang geplant (und bestimmte Personen an entsprechenden Stellen postiert) , wie sie selbst gesagt haben (Nuland), 5 Mrd. in den Umsturz investiert. Den innerukrainischen Konflikt haben sie vlt. nicht geplant, aber mind. billigend in Kauf genommen. Solche (erzwungenen) Regimechanges verlaufen eben selten friedlich ab.

    Über "Verschwörungs-" sonstwas beiseite wischen kann ich nur grinsen, kennst du den Einsturz und Untersuchungsbericht zu WTC7?

    Wer will, kann schon mit offenen Augen durch s Leben gehen, die meisten wollen nur nicht


    PS: Manchmal kommt halt doch ein Stück Höflichkeit der guten Erziehung unbewusst zum Vorschein ;)

  • Sobald genug Geld da ist, ziehe ich ostwärts ;)

    Ich warte ja immer auf die Leute, die derartige Versprechen auch in die Realität umsetzen.

    Erinnert mich an frühere West-Linke, die gerne die DDR als besseren deutschen Staat bezeichneten, aber dann doch nicht dahin umziehen wollten - jedenfalls solange sie nicht wegen Terroranschlägen (RAF) gesucht wurden.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Sobald genug Geld da ist, ziehe ich ostwärts ;)

    Stimme Al zu: Wirst Du nicht tun.


    Ich dachte das auch immer. Aber es läuft genau umgekehrt:


    Man bleibt dann doch in der teuren Großstadt hängen. Allerdings verdient man da auch viel. Und wenn man auch nur halbwegs frugal lebt (also sich nix aus dicken BMW, teuren Uhren und 5* Malediven macht, ergo einfach ein klein wenig weniger prasst als die ganzen Hipster um einen rum), und man zudem (wie du) schon in jungen Jahren mit Aktien anfängt, dann ist früher oder später erstaunlich viel Geld da, so dass auch die teure Großstadt plötzlich richtig Spaß macht und es keinen Grund mehr gibt weg zu ziehen :-)


    wp

  • Ich finde das nicht so teure Land viel besser als die teure Großstadt. Mein Traum wäre, im Alpenvorland zu wohnen. Ist nicht Großstadt, aber trotzdem teuer :D

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer