Winter schrieb irgendwo sinngemaess, dass er die oesterreichische Schule noch nicht kennt.
John Hussman erklaert in dieser Woche wie von Mises zwischen (echten) Ersparnissen und Kreditausweitung unterscheidet.
Balkenchart
Winter schrieb irgendwo sinngemaess, dass er die oesterreichische Schule noch nicht kennt.
John Hussman erklaert in dieser Woche wie von Mises zwischen (echten) Ersparnissen und Kreditausweitung unterscheidet.
Balkenchart
Hier im Forum ist ja häufig die Rede von der österreichischen Schule.
Rudimentär und in groben Zügen ist mir das ein Begriff, mehr aber auch nicht.
Mal dahin gestellt ob das nun der Weisheit letzter Schluss ist oder nicht, klingt die Theorie für mich auf jeden Fall interessant und kennenswert.
Da es sicher noch andere Leute gibt, die nicht genau wissen was sich dahinter verbirgt, hätte jemand Lust, das mal möglichst objektiv in Grundzügen zusammen zu fassen?
(Vinas?!?)
Gruß,
woodpecker
schau dich da mal um:
ZitatOriginal von value
schau dich da mal um:
hmmm, ich kann keines der Bücher im hiesigen Bücher-thread entdecken.
@ value: Hast du eines dieser Bücher gelesen?
Falls ja: Welches würdest du empfehlen?
Ich denke mit values Angebot solltest du mehr als versorgt sein was deinen Wissensdurst betrifft. Als Einstieg vermutlich sehr gut geeignet ist
http://www.wertewirtschaft.org/analysen/WienerSchule.pdf
Folgendes Zitat daraus sollte ausreichen um zu begründen warum die Quintessenz der Österreichischen Schule hier nicht mit einigen wenigen Absätzen zusammengefaßt werden kann:
ZitatAlles anzeigenAngesichts der
unglaublichen Breite ihres Denkens, der unterschiedlichen
Aspekte und Zugänge, der
Widersprüche findet sich die wesentliche Essenz
der Wiener Schule genau darin: Es handelt
sich um ein Forschungsprogramm, das
nicht im Dienste der Macht steht - und wo es
in diesen Dienst genommen wird, entschwindet
es sogleich.
...
Genau jene Aspekte der Wiener Schule, die
heute nicht Teil des Mainstreams sind, gehören
zu ihren größten Errungenschaften und
sind damit von besonderem, bleibendem Wert.
Dazu gehört jener epistemologische Zugang,
der jeder Objektivierung und Meßbarkeit
widersteht, weil er reale Menschen als freie
und verantwortungsfähige Akteure in den
Mittelpunkt rückt. Oder die Unternehmertheorie,
insbesondere in ihrer Ausformulierung
durch Ludwig von Mises, die ebenfalls persön
liche Verantwortung groß schreibt und daher
Politikern und Managern (im Gegensatz zu
Schumpeters ungenügender, aber - o Wunder!
- viel populärerer Fassung) den schönen Titel
Unternehmer vorenthält. Von besonderer
Aktualität ist die Konjunkturzyklustheorie, die
nicht nur die derzeitige, sondern auch historische
Wirtschaftskrisen korrekt vorhergesehen
hat, allerdings aus verständlichen Gründen
unbeliebt ist.
ZitatOriginal von vinas
Ich denke mit values Angebot solltest du mehr als versorgt sein was deinen Wissensdurst betrifft. Als Einstieg vermutlich sehr gut geeignet ist...
Übersetzung: "Ich habe kein einziges der Bücher gelesen, und deshalb auch keines empfehlen. Aber auf meiner Leiblingswebseite wird die österreichische Schule gerne für 'unsere' Ansichten verhaftet, deshalb muss die ganz toll sein."
Jetzt verortest du dich mit deinem Posting genau auf dem Niveau, welches du so gerne vinas und seinen Heteronymen zu unterstellen pflegst.
keines, auch wenn ein Mises bei mir noch ungelesen aber doch zumindest schon mal rumsteht (ich war noch nie ein großer Theoretiker vor dem Herrn).
In der Zeitschrift sind aber nahezu alle diese Werke ausführlich besprochen worden, die zeitgenössischen Werke teilweise von den Autoren selbst. Man könnte also alternativ eine Unibibliothek aufsuchen, die den smart investor im Katalog hat.
Ausdrücklich distanzieren möchte ich mich bei dieser Gelegenheit von der ebenfalls dort verlinkten Zeitschrift "eigentümlich frei". Was gerade konservative Katholiken mit der Freiheit am Hut haben wollen und sollen ist mir auch nach mehrmaliger Lektüre dieser Zeitschrift immer noch schleierhaft.
In toto fühle ich mich durchaus ausführlich über die österreichische Schule informiert und damit auch berufen, diese Tips zu geben.
Ich gebe dir Recht mit dem Einwand.
Ich lasse das Posting aber trotzdem stehen, damit der Thread nicht durcheinander kommt.
Mir ist übrigens auch nicht ganz klar, was die Österreichische Schule genau beinhaltet, oder beinhalten soll. Beim Lesen im Netz kann ich mich aber nicht des Eindrucks erwehren, dass völlig verschiedene, wenn nicht sogar gegensätzliche wirtschaftswissenschaftliche (oder doch eher -politische) Auffassungen sich auf die Österreicher berufen. Das mag dann auch daran liegen, dass die einen sich eher auf Hayek beziehen, die anderen z.B. auf Böhm-Bawerk oder Wieser, aber in beiden Fällen auf die Österreichische Schule. Und so ganz widerspruchsfrei stehen die Herren auch nicht zueinander.
Anstatt sich pauschal auf die Österreichische Schule zu berufen, sollte man doch konkret das Konzept und den dahinterstehenden Autor benennen, wenn man sich auf die Österreicher beruft.
@ value: Danke.
Ich hab mal in https://www.antizyklisch-investieren.com/www.wertewirtschaft.org reingeschnuppert und finde den Laden von der Idee her ausgesprochen originell und sympathisch. Eine kohärente Wirtschaftswissenschaft darf man dort - nach eigener Aussage - allerdings nicht erwarten.
Als Test habe ich die Analyse zur Wirtschaftskrise gelesen - vieles aus der 30-Seiten-PDF ist in der Tat schon hier im Forum angesprochen worden. Positiv der Grundtenor, den ich selbst vehement in der Freigeld-Diskussion vertreten habe, dass in der Schuldenkrise nicht die Existenz von Zinsen oder Krediten das Problem sind, sondern die Tendenz zu Überschuldung. Fragwürdig dagegen finde ich die Ansicht, Geld müsse auch Wertaufbewahrungsmittel sein; aber diese Diskussion hatten wir gerade im Goldstandard-thread. Aber OK, das sind persönliche Meinungen, und das Institut sieht sich ja offenbar auch eher als Diskussionskatalysator denn als Dogmenbewahrer.
Ich bin jedenfalls stark versucht, mein Abo von Brand Eins umzutauschen in ein Abo der wertewirtschaft.
Danke schon mal an alle!
Jetzt muss ich das nur noch alles irgendwann lesen...
(Hatte bereits befürchtet, dass eine Zusammenfassung nicht ohne weiteres möglich ist.)
Ich erinnere mich grade daß wir ja schon mal einen hatten der nach der Österreichischen Schule gefragt hatte. Damals antwortete ich in diesem Thread
http://www.antizyklisch-investieren.de/board/search.p…hid=139947&sid=
Ich stelle es nochmal hier rein, da es ja hier besser rein paßt:
ZitatAlles anzeigenZitat vinas vom 10.10.10
Ich kann mir ja kaum vorstellen, daß dir der Begriff der Österreichischen Schule nicht bekannt sein sollte. Falls doch, dann guckst Du hier:http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Schule
Meine Anmerkung war durchaus in dem Sinne gedacht wie es aus dem Absatz hervorgeht, den ich weiter oben aus dem von dir eingestellten Wellenreiter-Artikel zitiert hatte:
Zitat:
im Sinne der Austrians ( Free Markets, Free Money, Free Banking)
Nun deckt der Begriff Österreichische Schule ein weites Spektrum ab. Heute erhebt u.a. das amerikanische Ludwig-von-Mises-Institut Anspruch darauf der legitime Vertreter der Österreichischen Schule zu sein. Aber mir sind diese amerikanischen Österreicher nicht ganz grün. Ich halte es mehr mit folgenden Protagonisten die sich zur Österreichischen Schule bekennen:
Bill Bonner , Ron Paul, Prof. Antal Feteke, Dr. Kurt Richebächer
Ich hoffe ich hab niemand vergessen. Auch das Cobden Institute (benannt nach Richard Cobden, der zwar kein Österreicher war aber sicher einer geworden wäre wenn er nicht vorher gelebt hätte) ist immer eine Quelle inspirierender Artikel die durchaus mit dem Gedankengut der Österreichischen Schule konform gehen.
Subjektiv hervorhebenswert im aktuellen Kontext erscheinen mir insbesondere folgende Thesen der Österreichischen Schule:
- Kapital hat nur dann ökonomisch sinnvoll Anspruch auf Zins wenn es unternehmerisch sinnvoll eingesetzt wird (was für Staatsanleihen wohl kaum gelten dürfte)
- Die Geldschöpfung der Banken und Zentralbanken verursacht die Konjunkturzyklen
- Deswegen wird das betrügerische System des fractional banking abgelehnt und Banken mit 100%igen Reserven gefordert
- Definition des Begriffs Inflation als Geldmengenwachstum (und nicht als Konsumentenpreisinflation, was in Wirklichkeit nur eines von verschiedenen möglichen Symptomen ist, die sich infolge der Geldmengenausweitung einstellen können). Nur wer diese Definition berücksichtigte konnte wohl rechtzeitig auf den Edelmetallzug aufspringen. Die Symptombeobachter stehen vor dem Problem ob sie noch aufspringen sollten, da ihnen sonst schöne Gewinne entgehen oder ob sie es lieber bleiben lassen sollten, da sie sich eine blutige Nase holen könnten.
- Ablehnung der zentralplanerischen Sozialingenieure jeglicher Coleur, da sie dem freien Unternehmertum in jeder Hinsicht unterlegen sind und dieses nur behindern (herzliche Grüße an die Brüsseler Sesselpfurzer)Erscheint mir jedenfalls wünschenswerter als das (im von dir eingestellten Wellenreiterartikel) als Alternatvie genannte Chinesische Modell. Was Planwirtschaft und staatliche Regulierung und Intervention anbetrifft müssen sich ja inzwischen weder USA noch Europa noch groß hinter China verstecken.
Der Frager von damals hat es ja dankenswerter Weise übernommen meine unverständliche Einlassung zu übersetzen. Nach nochmaliger Überarbeitung und Entfernung des pluralis majestatis kam dann folgendes ihn offenbar befriedigende Ergebnis dabei heraus:
ZitatÜbersetzung: "Ich habe kein einziges der Bücher gelesen, und deshalb auch keines empfehlen. Aber auf meiner Leiblingswebseite wird die österreichische Schule gerne für 'unsere' Ansichten verhaftet, deshalb muss die ganz toll sein."
Der erste Teilsatz ist korrekt. Der Rest auf dem üblichen Niveau auf dem nixda sich an mich zu wenden pflegt: billige und substanzlose Polemik.
Damit nixda sich in Zukunft nicht die Arbeit machen muß mich bei jeder Gelegenheit zu übersetzen eine kleine Anmerkung meinerseits. Bei jedem in diesem Forum erwähnten Buch zu dem ich nicht ausdrücklich erkläre daß ich es gelesen habe darf man getrost davon ausgehen daß ich es nicht gelesen habe. Da liegt man in den meisten Fällen richtig. ![]()
In diesem Artikel von Robert Murphey wird der Investitionsstau wegen Kapital-Fehlallokation aufs Korn genommen.
Balkenchart
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz…,741711,00.html
ZitatDie Finanzkrise war "vermeidbar", heißt es in dem Abschlussbericht des Ausschusses, der an diesem Donnerstag präsentiert werden soll und aus dem die "New York Times" schon jetzt zitiert. Ursache der Krise war demnach ein "enormes Versagen" von Regierung und Finanzaufsicht einerseits sowie ein "rücksichtsloses Risikomanagement" der Geldindustrie andererseits.
Angesichts dessen noch mehr staatliche Einmischung (Zentralplanung) zu fordern erscheint mir geradezu absurd.
ZitatDas Dokument stellt Washington und der Wall Street ein vernichtendes Zeugnis aus: "Die größte Tragödie wäre es, wenn wir dem ewig wiederkehrenden Refrain glaubten, wonach niemand die Krise voraussehen und etwas dagegen tun konnte. Falls wir diese Sichtweise akzeptieren, wird all dies wieder passieren."
Komisch. Bill Bonner, Prof. Fekete, Ron Paul haben das lange vorher gesehen. Hat wahrscheinlich damit zu tun daß sie die Realität aus der Perspektive der Österreichischen Schule betrachten und sich nicht auf fragwürdige mathematische Modelle stützen die von Mainstreamökonomen mit den Zweck ersonnen werden ein unsinniges Währungssystem zu rechtfertigen.
ZitatOriginal von vinas
Angesichts dessen noch mehr staatliche Einmischung (Zentralplanung) zu fordern erscheint mir geradezu absurd.
Angesichts dessen noch mehr Freiheiten für die Banken zu fordern erscheint mir noch absurder.
Es ist kein Problem der staatlichen Aufsicht. Wir brauchen ein paar eindeutige Gesetze. Denkbar ist die strikte Trennung von Retail- und Investmentbanking, Verbot von Geschäften dieser Bereiche untereinander, Verbot von Termingeschäften über ein bestimmtes Volumen hinaus, Wiedereinführung von Mindestreservesätzen und konservativeren Bilanzierungsvorschriften, Beschränkungen der Bilanzsumme z.B. auf halbes GDP des Heimatlandes, evtl. auch komplettes Verbot der fraktional Bankings, Einführung von Vollgeld, Verbot von HFT, Mindesthaltefristen von Wertpapieren, Einschränkung bei der Verbriefung (CDS, CDO) von Krediten usw.
Das ganze Gehört ins Strafgesetzbuch mit entsprechenden Strafandrohungen für die Beteiligten PERSONEN und generellen Verbot von Umgehungsgeschäften. Zudem müssen bei Verstößen die Eigentümer mit Enteignung und die beteiligten Manager mit Schadenersatz bedroht sein, dann funktioniert auch die Selbstkontrolle.
Dem Staat obliegt dann nicht die Steuerung und Lenkung, sondern die Kontrolle, ob die Gesetze eingehalten werden, so wie auch im Straßenverkehr.
ZitatAngesichts dessen noch mehr Freiheiten für die Banken zu fordern erscheint mir noch absurder.
Mir auch. Wenn das in diesem Forum jemand gefordert hat, dann ist mir das offensichtlich entgangen.
Ansonsten ist gegen deine Minimalforderungen natürlich nichts einzuwenden. Die könnte ich alle problemlos unterschreiben (weiß bloß nicht was HFT ist). Aber den hierfür erforderlichen bürokratischen Wasserkopf kann man sich angesichts besser Lösungen auch sparen.
Zwischen Vinas und mir ist ein kleiner Disput entstanden, als ich die Frage aufwarf, ob die Österreichische Schule ausschließlich auf Goldstandard setzt (was zweifelsohne viele ihrer Anhänger tun - dies sei hier nochmals wiederholt), oder ob nicht innerhalb der Österreichischen Schule alternative Geldformen bis hin zu Papiergeld denkbar seien.
Auslöser des Disputs waren meine folgenden Zitate aus einer Analyse des Instituts für Wertewirtschaft (bekennende Anhänger der Österreichischen Schule) zum Thema Inflation:
http://wertewirtschaft.org/analysen/Inflation.pdf
1. Zitat (S. 3):
ZitatKlassischerweise werden dem Geld drei Funktionen zugeschrieben: die Tauschfunktion, die Wertaufbewahrungsfunktion und die Wertmeßfunktion, wobei die Tauschmittelfunktion vorrangig und als definitorisches Charakteristikum zu werten ist.
Daraus habe ich geschlossen, dass die Österreichische Schule die Wertaufbewahrungsfunktion von Geld als nachrangig betrachtet, eben weil sie die Tauschmittelfunktion als vorrangig bezeichnet. Anders ausgedrückt: Dass Geld explizit nicht über die Wertaufbewahrungsfunktion definiert wird.
Vinas meint hierzu: "Über die Wertigkeit der drei verschiedenen Funktionen für die Eigenschaft Geld zu sein wird nichts ausgesagt.". Ich verweise deshalb nochmals auf das Wörtchen "vorrangig".
2. Punkt (S. 14 ff)
Die Studie verweist darauf, dass das Grundübel eine inflationistische Geldmengenausweitung sei, welche auch mit einem Goldstandard stattfinden kann (S. 9 ff). Ich habe darauf hingewiesen, dass "hier grundsätzlich nichts dagegen [spricht], dass eine Papierwährung nicht mit stabiler Geldmenge darstellbar wäre."
Vinas verweist im Gegenzug auf Zitate auf S. 10, 12 und 13, die auf inflationistische Geldmengenausweitung mit Papiergeld hinweisen. Damit habe ich kein Problem, offensichtlich ist inflationistische Geldmengenausweitung sowohl mit Goldwährung als auch mit Papiergeld möglich. Das beantwortet aber nicht die Frage, ob nicht eine stabile Papierwährung denkbar wäre.
3. Zitat (S. 23/24):
ZitatUnter den Vertretern der Wiener Schule weithin unbestritten ist die Forderung nach einer 100% Deckung der Bankeinlagen, um dem inflationären Geldschöpfungsprozeß der Geschäftsbanken Einhalt zu gebieten. Hinsichtlich der Vermeidung der Geldmengeninflationierung durch die Zentralbanken wurden divergierende Vorschläge in die Diskussion eingebracht: Ludwig von Mises befürwortet etwa die Rückkehr zum Goldstandard, während Friedrich A. von Hayek eine von Unternehmen in Umlauf zu bringende Warenreservewährung empfiehlt. Guido Hülsmann setzt sich für die natürliche Geldproduktion ein, die keiner staatlichen oder privaten Institution das Privileg der Geldproduktion einräumt.
Ich habe daraus geschlossen: "Die Analyse [läßt] die Frage, wie eine geeignete Währung beschaffen sein sollte, ausdrücklich offen."
Vinas erwidert, indem er genau das obige Zitat um einen Absatz erweitert. Dort steht zusätzlich, dass inflationistisches Papiergeld schlecht und stabile Goldwährung gut ist.
Damit habe ich kein Problem, aber das ändert nichts an der Aussage, dass innerhalb der Österreichischen Schule neben dem Goldstandard verschiedene Geldformen diskutiert werden.
4. Zitat beim Ludwig von Mises Institut:
ZitatThere is nothing wrong, per se, in experimenting with a cheaper medium of money.
Soll heißen: Auch Papiergeld oder ähnliches sei für die Österreichische Schule grundsätzlich denkbar.
Vinas "Gegenargument": "Die sind weit vom Pfad der Tugend abgewichen und fast schon zu einem Thinktank der Neoliberalen verkommen."
Das würde ich mal als Eigentor bezeichnen, denn das Institut für Wertewirtschaft sieht das ganz anders. Es beschäftigt nämlich einen Senior Fellow des Ludwig von Mises Instituts als akademischen Beirat und lobt ihn so:
"Prof. Dr. Jörg Guido Hülsmann
Professor für Volkswirtschaft [...] und Senior Fellow des Ludwig von Mises-Instituts (Auburn, USA). [...] Guido ist einer der heute weltweit führenden Ökonomen der Wiener Schule und wir sind besonders stolz, in ihm einen wertvollen und höchst kompetenten Mitstreiter zu haben."
Soweit die bisherige Diskussion.
Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, muss ich feststellen, dass Vinas keinen einzigen meiner Punkte stichhaltig widerlegen konnte.
Ich stelle deshalb nochmals die These zur Diskussion, dass die Österreichische Schule keinesfalls zwingend einen Goldstandard impliziert. Vielmehr ist sie offen für andere Formen gedeckten Geldes. Ja, selbst eine Diskussion von stabilem Papiergeld scheint denkbar unter ihrem Dach.
edits: Quelle ergänzt, Rechtschreibung
Die Bücher von Ludwig von Mises sind übrigens als PDF downloadbar:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_von_Mises
z.B. findet man die Schlagwörter « Flucht in die Sachwerte » und «Katastrophenhausse » in seinem Buch "Nationalökonomie. Theorie des Handelns und Wirtschaftens." 1940
http://mises.org/Books/nationaloekonomie.pdf
ZitatZwischen Vinas und mir ist ein kleiner Disput entstanden, als ich die Frage aufwarf, ob die Österreichische Schule ausschließlich auf Goldstandard setzt (was zweifelsohne viele ihrer Anhänger tun - dies sei hier nochmals wiederholt), oder ob nicht innerhalb der Österreichischen Schule alternative Geldformen bis hin zu Papiergeld denkbar seien.
Dieser Disput kann nur in deiner Phantasie stattfinden. Denn für einen Disput müßte wenigstens einer der daran Beteiligten die diskutierte These vertreten die Österreichische Schule setze ausschließlich auf den Goldstandard. Weder habe ich jemals diesen leicht zu widerlegenden Unsinn behauptet noch setze ich selber ausschließlich auf den Goldstandard.
Eine andere Frage ist natürlich ob es überhaupt Sinn macht mit jemandem über die Österreichische Schule zu diskutieren der nicht einmal imstande ist die simpelsten Definitionen zu verstehen auf denen sie ihr vielfältiges Gedankengebäude errichtet.
Schöner Übersichtsartikel über die Ursprünge des Liberalismus und der österreichischen Schule. Datierend auf - man höre und staune - spanische Mönche im 16. Jahrhundert:
Sehr schöner Artikel!
ZitatEin Meilenstein auf dem Weg zu Theorie und Praxis der Marktwirtschaft war seine Erkenntnis, dass der Wert eines Gutes nicht bloß den Produktionskosten entspricht. Der gerechte Preis ergibt sich aus dem Zusammenspiel des Angebots mit der Nachfrage. Der (notwendig subjektive) Wert offenbart sich somit erst im Marktpreis.
Ist das kompatibel mit den Vorstellungen der Value-Investoren? Die Frage ist ernst gemeint da ich auf dem Gebiet des Value-Investings ziemlich unbeschlagen bin während es hier im Forum ja offenbar einige Koryphäen auf diesem Gebiet gibt. Wenn sich der Wert im Marktpreis offenbaren würde, dann wäre Value-Investing ja wohl eine ziemlich brotlose Kunst?
ZitatDiego de Covarrubias y Leyva radikalisierte Thomas Werttheorie mit der Bemerkung, dass der Wert einer Sache nicht von ihrer objektiven Natur, sondern selbst dann von der subjektiven Wertschätzung der Menschen abhängt, wenn diese verrückt sei.
Eine frühe Prophezeihung der Südseemanie, des Tulpenwahns, der New Economy, von Subprimeeskpaden? Ganz zu schweigen von finanztechnischen Massenvernichtungswaffen deren Wirkung wir noch nicht zu spüren bekommen haben? ![]()
ZitatDen Zins begründeten die Spätscholastiker als Entschädigung des Geldverleihers für den Nutzen oder den Gewinn, den er anderweitig hätte erzielen können.
Was sie wohl zu der dreisten Idee moderner Bänkster sagen würden Zins auf den Verleih von Geld zu verlangen das sie gar nicht besitzen (fractional banking)?
Ah ja, die Antwort folgt ein paar Zeilen später:
ZitatSie plädierten für eine volle Deckung von Bankeinlagen.
Ob sie dabei mit Deckung wohl das gleiche assoziierten wie nixda? (zur Erinnerung: der Baenkster emittiert das Geld, der Bauer oder Produzent uebernimmt die Deckung) ![]()
ZitatSie entdeckten die Zeitpräferenz, also die Tatsache, dass Konsum heute zumeist höher bewertet wird als Konsum morgen auch so lässt sich ein positiver Zins begründen.
Bei von Bänkstern verliehenem Fiatmoney ist diese Begründung freilich nur schwer anwendbar. Verkonsumieren könnten sie die Einlagen ja nur einmal.
Gegen positiven Zins verleihen hingegen fast beliebig oft, je nach Mindestreservesatz.
ZitatDenn schon Juan de Salas stellte fest, dass ein determinierter Gleichgewichtspreis gar nicht existieren könne: Niemand verfüge über die hierfür notwendigen Informationen, da diese erst auf dem Markt geschaffen, entdeckt und gehandhabt würden. Schon gar nicht die Regierung: Es ist großer Unsinn, wenn der Blinde den führen will, der sieht, schrieb Juan de Mariana.
Damit beantwortet sich auch die Frage wie die Scholastiker die heute fest etablierte Küngelei von Zentralbankern und Politikern zur zentralen Planung der Wirtschaftsentwicklung beurteilen würden.
ZitatDrei Jahrhunderte später inspirierten sie den Österreicher Carl Menger, der die subjektive Werttheorie ausgrub und sie mit dem von ihm entdeckten Marginalismus verknüpfte: der Wert eines Gutes wird durch die subjektive Wertschätzung seiner jeweils letzten Einheit bestimmt.
Preisfrage: auf welchen Wert kommt man gemäß dieser Lehre zwangsläufig wenn man sie auf Fiatmoney anwendet? (1. Preis: Eine Trillion Reichsmark ;))
ZitatAls Austrian Economics floriert diese Schule heute international.
Also ich würde sagen: zur Zeit floriert sie höchstens als Mauerblümchen. Aber um ihre Fortexistenz müssen wir uns keine Sorgen machen. Die Kraft des Faktischen wird dafür sorgen. Wie der Neokonservativismus und der aktuelle Zustand des US-amerikanischen Mises-Instituts aber zeigen ist auch die Österreichische Schule nicht davor gefeit verzerrt und mißbraucht zu werden.