Anlagestrategie für Privatiers

  • Der nachfolgende Artikel gehört zum Besten, was ich jemals zum Thema "Anlagestrategie im Ruhestand" gelesen habe. Klare Ansage, wie hoch der optimale Aktienanteil ist, wie viel Geld man ruhigen Gewissens aus dem Depot ziehen kann, und wie sich Börsencrashs langfristig auswirken können.

    http://www.fpanet.org/journal/articl…fp0304-art8.cfm

    Pflichtlektüre!

  • Ich habe Ihn auch gelesen und habe mir gedacht, dass man die "Grundaussage" relativ einfach umsetzen kann.

    Wenn man sein Depot vor Inflation schützen und trotzdem Ausschüttungen haben/nutzen will, sollte man im Grunde nur die Dividenden (sollte so bei 2-4% liegen) abziehen.

    Eine gute Idee der einfachen Umsetzung?

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Danke für den eingestellten Artikel. Er stellt das, was üblicherweise propagiert wird, auf den Kopf und scheint es gut belegen zu können.

    Ich überlegte, wie die jeweiligen 3 % abgezogen werden können. Welche Aktien verkaufe ich denn dann? Die Idee mit den Dividenten scheint mir gut, aber durch die neue Steuer bleibt ja möglicherweise nicht mehr so viel.

    Wenn einer, der mit Mühe kaum, gekrochen ist auf einen Baum,
    schon denkt, dass er ein Vogel wär,
    so irrt sich der. (Wilh. Busch)

  • Was die Abgeltungssteuer auf Dividenden betrifft: Man hat ja künftig die Option, die Kapitaleinkünfte der Einkommenssteuer zu unterwerfen. Das lohnt sich, wenn die Einkommenssteuer niedriger als 25% plus Soli ausfällt.

    Falls man wirklich nur von Kapitaleinnahmen lebt:

    Bei einem Ehepaar beträgt das steuerfreie Existenzminimum 15.300 ¤ pro Jahr. Dazu kommen Sonderausgaben wie Krankenversicherung, Freibeträge usw., was sich schnell auf weitere 10.000 ¤ summiert. In diesem Szenario kann man also 25.300 ¤ an Dividenden steuerfrei einnehmen. Das dürfte bei vielen schon ein Gutteil der laufenden Ausgaben abdecken.

    Die Besteuerung in Höhe der Abgeltungssteuer (26,4% incl. Soli) erreicht man erst, wenn 92.000 ¤ (plus Sonderausgaben) an Dividenden zu versteuern sind - falls man sonst nichts zu versteuern hat. Die meisten dürften auch mit etwas weniger gut über die Runden kommen... ;o)

  • Danke für die ausführliche Erklärung, witchdream, das mit der Abgeltungssteuer bei Dividenden hatte ich bisher überhaupt noch nicht richtig verstanden. Leider könnte ich mir zur Zeit von meinen Dividendenerträgen nur 2 Brötchen und ein bißchen Budder kaufen, aber das wird hoffentlich noch anders über die Jahre...

    Wenn einer, der mit Mühe kaum, gekrochen ist auf einen Baum,
    schon denkt, dass er ein Vogel wär,
    so irrt sich der. (Wilh. Busch)

  • Falls man sich dafür interessiert, wie erfolgversprechend oder riskant ein Rückzug aus dem Berufsleben wäre, bieten sich diverse "retirement-calculators" an. Man kann da seine persönlichen Finanzdaten durchnudeln und bekommt mehr oder weniger aussagekräftige Ergebnisse.

    Seit der oben eingestellte Artikel erschienen ist, wurden hierfür wirklich nette tools entwickelt, die nicht nur verschiedene Szenarien (Rendite, Finanzbedarf, usw.) durchrechnen, sondern auch noch ermitteln, wie wahrscheinlich und wie relevant die ermittelten Ergebnisse sind. Hierfür werden tausende bis zigtausende zufällig "erwürfelte" Datensätze durchgerechnet, um auch seltene Extremsituationen zu berücksichtigen. Das Stichwort hierfür lautet: Monte-Carlo-Simulation.

    Wenn 10.000 Simulationen ergeben, dass der persönliche Privatisierungs-Plan zu 99% nicht im Bankrott endet, dann ist das schon beruhigend.

    Noch besser, wenn man zusätzlich noch berücksichtigen kann, ob man z.B. im Krisenfall den Gürtel etwas enger schnallen sollte, bzw. ob man sich Extra-Ausgaben leisten kann, wenn das letzte Börsenjahr gut gelaufen ist.

    Ein neuerer retirement-calculator, der das alles drauf hat und kostenlos ist, ist dieser hier:

    http://www.flexibleretirementplanner.com/index.htm

    Ich mußte erst mal die FAQs lesen und mit dem weniger komplexen Vorläufermodell (als download für Excel verfügbar) spielen, bis ich das Teil einigermaßen kapiert habe. Dann allerdings bekommt man seine meisten Fragen beantwortet...

  • Ich bin ja in diesem Fall schon Praktiker.
    In meinen Berechnungen werden schon von Anfang an die jeweiligen Inflationsraten berücksichtigt.

    Sonst ist der oben eingestellte Artikel eine Bestätigung
    meiner eigenen Strategie.
    Noch habe ich das Kapital, über die Inflationrate hinaus erhöhen können, so soll es eigentlich bleiben.

  • Zitat

    Original von bäs
    Ein interessanter Artikel.
    Mich hätten noch die Ergebnisse anhand eines Japaners interessiert, der 1989 in Rente geht.

    Er hätte 88 verkauft :-P

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.« Buffett

  • Wie jetzt, Japaner in Rente? In meiner Jugend wurde mir beigebracht:

    1. der Russe kommt
    2. der Japaner schläft nie (und geht schon gar nicht in Rente, sondern stirbt am Schreibtisch)
    3. einer von beiden ist unser Unglück

    1. hat sich ja gewissermaßen bewahrheitet, aber die Frage mit dem Japaner ist für mich noch offen.

    Time is on our side (TFF)

  • Zitat

    Original von Herakles
    2. der Japaner schläft nie (und geht schon gar nicht in Rente, sondern stirbt am Schreibtisch).

    Wahlweise springt der geneigte Japaner auch schon mal aus dem Bürofenster. ;-)

  • Ruhestand zerrt Vermögen auf. JaJa. Ich finde die Artikel, in denen der Unternehmer der seine Firma verkauft und dann 10Millionen Euro Nettovermögen in Cash hat, extrem weltfremd. In diesen Artikel geben Journalisten und Banker, der imaginären Person, die sich aus eigener Kraft 10Millionen ¤ erarbeitet hat, vermeintlich gute Ratschläge.
    Auch sehr witzig: "Die relativ niedrigen Gebühren von 1,86% pro Jahr"
    Was mich auch noch interessieren würde: Was macht der Ex-Unternehmer eigentlich mit der bescheidenen monatlichen Rente von 50000¤ pro Monat?

    Gruß tt

  • Ruhestand zerrt Vermögen auf. JaJa. Ich finde die Artikel, in denen der Unternehmer der seine Firma verkauft und dann 10Millionen Euro Nettovermögen in Cash hat, extrem weltfremd. In diesen Artikel geben Journalisten und Banker, der imaginären Person, die sich aus eigener Kraft 10Millionen ¤ erarbeitet hat, vermeintlich gute Ratschläge.
    Auch sehr witzig: "Die relativ niedrigen Gebühren von 1,86% pro Jahr"
    Was mich auch noch interessieren würde: Was macht der Ex-Unternehmer, der sich sorgt daß sein Vermögen auf wirklich bis an sein Lebensende reicht, eigentlich mit der bescheidenen monatlichen Rente von 50000¤ pro Monat?

    Gruß tt

  • Die Vorstellung von sofortiger Verblödung im Ruhestand ist weit verbreitet.
    Ich sehe aber da kein Problem, jemand der eine Firma geführt hat lässt sich nicht so schnell entmündigen.
    Schlimmer geht es da den Witwen wenn sie nicht mit
    in der Firma gearbeitet haben.
    Die sind dann Freiwild wenn nicht vorher ein Riegel vorgeschoben wurde.

  • Im konkreten Artikel geht's wohl mehr darum, dem Durchschnittsverdiener zu suggerieren, dass eine exorbitante Rente (bei etwas größerem Geldbeutel z.B. 50K...) möglich ist, wenn man den Anlageempfehlungen der werten Bank folgt... ;o)

    Beruhigend: Die tolle Rente läßt sich dank der lächerlichen jährlichen Bankgebühren von knapp 2% realisieren. Puh - gerettet!

  • Ich habe mal nachgerechnet. Bei einem Anlagevermögen von 10 MEUR und "günstigen" 1,86% Gebühren pro Jahr ergibt sich nach 20 Jahren (ohne Kursgewinne) ein Restwert von 69% des Ursprungskapitals. Das bedeutet somit 31% oder 3.130.564,14 EUR Spesen in 20 Jahren.

    Anders ausgedrückt kann man schon von den "bescheidene" 1,86% pro Jahr prima leben. Bedeuten sie doch "günstige" 186.000 EUR Jahreseinkommen für die Bänker. ;)

    They did not know it was impossible, so they did it! --Mark Twain

    2 Mal editiert, zuletzt von spud (3. Mai 2008 um 11:12)