Neu im Depot: Fortis (982570)

  • Die momentane Hypothekenkrise hat die Kurse von sämtlichen Banken in den Keller gezogen. Aus meiner Sicht sind da mittlerweile Schnäppchenkurse dabei.

    Wenn ich in der Datenbank die Finanzaktien ohne Relative Stärke sortiert, dann kommt als erste Geschäftsbank die Fortis AG zum Vorschein - auf Rang 22. Mit RS auf Rang 62.

    Fortis ist ein belgischer Finanzkonzern mit zwei Standbeinen: Geschäftsbank und Versicherungsgeschäft. Die Versicherungssparte bringt etwa ein Viertel des Gewinns, d.h. das Bankgeschäft überwiegt deutlich.

    Man sieht im Chart, dass der Kurs seit Mai von seinem Hoch bei 35 ¤ auf aktuell 27 ¤ abgebröckelt ist:

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    Schuld daran ist vermutlich der Kampf um den Kauf von ABN Amro. Fortis, die Royal Bank of Scotland und die spanische Bank Santander haben ein Konsortium gebildet, um die holländische ABN Amro zu schlucken und zu filetieren. Das ist die erste als feindlich eingestufte Bankübernahme, und die mit Abstand größte Bankenübernahme der Geschichte. Das Volumen des Deals: 71 Milliarden Euro. Normalerweise müsste das für jede Menge Aufregung in der Branche sorgen, aber die Hypothekenkrise überschattet das momentan völlig.

    Das Übernahmeangebot des Konsortiums an die ABN-Aktionäre läuft bereits, aber der ABN-Kurs notiert zur Zeit unter dem offiziellen Angebot! Das Konsortium nutzt diese paradoxe Situation zum Einsammeln von ABN-Aktien über die Börse - letzten Dienstag gaben sie bekannt, dass sie bereits 3,25% an ABN halten.

    Am 6. August gab es eine außerordentliche HV bei Fortis, auf der nicht nur die ABN-Übernahme abgenickt wurde, sondern auch eine Kapitalerhöhung um bis zu 15 Milliarden ¤, je nach Bedarf, um die ABN-Übernahme zu finanzieren.

    Wahrscheinlich zogen sich diverse Investoren wegen der KE reflexartig aus Fortis zurück. Dabei sollen die neuen Aktien mit Abschlag angeboten werden - Details dazu habe ich noch keine gefunden. Außerdem wird das eingesammelte Geld ja 1:1 zum Erwerb der ABN eingesetzt, d.h. die Verwässerung sollte sich in Grenzen halten. Selbst mit einem extremen Stresstest (doppelte Menge an Fortis-Aktien ohne jede Berücksichtigung des ABN-Gegenwerts) hält sich Fortis immer noch im obersten Drittel der Datenbank.

    Kaum bemerkt wurde auch die ad-hoc vom 9. August, in der sehr gute Q2-Zahlen gemeldet wurden.

    Mit den neuen Zahlen (noch nicht bei wisi berücksichtigt) komme ich auf folgende Kennzahlen zum Kurs 27 ¤:

    Gewinn 3,42 ¤ - KGV 7,9
    Umsatz 95 mia - KUV 0,37
    Dividende 1,52 ¤ - Rendite 5,6%
    ROIC 12%
    Buchwert 16,45 ¤ - KBV 1,6
    EBITDA (2006) 10,5 mia - "KCV" 3,3

    Ich rechne damit, dass der Fortis-Kurs locker wieder die alten Höchststände sehen sollte, wenn sich erstmal der ganze Pulverdampf verzogen hat. Das wäre ein Kurspotenzial von 30%, plus 5% Dividende, plus handelbare Bezugsrechte bei der KE.

    Vor allem aber spielt sich hier ein für Bank-Usancen ungeheueres Schauspiel ab, mit ungeahnten Folgen für die ganze Branche. Fortis könnte daraus als Trendsetter hervorgehen.

  • Die Idee ist gut, aber der Zeitpunkt gewagt. Andererseits darf man den Tiefpunkt auch mal treffen ...

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  • Fortis plant milliardenschwere Kapitalerhöhung, Prognosen bestätigt

    aus der Meldung:

    sollen im Rahmen der Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht für die Altaktionäre insgesamt 896.181.684 neue Aktien emittiert werden. Dabei können Aktionäre für jeweils drei gehaltene Fortis-Aktien zwei neue Anteilsscheine zu einem Preis von je 15,00 Euro beziehen. Aus der Kapitalerhöhung erhofft sich Fortis einen Nettoerlös von insgesamt rund 13,2 Mrd. Euro, der zur Finanzierung der Übernahme der niederländischen ABN AMRO verwendet werden soll.

    ...

    Dabei erwartet man im Bank-Segment dank der weiterhin robusten Entwicklung im Privatkundengeschäft für die ersten neun Monate des laufenden Fiskaljahres einen Nettogewinn, der über dem Niveau der Vorjahresperiode (2,6 Mrd. Euro) liegt. Im Versicherungsgeschäft erwartet Fortis trotz Einmalaufwendungen in Zusammenhang mit den Flutschäden in Großbritannien in Höhe von ungefähr 60 Mio. Euro einen Nettogewinn von mindestens 1 Mrd. Euro.

    Auf Konzernebene geht Fortis unter der Voraussetzung eines normalen Geschäftsverlaufs davon aus, mindestens die durchschnittliche Analystenprognose beim Nettogewinn vor Einmaleffekten in Höhe von 4,2 Mrd. Euro zu erreichen.

    http://www.finanzen.net/nachrichten/Fo…staetigt_593087

    In diesen Zeiten keine Gewinnwarnung, das sollte eigentlich ein paar Schnäpse wert sein. Aber es ist ja nur ein Belgier ...

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  • Die bisher großzügige Dividende von >5% dürfte aber damit wohl der Vergangenheit angehören ???
    Inwieweit unterscheiden sich denn die neuen von den alten Aktien? Offenbar ist der Ausgabepreis deutlich unter dem aktuellen Kurspreis. Oder ist das Bezugsrecht pro neuer Aktie 11 EUR wert?

    "The only function of economic forecasting is to make astrology look respectable." - John Kenneth Galbraith

  • Ich sehe es vorläufig so:

    Nach wisi gibt es 1.294.903.385 Aktien. 896.181.684 sollen durch die KE dazukommen. Die alten Aktien entsprechen einem EK von je 16,45 EUR (s. witchdreams Eingangsposting), macht rd 21,3 Mrd EUR EK. Die neuen Aktien, für deren Erlös Teile von ABN Amro gekauft werden, erhöhen das EK um 70%! Was die Aktien zum Schluß wert sein werden, weiß keiner genau, deshalb gibt man 2/3 der Neuen an die alten Aktionäre und läßt den Markt entscheiden. Klingt eigentlich recht fair. Was herauskommt ist eine andere Firma. Wollen doch mal stark hoffen, daß die mehr statt weniger Dividende zahlen wird ;)

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    2 Mal editiert, zuletzt von Lando (21. September 2007 um 21:11)

  • Was natürlich die Frage ist: die neuen Aktien gibt es zu ca 90% des bisherigen Buchwertes - nur ist die Akquisition genauso werthaltig, hängt da nicht zuviel goodwill dran. Das muß man glauben (hoffen, lieben) und dann später sehen.

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  • Die Bezugsrechtsemission beginnt am 25.09. und endet am 09.10.

    http://www.financial.de/newsroom/news_row/118007.html

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    ... sorgt erstmal für einen kräftigen Abschlag. Heißt aber irgendwie, daß der Markt die Akquisition für werthaltig hält:
    alter Kurs 25,50
    Bezugsrecht 25,50 minus 15 ist 10,50; 10,50 mal 2/3 ist 7

    Kurs ist aber nur um 4,50 gefallen.

    Könnt Ihr dem folgen?

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    2 Mal editiert, zuletzt von Lando (25. September 2007 um 09:39)

  • Nein kan dem nicht folgen.

    Kurs vor Kapitalerhoehung 25,50 Euro mal 3 Aktien + Bezugskurs fuer neue Aktien 15 Euro mal 2 Aktien = 106,50 Euro.

    106,50 Euro durch 5 Aktien = 21,30 Euro
    = Wert je Aktie nach Kapitalerhoehung.

    rechnerischer Wert des Bezugsrecht:
    Kurs vor Kaptalerhoehung 25,50 - Wert nach der Kapitalerhoehung 21,30 = 4,20 Euro.

    Einmal editiert, zuletzt von derivatus (25. September 2007 um 10:36)

  • Denkfehler?

    Den "Gewinn" aus dem Bezugsrecht müsste man doch nun 1 2/3 Aktien aufteilen, die beide im Wert "sinken": macht 4,20 pro Aktie, gesunken sind sie um 4,50, also stärker als erhofft.


    Andere Rechnung:
    gezahlt:
    3 * 25,50 = 76,5
    2 * 15 = 30
    -----------------
    Summe: 106,5
    bei 5 Aktien gezahlt pro Aktie: 21,3 (ist-Kurs: 20,52)

    Edit: Oh, ich war zu langsam..

    Einmal editiert, zuletzt von Donglengcha (25. September 2007 um 10:41)

  • Ich hab für mich eine ähnliche Rechnung wie derivatus und Donglengcha aufgemacht: Mit drei alten Aktien kann man für 2x15=30 ¤ zwei neue dazuerwerben. Macht (mit dem Schlusskurs von gestern) Gesamtkosten von 3x25,30 + 2x15 = 105,90 ¤ für 5 Aktien bzw. 21,18 ¤ für 1 Aktie.

    Das Bezugsrecht müsste demnach wert sein: 21,18-15,00 = 6,18 ¤, abzüglich Transaktionskosten.

    Soweit die Theorie der effizienten Märkte mit rationalen Akteuren.

    Ich hab die Bezugsrechte noch nicht im Depot eingebucht bekommen. In Amsterdam werden aber seit heute morgen "Fortis (Subs) CP40" gehandelt, mit ISIN BE0099992829.

    Kurs: Eröffnung zu 4,10¤, aktuell bei 3,53 ¤. Das entspräche einem Kurs der alten Fortis-Aktien von 15,00+3,53 = 18,53 ¤ und hat somit nix mit rationalen Akteuren zu tun. Prima Gelegenheit für Arbitrage-Hedge-Fonds.

  • Danke für die Rechenwege.

    Ich hatte die Sache vom Schwanz her betrachtet, also nach der KE hat man für 3 alte (3 x 25,50 = 76,50) fünf Alte + Neue (5 x 25,50 - 30 = 97,50 ). Geteilt durch 5 ergibt einen Kurs von 19,50, sollten die alten + neuen Aktien vom Markt auf dem gleichen Niveau bewertet sein wie vorher.

    Die von mir ermittelten 7 EUR je Altaktie entsprechen der Differenz zwischen den 97,50 und den 76,50 von oben geteilt durch die drei ursprünglichen Aktien.

    Mir ging es bei meiner Betrachtung um die Frage, wie bewertet der Markt die neue Gesellschaft, und da ist doch jeder Kurs über 18,50 für die Alten + BezRecht oder jeder Kurs über 19,50 für die Neuen + Alten eine höhere Bewertung als vorher.

    Ich hoffe, das ist nicht ganz falsch, sonst bitte ich um Einwände.

    Eure Rechnung zielt mE auf die Bewertung des Bezugsrechtes, meine auf diejenige der Aktie. Die Frage ist ja auch, was ist die neue Gesellschaft wert.

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  • Dazu noch eine technische Frage, wann ist das Bezugsrecht denn abgetrennt - heute schon?

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  • Der korrekte Wert des Bezugsrechtes war bei Eröffung wie schon mehrfach erwähnt

    =(25,5-15)/((3/2)+1)
    =(10,5)/(2,5)= 4,20 EUR

    Der "faire Wert bei Eröffnung also 25,50-4,20= 21,30 EUR.

    Der Grund für den Kursverfall ? Das hängt vermutlich daran, dass momentan wohl mehr Leute das Bezugsrecht verkaufen wollen, als nochmal 15 EUR für zusätzliche Aktien bezahlen möchten.

    Eine Arbitrage für die Hedgefonds ist nicht so ohne weiteres möglich.

    Momentan sieht es so aus:

    Kurs bezugsrecht: 3,48
    Kurs alte Aktie: 20.27
    Bezugspreis neue Aktie 15 EUR

    Da ich drei Bezugsrechte für 2 neue Aktien brauche würde eine Arbitrage so aussehen:

    1. Short 2 alte Aktien zu 20,27 macht 40,54 EUR Cash in
    2. Kauf 3 bezugsrechte sowie 2 mal Ausübung zu 15 EUR= 3.48*3 +30 = 10,44 +30 =-40,54 cash out

    Macht eine Arbeitrage von 10 cent vor (Finanzierungs und Transaktions)Kosten oder ca. 0,25% auf das Nominal.

    Mit schnell reich werden ist also Essig ;-)

    MMI

  • Also, meine Rechnung war Käse.

    Die Arbitrage Rechnung von memyselfandi007 muß immer aufgehen, denn so ist der Preis von Aktie und Bezugsrecht jetzt verbunden, solange letzteres gehandelt wird, daß 3 B-Rechte und 30 EUR zwei Aktien ergeben.

    Der Preis ist gesunken, weil man dem zugekauften Geschäft momentan weniger Wert zuspricht. Diese Einschätzung kann sich aber ändern.

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  • Ich versteh die Berechnungen nicht, die auf einen Wert des Bezugsrechts von 4,20 ¤ kommen (MMI und Derivatus).

    Wenn wir sind uns einig, dass der Markt gestern vor Abschlag des Bezugsrechts für 5 Aktien folgende Kosten kalkuliert hat:
    3 alte Aktien zu je 25,50 ¤ plus 2 x 15,00 ¤ für die Umwandlung der Bezugsrechte. In der Summe also 106,50 ¤ für 5 Aktien bzw. 21,30 ¤ für 1 Aktie.

    Wenn 1 Aktie mit 21,30 ¤ bewertet wird und ich zu einem Bezugsrecht 15,00 ¤ aufzahlen muss, dann müßte das Bezugsrecht für 1 neue Aktie an der Börse doch zu 21,30 ¤ - 15,00 ¤ = 6,30 ¤ gehandelt werden, oder?

    Die 4,20 ¤ von MMI und Derivatus sehe ich als den Wert des anteiligen Bezugsrechts, der auf eine alte Aktie entfällt: Nämlich zwei Drittel von 6,30 ¤ = 4,20 ¤.

    Oder anders gefragt: Was da an der Börse als Bezugsrecht gehandelt wird: Berechtigt da eine Einheit Bezugsrecht zum Bezug einer kompletten neuen Aktie oder muss man drei Einheiten Bezugsrecht kaufen und kann dann zwei neue Aktien beziehen? MMI, du gehst offenbar von der letzteren Variante aus.

  • Für jede Aktie im Depot hat man ein Bezugsrecht erhalten. Für drei Bezugsrechte zum Kurs von 3,47 kann man zwei Aktien zum Kurs von 15 erwerben. Der theoretische Bezugsrechtpreis war 4,65 der theoretische exB Kurs 21,97. Ein Bezugsrecht ( Option auf 0,66 Aktien zum Preis von 15 ) hat also heute 1,17 Euro an Wert verloren, die Aktie 1,68 Euro ( -7,6 % ) .

    "If it sounds too good to be true, it probably is."

    "Theoretisch gibt es keinen Unterschied zwischen der Theorie und der Praxis. Praktisch stimmt das aber nicht."

    "Erfahrung ist das was man bekommt, wenn man nicht bekommt was man möchte."

  • Falls man als Aktionär die neuen Aktien mit seinen Bezugsrechten erwirbt, wie hoch ist dann der steuerliche Einstandskurs?

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