• Da wir noch keinen Thread dazu haben eröffne ich mal einen.
    Wer schon länger dabei ist, kan sich sicher noch daran erinnern dass Technotrans auch mal ein "Neuer Markt" Star war. IPO war 1998 zu damals 67 DEM, zwischenzeitlich ging es im NM Boom auch wieder stark nach oben.


    Der langfrist Chart sieht wie eine Achterbahn aus:



    Optimistisch könnte man bei 5 EUR aber so eine Art Boden erkennen.


    Technotrans stellt grob gesagt "Zubehör" zu den Druckmaschinen her und wurde deshalb auch relativ stark gebeutelt.


    Der Geschäftsverlauf ist extrem zyklisch, die Gewinnreihe pro aktie sieht so aus:


    1996: 0,80
    1997: 1,11
    1998: 0,87
    1999: 0,71
    2000: 0,87
    2001: 0,53
    2002: 0,40
    2003: -1,66
    2004: 1,01
    2005: 1,13
    2006: 1,48
    2007: 1,33
    2008: -0,45
    2009: -1,65




    Mittlerweile ist die Aktie nicht mehr teuer.


    KBV ~ 1,1 (kein Goodwill)
    KUV 0,4
    Debt/Assets ungefähr 1/3



    KGV gibts momentan keines, allerdings war das erste Quartal erstmals wieder positiv mit 5 Cent Gewinn pro Aktie. der operative Cash Flow war auch positiv.


    Interessant ist auch, dass es keinen dominanten Großaktionär gibt.


    Sollte sich die Druckindustrie einigermassen erholen (und darauf deuten die Auftragszahlen z.B. von SKB und HDD hin) könnte auch Technotrans mit einem Nachlauf von ein bis zwei Quartalen profitieren.


    MMI

  • schöne Idee. Ich hatte dir mir auch mal vorgeknöpft - dann aber ein paar Haare in der Suppe gefunden.


    Ich schaue nochmal nach.

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Ich habe Sie nochmal durchgejagt. Letztes Mal hatte ich Sie mir im Spätsommer 2009 angeschaut und zum Glück für den Preis nicht zugeschlagen (Eine grauenhafte Underperformance).


    Grundsätzlich finde ich die Bilanzdaten "ok" - aber kein riesiger Wurf. Nach meinem Modell komme ich bei einem Kurs von 5,45 auf:


    KGV: negativ
    KGV3:12 (wahrscheinlich auch bald negativ)
    KGV10: 10


    KUV: ~0,3 (die letzen 4 Quartale?!)
    MittlereMargeKGV: ~10
    KBV: ~1
    EK/Quote: 43%


    KCV: ~5
    KFCF: ~15


    EV/Ebit3: ~12%




    --> Die nicht so guten Punkte:


    Gearing ~12 Jahre
    (Verbindlichkeiten ~28 Mio¤ vs. Cashflow5y: 2,27 Mio)


    Regelmäßige hohe Investitionstätigkeit ohne dass der Gewinn richtig steigt. Was passiert wenn die mal nicht investieren --> sind Sie dann "tot"?


    Dividendenpolitik und Buchwertwachstum ist mir auch nicht so richtig klar...


    Rein "mechanisch" komme ich auf einen Wert von 7-8¤ (auch durch die regelmäßig auftretenden Verluste). Zusätzlich zu den schlechten Punkten gibt es da bestimmt Unternehmen mit einer größeren Sicherheitsmarge --> Wahrscheinlich König und Bauer unc Co selber.


    Die Aussicht auf die Branche hatte mich etwas von einer Investition abgehalten...
    Branche: Für mich sehr schwierig. Ich glaube schon dass im Zeitungsmarkt (speziell Otto-Katalog und Co) große Überkapazitäten herrschen. Dann ein Zulieferer der drei Großen zu sein ist vielleicht nicht das nachhaltig beste Geschäftsmodell. Auch wenn Sie sich auf die Fahnen schreiben die Großen "effizienter" zu machen. --> Ich würde da eher auf ein Survival of the fattest bei den Druckherstellern hoffen und nicht auf einen Effizienzkampf mit verschärften Mitteln...


    Aus dem GB
    "Die Druckindustrie wird dominiert von den drei deutschen Herstellern Heidelberger Druckmaschinen AG, manroland AG und Koenig & Bauer AG; sie repräsentieren zusammen rund 60 Prozent der Marktanteile. (...) Der Markt leidet infolge der Krise an Überkapazitäten, die bei den Herstellern mit unterschiedlichem Nachdruck adressiert wurden. Teilweise wurde heftig über einen anstehenden Konzentrationsprozess spekuliert. Gleiches gilt für die Zuliefererindustrie, wobei der große Bereinigungsprozess bisher ausgeblieben ist."

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    Edited 2 times, last by Matze ().

  • Matze,


    danke für Deine Zahlen.


    Inkl. GJ 2010 sind die Historischen PEs noch deutlich schlechter, KGV 10 mit 18 und KGV 3 ín der Tat negativ.


    Etwas mehr Hoffung schöpfe ich jedoch aus der Tatsache, dss 2009 in der Bilanz doch einiges an Sonderbelastungen reingepackt wurde. Zitat aus dem GB


    Die größte Belastung stellte die Schadensersatzzahlung an einen Wettbewerber dar, mit dem 2009
    im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs alle Verfahren um eine Patentverletzung beendet
    werden konnten. Der nicht durch Rückstellungen gedeckte Betrag belief sich auf 2,8 Millionen ¤
    zuzüglich 0,9 Millionen ¤ Gerichts- und Anwaltskosten.
    Der zweitgrößte Einzelposten ist die Wertminderung auf den Geschäfts- und Firmenwert in Höhe von
    2,4 Millionen ¤, der auf der Grundlage eines Impairmenttests zum Jahresende 2009 angesichts
    der veränderten Marktlage vollständig wertberichtigt wurde.
    Die Wertminderung der Immobilie am Standort Gersthofen stellt mit 1,7 Millionen ¤ den drittgrößten
    Einzelposten dar. Hier wurde der Buchwert auf den Wert, der in dem derzeitigen Marktumfeld zu
    erzielen wäre, abgeschrieben.


    Insbesondere der Patentstreit der wohl seit 9 Jahren läuft, würde ich tatsächlich als "one off" gelten lassen.



    Übrigens: Koenig und Bauer ist natürlich schon im Portfolio...



    Wie schon angemerkt gehört Technotrans nicht in die Kategorie "Deep Value", sondern ist eher so eine taktische Investition in einen Zykliker.



    MMI

  • Unter zyklischen Gesichtspunkten könnte das ganze aufgehen. Aber da gibt es imho "sicherere Sachen"...


    Für "Deep Value" empfehlen sich im Moment auch eher Bohrinselbetreiber im Golf von Mexico ;D

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  • Update:
    Technotrans hat vor einiger Zeit gar nicht so schlechte Zahlen für Q2 veröffentlicht. Das Ergebnis im 2 Quartal


    Mir hatte leider die Geduld gefehlt um den 20% Kurshüpfer mitzunehmen.


    Interessanterweise hat es von der Veröffentlichung der Zahlen bis zum Kursanstieg 4 Wochen gedauert.


    mmi

  • Technotrans erscheint interessant.

    Die Firma ist zwar noch zu 38% von der Druckindustrie abhängig, aber mit abnehmender Tendenz, und dieses Geschäft wird auch nicht in den nächsten Jahren aussterben. Bereits 12% des Umsatzes machen "Wachstumsmärkte" aus, namentlich der Kühlung von Lithium-Ionen-Akkus in der Elektromobilität, aber auch der Medizintechnik und der Halbleiterindustrie. Diese Sektoren hatten wohl bis Ende 2017 für derartige Wachstumsfantasie gesorgt, die den Kurs bis auf 50 Euro trieb. Jedoch vollzog sich das Wachstum nicht so schnell wie erhofft und der Vorstand verfehlte wiederholt seine Prognosen. 2019 ging der Umsatz nur um 4% zurück, aber der Gewinn brach um mehr als die Hälfte ein. Der Kurs ebenso, wie man es so oft beobachtet - derzeit 11-12 Euro, Märztief bei 10. Dennoch bekennt sich der Vorstand nach wie vor, trotz Corona, zum mittelfristigen (5J.) Ziel von 250-300 MEUR Umsatz bei 10% EBIT-Marge (zuletzt: 208; MCap: 80 MEUR). Wenn das eintreten würde, würde man bei bis zu 3 Euro pro Aktie landen.

    Ich könnte mir vorstellen, daß 2019 ein Übergangsjahr war, in dem die schon schwache industrielle Konjunktur Spuren hinterlassen hat in einem auf Wachstum eingestellten Unternehmen (Personalaufbau). Zudem gab es noch Bußgelder der BaFin wegen Formfehler in Hinweisbekanntmachungen nach §114 und §115 WpHG. Schwer nachvollziehbar ist für mich, wie die Einführung eines neuen ERP-Systems bei einer Tochtergesellschaft zum Umsatzrückgang führen kann; die Probleme sollen aber jetzt behoben sein.


    KBV knapp über 1, jedoch goodwillbereinigt 1,5

    2015 hatte technotrans noch Nettocash, seither ist die Verschuldung kontinuierlich hochgefahren worden. In der Zeit wuchs allerdings auch der Umsatz um 70%, auch durch Übernahmen. Nettofinanzschulden/Eigenkapital 0,27, goodwillbereinigt 0,38, also sehr moderat. EK-Quote 51%.


    KGV(2019) = 13 (bereinigt um Sondereffekte 10,6 - eigene Berechnung)

    KGV5 8,9

    FCF im Mittel der letzten 5 Jahre um null, das lag aber auch an Übernahmen in Höhe von 20 MEUR

    Dividende 3,8%, alles bei Kurs 11,50


    Die Aktie ist also nicht schreiend billig, aber schon eher günstig und das bei Aussicht auf mittelfristig erhebliches Wachstum.

    Fraglich ist die Umsatzentwicklung durch Corona und Fixkostenanteil. Die negativste Analystenschätzung ist ein Einbruch um 36% bei Verlust von lediglich 28 Cent je Aktie...

    Der Servicebereich, der 29% des Umsatzes ausmacht, sollte für eine gewisse Stabilisierung sorgen.


    The four most expensive words in the English language are "this time it’s different." (John Templeton)

  • Der Vollständigkeit halber noch die Gewinne der letzten zehn Jahre, seit dem Ausgangsbeitrag:

    2010 0,24

    2011 0,47

    2012 0,48

    2013 0,47

    2014 0,67

    2015 0,96

    2016 1,09

    2017 1,76

    2018 1,79

    2019 0,88


    Schon 2010 schrieb Matze von andauernd hohen Investitionen; das ist heute noch so. Jedoch hat auch der Umsatz seither um 142% zugelegt.

    The four most expensive words in the English language are "this time it’s different." (John Templeton)

  • Das Ziel von 300 MEUR Umsatz bei 8-10% EBIT-Marge gab es allerdings schon im Jahr 2017 - für 2020; wiederholt 2018. Vielleicht erreichen sie das ja tatsächlich, nur eben mit einigen Jahren Verzögerung (mittelfristig heißt 2022-2023 - die Präsentation zum GB stammt vom 10.03.2020, also kurz vor Beginn des lock-downs, und ist ohne Berücksichtigung der Pandemie, d.h. man wird getrost nochmal ein Jahr hinzuzählen dürfen), und der Markt glaubt es einfach nicht mehr. Das wäre dann jetzt die Chance, bei begrenztem Risiko. Von 5-6% organischem Wachstum ist die Rede.

    Das Effizienzprogramm soll bereits ab 2021 5 MEUR Ergebnisbeitrag leisten - 72 Cent pro Aktie!

    The four most expensive words in the English language are "this time it’s different." (John Templeton)