Strategie für den Abschwung / schuldenfrei & Cash dabei

  • Was sind es für Aktien, die ich für die kommende Zeit haben will?
    Die Grundüberlegung ist: Ich kann nicht sicher wissen, wie der Aktienmarkt sich entwickeln wird, will aber weder wie witchdream immer voll investiert sein, weil ich erwarte, daß uns noch eine lange Abwärts-, bestenfalls Seitwärtsbewegung bevorsteht, noch will ich das Risiko eingehen, gar nicht investiert zu sein. (Folglich nur mit halber Kraft, aber darum soll es hier nicht gehen)


    Meiden würde ich die mechanische Crème de la crème, sprich den Bodensatz à la Herlitz oder Berentzen - derartige Aktien wurden auch schon regelrecht abgeschlachtet in den vergangenen Monaten. Wenn die es jetzt schon nicht schaffen, profitabel zu sein ... Interessant werden solcherart gehebelte Aktien dann wieder am konjunkturellen Boden, oder bei DAX unter 5000, bei entsprechender Diversifizierung.
    Auch nicht recht begeistern können mich gleichermaßen profitable wie zyklische Nebenwerte mit Rekordgewinnen.


    Die Kriterien, die an Aktien zu richten sind, die ich jetzt kaufe:

    • Sie sollen keine Schulden haben.
    • Sie sollen trotzdem nicht mehr als den Buchwert kosten. Wenn kein Goodwill und nichts Fragwürdiges in der Bilanz ist, würde ich auch etwas mehr als den Buchwert akzeptieren.
    • Statt Schulden sollte der Börsenwert am besten noch durch Cash unterlegt sein, so daß die Aktie nach unten gut gesichert ist. Der Punkt wird insbesondere in Verbindung mit KBV=1 erfüllt.
    • Außerdem sollte das Unternehmen profitabel sein (positiver Cashflow, der Cashbestand soll nicht verbrannt werden), KGV höchstens durchschnittlich. Es soll eine gute Dividende ausgeschüttet werden; oder alternativ dafür das KGV günstig. Ich will nicht in der Hochkonjunktur noch darauf hoffen müssen, daß der Gewinn gesteigert werden muß, um den Börsenwert zu rechtfertigen.
    • Beim KUV wäre ich noch am wenigsten streng: Es muß nicht extrem billig sein, aber das KUV will ich sowohl unter Branchen- als auch unter Gesamtmarktdurchschnitt, denn ich will auch keine teure Branche. Unverschämt wie ich bin, fände ich die Aussicht nett, daß entweder Umsatz oder Marge in nächster Zeit noch gesteigert werden können.
    • Ideal: Der Kursverlauf der letzten 5 Jahre sollte der eines Mauerblümchens sein. Sprich, die Aktie soll nicht vor ein paar Jahren wesentlich billiger zu haben gewesen sein als heute.

    Insgesamt würde ich die Kriterien nicht ganz streng fassen, sondern eine Verletzung akzeptieren, wenn dafür ein anderes Kriterium besser ist als gefordert.


    Wenn ihr jetzt denkt, so etwas gibt es nicht, denn günstiges KBV finde man nur bei verschuldeten Firmen, dann darf ich folgende Wachstumsaktien vorstellen:


    Computerlinks: Kurs 11.48¤, KUV 0.16, KGV07 7.0, Div 3.4%, KBV 1.24, keine Finanzschulden, 15% Cash. Manko ist Goodwill-Posten von 25 Mio. von 62 Mio. Eigenkapital und Cashflow geringer als Gewinn.


    United Labels: Kurs 2.84¤, KUV 0.28, KGV07 30, Div 7.0%, KBV 0.36, Netto-Finanzschulden 16,5% vom Eigenkapital, FCF negativ. Aktivierte Lizenzen stören wenig; Divi und KBV gleichen das KGV aus.


    Pironet: Kurs 2.91¤, Cash 1.88¤ pro Aktie(!) am 30.9., im 1. Hj 2007 waren es 14,7 Cent Netto-Cashflow pro Aktie (=inzwischen ca. >2 Euro Cash), erstmals soll Dividende ausgeschüttet werden. Keinerlei Finanzschulden, kaum Goodwill, etwas IMV. KUV 0.8, KBV 0.89, KGV 12, KGVe 10. Das operative Geschäft kostet folglich ein KUV und KGV von 30% dieser Werte. An den Cashbestand kommt man natürlich nicht heran, aber die Gefahr, daß damit überteuerte Konkurrenten übernommen werden, besteht in der aktuellen Börsenphase ohnehin nicht. Dann dieses Zitat aus dem GB 2006:
    "Dieser finanzielle Kraftakt war möglich, da uns nahezu der gesamte Emissionserlös (rd. 37 Mio. EUR) aus dem Börsengang noch zur Verfügung stand. Im Hype der Jahrtausendwende mit seinen preislichen Verwerfungen ist dieses Geld vorweislich nicht angerührt worden."


    Alphaform: Kurs 3,30¤, Cash pro Aktie 2,13¤ nach Q3/2007. Free-Cashflow 15 Cent in drei Quartalen, Gewinn 10 Cent pro Quartal. Also aktuell rund 1 Euro für das operative Geschäft. KBV 0.88, KUV 0.87, KGV TTM 6,5 (!!), KGV 2006 8, KGV 07e 8.5. Keine Finanzschulden, EK-Quote 88%, praktisch kein Goodwill.


    Letztere zwei wären mir mit meinem Screening durch die Lappen gegangen. Ich verdanke sie dem w:o-Benutzer katjuscha, der mir sonst teilweise einen Tick zu optimistisch, zu sehr KGV-Projizierer und zu wenig mechanisch/vergangenheitsorientiert ist. Bei den beiden Aktien rechne ich KUV und KGV nach Abzug des Cashs (Darf man das?).


    In diesen Aktien habe ich eine Anfangsposition aufgebaut. Auf der Beobachtungsliste:
    Advanced Inflight Alliance - die hätte ich gerne zu 1,30 ¤.
    Nordwest Handel(!) - 15 von 25 Mio. Börsenwert dürften inzwischen Netto-Cash sein. Die Zahlen könnten extremer kaum sein, aber wohl sehr zyklisch.
    Metis Capital (habe ich) ging auch mal in diese Richtung.


    Weitere Kandidaten?

  • Zu den Aktien:


    Was du als mechanische Creme de la Creme bzw als Bodensatz bezeichnest und ablehnst (Herlitz und Berentzen), findet sich bei mir im 3. Dezil, das wären also auch mechanisch keine Kaufkandidaten. Dafür tummeln sich deine Käufe bzw. Kaufkandidaten Computerlinks, United Labels, Advanced Inflight Alliance und Nordwest Handel allesamt im besten Dezil, die "dürfte" ich also problemlos und blind kaufen. Pironet hab ich im 5. Dezil (ähbäh), Alphaform und Metis sind (noch) nicht in der Datenbank.
    Kurz gesagt: Bis auf Pironet kommt dein gemanagtes System zu den gleichen Entscheidungen wie mein vollmechanisches System (und vice versa).


    Zum Auswahl-System:


    Das kann ich grundsätzlich nachvollziehen, es deucht mich aber unnötig kompliziert und anfällig für Tagesstimmungen. Wenn du feste Grenzwerte für jede Kennzahl definierst, wird kaum je eine Aktie alle Kriterien erfüllen. Wenn du deshalb im nächsten Schritt deine Grenzwerte von Fall zu Fall wieder aufweichst, öffnest du Tür und Tor für willkürliche Bauchentscheidungen, die du nach drei Wochen selbst nicht mehr nachvollziehen kannst. (Zumindestens mir würde es so gehen...).


    Da würde ich lieber noch an den mechanischen Stellhebeln rumschrauben, bis du mit den Resultaten zu 95% leben kannst, anstatt Bauchentscheidungen ins System einzubauen. David Dreman hat ja wunderbar illustriert, dass selbst hochkarätige Spezialisten aus den verschiedensten Fachgebieten mit mechanischen Entscheidungen bessere Resultate erzielen als mit ad-hoc-Entscheidungen.

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • Was die Aktien betrifft: Das ist doch umso besser, wenn eine Aktie sowohl nach Rangliste als auch nach values Gesamtschau gut ist, wenn sie sowohl für Qualitätssucher und auch nach witchdreams Liste interessant ist. Besser geht's nicht, würde ich sagen.


    Pironet und Alphaform dürften nicht ganz oben sein; ich hatte das so gar nicht geprüft, weil die Rangliste denen gegenüber auch unfair wäre. Ich würde so rechnen:
    Vom Börsenwert den Cashbestand abziehen, und das dann durch Umsatz oder Gewinn abzüglich Finanzerträge rechnen (darf man beim KGV nicht vergessen; bei Ausschüttung würden die Zinsen auch abhanden kommen). Bei Alphaform kommt man dann, anhand der auf ganz 2007 hochgerechneten Q3-Zahlen, auf ein KGV von 3,4. Das KUV 0,30. Lediglich das KBV reduziert sich nicht analog. Wenn es aber unter 1 liegt, dann wäre das KBV abzüglich Cash sogar noch niedriger als das unbereinigte! Nur bei über Werten über 1 steigt es nach einer gedachten Ausschüttung an (Alphaform: 0,72!).
    Alternativ kann man sich auch die Bewertungskennzahl der Profis anschauen: EV/EBIT, mit EV=Enterprise Value=Börsenwert des Eigenkapitals plus Finanzschulden. Da sind die Zinsen auch herausgerechnet, die Steuerquote von aktuell 0 bei Alphaform kommt dabei auch nicht zum Tragen, und durch die fehlende Verschuldung im Zähler ist der Wert dann sagenhaft niedrig. (Der Bilanzverlust bei Alphaform ist nebenbei so hoch die der Börsenwert, man sollte also getrost ohne Steuern rechnen können, was EV/EBIT gar nicht erfaßt).
    Gerade die beiden genannten sind am interessantesten!


    Ich weiß schon, daß es zu Recht sehr kritisch gesehen wird, wenn neue Bewertungsmethoden eingeführt werden, welche die klassischen Bewertungen relativieren, wenn diese zu hoch sind. Ich sehe drei gedankliche Rechtfertigungsmöglichkeiten:
    1.) Der Cash wird ausgeschüttet. Das ist sehr unwahrscheinlich. Auch müßte man zunächst mehr Kapital aufwenden, als der "Nettopreis" angibt, um an den Schatz zu kommen.
    2.) Es wird mit dem Cash ein ähnlicher Wettbewerber übernommen, der die gleiche KUV- und KGV-Bewertung hat. Dann erhöht sich Umsatz und Gewinn analog. Das ist plausibel, denn der Markt gibt offensichtlich nicht mehr her. Allerdings funktioniert das nur, wenn der Wettbewerber nicht selbst auch Cashbestand hat und nach den Kennzahlen nicht teuer ist wie die cashbereinigten Werte der betrachteten Aktie. Irgendwo wird damit schon vorausgesetzt, daß die cashbereinigten Werte gleichwertig zu den normalen sind (was ja erst belegt werden soll).
    3.) Die Firma wird selbst übernommen von einem Konkurrenten. Wieviel würde der zahlen? Den Cash könnte er sich sofort nach der Übernahme wieder ausschütten, also interessiert nur der "Nettopreis". Und für den gilt genau diese Rechnung. Für das faire Bewertungsniveau gelten natürlich genau die gleichen Prinzipien wie bei allen anderen Aktien, also sind die Werte direkt vergleichbar.


    Letzteres scheint mir plausibel. Cashbestand ist das Gegenteil von Verschuldung. Die ist negativ, folglich ist Cash positiv.
    Übrigens meinte ich im Ausgangsposting natürlich: KBV <= 1 und KGV <= 15. War etwas unklar formuliert.


    Was diese Aktien für mich im Moment indes gegenwärtig so interessant macht ist, daß sie nach unten gut abgesichert sein sollten. Je weiter sie Richtung Cashbestand fallen, desto mehr geht der Preis des operativen Geschäfts gegen Null. Natürlich kann der Cash auch verbrannt werden oder der Kurs noch darunter fallen, aber das Risiko ist vertretbar.
    Nach oben besteht dagegen nicht das Vervielfachungspotential, das die cashbereinigten Werte andeuten - sprich, wenn sonst alles gleich bleibt, der Cash erhalten bleibt und sich die cashbereinigten Werte normalisieren -, da der Cashsockel einen Basiseffekt hervorbringt.
    Beispiel: Kurs 3 Euro, Cash 2 Euro, operativer Wert 1 Euro. Wenn letzterer sich verdreifacht, dann wäre der Kurs bei 5 Euro = 2 Cash + 3 operativ. Also nur +60%.


    Nordwest schießt wie immer den Vogel ab. Allerdings ist der GB noch nicht draußen, es sind nur Schätzungen anhand der Meldung. Die Frage ist auch, inwiefern der Cashbestand wirklich nicht operativ benötigt wird - das ist ja die Voraussetzung.


    Grundsätzlich, als Strategie:
    Es soll keine Dauerstrategie sein, und ist auch nur eine Depotergänzung. Wenn der Markt fällt, richte ich mich auch wieder mehr nach den klassischen Zahlen. Vorläufig sind mir manche Werte zu heiß; wobei Du EADS oder Sekt Wachenheim vermutlich wegen den Verlusten auch wegfiltern würdest. Ist Deine Gewichtung eigentlich noch 'Open-Source'?
    Für einen konsequenten Mechaniker mutet meine Vorgehensweise natürlich in etwa so an, wie wenn man zu einem Katholiken sagt: Ja, ich glaube jetzt auch an Gott, aber nicht an den Heiligen Geist. Viel zu diskutieren gibt's ja auf Ebene der Einzelaktien nicht ...
    Ich denke aber, daß ich damit immer noch im Sinne des 'Heiligen Geistes' handle, wenn ich etwas Schwerpunkte setze innerhalb des Universums der günstigen Quantile. Richtig mechanisch ist das nicht; dieser Titel gebührt (bislang jedenfalls) wohl nur Dir, witchdream. Und darum beneide ich Dich auch etwas.


    Die größte Gefahr sehe ich aber darin, daß es noch andere, womöglich "bessere" Aktien als die genannten gibt. Meinl Airport wäre so ein Kandidat, der gar 23% unter den liquiden Mitteln notiert, aber bei IPOs sollte man erst mal prinzipiell 50% vom Ausgabekurs abziehen, um nur auf den fairen Wert zu kommen.

  • Quote

    Richtig mechanisch ist das nicht; dieser Titel gebührt (bislang jedenfalls) wohl nur Dir, witchdream. Und darum beneide ich Dich auch etwas.


    LOL. Wie Lando mal so nett meinte: Er möchte eigentlich um seiner selbst geliebt werden. Und was mich betrifft: Ich möchte nicht dafür respektiert werden, dass ich Mechaniker bin. Wenn schon, dann dafür, dass ich ein guter Mechaniker bin. Ob das so ist, wird sich frühestens in 20 Jahren zeigen, also vergiss das Thema erst mal - wir sprechen uns im Jahr 2028 wieder...

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • Ein Beispiel für einen extremen, aber unausgeglichenen Kennzahlenmix ist ID-Media. Die notieren genau auf Höhe des Cashbestandes Ende 2007. Allerdings war der ein Jahr zuvor noch fast doppelt so hoch - noch so ein Jahr, dann ist er aufgebraucht.
    Anhand des Halbjahresberichts würde ich schätzen, daß das EK deutlich über dem Börsenwert liegt. Evtl. Bilanzmäkel spielen also sicherlich keine Rolle, denn verschuldet waren sie nicht.
    Das KUV ist mit 0,47 auch akzeptabel.


    Der Verlust war aber doppelt so hoch wie der Börsenwert! Der Cashflow sah mit -1 Mio. im Halbjahr noch etwas besser aus. Der Ausblick dürfte eher von Zweckoptimismus bestimmt sein.
    Wenn man die letzte Meldung liest, dann begegnet es einem wieder, das aus der Internetblase bekannte "um einmalige Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen sowie Rückstellungen für Personalabfindungen", das minus 5,19 Mio. Euro beträgt.
    Klar, wer nächstes Jahr Pleite ist, beschäftigt auch kein Personal mehr, da könnte man eigentlich die Personalkosten gleich ganz als Sondereffekte ausweisen ;D;D


    Syzygy mit 37 Mio. Börsenkapitalisierung hat Cash in Höhe von 24 Mio., aber auch 13,5 Mio. Firmenwert in der Bilanz. Keine Finanzschulden. KUV 0,63 anhand der "Brutto-Umsatzerlöse" (Netto-netto-KUV dann 0,48 ). KGV 14,7, Cashflow ähnlich. Cashbereinigtes KGV bei 10,0. Dividendenrendite bei 3,2%. Letztes Jahr gab es eine Sonderausschüttung von 1,50 Euro.
    Sie waren in den letzten Jahren immer profitabel und wuchsen. Umsatz und Gewinn sollten wachsen laut Ausblick. Insiderkauf des AR im Februar.
    Für mich aber nicht so interessant wie die anderen. In High-Yield-Anleihen anlegen kann ich selbst.


    Alphaform aus dem Münchner Osten mit Dividendenrendite 4,3%; alles wie erwartet.
    Börse Online schreibt von mir ab, sowohl was die Schaltbau-Genüsse angeht, als auch Pironet (bei den Schaltbaugenüssen glaube ich es wirklich, grrr!!!):
    http://www.boerse-online.de/ak…chland_europa/496997.html


    witchdream : Es war ja auch nicht ernst gemeint; aber ich werde es befolgen ;)
    Ich finde Deine Vorgehensweise gut. Klare Entscheidung,
    Allerdings schaltest Du ja selbst auch den RS-Turbo mal an und mal aus, wie Du es für richtig hältst. Mir ist es momentan zu riskant, mit der normalen Strategie voll einzusteigen - aber darauf komme ich schon wieder zurück. Deshalb, entsprechend meiner fundierten Überlegung, setze ich momentan eben zum Teil auf Absicherung. Rein mechanisch läßt sich das nicht gut fassen.

  • Ich muß mich korrigieren, es gibt eine Aktie, die ähnlich günstig ist wie das MBO aus meinem Depot-Thread, und mittlerweile auf Cashbestand notiert. Ich wiederhole: Exakt auf der Höhe des Cashbestandes!
    Börsenwert: 25 Mio. Euro
    Nettocash: 15 Mio. Euro (abzüglich Schulden)
    KUV: 0,06, bei +33% Wachstum (ok, ist wohl wegen des Stahlpreises)
    KGV: 10,8
    KCV: 1,4 operativ, auf Basis Free Cash flow: 1,3 (!)
    KBV: 0,57, kaum was zu bereinigen
    Gleich mehrere Insiderkäufe.


    Das dürfte selbst bei Nordwest die beste Bewertung sein, seit sie an der Börse sind. Auch die langfristige Kursentwicklung läßt noch viel Luft. Muß man haben, Einrede zwecklos. Die Zahlen sind nicht cashbereinigt!
    Edit: Name der Aktie im Titel hinzugefügt.

  • Haben aber extrem schwankende Gewinne. (KGV3: 33.75)


    Der Gewinn vor 2001 war mal relativ stetig immer so um die 1,50¤. Was ist mit denen denn passiert?!?


    langfristiges negatives Gewinnwachstum, fehlende stabile Dividende und schlechte Rentabilität wetzen die Vorteile der Bewertung des hohen Cashbestandes und niedrigen Buchwerts bei mir wieder raus.

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Ja, die schwankenden und vor allem konjunkurabhängigen Gewinne sind natürlich ein Problem; wenn die Baukonjunktur doch einbricht, anders als Nordwest das selbst erwartet, dann sind sie natürlich schnell weg. Insofern keine Aktie für den Abschwung mit Sicherheitsmarge. Dafür sind sie aber wirklich billig - bei diesen Kurs-Kapitalflut-Verhältnissen!


    Aber: Die Probleme der Vergangenheit spielen kaum eine, und das Gewinnwachstum in der Vergangenheit und die schwache Rendite überhaupt keine Rolle für ein antizyklisches Investment. Ja, man kann es sogar so sehen, daß das die Ursache dafür ist, warum man eine Aktie überhaupt billig bekommt.
    Die schwache Eigenkapitalrendite (5,5%?) stellt sicher, daß so schnell keine neue Konkurrenz auftaucht. Für mich reicht die vollkommen. Genaugenommen könnte man auch die Prognosefähigkeit des Managements kritisieren, lagen sie doch in einzelnen Bereichen daneben (+39% statt-16%, +21% statt +16%). ;)


    Schwankend war auch meine Einstellung zu Nordwest, kann man in deren Thread nachlesen. Aber jetzt passen die Zahlen. Also: vergeben und vergessen.

  • O'Shaughnessy hat gute Erfahrungen damit gemacht, verschiedene Strategien zu mischen - wenn die eine nicht läuft, läuft dafür die andere. Neben der normalen Strategie ist diese hier also meine "Diversifikation" (und ein paar Mäntel).


    Die nächste Aktie ist auch nach normaler mechanischer Liste ganz gut dabei:
    Die Norcom AG, quasi in der Nachbarschaft von Computerlinks in München.
    Bei Kurs 1,45 Euro:
    Börsenwert 15,4 Mio. Euro, bei fast 10 Mio. Cash. Umlaufvermögen minus kurzfr. Verbindlichkeiten beträgt 12,1 Mio.
    KUV 0,54 (Achtung Konsolidierung, anteilig nur 0,71, jedoch weitere Beteiligungen)
    KGV 16 - operativ null; Gewinn ausschließlich durch Zinserträge und Steuern
    Letztes Jahr lief es v.a. durch Investitionen und Umstrukturierung bei einer Tochter nicht so gut, der Cashflow ist deshalb negativ. Punkt 4 ist also nicht erfüllt - hoffentlich nur temporär. Keine Dividende, aber es läuft ein massives Aktienrückkaufprogramm.
    KBV 0,69 (9 Mio. Goodwill und 2 Mio. latente Steuern)
    EK-Quote 68,7% und keine Bankschulden
    Insiderkauf im letzten September aus dem Umfeld des Vorstands von 2 x 54 T¤.
    Der Chart kommt langsam in einen Bereich, wo die schwache langfristige Entwicklung die kurzfristige übertrumpft.


    Wenn man die Vorstandsprognose anlegt, käme man auf ein KGV 6-7, was absolut möglich erscheint. Ein Verlustvortrag existiert noch, reicht aber nicht mehr lange.

  • Bisher lief es ganz gut. Da das Jahr schon fortgeschritten ist, ist das Ziel +20% bis Jahresende.


    Ausgerechnet bei Advanced Inflight war ich zu geizig. Empfehlungskurs war 1,56 Euro, nach der Meldung heute 2,04.
    Das damals genannte TTM-KGV von 6,5 hat sich bestätigt: zum aktuellen Kurs 8,5.
    Der Cashbestand war zuletzt mehr als die Hälfte des aktuellen Kurses, aber dem standen auch Verbindlichkeiten gegenüber. Das KBV schätze ich auf 1,08. Der Buchwert von schätzungsweise 29,3 Mio. enthält 11,3 Mio. Firmenwert. KUV 0,35 - ich weiß nicht, was hier ein sinnvoller Branchenvergleich sein könnte. Splendid hat z.B. kein besseres KUV, und ich sehe auch sonst keine Aktie aus dem Bereich Mediendienstleistungen.


    Der Geschäftsbericht am 30.04. sollte abgewartet werden. An sich sind sie immer noch sehr billig, und eigentlich ist ein positives Momentum das, was man will; aber ich hätte bezüglich KGV genauso gern vor einem Monat investiert.


    Auch Syzygy kann überzeugen, 31% Umsatzwachstum in Q1 und glaubhafte Prognose von 26 Cent Gewinn für 2008 (=KGV 12,7). Erstaunlich auch, wie konstant der Gewinn in den letzten 5 Jahren war: GpA seit 2003: 23/24/25/19/21 Cent. Sowohl EK als auch liquide Mittel reduzierten sich allerdings deutlich. Das hohe KUV (1,45), das ich nicht recht einschätzen kann, läßt mich zweifeln. Die Umsatzrendite war immerhin schon fast doppelt so hoch wie 2007.
    Cash 2,13 pro Aktie, Kurs 3,30. Die sind schon einmal positiv aufgefallen durch Mittelausschüttung.

  • Quote

    Original von Winter
    Bisher lief es ganz gut. Da das Jahr schon fortgeschritten ist, ist das Ziel +20% bis Jahresende.


    Ui ui ui Deine Auswahl in allen Ehren; Aber ein "Ziel" bei Aktien funktioniert doch irgendwie nie;


    Gruß
    Matze

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Hallo Matze, hast schon recht. Das primäre Ziel der Strategie ist denn auch der Kapitalerhalt (aber natürlich nicht nur). Wenn man mit diesem Aktien unter dem Strich verlieren würde, dann wäre das sehr enttäuschend.


    P.S. Wenn jemand eine passende Aktie findet, soll er sie bitte vorstellen.

  • Ich würde K-Swiss zur Wahl stellen;


    Schuldenfrei & Cash dabei:


    Buchwert 1.4;
    KGV (wenn um Cashbatzen bereinigt ok)
    Dividende mau;


    Sieht Treat

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Bei Alphaform gibt es eine gute Gelegenheit, nach der Gewinnwarnung zu kaufen. Wohlgemerkt, die werden keinen Verlust machen und Buchwert respektive Cash werden weiter wachsen.


    Auch bei Norcom fast groteske Kurse, vollkommen nachrichtenlos. Die Kursgraphik sieht halt böse aus, aber irgendwo muß und wird ein Boden gefunden werden.


    Bei Computerlinks die Frage, ob man andienen soll, wenn das Übernahmeangebot kommt. Da die Aktie viel zu billig ist, lasse ich es notfalls auf einen Squeeze-Out ankommen. Auf jeden Fall bis kurz vor Angebotsende nichts machen!


    Bei den ersten beiden überlege ich mir einen Nachkauf. Meine kleinen Positionen lassen das glücklicherweise immer zu.


    Die grundsätzliche Frage ist auch: was ist der Cashbestand wirklich wert? Meine Sichtweise hier zielt darauf ab, daß der (Netto-)Cashbestand nicht benötigt wird und daher ausgeschüttet werden könnte. Wenn aber zugleich Lieferantenkredite bestehen, dann stellt sich die Frage, warum die nicht mit dem Cash verrechnet werden, oder warum das Unternehmen sie nicht gleich damit begleicht. Mit irgendetwas müssen sie einmal beglichen werden - mit Cash, mit den heutigen Forderungen oder erst mit denen, die in der Zukunft anfallen. Hm, so offensichtlich scheint es nicht zu sein - eine Definitionsfrage, was Cash ist.
    Nur bei Alphaform, wo praktisch überhaupt keine Verbindlichkeiten bestehen, ist es offensichtlich.

  • Norcom ist längst auch außerhalb dieser Strategie als antizyklische Aktie interessant. Inzwischen notiert die Aktie bei 1 Euro auf Nennwert und nur knappp über den liquiden Mitteln (10,6 vs. 9,8 Mio. ¤) und sogar ein Viertel unter dem Nettoumlaufvermögen! So was gab es meines Wissens zuletzt 2002/03 am Neuen Markt, und damals bei Firmen mit horrenden Verlusten und Cashabflüssen.

  • Norcom:
    Der Aktienrückkauf wird typisch prozyklisch durchgeführt. Bei hohen Kursen werden viele Aktien zurückgekauft, bei nachgebenden Kursen deutlich weniger, oder keine mehr.


    Ob die 11Millionen ¤ Immaterielles in der Bilanz (überwiegend Firmenwert), überhaupt einen Wert besitzen ist für mich fraglich.


    Im Geschäftsbericht steht weiter: Es wurden 1,11 Millione ¤ nicht auftragsbezogene Forschungs- und Entwicklungskosten aktiviert. Ich bin mir relativ sicher daß der Wirtschaftsprüfer, die Bilanz auch ohne Beanstandung testiert hätte, wenn diese Kosten nicht aktiviert worden wären, nur wäre dann der Gewinn halt dementsprechend niedriger ausgefallen, bzw. wäre der Verlust ausgeweitet worden. Außerdem: Wieso wird von Forschungs-und Entwicklungskosten geschrieben, wenn Forschungskosten ohnehin nicht aktiviert werden dürfen?


    Norcom ist stark im Projektgeschäft tätig, will dessen Bedeutung aber reduzieren.


    An NSA AS und an der Value&Risk AG (beide haben sich 2007 schlecht, bzw. sehr schlecht entwickelt) hält Norcom die Mehrheit. Es gibt aber auch noch Mindeheitsgesellschafter an diesen beiden Gesellschaften (je 49%). Diese haben ein Andienungsrechte an Norcom für ihre Anteile, d.h. Norcom muss sie evtl. Kaufen. Diese Put-Optionen müssten laut meinen IRFS-Bilanzierungsverständnis aber als Verbindlichkeit in der Norcom-Bilanz auftauchen, was sie aber nicht tun.


    Gruß tt

  • Die Immateriellen in Höhe des vollen Börsenwertes kann man abziehen, dann bleibt allerdings immer noch eine Bewertung unter Buchwert(!), und der Cashbestand unangetastet.


    Danke für den Hinweis, ich hatte die Putoption überhaupt nicht bemerkt. Offenbar läuft das als Eventualverbindlichkeit, deren Eintritt nicht wahrscheinlich ist. Merkwürdig finde ich, wie der Kaufpreis beschrieben wird: einmal "Discounted Cashflow", einmal ein "Marktpreis". Ersteres ist kein objektives Maß, und wie soll letzterer ermittelt werden? Zumindest dürfte der Kaufpreis dann nicht allzuhoch sein, und Norcom hat ja genügend Cash (wird vielleicht gerade dafür gebraucht). "Sehr schlecht abgeschnitten" ist übrigens maßlos übertrieben, beide Töchter lieferten ein ungefähr ausgeglichenes Ergebnis (S. 41 GB). Die Prognose für 2008 lautete: 20% Wachstum und positives Ergebnis bei Value & Risk nach Neuausrichtung, 10% Wachstum und einstellige EBIT-Marge bei NSA.


    Die aktivierten Entwicklungskosten sind ärgerlich. Kann jemand erklären, warum sich der ausgewiesene Umsatz nach HGB-GuV so drastisch unterscheidet von der nach IFRS?

  • Mit der entäuschenden Entwicklung meinte ich nicht nur den leichten Verlust bei den Töchtern insgesamt, sondern auch den teilweise dramatischen Umsatzrückgang (z.B. -38% bei Value & Risk)


    Die HGB-Bilanz im Geschäftsbericht ist die AG-Bilanz, die IRFS-Bilanz die Konzernbilanz, bei der der Umsatz der Töchter mitkonsolidiert ist, das ist natürlich der Hauptgrund für den unterschiedlichen Umsatz.


    Wer die Veröffentlichungen von Norcom in 2008 durchsieht, stellt schnell fest, daß der 2008er-Ausblick nicht das Papier Wert ist auf dem er gedruckt wurde.


    Wenn man die Konzernbilanz um alles Immatierelle bereinigt (ob das berechtigt ist, oder teilweise berechtigt, darüber kann man diskutieren), dann bleibt nur noch ein den Aktionären zustehendes Eigenkapital von ca. 9,5 Millionen ¤ über, was weniger als der derzeitige Börsenwert ist. Darüber das man die Anteile anderer Gesellschafter (2,768Mio¤) vom Konzerneigenkapital abziehen muß, brauchen wir nicht zu diskutieren.


    Gruß tt

  • Hallo,
    Du hast recht, ich habe bei Norcom sehr schlampig recherchiert. :-(
    Dennoch war NSA 2007 profitabel, und für Value&Risk wird auf S. 73 nach HGB sogar noch ein positives Ergebnis ausgewiesen, nach IAS leicht negativ.
    Die Schwierigkeiten bei den Töchtern wurde ja im GB erklärt: "Umsatzeinbußen aufgrund des Aufbaus der neuen Bereiche Financial Engineering und Risikomanagement" und "gestiegene Aufwendungen für die Entwicklung neuer Produkte, aber auch die Neustrukturierung von Value & Risk und die damit einhergehenden Investitionen in den Aufbau von Vertrieb und Know-how".
    Die Aussichten des Geschäfts kann ich nicht beurteilen, ob das angenommene Wachstum und die Expansion im Ausland realistisch sind. Vielleicht nur eine Delle, die den drastischen Kursverfall erklärt? Sonst müßten es fast glatte Lügen sein vom Management.