Banken und Co - Mit den Bösen in einem Boot sitzen?

  • Ich hab seit einiger Zeit ein Gedanke, der mir ein wenig im Kopf rumspukt. Der Titel dürfte es gut ausdrücken, man kann kurz gesagt weiter über die bösen Banken schimpfen, oder sich einfach auf ihre Seite stellen ;).

    Die Bankenlandschaft ist immer noch auf sehr wackeligen Beinen, was zum einen Rückschlagpotential bedeutet, aber auch noch nicht allzu stark angezogene Kurse bei den ganz Großen. Durch die Kreditkrise gibt es starke Veränderungen in der Banklandschaft, was Chancen ermöglicht hat. Besonders GS und JPM konnten gut von der Krise profitieren, konnten Mitbewerber schlucken und sich jetzt durch neue Rekordgewinne praktisch ungestört auf dem Markt austoben. Keine Konkurrenz, großer Kundenstamm, viele Möglichkeiten.

    Wie seht ihr das Ganze? GS hat eine beeindruckende Historie hinter sich, starkes Umsatz- und Buchwertwachstum und festigt seine Position immer mehr. Ob man selber die aggressive und nicht immer ganz einwandfreie Aktionen gut heisst, steht auf einem anderen Blatt, aber die Aktie?

    JPM konnte auch seine Stellung in dem (Filial)Bankensektor stärken und hat WaMu und BearSterns übernommen. Moralisch vertretbar, dafür nicht so fidel wie GS und durch das Privatkundengeschäft auch nur bedingt im gleichen Sektor tätig.

    Da diese beiden aber sehr volatil und langfristig eher mau sind, wie wäre es dann mit Blackrock beispielsweise?? Blackrock hat Barclays Global Investors übernommen, inklusive iShares, und verwaltet nun knappe 3 _Billionen_ an Geldern! China hat sich mit dem Staatsfonds auch ein riesiges Kuchenstück geschnappt.

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    Also: Gibt es einen Grund, bei den beiden marktbewegenden Monopolisten GS und JPMnicht im Boot zu sitzen, oder bei Blackrock langfristig dabei zu sein? Oder hat jemand andere Vorschläge? Macquarie?

    Growth and Value investing are joined at the hip.

  • #raynar,

    das sog. "Smart Money" hatte diese Idee auch schon,suchen sich allerdings die "billigeren" Adressen aus:

    http://www.reuters.com/article/idUSTRE61G01620100217

    John Paulson, Edward Lampert and Carl Icahn were among those who raised their bets on financial stocks during the last three months of 2009, regulatory filings released on Tuesday and last week show.

    Paulson, the fund manager who made billions betting against the U.S. housing industry shortly before its collapse, now counts Citigroup and Bank of America among his largest holdings.

    In the fourth quarter alone Paulson bought more than 200 million shares in Citi, raising his stake to $1.67 billion from $954 million, or about 8 percent of the fund's total value.

    Large stakes in Citi and Bank of America account for about 11 percent of almost $20 billion Paulson reported.


    Maximaler Würgfaktor.

    MMI


    Edit: Zu den "Monopolisten" in Europa dürften Deutsche Bank, Barlays,Credit Suisse und BNP Paribas zählen.

    Di "Too Big to fail" wären dann eher Commerzbank, Unicredit, UBS etc.

    2 Mal editiert, zuletzt von memyselfandi007 (17. Februar 2010 um 08:30)

  • Interview auf cash.ch mit schweizer BlackRock-CEO

    http://www.cash.ch/news/alle/gesc…holt-876760-448

    Zitat

    «Geschäftsmodelle vieler Banken sind überholt»

    17.02.2010 08:34

    Blackrock ist der Riese unter den Asset Managern. Schweiz-CEO Heinz Rothacher über die Vorteile eines reinen Vermögensverwalters gegenüber einer Universalbank und warum deren Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert.

    Growth and Value investing are joined at the hip.

  • Vielleicht sollte man mit einem Einstieg noch warten, bis die spanischen Schulden Thema werden :)

    dottore PC Martin zitiert WSJ wie folgt:

    von einer mangelnden Zahlungsfähigkeit Griechenlands wären einem Zeitungsbericht zufolge besonders deutsche und französische Banken betroffen.

    Institute in den beiden Ländern haben insgesamt 119 Milliarden Dollar (87 Milliarden Euro) an Krediten an Griechenland ausgereicht, wie das 'Wall Street Journal' berichtet.

    Weitere 900 Milliarden Dollar hätten sie an die Euroländer Portugal, Irland und Spanien vergeben. Richtig viel Geld...

    Fast die Hälfte alle Darlehen an diese Länder seien von französischen und deutschen Banken gewährt. Wie aus Statistiken der Bank for International Settlements hervorgehe, beträfen knapp die Hälfte der ausstehenden Forderungen Spanien. Die Daten erfassten Staatsanleihen, Unternehmensschulden und Kredite an Einzelpersonen.

    Befürchtungen über das Engagement europäischer Banken bei den sogenannten PIGS (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) haben in den vergangenen Wochen die Bankaktien fallen lassen. Es gebe aber kaum Informationen über die Höhe der Engagements der einzelnen Banken. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann habe das Engagement seiner Bank gegenüber Griechenland als relativ gering bezeichnet.

    Die Commerzbank hat über ihre Tochter Eurohypo wohl eines der größten Engagements der börsennotierten Banken. Laut dem Zwischenbericht zum ersten Halbjahr 2009 habe die Eurohypo an Spanien und Portugal Kredite von 13,3 Milliarden Euro in ihren Büchern stehen.

    Die Deutsche Pfandbriefbank, Teil der verstaatlichten HRE, habe im Segment Staatsfinanzierung insgesamt 294 Milliarden Euro ausgereicht, davon 21 Milliarden Euro an Spanien und rund 10 Milliarden an Griechenland, wie aus Zahlen für 2008 hervorgeht.

    Die HRE hatte im Januar angekündigt, bis zu 210 Milliarden Euro in eine Bad Bank auslagern zu wollen. Ein Sprecher der Deutschen Pfandbriefbank sagte jedoch, es sei noch nicht entschieden, ob die griechischen Assets dazu gehören könnten.

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis

    Everything will be allright!

  • Laut Bafin-Berechnungen haben deutsche Banken von den PIIGS Papiere im Volumen von 522,4 Milliarden Euro gekauft. Das seien rund 20 Prozent der gesamten Auslandsforderungen deutscher Banken, heißt es in einem internen Vermerk der dem SPIEGEL vorliegt. Sie seien "Hauptgläubiger in Spanien und Irland und zweitwichtigster Gläubiger in Italien".

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt…,679214,00.html

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis

    Everything will be allright!

  • Das Problem mit Bankenaktien ist, dass die Bilanzen voll mit bewerteten Anlagen sind, und die Grundlagen der Bewertung intransparent oder fragwürdig ist. Man kann kaum beurteilen, wie viel vom Gewinn wirklich durch nachhaltiges Geschäft erzielt wird.

    Man muss auch davon ausgehen, dass das Management gerne aggressiv bewertet, weil am Gewinn durch die Bewertung ja der eigene Jahresbonus hängt. D.h. aber auch, dass die Gewinne durch Aufwertungen sich nicht beliebig in die Zukunft extrapolieren lassen.

    Die Investition in Bankaktien ist für mich ein Ritt auf der Luftblase (nicht auf der Kanonenkugel, daher möglicherweise auch für MMI nicht geeignet).

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

    2 Mal editiert, zuletzt von nixda (26. Februar 2010 um 14:00)

  • Seit einigen Tagen berechtigte oder unberechtigte Aufregung an mehreren Fundstellen im Netz:
    Citigroup Warns Customers It May Refuse To Allow Withdrawals

    und guckst Du hier:
    Citi Client Manual vom 1.1.2010:
    Withdrawal Notice
    We reserve the right to require seven (7) days advance notice before permitting a withdrawal from all checking, savings and money market accounts. We currently do not exercise this right and have not exercised it in the past.

    Vielleicht war das auch nur eine unglückliche Formulierung:
    businessinsider.com:
    "Update: Citibank has now released the following statement by way of explanation: "When Citibank moved to unlimited FDIC coverage in 2009, we had to reclassify many checking accounts to allow for immediate withdrawals in order to ensure all customers qualified for the additional coverage. When we moved back to standard FDIC coverage with most major banks in 2010, Citibank decided to reclassify those accounts back to make them eligible again for promotional incentives. To do so, Federal Reserve Reg D requires these accounts, called NOW accounts, to reserve the right to require a 7-day notice of withdrawal. We recently communicated this technical requirement to our customers. However, we have never exercised this right and have no plans to do so in the future.""

  • Zitat

    Original von nixda
    Das Problem mit Bankenaktien ist, dass die Bilanzen voll mit bewerteten Anlagen sind, und die Grundlagen der Bewertung intransparent oder fragwürdig ist. Man kann kaum beurteilen, wie viel vom Gewinn wirklich durch nachhaltiges Geschäft erzielt wird.

    Man muss auch davon ausgehen, dass das Management gerne aggressiv bewertet, weil am Gewinn durch die Bewertung ja der eigene Jahresbonus hängt. D.h. aber auch, dass die Gewinne durch Aufwertungen sich nicht beliebig in die Zukunft extrapolieren lassen.

    Die Investition in Bankaktien ist für mich ein Ritt auf der Luftblase (nicht auf der Kanonenkugel, daher möglicherweise auch für MMI nicht geeignet).

    Das trifft meine Meinung ziemlich gut. Das ist und war immer die Problematik in dem Sektor. Mehr Gewinn, bzw. höhere EK-Rendite ist nur durch höheres Risiko möglich. Die mangelnde Transparenz und virtuellen Gewinne gefallen mir auch nicht und halten mich schon aus Prinzip davon ab.

    Das Problem ist immer, wie lange denn die "Kanonenblase" ;) hält, 1 Jahr?, 5?, 20?, wird wohl keiner beantworten können. Bis dahin können sich die Großen wohl noch mehr austoben und ihre Marktstellung weiter ausbauen.
    Blackrock hat sich schon eindrucksvoll entwickelt und wird wohl nur durch entweder starke Einschränkungen seitens der Politik oder weiteren Krisen nicht weiter wachsen können.

    Growth and Value investing are joined at the hip.

  • Die Regierungen sitzen leider in den falschen Booten.


    Irische Bank braucht weitere Milliarden

    DUBLIN/HAMBURG (dpa-AFX) - Die verstaatlichte Anglo Irish Bank braucht nach
    Worten des irischen Finanzministers Brian Lenihan möglicherweise weitere zehn
    Milliarden Euro Steuergeld. Erst am Dienstag waren dem Geldinstitut 8,3
    Milliarden Euro zugesagt worden. Damit würde allein die Rettung der Anglo Irish
    Bank laut irischen Medienberichten insgesamt 22,3 Milliarden Euro kosten.

    Der zusätzlich Bedarf von zehn Milliarden Euro war nach Angaben der 'Irish
    Times' am Dienstagmorgen bekanntgeworden. Die Bank werde am Mittwoch ihren
    Geschäftsbericht mit den bisher höchsten Verlusten eines irischen Unternehmens
    bekanntgeben. Die faulen Kredite sollen sich auf mehr als 15 Milliarden Euro
    belaufen. Am Dienstag hatte das Parlament in Dublin einen Rettungsplan in Höhe
    von 21,8 Milliarden Euro verabschiedet./gp/DP/stb

    Quelle: dpa-AFX

    "If it sounds too good to be true, it probably is."

    "Theoretisch gibt es keinen Unterschied zwischen der Theorie und der Praxis. Praktisch stimmt das aber nicht."

    "Erfahrung ist das was man bekommt, wenn man nicht bekommt was man möchte."

  • ich hoffe die Goldmänner haben ihre Bonii schon. Nach Immofondspleite und SEC-problemen dürfte es nicht einfach werden Gehälter und Bonii zu verteidigen ;)

    "If it sounds too good to be true, it probably is."

    "Theoretisch gibt es keinen Unterschied zwischen der Theorie und der Praxis. Praktisch stimmt das aber nicht."

    "Erfahrung ist das was man bekommt, wenn man nicht bekommt was man möchte."

  • Eigentlich würde der Banken Thread wahlweise auch gut in den Antizyklischen Aktien Ordner oder den Verbrecherthread passen. Bisher hat sich hier ja niemand berufen gefühlt, die Goldman Affäre kommentieren wollen, die am Freitag die Börsen nach unten gerissen hat:

    Der Spekulantenblog hat ein paar interessante Beobachtungen gemacht.

    Zitat

    Ebenso geschockt, weniger darüber das Investmentbanken Anleger mit ihren Finanzinovationen übers Ohr hauen, als das die SEC tatsächlich gegen Wall Street Banken vorgeht, waren auch die Börsen. So brach die Aktie von Goldman Sachs mit um die 15% heftig ein und zog gleich alle Bankentitel mit hinunter, insbesondere diejenigen der Wall Street.


    Wenn das Schule macht, dann könnte man die amerikanischen Banken auch shorten. Ich vermute aber, das wird keine Schule machen. Aber folgendes könnte schon eher zum Problem werden:

    Zitat

    Für die Wall Street könnte das erst der Anfang sehr sehr unangenehmer Prozesse werden. Dieses einzelne Geschäft wird nicht das einzige bleiben, dass im Rahmen der Subprime Blase auf ähnlich dubiose Weise abgeschlossen wurde. Das Image von Goldman Sachs war schon länger in der Öffentlichkeit ruiniert, nun werden aber auch die Kunden äußerst vorsichtig sein, welche Produkte sie Goldman Sachs noch abkaufen wollen.


    Es wäre übrigens überraschend, wenn die Wallstreet nicht auch noch am eigenen Untergang verdienen würde:

    Zitat

    Es gibt schon erste Gerüchte, wonach Goldman Sachs, die nach Reuters frühzeitig von den Ermittlungen Wind bekamen, in den letzten Tagen die eigene Aktie shorteten.


    Also vielleicht doch den Shortkandidaten Thread?


    PS: Auch das kennen wir schon: Stupid German Money war auch wieder dabei:

    Zitat

    Einer der Anleger in diesen CDO soll die IKB gewesen sein, die dabei 150 Millionen Dollar verloren hat.

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

    4 Mal editiert, zuletzt von nixda (18. April 2010 um 15:46)

  • Zitat

    Original von nixda
    Bisher hat sich hier ja niemand berufen gefühlt, die Goldman Affäre kommentieren wollen


    Ich warte auf einen Kommentar von W. Buffett. Wenn er von GS beraten wurde, hat er seine Optionen ja abgesichert ;).

    Nach GS sollte man dann DB shorten ;D.

    "If it sounds too good to be true, it probably is."

    "Theoretisch gibt es keinen Unterschied zwischen der Theorie und der Praxis. Praktisch stimmt das aber nicht."

    "Erfahrung ist das was man bekommt, wenn man nicht bekommt was man möchte."

  • Da wirft man den Banken zu hohe Risikobereitschaft vor, wenn sie dann Geschäfte ohne Risiko machen, ist's auch wieder nicht recht ...

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis

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  • Passt vielleicht in diesen Faden: Werft doch mal einen Blick auf die Commerzbank. Die Entwicklung der letzten Zeit ist m.E. noch nicht im Aktienkurs abgebildet.
    - Die Aktie wird immer noch weit unter Buchwert gehandelt.
    - Die Bank scheint wieder nach aktuellen HJ-Zahlen sicher auf die Gewinnschiene zurückgekehrt zu sein: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Com…le15641891.html
    - Das schwierige Kreditportfolio bei Schiffen etc. wird stetig, aber mit Bedacht abgebaut - in dem Feld sehe ich die Commerzbank sogar als Profiteur der Niedrigzinsen an. :-)
    - Als Vertrauensbank der deutschen Wirtschaft hat die Commerzbank die Deutsche Bank abgelöst:

    Zitat

    Als führende Bank für Firmenkunden nennen die Finanzchefs derzeit aber eher die Commerzbank als die Deutsche Bank


    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt…-a-1043954.html
    - Wasser in den Wein: Mit den HJ-Zahlen scheint die Gewinnprognose für das Gesamtjahr gekappt worden zu sein: http://www.ariva.de/news/Commerzba…ruecken-5444038