Bayer kassiert jetzt i.S. Milzbrand in den USA ab

  • Vererben muss man ja leider alles, sofern vorhanden, wenn es soweit ist. Meine Bemerkung bezog sich darauf, dass, falls es Bayer irgendwann nächstes oder übernächstes Jahr für 15 Euro gäbe, es dann 10-20 Jahre dauern könnte, bis sie wieder bei 100 oder 150 notieren und ich persönlich die Früchte einer solchen Investition dann möglicherweise nicht mehr genießen kann ...

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • Nach Schering auch, haben sich aber auch wieder gut entschuldet. Damals waren die Zinsen auch höher. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, in 10 Jahren wird man sagen das war ein genialer Kauf. Gentechnisch verbesserte Pflanzen/Nahrung werden immer wichtiger werden und sind genauso ein Megatrend wie elektrische Autos oder KI/Robotik.

  • Monsanto hat -neben den Klagen gg Glyphosat- auch noch Klagen wg ihres Unkrautvernichtungsmittels Dicamba am Hals. Dieser Wirkstoff wird mit genmodifizierten "xtend" Sojabohnen und Baumwolle verkauft. Ausfall von xtend würde das Ebitda um 400 Mio USD belasten.

    Bayer wird sicherlich kurze Erholungsphasen hinlegen. Antizyklisch ist der Wert noch lange nicht..

  • Es lohnt sich oft mehr Research anzustellen um nicht vorschnell mit seinen (vorgefertigten?) Schlussfolgerungen um die Ecke zu kommen.


    Generell sind die Bauern sehr zufrieden mit Dicamba, die Nachfrage ist enorm und die Beschwerden rückläufig.

    Siehe: https://www.agriculture.com/ne…fornia-glyphosate-verdict

    Bayer ist im Dialog mit der EPA (müssen über 2018 hinaus dem Gebrauch zustimmen) hauptsächlich bzgl. korrekten anwendung "training protocols", kennzeichnungen "label changes", Gebrauchsrestriktionen, ect.

    Siehe https://www.epa.gov/ingredient…cally-engineered-crops#q2


    Selbst bei einem Totalausfall des Herbizits stellt sich die Frage inwieweit auf andere Monsanto Platformen ausgewichen wird.

  • warum sollte xtend überhaupt ausfallen (außer es würde verboten, was sehr unwahrscheinlich ist)?

    Bloss weil Dicamba von manchen Bauern falsch gesprüht wird/wurde (und die Nachbarn dadurch beeinträchtigt wurden)? Ist nun wirklich nicht der Hersteller Schuld, wenn ich Unkrautvernichter im Vorgarten sprühe und versehentlich die Hortensien des Nachbars mit erwische...

  • Eine der Nebenwirkungen des Monsanto Skandals dürfte sein, dass jetzt auch alles andere was kritisch ist an die Öffentlichkeit kommt, z.B. das hier:


    http://www.manager-magazin.de/…-todesfall-a-1227758.html


    Zitat


    Durch die Einnahme des rezeptfreien Magenmittels "Iberogast" von Bayer kann in seltenen Fällen die Leber schwer geschädigt werden. Bayer hatte diese Warnung auf dem Beipackzettel bislang verweigert, muss sie jetzt aber zwingend hinzufügen. Mindestens ein Todesfall wird auf die Einnahme des Medikaments zurückgeführt.

    Das nennt man dann wohl "collateral damage".....

  • Das nennt man dann wohl "collateral damage".....

    Nebenwirkung oder suspected adverse reaction


    Die Dauer des Verfahrens von gut 10 Jahren deutet auf eine seehr schwache Datenlage hin bei der Dosierung.

    Witzig im mm Artikel - ausgerechnet die Grünen regen sich über Nebenwirkungen bei pflanzlichen AM auf.

  • Die Leberschädlichkeit von Schöllkraut-Extrakten, wie sie in Iberogast enthalten sind, ist schon lange bekannt. Bayer hat sich aber schon seit langem mit Händen und Füßen auch nur gegen die Veränderung des Beipackzettels gewehrt. Eigentlich sollte das BfArM Iberogast einfach die Marktzulassung entziehen, sonst kapiert es die Industrie nicht.

    (Bayer könnte ja ein Iberogast ohne Schöllkraut auf den Markt bringen. Das müssten sie aber erst zulassen, und das ist ihnen vermutlich zu teuer.)

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

  • Die Leberschädlichkeit von Schöllkraut-Extrakten, wie sie in Iberogast enthalten sind, ist schon lange bekannt. Bayer hat sich aber schon seit langem mit Händen und Füßen auch nur gegen die Veränderung des Beipackzettels gewehrt. Eigentlich sollte das BfArM Iberogast einfach die Marktzulassung entziehen, sonst kapiert es die Industrie nicht.

    Bayer könnte ja ein Iberogast ohne Schöllkraut auf den Markt bringen. Das müssten sie aber erst zulassen, und das ist ihnen vermutlich zu teuer

    Sorry, das kommt bei mir als arg plattes Industriegebashe an.


    Eine Vielzahl von Stoffen ist in höherer Dosis schädlich, in niedriger aber ein wirksames Arzneimittel, siehe Paracelsus.


    Massnahmen des BfArM sollten durch Datenlage begründet sei . Exakt bei der Datenlage war wohl der Knackpunkt. Und selbstverständlich will keine Firma "es könnte Dich womöglich umbringen"-Hinweise bei einem Verdauungsmittel, wenn dafür keine angemessenen Daten vorliegen. Sowas ist schliesslich massiv geschäftsschädigend.

  • Sorry, das kommt bei mir als arg plattes Industriegebashe an.


    Ähhm Industriegebashe wird das wirklich nicht sein, ich schätze cktests Kompetenz in pharmakologischen Aspekten hoch ein.

    Meine Frau hat mir das auch bestätigt, allerdings ist sie nur Apothekerin und hat keine eigenen Langfriststudien gemacht.


    Eine Vielzahl von Stoffen ist in höherer Dosis schädlich, in niedriger aber ein wirksames Arzneimittel, siehe Paracelsus.


    Für viele Stoffe trifft das zu, pauschalisieren sollte man das aber nicht - das wäre mMn dann wiederum platt.


    Massnahmen des BfArM sollten durch Datenlage begründet sei . Exakt bei der Datenlage war wohl der Knackpunkt.


    Tja, das mit der Datenlage ist meist schwierig, es ist ja auch meist kaum herauszufinden, wodurch jemand gestorben oder erkrankt ist. Und da gilt wohl, im Zweifel für die Industrie.

  • Schwere Leberschäden kommen in Deutschland glücklicherweise nicht häufig vor, sind aber in der Regel schlecht behandelbar. Im schlimmsten Fall ist der Patient ein Kandidat für eine Lebertransplantation (nur in ca. 50% der Fälle erfolgreich) bzw. den Bestatter. Nach einer Studie der Uni Bochum ist die Ursache von ca. einem Drittel aller schweren Leberschäden, die bei ihnen in einem mehrjährigen Zeitraum eingeliefert wurden, nicht herauszufinden - und die haben sich da schon Mühe gegeben. Wenn also jemand mit einem schweren Leberschaden in irgendeiner deutschen Klinik landet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr nahe an Null, die Ursache dafür zu finden. Daher ist die Datenlage schlecht, es gibt aber mehrere Berichte über Leberschäden im Zusammenhang mit der Benutzung von Iberogast.

    Es ist aber, wie von mir schon erwähnt, bekannt, dass Schöllkrautextrakte zu schweren Leberschäden führen können. Es ist außerdem nicht bekannt, ob das Schöllkraut in Iberogast irgendeinen Nutzen hat; das ist hauptsächlich aufgrund von "traditional use" enthalten ("wird schon seit der Antike gegen Magen-Darm-Beschwerden verwendet" - noch Fragen?). Als hauptsächliches aktives Ingredienz gibt ein Übersichtsartikel von 2002 Iberis amara, die Bittere Schleifenblume an. Es sollte also für Bayer kein Problem sein, das Schöllkraut im Iberogast einfach wegzulassen. Ist es aber, weil dadurch nach meinem Kenntnisstand die Zulassung erlöschen würde. Eine Neuzulassung eines Phytotherapeutikums dürfte eine aufwändige und kostspielige Angelegenheit sein und daher nicht im Interesse Bayers. Da nimmt man lieber ein paar Lebertote in Kauf.


    Edit: Auf was ich noch nicht eingegangen bin, ist das Nutzen-zu-Risiko-Verhältnis. Wenn eine Therapie potentiell lebensrettend ist, dann ist eine seltene, aber sehr gefährliche unerwünschte Wirkung unter Umständen tolerierbar. Bei Iberogast handelt es sich aber um ein Mittel zur Behandlung von Magenverstimmungen, Reizdarm u. dgl. Diese Beschwerden vermindern zwar die Lebensqualität (bei Reizdarm u.U. erheblich), haben aber keinerlei Einfluss auf die Lebenserwartung. Bei solchen Indikationen sind sehr gefährliche unerwünschte Wirkungen nicht akzeptabel, auch wenn sie nur selten auftreten.

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    Einmal editiert, zuletzt von cktest ()

  • Mal ein paar Daten an die Sache.


    Iberogast hat eine Tagesdosis von 0,3 mg Gesamtalkaloid. Lt. BfArM liegen ca. 3mg um Sicherheitsfaktor 1000 unter der ED50 für invitro beobachteten Leberveränderungen, daher kein Widerruf der Zulassung. Bei einem Faktor 10000 unter der ED50 kann von "Lebertote in Kauf nehmen" somit nicht die Rede sein.


    Eine alternative Zulassung ohne Schöllkraut hat Bayer bereits seit 2010 in der Tasche. Quelle

  • Wenn Bayer eine alternative Zulassung in der Tasche hat, verstehe ich nicht, warum sie überhaupt so ein Gedöns gemacht haben. Schwere Leberschäden (vermutlich fakultativ, da sie nur selten aufzutreten scheinen) im Zusammenhang mit Iberogast sind dokumentiert. Dabei ist die Wirkung von Iberogast zumindest nach Ansicht des Arzneitelegramms nur unzureichend belegt und die Studien z.T. nicht einmal publiziert, was darauf hindeutet, dass die Ergebnisse nicht im Sinn des Herstellers waren. Das BfArM hatte die Aufnahme von Warnhinweisen für Präparate mit Tagesdosen von Schöllkraut-Alkaloiden bei einer Tagesdosis von 2,5 µg bis 2,5 mg bereits 2008 angeordnet. Es ist ein Skandal, dass Bayer die Aufnahme in die Fachinformation 10 Jahre herauszögern konnte, ohne dass der Firma irgendwelche Konsequenzen erwuchsen.

    Was in einer in vitro-Zellkultur passiert, kann natürlich nicht mit der in vivo-Situation verglichen werden. Auch Studien an Ratten zeigen geringe Toxizitäten, aber die Zahl der Ratten in solchen Studien ist nicht mit der Zahl der Iberogast-Konsumenten vergleichbar.

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  • Was in einer in vitro-Zellkultur passiert, kann natürlich nicht mit der in vivo-Situation verglichen werden.

    Da hast Du völlig Recht. Das Problem haben wir bei jeder einzelnen Sicherheitsprüfung von Arzneimitteln an Tieren bzw. in vitro. Und wie Du wissen solltest, gibt es dafür eine anerkannte Lösung - siehe Paracelsus. Man setzt die zulässige Dosierung um einen angemessenen Risikofaktor unterhalb der im Versuch als kritisch erkannten Dosis an. Üblich nach Stand der Technik ist Faktor 1000, was auch hier die Experten empfohlen haben und das BfArM gewählt hat.

    Bayer liegt mit seinem Produkt nochmals um Faktor 10 niedriger. Warum Bayer sich entschieden hat, sein gutes Recht wahrzunehmen, gegen den Behördenbescheid 2008 bzgl. Warnhinweis anzugehen, darüber möchte ich nicht spekulieren. Das könnte uns nur Bayer sagen und das wäre dann im Licht der damaligen Datenlage zu betrachten.

    Es ist ein Skandal, dass Bayer die Aufnahme in die Fachinformation 10 Jahre herauszögern konnte,

    Ich bin sehr, sehr froh darüber, in einer Gesellschaft zu leben, in der jeder Abwehrrechte gegen die Entscheidungen der Obrigkeit hat. Und Du schlägst m.E. den falschen Esel. Der Skandal ist, dass die Gerichte auch nach 10 Jahren immer noch nicht zu einem endgültigen Urteil gelangt sind.