IKB, Illiquidität und Kreidtkrise

  • Schweden will das (physische) Bargeld abschaffen:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz…,697191,00.html

    So kann man Bankruns natürlich auch erschweren. Es sei denn, es gibt sowas wie die Geldkarte bei uns (die idealerweise bankunabhängig und direkt von der Zentralbank ausgegeben sein sollte).

    Als Tourist muß man dann wohl überall mit der (u.U. teuren) Kreditkarte bezahlen? Es sei denn, man kann sich auch eine Geldkarte leihen. Und Flohmarktanbieter müssen Kartenterminals kaufen?

    In "unserer Demokratie" werden keine Minderheiten unterdrückt oder zum Schweigen gebracht (Boris Pistorius). Sondern die Mehrheit.
    "Unsere" Demokratie verhält sich zur Demokratie wie Transfrauen zu Frauen.

  • Der Bargeldverkehr unter Privatleuten würde nach einem Verbot vermutlich in Euro oder Dollar laufen.

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis

    Everything will be allright!

  • Hallo,

    der Spead auf belgische Staatsanleihen im Vgl zu deutschen ist in den vergangenen Wochen um 0.5-Prozentpunkte gestiegen. Das wird wie folgt begruendet: In Belgien wird am Wochenende gewaehlt, und keine Seite tritt mit einem plausiblen Sparprogramm an (Quelle: Financial Times).

    Die EZB hat in den vergangenen 4 Wochen ca 40 Mrd EUR an Staatsanleihen aufgekauft. Das hat insgesamt nicht gereicht, um ein Ansteigen der Marktzinsen auf Staatsanleihen zu stoppen. Mit Ausnahme der deutschen Staatsanleihen sind im Euroraum ueberall die Zinsen in den vergangenen 4 Wochen gestiegen.

    Zum Vergleich: Von 2009 bis Maerz diesen Jahres hat die Bank of England 200 Mrd GBP an Staatsanleihen gekauft - ich schaetze, das war ueber 3/4 der Neuverschuldung. Wenn ich Richard Werner richtig verstehe, sollte das zuegig (6-9 Monate) auf die Verbaucherpreise durchschlagen.

    Zur Entscheidung der Inflation vs Deflation-Frage kann man mal das UK im Auge behalten.

    Balkenchart

  • Ich verstehe die Faszination der Märkte auf Sparprogramme nicht. Die Probleme gehen für die Kapitalinhaber doch erst richtig los, wenn keiner mehr Kredite haben möchte.

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

  • Hallo,

    die Hypo-Real-Estate, die ja schon gut 100 Mrd EUR Garantien vom Steuerzahler hat, bekommt noch weitere 40 Mrd EUR dazu.

    Bei 50% Ausfallquote (optimistisch?) macht das knapp 1000 EUR pro Bundesbuerger.

    Balkenchart

    Einmal editiert, zuletzt von Balkenchart (11. September 2010 um 00:40)

  • Ich errinnere mich (hallo Winter ;) ) noch gut, daß es in 2007 hieß, die Ausleihungen der HRE seien alle so sicher wie der Tod, dummerweise bloß zu kurzfristig gegenfinanziert, also alles reine Liquiditätshilfe, am Ende winkten dicke Gewinne für den Fiskus ...

    Nichts genaues sagt man heute wie immer nicht, doch offenbar soviel:

    HRE hat viele Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten in den Büchern

    HRE als auch der Bund befürchten, dass es bei der Ausgliederung zu technischen Pannen kommen könnte. So könnte es Verzögerungen bei der einen oder anderen Überweisung geben. Zudem soll bei kurzfristiger Zuspitzung der Marktlage auf mögliche Liquiditätsprobleme reagiert werden können. Unter anderem stiegen zuletzt Risikoaufschläge auf Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten. Hinzu kommt eine für das Institut ungünstige Zins- und Dollarentwicklung.

    http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84A…n~Scontent.html


    Das heißt doch im Klartext, die Bad Bank wird gebraucht zur Auslagerung von Staatsanleihen. Diese gelten heutzutage offenbar als TOXIC. Das sind doch mal Neuigkeiten.

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  • Zitat

    Original von Lando
    Ich errinnere mich (hallo Winter ;) ) noch gut, daß es in 2007 hieß, die Ausleihungen der HRE seien alle so sicher wie der Tod, dummerweise bloß zu kurzfristig gegenfinanziert, also alles reine Liquiditätshilfe, am Ende winkten dicke Gewinne für den Fiskus ...


    Hatte ich das wirklich so geschrieben oder nur algemein spekuliert? Kann mich nicht dran erinnern. Ich weiß nur noch, daß Willy damals HRE-Aktien kaufte, aber auch das war glaube ich später.

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  • Das war mehr ein grammatikalischer Gruß.

    Außerdem Korrektur, die HRE knickte erst 2008, in 2007 schwächelte die IKB und der damalige Wirtschaftsminister übte sich in starkem Hoffen, die Realwirtschaft von dem Bankenkram zu verschonen.

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  • Ach so, klar ;)

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    Einmal editiert, zuletzt von Winter (14. September 2010 um 09:51)

  • Hallo,

    aus der Financial Times:

    Zitat

    The European Central Bank is to beef-up its powers to act against struggling eurozone banks in a move that could foreshadow a tougher line towards those depending on its liquidity to survive.
    [...]
    Although a largely technical change, the timing of the step is significant. ECB policymakers have become increasingly frustrated that a number of banks remain addicted to the offers of unlimited liquidity it has been making since the collapse two years ago of Lehman Brothers. The rule change opens up the possibility of it taking action against such banks.

    Jean-Claude Trichet, ECB president, last week urged national governments and regulators to do what is necessary to resolve the problems of banks that were unable to tap financial markets for liquidity. It is not a normal situation, he warned.
    [...]
    Levels of bank addiction are highest in those countries worse hit by this year's crisis over eurozone public finances. On Friday, Ireland's central bank reported the country's banks had ¤119bn in ECB loans as of September 24 - equivalent to about a fifth of the total lent by the ECB.

    The ECB had powers in place already to restrict the loans it made when it felt the risks were too high. But revisions to the ECB general documentation - which sets out the rules by which it implements eurozone monetary policy - make clear that in future it will be able to suspend, limit or exclude counterparties' access to monetary policy instruments on the grounds of prudence. It could also reject or limit the use of assets submitted as collateral by specific banks.

    Some 6,300 eurozone banks are eligible to use the ECB's liquidity facilities. Among other changes in Saturday's announcement are tougher rules on the use of asset backed securities as collateral.


    Die klingen zumindest deutlich ernsthafter als die Amerikaner.

    Balkenchart

  • Zitat

    Original von Winter
    Kann mich nicht dran erinnern. Ich weiß nur noch, daß Willy damals HRE-Aktien kaufte, aber auch das war glaube ich später.


    Der Willy? Kann ich mir gar nicht vorstellen, der hat doch NIE etwas falsch gemacht... :)

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    (Kurt Tucholsky)

    Einmal editiert, zuletzt von nixda (10. Oktober 2010 um 12:11)

  • Hallo,

    nochmal zur Lage der EZB. Das Zitat von oben zeigt ziemlich gut die Zwickmuehle, in der die EZB steckt. Alleine die irischen Banken werden mit 1%-Krediten von ca 120 Mrd EUR gestuetzt.

    Was wuerde passieren, wenn die EZB diese Kredite nicht mehr gewaehrte? Nehmen wir an, dass die irischen Banken, die ja effektiv verstaatlicht sind, sich zum selben Zins wie der Staat Irland finanzieren koennen, sagen wir im Mittel zu 6.5%. Selbst wenn sie die vollen 120 Mrd aufnehmen koennten (das sind immerhin 75% des irischen BIP), wuerden sie gegenueber der derzeitigen Situation pro Jahr gut 6.5 Mrd EUR verlieren. Das sind immer noch ueber 4% des irischen BIP jedes Jahr.

    D.h. wenn die EZB die Lquiditaetshilfen fuer die irischen Banken einstellt, kann sie damit Irland durchaus in die Staatspleite schicken. Dann wuerde allerdings die EU-Bankenrettung aus dem Mai 2010 greifen.

    Aber wenn die irischen Probleme sowieso auf die Allgemeinheit umgelegt werden, dann kann man auch gleich die Bilanzsumme der EZB abnormal hoch lassen und die Hilfen bestehen lassen, oder?

    Die Lage der griechischen, portugiesischen und spanischen Banken duerfte recht aehnlich sein. Irgendwo stecken ja die restlichen 480 Mrd EUR an EZB-Liquiditaetshilfen.

    Also: Selbst wenn die EZB wirklich will, dann kann sie eigentlich schon lange nicht mehr.

    Balkenchart

    Einmal editiert, zuletzt von Balkenchart (11. Oktober 2010 um 06:42)

  • Hallo,

    Zero-Hedge hat noch weitere Informationen zu den Liquiditaetshilfen der EZB an die irischen Banken.

    Demnach ist die Summe im September um 24 Mrd EUR gestiegen. Im selben Zeitraum hat Irland fuer 25 Mrd EUR neue Staatsanleihen emittiert. Ein Schelm wer vermutet, dass diese beiden Zahlen etwas miteinander zu tun haben.

    Balkenchart

    Einmal editiert, zuletzt von Balkenchart (12. Oktober 2010 um 09:19)

  • Hallo,

    wie schon anderswo berichtet, haben die US-Banken Probleme mit ihren Zwangsvollstreckungen. Die Papiere sind nicht in Ordnung. Immer wenn der Kreditvertrag weitergereicht wurde, haette die Indossierung notariell beglaubigt werden muessen. Das ist jedoch in der Boom-Phase unterblieben. Jetzt koennen die Banken in vielen Faellen nicht nachweisen, dass sie ueberhaupt den Titel haben, das Haus zwangszuversteigern.

    Problem 1: Die Leute koennen wohnen bleiben, obwohl sie ihre Hypothek nicht bedient haben. Jedenfalls solange, bis die Papiere in Ordnung sind.

    Problem 2: Einige der Banken haben mit Kanzleien zusammengearbeitet, um die Zwangsversteigerungen abzuwickeln, und diese Kanzleien haben die Urkunden einfach gefaelscht. In diesen Faellen ist der Kreditvertrag dann nichtig, und die Bank bleibt auf der vollen Summe sitzen.

    Problem 3: Falls die Bank die Hypothek weiterverkauft hat, z.B. an ein CDO oder so, so hat der CDO normalerweise das Recht, die Hypothek an die Bank zurueckzugeben, falls die Papiere nicht in Ordnung sind.

    Ratet mal, warum der Hedge Fonds von John Paulsen seit einem Jahr in Hypotheken-Anleihen long ist. Das ist nicht nur Subprime 2.0, sondern vielleicht sogar Paulsen 2.0.

    Einen langen Artikel dazu gibt es bei John Mauldin

    Balkenchart
    PS: Joe, ist das Hindenburg-Omen vom Sommer eigentlich schon abgelaufen? Vielleicht reicht es ja jetzt fuer den Crash.

    Einmal editiert, zuletzt von Balkenchart (18. Oktober 2010 um 08:16)

  • Zitat

    Original von Balkenchart
    Ratet mal, warum der Hedge Fonds von John Paulsen seit einem Jahr in Hypotheken-Anleihen long ist.


    Das verstehe ich nicht: wenn man die Hypotheken nicht mehr eintreiben kann (Problem 1+2), warum sollte man dann darin long sein?

    "The only function of economic forecasting is to make astrology look respectable." - John Kenneth Galbraith

  • Zitat

    Original von cktest
    Das verstehe ich nicht: wenn man die Hypotheken nicht mehr eintreiben kann (Problem 1+2), warum sollte man dann darin long sein?


    Wenn das Kleingedruckte aber sagt, dass man die Hypothek an die Bank zurueckgeben kann, wenn die Papiere nicht in Ordnung sind, dann ist die Anleihe eben doch 100% wert. Wenn das so stimmt, dann rasiert der Paulsen die Banken jetzt zum zweitenmal mit demselben Investment.

    Balkenchart

  • Hallo,

    die FAZ hat Zahlen zur Banken-Refinanzierung durch die EZB:

    Zitat

    Schuldeten die spanische Banken auf dem Höhepunkt der Krise im Juni der EZB im Monatsdurchschnitt noch 136 Milliarden Euro, ist dieser Wert zuletzt auf 106 Milliarden Euro gesunken. Das sei allerdings immer noch mehr als doppelt so viel wie vor der Lehman Pleite im Herbst 2008, erläutert Jürgen Michels, Ökonom der Citigroup. Seit Juli sind die Ausleihungen der EZB an griechische Banken geringfügig auf 94 Milliarden Euro gefallen, für portugiesische von 50 auf knapp 40 Milliarden Euro. Irische Banken hatten dagegen im September den Rekordwert von durchschnittlich 117 Milliarden Euro Verbindlichkeiten gegenüber der EZB.


    Ausserdem versuchen die ersten, ihre Hypothekenanleihen an die BoA zurueckzugeben (Financial Times):

    Zitat

    Some of the world's largest institutional investors have joined forces with the Federal Reserve Bank of New York to recover losses on more than $47bn in mortgage-backed securities issued by Countrywide Financial, the consumer lender acquired by Bank of America.
    The eight boldholders, which include BlackRock, Pimco and MetLife, own more than 25 per cent of the voting rights on the securities. The New York Fed inherited its stake in the bonds during the financial crisis.
    The bondholders argue that BofA violated elements of its servicing agreements. They aim to put back loans that fell short of the underwriting standards stated in the 115 deals.[...]


    Balkenchart

    2 Mal editiert, zuletzt von Balkenchart (20. Oktober 2010 um 07:12)

  • Interessanter Post im Bankhaus Rott Blog zur Lage der Banken. (Nicht unbedingt Neuigkeitswert, aber doch recht anschaulich zu lesen):

    http://bankhaus-rott.de/wordpress/?p=1285

    Die Lage des europäischen Interbankenmarktes deutet in den vergangenen Wochen bereits wieder auf kommenden Stress hin. Wie sollen sich auch Institute untereinander über den Weg trauen, wenn doch jedes einzelne weiß, wie es in der eigenen Bilanz zugeht. Wer will schon seine Papiere in der Bilanz herunterschreiben, nur weil ein paar Mal die Zinsen nicht bezahlt wurden? Die so genannten Impairments, also Verluste, werden nur dann anerkannt, wenn es gar nicht mehr anders geht. Das ist immer noch der Fall. Man kann sich nur darüber wundern, was manche Wirtschaftsprüfer scheinbar so alles abnicken. Es ist durchaus keine Seltenheit, dass Wertpapiere, für die am Markt weniger als 10% (zehn) vom Nominalwert zu bekommen wären, mit 100% in den Büchern ausgewiesen werden.