Goldpreisentwicklung - Versuch der ideologiefreien Debatte

  • bin ich kein Experte was Gold angeht, aber ein paar Sachen verstehe ich nicht:

    - Die These, dass die Saudis ihr Öl in Gold tauschen stimmt zumindest in letzter Zeit nachgewiesenermassen nicht.

    Lt. diesem Link

    http://www.bloomberg.com/news/2010-12-2…ion-riyals.html

    fährt Saudi Arabien 2011 ein Staatdefizit, hauptsächlich weil die Ölgelder für den Import von Gütern verwendet werden müssen.

    Auch 2009 gab es ein Defizit:

    http://www.susris.com/articles/2008/…dwa-budget.html

    Da dürfte relativ wenig Geld für Goldkäufe da sein.


    Zudem stecken die Prinzen (Al Waleed und Co) Ihre Kohle u.a. in Bankbeteiligungen, Rennpferde etc.

    Ich glaube an dem Punkt (und nicht nur da) hakt Deine Theorie etwas.


    MMI


    Edit: Trotzdem spannende Geschichte, Respekt !!!

    2 Mal editiert, zuletzt von memyselfandi007 (29. Juli 2011 um 16:08)

  • Balkenchart,
    Ich schließe mich woodpecker an: vielen Dank auch von meiner Seite. Das hast du super recherchert und hervorragend aufbereitet!

    Da ich mich selbst ja schon seit über einem Jahrzehnt mit diesem Krimi beschäftige sind für mich viele der Dinge die du da erwähnst nicht neu. Aber so schön stimmig und kompakt im Gesamtzusammenhang dargestellt habe ich das noch nicht gesehen. Obwohl das ein Marathonposting ist nenne ich es kompakt denn ich denke kürzer könnte man es nicht darstellen.

    Gut daß du hier ein hervorragendes Standing als Experte hast (zurecht!). Da werden hoffentlich wenigstens die Anfeindungen unter der Gürtellinie ausbleiben denen man sonst ausgesetzt ist, wenn man nur einen Teil dessen was du da zusammengefaßt hast in einer Diksussion vertritt. ;)

    Ich muß deinen Beitrag jetzt auch erst mal verdauen. Wenn das geschehen ist habe ich noch ein paar Fragen und Anmerkungen.

    Vielen Dank für diesen exzellenten Beitrag!

    Gold functions like the sun, with all currencies as planets orbiting around it, with only the sun in fixed position (Zijstra)

  • Zitat

    Original von dev

    Es gibt einige Indunstriezweige die Gold nutzen, aber ein Gramm dieses Metalls ist nun mal sehr teuer, das greift man lieber zu schlechteren, aber preiswerterem.

    Gold ist einer der besten Leiter, selbst wenn nur ein Hauch davon verwendet wird.

    Weil eben nur ein Hauch davon reicht, ist die Industrienachfrage im Vergleich zur Investment-Nachfrage verschwindend gering.

    "Hey Du, möchtest Du ein A kaufen?" Standard & Poor's (zitiert aus: Marc-Uwe-Kling: Der falsche Kalender - 365 falsch zugeordnete Zitate)

  • Die Idee einer ideologiefreien Diskussion gefällt mir gut. Wäre ja fast eine kleine Sensation, wenn es gelingen würde, noch dazu beim Thema Gold.

    Erstmal muß ich mich outen: Mein Wissen über Gold und den Goldhandel ist winzig. Schon deshalb ist dieser Thread für mich ein Gewinn, nicht zuletzt aufgrund Balkencharts Ausführungen.

    Natürlich ist mir hier gleich ein Punkt ins Auge gesprungen: Die negative Korrelation zwischen Goldpreis und künftigem Realzins. Mein erster Gedanke war natürlich sofort: So etwas wie einen relativ stabilen korrelativen Zusammnhang, der auch noch über mehrere Jahre Bestand hat, kann es an der Börse eigentlich kaum geben. Im von Balkenchart genannten wissenschaftlichen Papier (Gibson's Paradox and the Gold Standard) ist zwar eine Grafik, die die negative Korrelation wirklich eindrucksvoll zeigt, der Zeitrahmen ist aber leider sehr kurz (1970-1985, also nicht mal zwei Jahrzehnte). Wer ernsthaft daran interessiert ist, ob die Methode funktioniert, der sollte sich die nötigen Daten runterladen, ist ja heutzutage alles kostenlos verfügbar, und selbst überprüfen. Wenn das Ergebnis dann den Zusammenhang bestätigt (relativ beständige negative Korrelation über Jahrzehnte), hat man wohl einen sehr guten Prognoseansatz für die weitere Goldpreisentwicklung.

    Jetzt spreche ich ein Reizthema an (daher an alle die darauf anworten wollen: denkt an den Titel des Threads): Das meistgenannte Argument für steigende Goldkurse lautet wohl Inflationsgefahr, wobei unter Inlation sowohl das Aufblähen der Geldmenge, meist aber etwas unscharf die Teuerung der Verbraucherpreise gemeint wird. Woodpecker selbst führt in seinem Eröffnungsposting die Möglichkeit einer Inflation als sein erstes von vielen Pro-Gold-Argumenten an. Die häufigste Argumentationslinie verläuft dabei wohl etwa so: Wegen der so stark steigenden Geldmengen wird es über kurz oder lang zu einer heftigen "Inflation" kommen. Gold wird nach dieser Logik als ein möglicher Inflationsschutz angesehen.

    Was aber, wenn es gar nicht zu einer nennenswerten oder sogar einer besonders starken Verbraucherpreis-Inflation kommt? Es ist ja keine ausgemachte Sache, daß die Geldmengensteigerungen der vergangenen und kommenden Jahre automatisch zu einer starken Inflation der Verbraucherpreise führen müssen. Die alte These "steigende Geldmenge bei gleicher Gütermenge führt automatisch zu Inflation" wurde durch die Realität in den vergangenen 50 Jahren widerlegt. Eine stabile Korrelation zwischen Geldmenge, egal ob M1, M2, M3, MZM, und Teuerungsrate CPI existiert nicht, sie verändert sich, wie fast alle Korrelationen im Zeitverlauf, in welchem sie zwischen Werten von 1 und -1 hin- und herwandert. Das bedeutet natürlich nicht, daß keine Inflationsgefahr herrschen würde. Es heißt lediglich, das wir heute nicht wissen können, ob es zu einer starken Inflation kommen wird, oder nicht.

    Als letzten Mai bekannt wurde, daß einige Hedgefonds im ersten Quartal des Jahres den Großteil ihres Goldes verkauften, lautete der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung zufolge die Begründung eines der Fondsmanager, daß er in den kommenden Monaten nicht mehr Inflations-, sondern Deflationsgefahr zu erkennen glaubt. Wobei die Schreiberlinge bei der sz-online leider nicht verrieten, welche Art der Inflation bzw. Deflation (Geldmenge, Teuerung?) gemeint war...

    Die Frage lautet nun: Falls es nicht zu einer merklich überdurchschnittlichen Erhöhung der (Verbraucherpreis-)Inflation kommen sollte, würde somit nicht das am meisten zitierte Argument pro Gold entfallen, mit negativer Wirkung auf den Goldpreis? Oder könnte der Goldpreis selbst bei niedrigsten Teuerungsraten munter weiter steigen, weil andere Einflüsse, wie z.B. Goldtransaktionen von Notenbanken einen wesentlich größeren Einfluß auf den Goldpreis haben als alle inflationsbesorgte Goldanleger der Welt zusammen?

    "Il y a à parier, que toute idée publique, toute covention recue, est une sottise, car elle a convenue au plus grand nombre!" (Sébastien-Roch Nicolas, aka Chamfort)

    Einmal editiert, zuletzt von Boersenreflex (29. Juli 2011 um 17:57)

  • Zitat

    Original von memyselfandi007
    - Die These, dass die Saudis ihr Öl in Gold tauschen stimmt zumindest in letzter Zeit nachgewiesenermassen nicht.
    Lt. diesem Link [...] fährt Saudi Arabien 2011 ein Staatdefizit, hauptsächlich weil die Ölgelder für den Import von Gütern verwendet werden müssen.


    Meine Gegenfrage: Entsteht das Staatsdefizit vor dem Kauf von Gold oder erst nach dem Kauf von Gold? Bei IWF-ueblicher Abrechnung ist ein Goldkauf (ausser er geht in die Reserve der Zentralbank ein) ein Warenkauf und keine Finanzanlage.

    Mal abgesehen davon, wuerde ich als Saudi die Goldkaeufe sowieso nicht an die grosse Glocke haengen - sonst treiben die Spekulanten den Goldpreis nur noch weiter hoch.

    Balkenchart
    Nachtrag: Der Gold-Tick der Saudis ist uebrigens gut dokumentiert. Als damals Standard Oil das erste joint venture mit den Saudis machte, sind die Chefs persoenlich hingeflogen und haben dem Koenig einen Sack mit 25000 Sovereign Muenzen uebergeben.

    Einmal editiert, zuletzt von Balkenchart (29. Juli 2011 um 19:53)

  • Gerade zum Thema (war bei Zero-Hedge gepostet):


    Ich frage mich gerade, ob Strauss-Kahn das so gesagt haette ;)

    Balkenchart

  • Ich schulde Euch noch die Quellen. Einiges habe ich selbst nach und nach zusammengesucht, insbesondere die Statistiken zur LBMA und die GOFO-Daten. Aber die Idee, danach zu suchen, war die folgende Quelle:

    Zwischen 1997 und 2001 haben die user 'Another' und 'FOA' im Forum bei Kitco und dann im Forum bei USA Gold ueber den Goldmarkt geschrieben. USA Gold haben daraus spaeter eine Zusammenfassung erstellt, den "Gold Trail" in 5 Teilen:

    http://www.usagold.com/goldtrail/

    Die fruehen Postings sind hier archiviert

    http://www.usagold.com/goldtrail/archives/another1.html

    und die ganz fruehen von 'Another' von Kitco sind nur in Bruchstuecken erhalten

    http://www.gold-eagle.com/gold_digest/baron907.html

    Diese Quellen durchzuarbeiten sind mindestens 1-2 Wochen Vollzeitarbeit. Es wird aber schnell klar, dass 'Another' und 'FOA' nicht die ueblichen Goldbugs mit ihren Verschwoerungstheorien sind, sondern echtes Insiderwissen haben und sehr viel von Wirtschaft und Finanzen verstehen.

    Fuer mich war der entscheidende Test von 'Another's Glaubwuerdigkeit, dass ich in den mittlerweile von der LBMA veroeffentlichten Daten zu GOFO die einzelnen Ereignisse in 1997-2001 wiedergefunden habe, von denen damals bei USA Gold die Rede war.

    Das alte Forum ist ab Herbst 1998 archiviert:

    http://www.usagold.com/cpmforum/archives/1199812/

    'Another' und 'FOA' machen bei ihren Vorhersagen allerdings einen Fehler. Sie erwarten einen Zusammenbruch des Londoner Goldmarktes und das Ende der Reservefuntkion des USD schon fuer 1999-2001. Tatsaechlich ist der Goldmarkt aber noch knapp gerettet worden, und die USA haben noch einen vollen Konjunkturzyklus 2002-2007 geschafft. Ob sie noch einen weiteren Zyklus schaffen, werden wir spaetestens in 1-2 Jahren wissen. Aktuell tippe ich eher auf 'nein'.

    Aktuelle Diskussionen zum Thema gibt es bei

    http://fofoa.blogspot.com/

    Ein weiterer Startpunkt ist der folgende Artikel, besonders weiter unten die Diskussion zwischen 'Ender' und 'FOFOA':

    http://fofoa.blogspot.com/2008/09/freegold.html

    Bei FOFOA werden immer wieder Indizien zusammengetragen, die fuer die alten Thesen von Another+FOA sprechen. Es ist aber sehr viel mehr Material und Rauschen, als man tatsaechlich durcharbeiten koennte.

    Balkenchart

  • Zitat

    Original von Balkenchart

    Meine Gegenfrage: Entsteht das Staatsdefizit vor dem Kauf von Gold oder erst nach dem Kauf von Gold? Bei IWF-ueblicher Abrechnung ist ein Goldkauf (ausser er geht in die Reserve der Zentralbank ein) ein Warenkauf und keine Finanzanlage.

    Mal abgesehen davon, wuerde ich als Saudi die Goldkaeufe sowieso nicht an die grosse Glocke haengen - sonst treiben die Spekulanten den Goldpreis nur noch weiter hoch.

    Balkenchart
    Nachtrag: Der Gold-Tick der Saudis ist uebrigens gut dokumentiert. Als damals Standard Oil das erste joint venture mit den Saudis machte, sind die Chefs persoenlich hingeflogen und haben dem Koenig einen Sack mit 25000 Sovereign Muenzen uebergeben.

    Ich glaube das sind zwei unterschiedliche Sachen. Der Saudische Staatshaushalt wird wie bei uns auch wohl nur die Gewinne bzw. Verluste der Notenbank beinhalten. Käufe der Notenbanken sind da nicht drin. Wenn ich so nachdenke, ist der Staatshaushalt in der tat nicht der richtige Bezugspunkt.

    Wie siehts damit aus:


    Nach Deiner Theorie dürfte es aber auch die 459 Mrd USD Währungsreserven zum Jahresende 2010 der Saudis nicht geben, das müsste ja alles in Gold angelegt sein, oder ?

    Währungsreserven

  • Balkenchart: Danke für die Serie. Auch wenn ich einige Annahmen für ziemlich spekulativ halte: Das waren für mich die interessantesten jemals gelesene Goldbeiträge. *Zieht den Hut und bedankt sich*

  • Zitat

    Original von memyselfandi007
    Nach Deiner Theorie dürfte es aber auch die 459 Mrd USD Währungsreserven zum Jahresende 2010 der Saudis nicht geben, das müsste ja alles in Gold angelegt sein, oder ?


    Es gibt einen plausiblen Grund fuer die USD-Reserve Saudi-Arabiens, naemlich die Bindung des Riyals and den USD zu einem festen Kurs. Ausserdem macht eine bestimmte Reserve in USD tatsaechlich Sinn, denn sie kaufen damit z.B. regelmaessig Ruestungsgueter und sonstige Ausstattung.

    Aber wuerde man bei Saudi-Arabien nicht mehr als nur 460 Mrd USD erwarten? Ihr Aussenhandelsueberschuss war laut Wikipedia allein in 2009 etwa 100 Mrd USD. Und dann haben sie nach all den Jahren des Oelexports 'nur' 460 Mrd USD an Reserven?

    Naechste Frage: Wuerden sie den Import des Goldes einfach so in die Statistik schreiben?

    Zusammenfassung von meiner Seite: Ich kann es nicht empirisch nachweisen, dass es die Saudis waren, die das Gold gekauft haben. Aber irgendwer hat in den 1990ern so viel physisches Gold vom Markt genommen, dass der Londoner Goldmarkt geplatzt ist und dass die Zentralbanken einspringen mussten - das ist aufgrund der Daten und der Nachrichten aus dieser Zeit ziemlich sicher. Und das ganze Zentralbankgold ist auch irgendwo hingeflossen.

    Dann schreiben 'Another' und 'FOA' im USA-Gold Forum, dass es die Saudis waren. Das finde ich zumindest sehr plausibel.

    Balkenchart

  • Balkenchart:

    Interessanter Research. Du hast sicher Diskussionsstoff für mehrere Wochen oder Monate geliefert. Vielen Dank für die Postings.

    Ich fange mal bei Punkt 7 an (Abschaffung des Goldstandards durch Nixon). Die Punkte davor sind sicher historisch interessant, aber mit wenig Relevanz für das Nachfolgende, weil die Abschaffung des Bretton Woods Systems ein Wendepunkt war, unabhängig davon, wie man ihn bewertet.

    Die These, die durch die DeGaullsche Schiffsanekdote gestützt wird, dass die USA keine Goldreserven mehr hatten, da dieses zur Devisenbeschaffung notwendig gewesen wäre, ist nicht durch historische Daten belegbar. Statistisch war die USA zwar 1970 kurzfristig in ein ZB-Defizit gerutscht, aber das nach Jahren des Überschusses. Ich glaube nicht das dies alleine Ursächlich für die Abschaffung des Goldstandard war. Dafür waren die Defizite nicht groß genug.

    Es müssen also auch binnenwirtschaftliche Aspekte eine Rolle gespielt haben, in der Form, das ein Abzug der Goldreserven auf Grund der Bindung automatisch auch zu einer Reduktion der Geldmenge in den USA führen mussten. Das wiederum würde zu einem Kreditcrunch in den USA führen, und eine Nation, deren wirtschaftshistorische Angst in der Deflation liegt, ein unakzeptables Szenario. Zudem befand sich die USA in einer Rezession, und ein weiteres Abbremsen war aus ideologiebesetzem Beharren auf dem Goldstandard sicher nicht durchsetzbar.


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    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

    2 Mal editiert, zuletzt von nixda (30. Juli 2011 um 11:37)

  • Balkenchart;

    Im Punkt 9 ziehst Du eine Verbindungslinie, die ich nicht nachvollziehen kann. Vielleicht kannst Du den Zusammenhang noch einmal darstellen.

    Du sagst, Saudi Arabien hat einen Teil der Dollareinnahmen direkt wieder in Gold getauscht, was man auch an der Korrelation Goldpreis sehen könnte.

    Zitat

    In den 1970ern war das Problem, dass z.B. Saudi Arabien Gold immer noch als Reservewaehrung angesehen hat und einen Teil der eingenommenen USD gleich wieder verkauft und damit Gold gekauft hat.


    Dann:

    Zitat

    Nicht nur mussten die USA die Leitzinsen hochschrauben, um zu signalisieren, dass sie bereit sind, den Aussenwert des USD stabil zu halten, selbst wenn sie sich damit eine Rezession einhandeln. Das alleine haette nicht gereicht.

    Zweitens musste man eine Moeglichkeit finden, wie man Oel in Gold bezahlen kann, ohne dass Gold in USD steigt, wenn die Araber weiterhin Gold fuer einen Teil ihrer USD kauften. Dann wuerde ja auch Oel in USD steigen, und so wird man die Inflation nicht los.


    Ich habe an mehreren Stellen Zweifel an der Logik. Zum einen dürfte die Inflationsbekämpfung nur zum geringen Teil dadurch motiviert worden sein, den Außenwert des Dollars stabil zu halten. Der Außenwert des Dollars war den Amis schon immer ziemlich egal, da bei weitem der Großteil ihrer Ex- und Importe sowieso in Dollar fakturiert werden. Damals noch mehr als heute gab es ohnehin keine alternative zum Dollar. Oder auf was hätten die Saudis damals ausweichen können? Transferrubel?

    Es gibt jede Menge andere Gründe, warum eine Inflation dauerhaft nicht gut für eine Wirtschaft sind, die alleine das Handeln unter Volcker erklären würden.

    Zweitens konnte den Amis der Wert des Goldes in USD ziemlich egal sein, seit die Goldpreisbindung aufgegeben wurde. Wenn die Saudis von ihrem eingenommenen USD Gold kauften, dann konnten die Saudis das tun, und den Amis wäre es egal. Der Goldpreisanstieg ist ja nach deiner eigenen Darstellung eine Folge des Ölpreisanstiegs und nicht umgekehrt.

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

  • nixda,
    man fragt sich über welche deiner Wissenslücken man mehr baff erstaunt sein sollte: über die bezüglich Fiatmoney oder über die bezüglich Goldstandard. Am besten trifft man es wahrscheinlich wenn man ein generelles Defizit auf dem Gebiet der Geldtheorie unterstellt. ;)

    Den Offenbarungseid bezüglich deines Wissens über Fiatmoney hattest du ja vorgestern in diesem Thread geliefert:

    Zitat

    Ich wollte vor allem gegen das Missverständnis argumentieren, dass die Zentralbank die Geldmenge nach belieben vergrößert.


    In der Zeit vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers konnte ich ja noch halbwegs Verständnis dafür aufbringen daß Otto Normalverbraucher davon keine Ahnung hatte. Da war es ja mehr oder minder nur eine theoretische Möglichkeit. Aber daß es immer noch Zeitgenossen gibt die es nicht kapiert haben, nachdem man jetzt mit QE1 und QE2 sowie der Bilanzverwässerung der ECB Augenzeuge dessen wurde wie Zentralbanken nach belieben Geld aus dem nichts schöpfen, das ist doch sehr bemerkenswert. Da kann es sich wohl nur um ideologische Verblendung handeln, wenn man nichts schlimmeres unterstellen möchte. ;)

    Und jetzt kommt der nächste Hammer:

    Zitat

    Abschaffung des Goldstandards durch Nixon
    ...
    Die These, die durch die DeGaullsche Schiffsanekdote gestützt wird, dass die USA keine Goldreserven mehr hatten, da dieses zur Devisenbeschaffung notwendig gewesen wäre, ist nicht durch historische Daten belegbar.


    Da möchte ich zu deinen Gunsten mal unterstellen, daß dein Entwicklungsstand zu diesem Zeitpunkt höchstens der des Windeltägers war. Dann könnte man dir mit gutem Willen nachsehen daß du die damaligen Geschehnisse nicht verstehst.

    Es ging mitnichten um eine ideologische Auseinandersetzung ob denn nun ein Goldstandard einem Fiatmoneysystem vorzuziehen sei oder nicht. Auch wenn du da jetzt eine spezielle Konjunkturlage für den damaligen Zeitpunkt reklamierst: daß die Politiker das Geldausgeben immer und bei jeder Konjunkturlage dem Sparen vorziehen ist bekannt. Darum ging es aber nicht, auch wenn der eine oder andere Gauner das vielleicht zur Rechtfertigung des beabsichtigten Betrugs heranziehen mochte. Es ging schlicht und einfach darum, daß die USA vertragsbrüchig wurde. Was der Grund hierfür war ist bedeutungslos. Das Brettonwoods-Währungssystem beruhte auf der Verpflichtung der USA seine Dollarschulden gegenüber anderen Zentralbanken auf Verlangen jederzeit in Gold zu einem festen Wechselkurs zu erfüllen.

    Wenn

    Zitat

    die DeGaullsche Schiffsanekdote


    irgend etwas belegt, dann die Tatsache, daß ohne Unterlegung der IOU-Versprechungen mit etwas Werthaltigem kein fairer internationaler Handel möglich ist. Denn wenn im Zweifelsfall eine Nation keinerlei Möglichkeit hat ihre Ansprüche gegenüber Handelspartnern auf diesem Wege durchzusetzen verkommt der Welthandel zu einer Gaunerei bei der die besten Betrüger absahnen. Wenn Balkencharts ausführlicher Beitrag eines lehrt, dann vor allem dies: daß der internationale Handel nur deswegen noch funktioniert weil letztendlich immer noch in echtem Geld abgerechnet wird. Auch wenn dies aus unterschiedlichsten Interessenlagen nur hinter den Kulissen passiert um Otto Normalverbraucher nicht zu erschrecken. Hast du das auch nicht kapiert?

    Zitat

    Zudem befand sich die USA in einer Rezession, und ein weiteres Abbremsen war aus ideologiebesetzem Beharren auf dem Goldstandard sicher nicht durchsetzbar.


    Es ging nicht um eine ideologische Auseinandersetzung pro oder contra Goldstandard sondern um die Einhaltung vertraglicher Verpflichtungen. Wenn du ernsthaft drauf bestehts, daß derartiges nachrangig hinter ideologischen Erwägungen zu sein hat, dann sollte man ausreichend davor gewarnt sein Geschäfte mit dir einzugehen.

    woodpecker,
    entschuldige bitte, daß ich hiermit gegen deine Aufforderung verstoße

    Zitat

    das Thema Goldpreis sachlich und
    unabhängig vom Sinn und Unsinn von Fiat-Money und Golddeckung
    zu diskutieren.


    Aber diese Anforderung ist ungefähr so sinnvoll wie eine Diskussion über den Ölpreis zu führen unabhängig von der Rolle des Öls als Energierohstoff.

    Wenn man deine Anforderung streng auslegt, hätte Balkenchart ja dann seinen Beitrag hier auch gar nicht einstellen dürfen. Und das wäre doch sehr, sehr schade gewesen. ;)

    Gold functions like the sun, with all currencies as planets orbiting around it, with only the sun in fixed position (Zijstra)

  • Bin grade über einen interessanten Artikel zum Thema Schließen-des-Goldfensters durch Nixon gestoßen. Natürlich stellte Nixon sich nicht hin und sagte, ätsch liebe Dollargläubiger ihr seid reingefallen. Er verzierte die Entscheidung zur Vertragsbrüchigkeit natürlich mit hehren wirtschaftlichen Zielen.

    Zitat

    When he made his address, Nixon was keen to allay fears he was undermining the Dollar's value by cutting the link to gold - especially given the apocalyptic warnings (both in the press and inside the White House) of how disastrous such a move would be.
    His pitch? "If you want to buy a foreign car or take a trip abroad, market conditions may cause your Dollar to buy slightly less. But if you are among the overwhelming majority of Americans who buy American-made products in America, your Dollar will be worth just as much tomorrow as it is today. The effect of this action, in other words, will be to stabilize the Dollar."
    Any British viewers that day would have found it eerily reminiscent of prime minister Harold Wilson's "Pound in your Pocket" speech four years earlier.


    Ihm war selbstverständlich auch klar, daß die Abkoppelung vom Gold dem Welthandel schaden würde. Auch die begleitenden Maßnahmen waren klar protektionistischer Natur. Nixda scheint derartiges ja genau so wenig zu stören wie Nixon. Aber er verbrämte dies mit rosigen Aussichten für den amerikanischen Binnenmarkt. Zumindest dort würde der Dollar seine Kaufkraft erhalten. Ob er den Blödsinn wirklich selbst glaubte sei dahingestellt. Immerhin finden sich ja offenbar 40 Jahre später noch Leute die ihm den Käse abnehmen. ;)

    Was wurde in Wirklichkeit aus Nixons Versprechungen?

    Zitat

    Here in 2011, it's now been 40 years since the "temporary" suspension of Dollar convertibility. Has the Dollar been "stabilized"?
    Clearly not. But what's worth noting is how much faster the Dollar's domestic purchasing power has fallen in the last four decades - freed from gold - than it did in the 40 years before Nixon's announcement.
    Between August 1931 and August 1971, the consumer price index - as measured by the Bureau of Labor Statistics - went up by 170%. Since 1971, the CPI has risen 453%.

    Bemerkenswerte Ironie auch wenn man bedenkt wer es war, der das Weltwährungssystem auf

    Zitat

    the "Full Faith and Credit" of the United States government


    als einzig verbleibende Basis stellte: der Gauner der mit Watergate eindrucksvoll demonstrierte wie vertrauenswürdig diese Institution ist. ;)

    Nachtrag zu nixdas Anmerkung

    Zitat

    Zudem befand sich die USA in einer Rezession, und ein weiteres Abbremsen war aus ideologiebesetzem Beharren auf dem Goldstandard sicher nicht durchsetzbar.


    In der unmittelbar danach von ihm selbst eingestellten Grafik wird deutlich, daß im August 1971 die Rezession schon längst vorbei war.

    Gold functions like the sun, with all currencies as planets orbiting around it, with only the sun in fixed position (Zijstra)

    2 Mal editiert, zuletzt von vinas (31. Juli 2011 um 14:08)

  • Der Unterschied der Fragestellung war mir auch schon aufgefallen. Aber ich kann halt nicht anders. Darum habe ich nie Gold gekauft in jüngerer Zeit, und auch als Gold erkennbar niedrig stand nicht, eben weil es lange dauern könnte, bis sich der Kurs überhaupt mal anfängt, in die andere Richtung zu gehen, und es Jahrzehnte dauern kann, bis es einmal gestiegen ist. Es ist einfach außerhalb meines Betätigungsfeldes.
    Was den Zusammenhang mit den zukünftigen realen Zinsen angeht: Ich habe nur die Grafiken in dem verlinkten Artikel überflogen und entnehme, daß die zukünftige Entwicklung des Goldpreises (grob) mit der absoluten Höhe der zukünftigen langfristigen realen Zinsen korreliert, d.h. nur ein Sinken der realen Zinsen würde einen weiteren Anstieg des Goldpreises begründen. Der CPI in US$ hat sich seit Juli 2010 um 3,43% erhöht. Die langfristigen realen Zinsen liegen aktuell bei 2,80% (10jährige US treasury notes). Der reale Zinssatz ist also bereits negativ. Woher soll ich jetzt wissen, wie negativ er noch wird? Es genügt ja nicht die Annahme, daß Inflation aufkommen wird, sondern die langfristigen Zinsen dürften damit nicht Schritt halten. Es ist natürlich möglich, daß das temporär so eintritt, besonders bei anziehender und hoher Inflation, aber eine dauerhafte negative Realrendite scheint mir doch eher unwahrscheinlich. Immerhin kann man sagen, sogar nach dem Dow-zu-Gold-Verhältnis (ist doch nicht ausgeschlossen, daß dieses langfristig trotzdem sich in einer bestimmten Spannweite bewegt) würde ein Anstieg bis auf 10.000$ in einer noch kommenden extremen Situation nicht aus dem Rahmen fallen.

    Balkenchart: Deine Argumentation aus Deinem Antwort-Beitrag läuft doch darauf hinaus, wie Du es selbst früher schon ausgedrückt hattest, daß Gold Geld sei oder wieder würde, daß also ein Goldstandard eingeführt wird, in dem die jetzigen Geldwerte durch Gold gedeckt werden, durch einen Marktwertanstieg des Goldes.

    In "unserer Demokratie" werden keine Minderheiten unterdrückt oder zum Schweigen gebracht (Boris Pistorius). Sondern die Mehrheit.
    "Unsere" Demokratie verhält sich zur Demokratie wie Transfrauen zu Frauen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Winter (31. Juli 2011 um 19:43)

  • Zitat

    Original von vinas
    Wenn man deine Anforderung streng auslegt, hätte Balkenchart ja dann seinen Beitrag hier auch gar nicht einstellen dürfen. Und das wäre doch sehr, sehr schade gewesen. ;)

    Es sei dahingestellt, ob man seine Theorie auf Anhieb 100%ig so übernehmen möchte, aber Balkencharts Beitrag war in der Tat ausgesprochen interessant - in sofern, passt schon.

    Ich finde übrigens auch immer mal wieder einige Deiner Beiträge zu dem Thema bereichernd.
    Warum Du allerdings Nixda gleich so (m.E. persönlich) angehen mußt, verstehe ich nicht ganz, ich finde einige seiner Einwände durchaus valide.
    Und Balkenchart war sich ja durchaus bewußt dass er hier mit seinem Beitrag eine längere Diskussion entfachen würde.

    "I swear by my life and my love of it that I will never live for the sake of another man, nor ask another man to live for mine." - John Galt in "Atlas Shrugged"

    "If you act out of fear, anger, despair or suspicion - this will ruin everything." - Thich Nhat Hanh

    Einmal editiert, zuletzt von woodpecker (31. Juli 2011 um 19:47)

  • Um noch einmal klarzustellen, mit

    "Die These, die durch die DeGaullsche Schiffsanekdote gestützt wird, dass die USA keine Goldreserven mehr hatten, da dieses zur Devisenbeschaffung notwendig gewesen wäre, ist nicht durch historische Daten belegbar"

    meinte ich nicht, die Schiffsankedote sei nicht belegbar (ich habe es nicht geprüft), sondern die Gründe hierfür sind, wenn sie denn stattgefunden hat, nicht eindeutig belegbar.

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

  • Winter,

    Zitat

    d.h. nur ein Sinken der realen Zinsen würde einen weiteren Anstieg des Goldpreises begründen


    Ich vermute das siehst du falsch. Für einen weiteren Anstieg reicht ein Andauern real negativer Zinsen an. Selbst wenn sich die Negativrate verbessern sollte reicht das immer noch für einen Anstieg aus. Denn diejenigen, die wegen negativer Realzinsen ins Gold geflüchtet sind werden sich kaum von immer noch negativen Realzinsen zum Verkauf verleiten lassen selbst wenn diese nicht mehr weiter ins Minus laufen. Und die Zahl der Interessenten dürfte bei anhaltend negativen Realzinsen zunehmen, auch wenn sie nur gleichbleibend negativ sind. Dazu ist nicht unbeding erforderlich daß sie immer noch negativer werden. Auch ein konstanter negativer Realzins nagt permanent am Vermögen.

    Zitat

    aber eine dauerhafte negative Realrendite scheint mir doch eher unwahrscheinlich


    Mir auch. Drum werde ich mich auch sicher nicht wie ein Pharao mit meinen Edelmetallen eingraben lassen. ;)

    woodpecker,

    Zitat

    Warum Du allerdings Nixda gleich so (m.E. persönlich) angehen mußt, verstehe ich nicht ganz


    Mach dir keine Sorgen um den Armen, ich schieße nur auf ständige Angriffe unter der Gürtellinie zurück.

    Gold functions like the sun, with all currencies as planets orbiting around it, with only the sun in fixed position (Zijstra)