Griechenland Worst-Case Szenario?

  • Schon interessant, kaum sitzt DSK im Knast, prescht Juncker voran:

    http://www.focus.de/finanzen/news/…aid_628087.html

    Zitat

    Eine sanfte Umschuldung des Landes werde nicht mehr ausgeschlossen, sagte der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Luxemburgs Jean-Claude Juncker. Dazu können laut Diplomaten Laufzeitverlängerungen für Kredite oder Zinsverbilligungen gehören.

    Wie schon an anderer Stelle bemerkt folgende Beobachtung:

    - der EUR zuckt nicht mal
    - Die Credit Spreads von Portugal und Irland FALLEN
    - die Kurse Griechischer Anleihen STEIGEN


    Griechenland ist m.E. nur ein "grauer" Schwan, das zeigt auch die Tatsache dass wir uns darüber unterhalten. Der nächste "schwarze" Schwan kommt von woanders, mein Tipp wäre China o.ä.

    MMI

  • Interessant fand ich das (Experten-) Streitgespräch im gestrigen Brennpunkt. Anders als sonst im Mainstream üblich, wurde hier nicht die offizielle (bzw. Regierungsposition) mit einem oppositionellen Politiker/Experten diskutiert. Diskutiert wurde, ob ein Haircut (vertreten durch die Rolle des gemäßigten Experten) oder die Wiedereinführung der Drachme (Rolle des oppositionellen Experten)die bessere Lösung für Griechenland sei.
    D.h. der deutsche Michel konnte aus der Sendung zur besten Sendezeit mitnehmen, daß die offizielle Politik zu diesem Thema (das Problem mit Geld bewerfen) nicht einmal mehr diskussionswürdig ist und ein Haircut als kleineres Übel wohl bald ansteht.

    @MMI:
    Für mich ist der Schwan Griechenland daher schon fast weiß!
    China ist für mich auch ein heißer Tip! Das wird dann allerdings ein ziemlicher großer Schwan - sozusagen ein Flugsaurier!

    Einmal editiert, zuletzt von Gulbenkian (17. Mai 2011 um 10:50)

  • Zitat

    Die Fragestellung, die mich umtreibt: Wenn der schwarze Schwan doch auftaucht, wie kann man sein Portfolio strukturieren, dass man beim Fall abgefedert wird?


    Dank eines untauglichen Währungssystems im Endstadium sollte man sein Portfolio m.E. unabhängig von den zu erwartenden Ereignissen in Griechenland auf die Ankunft von Schwarzen Schwänen ausrichten. Aus welcher Richtung die kommen läßt sich naturgemäß nicht prognostizieren. Aber unverkennbar ist, daß eine Koalition von korrupten Politikern und kriminellen Gängstern eine große Geflügelzuchtanlage für Schwarze Schwäne installiert hat. Da wird wohl ab und an einer aus dem Käfig entkommen und ein wenig Schrecken verbreiten. Davon kann man mit ziemlich großer Sicherheit ausgehen.

    Gold functions like the sun, with all currencies as planets orbiting around it, with only the sun in fixed position (Zijstra)

  • Sie können und werden die Banken nicht krachen lassen, deswegen:

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    und das ist auch ok. Noch ist Suppe da, für GR reichts, bei Italien sähe es anders aus, da steckt auch viel Geld der LVs.

    Außerdem ist ein Drittel der griech. Staatsschuld bereits garantiert und das Rollen gesichert (europ. Fonds). Bei dem aktuellen Geplänkel gehts wohl um was anderes.

    Laufzeitverlängerung wurde schon vor Wochen von der Bundesbank vorgeschlagen und wären allerdings eine Möglichkeit:

    http://www.faz.net/s/Rub3ADB8A210…n~Scontent.html

    Von der Peripherie her wird die finanzielle Eigenständigkeit der EU-Staaten abgeschafft und Eurobonds durch die Hintertür eingeführt. Ich fragte mich schon die ganze Zeit, wie Bänker bei Sinnen den Griechen so viel Geld geben konnten, das könnte der Grund gewesen sein.

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis

    Everything will be allright!

  • Zitat

    Original von nixda
    @Thomtrader:

    Sagen wir mal: Realistische Szenarien unter der (worst-case) Hypothese das Griechenland restrukturiert und/oder aus dem Euro austritt.


    Am Tag danach werden die Aktienmärkte maximal 3-4% fallen, vielleicht tangiert ein Griechendefault die Aktienmärkte sogar überhaupt nicht. Auf Sicht von ein paar dürfte der Griechendefault die Aktienmärkte nicht tangieren. Den möglichen 3-4% Kurssturz würde ich schon als kleine irrationale Minipanik betrachten.
    Bankaktien und nachrangige Bankanleihen, möchte ich bei einem Griechendefault, allerdings nicht zu viele im Depot haben.

    Bei Gold erwarte ich mir am Tag danach nicht vielmehr als 5% plus, auf Sicht von ein paar Wochen nicht mehr als 15% plus. Vielleicht tut sich bei Gold aber auch deutlich weniger, da die meisten die in einen Default Griechenlands positiv für die Wertentwicklung von Gold sehen, jetzt schon in Gold investiert sind, und dann nicht mehr vielmehr in Gold investieren werden, und von den jetzigen Goldspreisskeptikern werden bei einem Default nicht viele Gold kaufen.

    Griechenlands Verschuldung bewegt sich ungefähr auf den Niveau von General Motors vor dem Default. Als GM seine Schulden nicht mehr bediente hatte die Null Auswirkungen auf die Aktienindices, oder auch auf Gold.
    Lehmann Brothers Bilanzsumme war beim vielfachen der griechischen Verschuldung, und soweit ich mich erinnere, sind nach der Lehmann-Insolvenz neben Aktien auf Gold um einiges gefallen. Die Welt ist allerdings damals nicht untergegangen.

  • Ein Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen wird vielleicht kurzfristig zu einem Fallen des EUR fuehren (weil es eine, oberflaechlich gesehen, schlechte Nachricht ist), ist aber langfristig natuerlich gut fuer den EUR. Demnach waere der Schuldenschnitt auch lanfristig fuer Gold/EUR schlecht.

    Der Schuldenschnitt fuehrt natuerlich zu Verlusten bei
    (1) griechischen Banken
    (2) deutschen Banken
    (3) franzoesischen Banken
    (4) wo noch?

    Die Frage ist, wie damit umgegangen wird. Wenn es deswegen weitere bailouts von Banken gibt, ist das natuerlich schlecht fuer den EUR und gut fuer Gold/EUR.

    Eine weitere Frage ist, wie hoch der Schnitt sein muss, damit Griechenland aus eigener Kraft weitermachen kann. Ist man zu vorsichtig, haelt es 2 Jahre, und dann kommt der naechste Schnitt. Das kann man nicht beliebig oft machen, sonst glaubt es keiner. Ist man zu forsch, haben die Banken zu hohe Verluste.

    Balkenchart

    Einmal editiert, zuletzt von Balkenchart (17. Mai 2011 um 19:52)

  • Zum Begriff Laufzeitverlängerungen, die verschiedenen Bedeutungen gleichen sich im Kern.

    Bei Staatsanleihen verlängert man, weil man Neue nicht mehr abgenommen bekommt.

    Bei Atomkraftwerken verlängert man, weil man Neue nicht mehr genehmigt bekommt.

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    Everything will be allright!

  • Nachdem jetzt Juncker und Co mit dem Vorschlag eines (halbherzigen) Haircuts herausgerueckt sind, droht die EZB offen damit, in diesem Falle die griechischen Banken fallenzulassen (von deutschen und franzoesischen Banken war nicht die Rede!).

    Sehr schoen wird das alles von John Mauldin beschrieben.

    Balkenchart

  • Um das ganze Gezetere um die griechischen Staatsschulden ein Ende zu setzen beschließe ich einstimmig, dass die Griechen erst mit 75 in Rente gehen dürfen und die Deutschen mit 50.
    Wer nicht spart muss länger arbeiten!

    Gruß
    Guerillainvestor

  • Ich finde Mauldins Artikel ganz interessant, weil er ein wenig Einblick in die Interessensgegensätze in der EU gibt. Andererseits bin ich nicht im ganzen seiner Meinung. Ich bin mir zum Beispiel nicht sicher, ob die EZB tatsächlich bei einem Haircut ihre Griechenlandanleihen abwerten müsste bzw dann Pleite ginge. Meines Wissens hat die EZB keine Anleihen gekauft (macht sie so etwas überhaupt? Das wäre ja eine Form des QE in Europa), sondern sie allenfalls in Rahmen von Repo bzw Wertpapierpensionsgeschäften oder als Sicherheiten für Kredite von Geschäftsbanken in Verwahrung.

    Weiß das jemand genauer?

    Auch kann eine Zentralbank im eigentlichen Sinne nicht pleite gehen, weil sie nicht illiquide werden kann. Auch wenn sie bilanziell überschuldet wäre.

    P.S.: Ich habe den Eindruck, dass die Meinungen, was eine Umschuldung Griechenlands für Reaktionen an den Märkten auslösen würde ziemlich unterschiedlich sind. Ich hatte die Frage gestellt, weil ich mir auch überhaupt keine Bild davon machen kann, wie der Markt reagiert. Zumindest scheine ich nicht ganz alleine mit dem Problem zu sein.

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

    Einmal editiert, zuletzt von nixda (22. Mai 2011 um 23:00)

  • Zitat

    Original von nixda
    Meines Wissens hat die EZB keine Anleihen gekauft (macht sie so etwas überhaupt? Das wäre ja eine Form des QE in Europa), sondern sie allenfalls in Rahmen von Repo bzw Wertpapierpensionsgeschäften oder als Sicherheiten für Kredite von Geschäftsbanken in Verwahrung.


    Doch! Hier ist die aktuelle Bilanz des Eurosystems:

    http://www.ecb.int/press/pr/wfs/2011/html/fs110517.en.html

    Den Erlaeuterungen oberhalb der Bilanz nach haben sie direkt angekauft (Punkt 7.1):
    76.1 Mrd EUR Staatsanleihen
    60.4 Mrd EUR Covered Bonds

    Die EZB hat nie gesagt, welche Staatsanleihen das sind. Laut Schaetzung der Financial Times sind es ca 45 Mrd EUR griechische und sonst ueberwiegend portugiesische. Die FT hat offenbar diesen Posten in der Bilanz woechentlich beobchtet und anhand der politischen Lage geraten, was sie gerade gekauft haben.

    Die Repo-Geschaefte sind in Punkt 5 angegeben: 438 Mrd EUR

    Fuer diesen Punkt ist irgendwo veroeffentlicht, wie er sich zusammensetzt. Z.B. wurden immer wieder die 130 Mrd EUR von griechischen Geschaeftsbanken genannt. [Korrektur: Es sind 90 Mrd EUR, die Zahl von 130 Mrd sind eigentlich 135 Mrd EUR und enthaelt auch die direkt angekauften 45 Mrd EUR Staatsanleihen]

    Zitat

    Ich bin mir zum Beispiel nicht sicher, ob die EZB tatsächlich bei einem Haircut ihre Griechenlandanleihen abwerten müsste bzw dann Pleite ginge.
    [...]
    Auch kann eine Zentralbank im eigentlichen Sinne nicht pleite gehen, weil sie nicht illiquide werden kann. Auch wenn sie bilanziell überschuldet wäre.


    Bisher ist es ja zumindest theoretisch moeglich, dass
    a) die EZB die Anleihen am Markt ohne Verlust verkauft
    b) die Anleihen am Ende zu 100 zurueckgezahlt werden
    In diesem Falle koennte die EZB das erhaltene Geld loeschen und die Monetarisierung der Anleihen beenden.

    Falls die EZB mit den Anleihen einen Verlust macht und die Teilnehmerstaaten nicht aus Steuermitteln das Eigenkapital der EZB erhoehen, haette die EZB einen Kapitalfehlbetrag in der Bilanz. Damit waere die Monetarisierung der betreffenden Staatsschulden fuer alle Ewigkeit festgeschrieben.

    Man beachte auch, dass die EZB die Goldreserve (mit ca 11000 Tonnen immerhin die groesste von allen Zentralbanken) zum Marktwert bilanziert. Dadurch ist seit 1999 ein erheblicher Bilanzgewinn entstanden (Bewertungsreserve Punkt 11).

    Wenn man der EZB als Institution ein Eigeninteresse unterstellt, dann ist sie also an einem steigenden Goldpreis interessiert. Das ist z.B. im Gegensatz zur Federal Reserve, der das US-Gold (ca 8600 Tonnen) nicht gehoert, sondern die es mit den historischen 42.xyz $/oz als Zertifikat vom US-Schatzamt in der Bilanz hat:

    http://www.federalreserve.gov/releases/h41/current/h41.htm

    Balkenchart

    Einmal editiert, zuletzt von Balkenchart (27. Mai 2011 um 08:53)

  • Balkenchart,
    Danke für den Beitrag. Ich freue mich immer wenn jemand meine Vermutungen mit Fakten belegt. ;)

    Zitat

    Wenn man der EZB als Institution ein Eigeninteresse unterstellt, dann ist sie also an einem steigenden Goldpreis interessiert.


    Da haben die hochbezahlten Sesselfurzer in Brüssel ja ausnahmsweise mal was Vernünftiges ausgeheckt. Hoffentlich war das nicht nur ein Versehen das von Langweile und Aktionismus getriebene Euro-Wirtschaftsexperten wieder verschlimmbessern.

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  • Zitat

    Ich will nicht sagen, das Szenario ist wahrscheinlich, aber ich würde es gedanklich gerne mal durchspielen wollen...


    Hier hast Du die Skizze von jemand der das Szenario nicht nur für wahrscheinlich sondern für sicher hält (womit ich konform gehe) und nur die Zeitspanne bis zum Erreichen des Szenarios für unbestimmt (aber max. begrenzt auf 2 Jahre) hält:
    What happens when Greece defaults

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  • Zitat

    - Bondholders will take the Spanish Banking Sector to the European Court of Human Rights (and probably other courts, also), claiming violations of property rights.


    Alles klar: Eigentumsrecht als Menschenrecht ;)

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

  • Das ist ein Erbe aus dem Tierreich.

    In dem Artikel wird nicht behauptet, daß dies vor dem Menschenrechtsgerichtshof durchsetzbar ist. Es wird nur prognostiziert, daß eine entsprechende Klage angestrebt werden wird. Da würde ich auch mindesten 99:1 drauf wetten.

    Hast Du sonst nichts relevantes in dem Artikel gefunden? Dann solltest Du vielleicht noch andernorts recherchieren.

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  • Nur der Vollständigkeit halber das volle Zitat zum Thema Eigentumsrechte:

    Zitat

    Bondholders will take the Spanish Banking Sector to the European Court of Human Rights (and probably other courts, also), claiming violations of property rights. These cases wont be heard for years. By the time they are finally heard, no-one will care.


    Als bekennender Anarchist bin ich übrigens der Meinung, daß das Eigentumsrecht eine bedeutende Errungenschaft der menschlichen Kultur ist. Eine Kulturleistung die uns qualitativ vom Tierreich abgrenzt. Ohne Eigentumsrecht müßten wir auch noch ständig alles was wir gegen den Rest der Welt verteidigen wollen täglich mit unserem Urin bespritzen um unsere Artgenossen vor einem Zugriff darauf zu warnen. Unsere zentralen Planwirtschaftler arbeiten angestrengt daran (vermutlich unbeabsichtigt) uns solchen Zuständen näher zu bringen. ;)

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  • Man kann auch sagen, Eigentum gehört zu den Grundübeln, denn um es zu definieren und Rechte daraus durchzusetzen (vollstrecken) braucht es Macht (=Gewalt) und Machthaber. Ohne Eigentum wäre keine Staats- und sonstige Mafia nötig. Natürlich gäbe es dann auch keine Iphones und kein Sozialamt. ;)

    PS: ... und keine Aktien, versteht sich. Wahrscheinlich noch nicht mal Papier ...

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis

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    2 Mal editiert, zuletzt von Lando (26. Mai 2011 um 13:37)