Test der Gedichte

  • jk


    von DAQel:


    Unabhängig vom Testanfang war es mir ein Verschieben in den Off Topic würdig. Mal schauen, ob sich aus der Testphase der Gedichtethread weiter entwickelt...


    ;D ;D ;D
    DAQel


  • Auch wenn viele Worte nicht existieren, so weiß man doch was abgelaufen ist.

  • JABBERWOCKY
    By Lewis Carroll (from Through The Looking-Glass)


    'Twas brillig, and the slithy toves
    Did gyre and gimble in the wabe;
    All mimsy were the borogoves,
    And the mome raths outgrabe.


    'Beware the Jabberwock, my son!
    The jaws that bite, the claws that catch!
    Beware the Jubjub bird, and shun
    The frumious Bandersnatch!'


    He took his vorpal sword in hand:
    Long time the manxome foe he sought--
    So rested he by the Tumtum tree,
    And stood awhile in thought.


    And as in uffish thought he stood,
    The Jabberwock, with eyes of flame,
    Came whiffling through the tulgey wood,
    And burbled as it came!


    One, two! One, two! And through and through
    The vorpal blade went snicker-snack!
    He left it dead, and with its head
    He went galumphing back.


    'And hast thou slain the Jabberwock?
    Come to my arms, my beamish boy!
    O frabjous day! Callooh! Callay!'
    He chortled in his joy.


    'Twas brillig, and the slithy toves
    Did gyre and gimble in the wabe;
    All mimsy were the borogoves,
    And the mome raths outgrabe.

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • endlich ein Lyrikthread


    Der Zahn von Barthold Heinrich Brockes


    Um grössre Schmertzen zu vermeiden,
    Entschloß ich mich, daß mir ein Zahn,
    Der mir bishero weh gethan,
    Würd' ausgebrochen, zu erleiden.


    Weil aber die Natur, bey starcken Gliedern,
    (So ich dem Schöpfer nie durch Danck kann gnug erwiedern)
    Auch starcke Zähne mir verliehn;
    So schien es erst, als ob, ihn auszuziehn,
    Der kluge Carpser selbst, der an Geschicklichkeit
    Kaum seines gleichen kennt, sich etwas scheut'; allein,
    Weil ich darauf bestund, war er dazu bereit.


    Ich nahm mir vor, die strenge Pein,
    Ohn' alles Zucken, sonder Schreyn
    Behertzt und standhaft auszustehen.
    Er setze drauf den Pelican,
    Den ich vorhero wohl besehen,
    Mit Kraft und Vorsicht an.
    Wir hielten uns im Anfang beyde gut:
    Er brach; ich hielte fest, noch fester doch der Zahn.
    Er knackt', ich wiche nicht. Doch endlich war mein Muth
    Noch eher, als der Zahn, gebrochen.


    Es riß ein gräßliches Gekrach,
    Wodurch des gantzen Hauptes Knochen
    Zu spalten schien, ein kurtz doch kläglich Ach
    Mir aus der Brust. Die feurig-wilde Pein,
    Der bittre Schmertz, durchdrang so Fleisch, als Bein.
    Dieß splittert', jenes riß, jedoch, zu meinem Leide,
    Kein eintzigs gantz entzwey;
    Der Sehnen Zähigkeit band sie noch alle beyde.


    Den meist gelösten Zahn ergriff der Artzt aufs neu',
    Und ich, vor Unmuth Muth. Er wählt' aus zweyen Bösen
    Das kleinest', und fing an, das Zahn-Fleisch abzulösen.
    Ob ich nun gleich die scharfen Schmerzten fühlte,
    Wie er mir dazumahl in frischer Wunde wühlte,
    Wie er das Fleisch zerschnitt; so wirckete jdoch
    Der noch weit grössre Schmertz, den, wie es so gekracht,
    Der Bruch mir kurtz vorher gemacht,
    Zusamt der Furcht, es würd' annoch
    Dergleichen gräßliches Geknirsch von neuem kommen,
    Daß ich die Pein des Schnitts, wie herbe sie auch war,
    Doch nicht so gar
    Empfindlich aufgenommen.


    Allein,
    Mit welcher Lust nahm ich, bey aller Pein,
    Den Ursprung meiner Quaal, den nunmehr losen Zahn,
    Aus Carpsers blut'gen Händen an!
    Kaum konnte mir, ihn hin und her zu kehren,
    Die Zacken anzusehn, ein kalter Schauer wehren,
    Dar plötzlich mich befiel. Ich leget' ihn denn nieder.


    (...)

    Das Drehbuch für den Untergang steht fest - es geht nur noch um den Preis für die beste Maske (H. v. Buttlar)

  • Da habe ich auch noch ein Meisterwerk:


    "Das arme Milchmädchen macht einen Griff ins Klo
    als sie sich legt ein paar Carderos ins Depot
    Da war er hin,
    der schöne Gewinn.
    Erst ein zweisechsunddreissich macht sie wieder richtig froh."

  • Offensichtlich noch aus den 90ern:


    Wer ist wie ein Hamster froh
    Wenn er vergrößert sein Depot?
    Wer macht einen guten Schnitt,
    wenn es kommt zu einem Split?
    Wer ist um den Schlaf gebracht,
    wenn es in Brasilien kracht?
    Wer hat es wirklich nicht gewollt
    Wenn tief hinab der Rubel rollt?
    Diese Frage ist nicht schwer,
    denn darauf reimt sich: Aktionär!

  • Einer der wenigen Dichter, die ich mag, ist der dieses Jahr verstorbene Robert Gernhardt:


    ACH


    Ach, noch in der letzten Stunde
    werde ich verbindlich sein,
    Klopft der Tod an meine Türe,
    rufe ich geschwind: Herein!


    Woran soll es gehn? Ans Sterben?
    Hab ich zwar noch nie gemacht,
    doch wir werd'n das Kind schon schaukeln -
    na, das wäre ja gelacht!


    Interessant so eine Sanduhr!
    Ja, die halt ich gern mal fest.
    Ach - und das ist Ihre Sense?
    Und die gibt mir dann den Rest?


    Wohin soll ich mich jetzt wenden?
    Links? Von Ihnen aus gesehn?
    Ach, von mir aus! Bis zur Grube?
    Und wie soll es weitergehn?


    Ja, die Uhr ist abgelaufen.
    Wollen Sie die jetzt zurück?
    Gibt's die irgendwo zu kaufen?
    Ein so ausgefall'nes Stück


    Findet man nicht alle Tage,
    womit ich nur sagen will
    - ach! Ich soll hier nichts mehr sagen?
    Geht in Ordnung! Bin schon

  • Hessen nimmt Abschied von Freddie Mercury


    Mit fünfundvierzisch war schon Schluss,
    des kommt vom vielen Koitus.
    Der Fred war schwul als wie die Nacht,
    drum hat er´s auch net lang gemacht.
    Dabei konnt der doch so schön singe!
    Was muss er da noch Kerls bespringe!
    Wär er net rein in jedes Bett,
    könnt er noch leben, unsän Fred.
    Am Samstag fragt man: Fred, wie gehts?
    Am Sonntag sagt er: Isch hab Ehds.
    Am Montag kommt er aus dem Haus,
    Im Eischensarg, die Füß vorraus.
    Am End´ hätt er noch gern gesunge,
    Hätt´ er halt net die Jungs besprunge!
    Leut´ ! Sagt Ihr: "Ehds, des krieg isch nie!",
    dann denkt an Freddie Mercury

    Das Drehbuch für den Untergang steht fest - es geht nur noch um den Preis für die beste Maske (H. v. Buttlar)

  • Quote

    Original von Winter


    Ach, noch in der letzten Stunde
    werde ich verbindlich sein,
    Klopft der Tod an meine Türe,
    rufe ich geschwind: Herein!


    Ein trauriges Gedicht - es war aber nicht das traurigste in diesem Faden (vgl. mein Opus) :-)


    Totzdem: Fehlen da am Schluss des Gedichtes noch ein paar Zeilen? Würde gerne wissen, wie der arme Kerl dann endet

  • Hallo Milchmädchen



    Zitat:
    --------------------------------------------------------------------------------
    Würde gerne wissen, wie der arme Kerl dann endet
    --------------------------------------------------------------------------------


    Typisch Gernhard - Die Pointe ist eben, dass er das letzte Wort "still" verschweigt!

  • Das folgende Gedicht hörte ich zum ersten Mal von meinem Zellbiologie-Professor:


    Hans Magnus Enzensberger


    Die Scheisse


    Immerzu höre ich von ihr reden
    als wäre sie an allem schuld.
    Seht nur, wie sanft und bescheiden
    sie unter uns Platz nimmt!
    Warum besudeln wir denn
    ihren guten Namen
    und leihen ihn
    dem Präsidenten der USA,
    den Bullen, dem Krieg
    und dem Kapitalismus?


    Wie vergänglich sie ist,
    und das was wir nach ihr nennen
    wie dauerhaft!
    Sie, die Nachgiebige,
    führen wir auf der Zunge
    und meinen die Ausbeuter.
    Sie, die wir ausgedrückt haben,
    soll nun auch noch ausdrücken
    unsere Wut?


    Hat sie uns nicht erleichtert?
    Von weicher Beschaffenheit
    und eigentümlich gewaltlos
    ist sie von allen Werken des Menschen
    vermutlich das friedlichste.
    Was hat sie uns nur getan?

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

  • Christian Morgenstern


    Palmström


    Palmström steht an einem Teiche
    und entfaltet groß ein rotes Taschentuch:
    Auf dem Tuch ist eine Eiche
    dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch.


    Palmström wagt nicht sich hineinzuschnäuzen, -
    er gehört zu jenen Käuzen,
    die oft unvermittelt - nackt
    Ehrfurcht vor dem Schönen packt.


    Zärtlich faltet er zusammen,
    was er eben erst entbreitet.
    Und kein Fühlender wird ihn verdammen,
    weil er ungeschneuzt entschreitet.

  • Nonsensgedicht von Horst Tomayer


    Der Alkohol löst die Zunge
    Und die Fesseln der Scham je nachdem
    Doch nie wird der Alkohol lösen
    Das Alkoholproblem

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • ja glaub ich`s denn....
    ...Gedichte in Norberts Forum....


    Weiterungen


    Sie suchten
    das Weite


    Aber von solchen Suchern
    wollte das Weite sich
    nicht finden lassen


    So lag es nahe
    daß auch das Weite nun
    das Weite suchte


    Das Weitere fand sich von selbst


    Erich Fried


    -----------------------------------------------


    Ich schätze mich glücklich, noch kurz vor seinem Tod einer Lesung beigewohnt zu haben. Toll!


    Wer ein Herz hat, liest seine wunderschönen Liebesgedichte. Aber bitte nicht online, sondern begleitet von gedämpften Rascheln einer umgeblätterten Buchseite.


    Nacht.


    Spoil

  • Wandervegel
    von Wilhelm Philipps


    Koarze Hose aus Manschesder,
    Baa(n) voll Hoar, Knie blitzeblank;
    Dicke Flechde statts de Nesder,
    Mähne wild bis in die Ank.
    Blaue Kiddel, Dirndlklaadche,
    Rucksack, Dippe owwe druff,
    Roaweschoazz meist - Boub wie Maadche
    Zieht die Landstroß ob un uff.


    Frohe Lieder zu de Klampfe,
    Dolle Spring zum Wimmerholz;
    Wo ihr Kessel lustig dampfe,
    Fladdern Wimpel bunt un stolz.
    Meist solid un ohne Sigga,
    Hie un do emol en Flegel;
    Awwer immer mit de Gidda:
    Sogenannte Wandervegel.


    (W. Philipps, Schiddel-Aeppel, Friedberg 1924)



    Kamen fünfzig Jahre später als Hippies wieder, allerdings mit mehr "Siggarn".

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • J. Guggenmos

  • [offtopic]
    @ Winter


    Mit welchem Programm hast du es eigentlich geschafft, deinen Beitrag vom 4.11. 137 mal zu editieren?
    Tief beeindruckt, das ist wahrscheinlich board Rekord

    Das Drehbuch für den Untergang steht fest - es geht nur noch um den Preis für die beste Maske (H. v. Buttlar)

  • *lach*
    was dir alles auffällt!


    aber nicht nur die Anzahl ist beeindruckend, auch die Geschwindigkeit nötigt Respekt ab.
    Denn er hat dafür nicht mehr als 120 Sekunden benötigt!