Vielleicht sollte man ja zum Thema Gold-Ausstiegsstrategie schon mal vorsorglich einen eigen Thread aufmachen. Wird vielleicht noch lange dauern bis das relevant wird, aber in guter antizyklischer Tradition kann man nicht früh genug anfangen sich mit künftigen Szenarios auseinanderzusetzen.
Die Debatte wurde ja durch silencer dieser Tage bereits in dem Goldpreisentwicklung-Thread angestoßen.
Der allgemeine Tenor dort: keine Ausstiegsstrategie vorhanden (silencer, woodpecker, vinas) bzw. Umschichten in Staatsanleihen, wenn diese wieder attraktive Anlageformen sind (chktest, balkenchart, boersenreflex)
Balkenchart hat außerdem noch eine Todo-Liste derjenigen Dinge eingestellt, die seines Erachtens noch abgehackt werden muß bevor letzteres Szenario (Staatsanleihen attraktiv) vorliegt. Die kopier ich mal hier rein:
ZitatAlles anzeigenVor der voelligen Entwarnung muessen meiner Ansicht nach noch einige Punkte abgehakt werden:
1) Sinken der mittleren Staatsverschuldung von USA, GB, Japan, Eurozone auf unter 80% BIP
2) Schrumpfung des Finanzsektors relativ zum BIP um mindestens die Haelfte
3) Ende des USD als Weltreservewaehrung, d.h. z.B. dass die Asiaten keine weiteren USD in die Reserven aufnehmen oder sogar alte Reserven anfangen abzustossen
4) Ansturm auf die Bullion-Abteilungen der Banken, d.h. z.B. dass die Halter von unallozierten Konten in Cash ausbezahlt werden, dass der Handel mit Bankkredit in Unzen diskreditiert ist und dass physisches Gold einen Aufpreis gegenueber verbrieftem Gold hat.
5) Reduzierung der Handelsbilanz-Ueberschuesse und -Defizite der grossen Waehrungsraeume auf deutlich unter 1% BIP pro Jahr. (Anm: Wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe, erfuellt die Eurozone diese Bedingung!)
6) Diskreditierung von Bankeinlagen, Sparbuechern, Anleihen und Krediten als Form des Sparens fuer die Allgemeinheit, d.h. das Platzen der Kreditblase. Z.B. koennte sich das Vergeben von Krediten auf Nischen wie Wagniskapital beschraenken, oder es wird den deutschen Lebensversicherungen verboten, mehr als X% Anleihen und Kredite in ihrem Portfolio zu haben, oder sie werden von der Aufsichtsbehoerde gezwungen, mindestens 20% physisches Gold zu halten, oder es gilt als Allgemeinbildung, dass die deutschen Lebensversicherungen eine Abzocke waren. Insb. das Verschwinden von Konsumentenkrediten und eine extreme Aufwertung von Eigenkapital gegenueber Fremdkapital.
Solange es bei diesen Punkten nicht nennenswerte Fortschritte gibt, ist die Finanzkrise, die 2007 begonnen hat, noch nicht zuende.
Ich hoffe, ich habe unrecht und die Loesung der Probleme kann auf 10-20 Jahre gestreckt werden, aber die Geschichte lehrt, dass solche Ungleichgewichte nicht allmaehlich abgebaut werden, sondern dass es schlagartig geht. Wie lange es noch dauert, wo genau es zuerst knallt, und in welcher Reihenfolge die Dinge passieren, weiss ich auch nicht.
silencer brachte hierzu folgenden Einwand:
ZitatDas bringt Sinn, aber hat einen Haken. Wenn Anleihen wieder Realrenditen abwerfen, ist es (aus meiner Sicht) schon zu spät!
Das sehe ich auch so.
Es könnte also durchaus sein daß eine zeitliche Lücke besteht zwischen dem besten Verkaufszeitpunkt für Gold (idealerweise im Endstadium der Blowoff-Phase bevor der vermutlich sehr heftige Abstieg beginnt) und dem Einstiegszeitpunkt für langlaufende Staatsanleihen.
Die 1-Million-Euro-Frage für künftige Lotto-Millionäre
ist nun, wie man diesen Ausstiegszeitpunkt erkennt und wie und mit welcher Anlageform man die zu erwartende zeitliche Lücke überbrückt.
Viel wird natürlich davon abhängen ob der Übergang mit einer Währungsreform verbunden ist, oder ob jetzt ein jahrzehntelanges Durchwursteln a la Japan angesagt ist. Selbst in diesem Fall wird letztendlich am Schluß eine Währungsreform unvermeidlich sein, aber das betrifft (zumindest) die (älteren Semester der) hier Mitdiskutierenden dann vielleicht nicht mehr.
Ich hoffe in diesem Thread sammelt sich etwas Material an mit dessen Hilfe das missing link gefunden werden kann. ![]()
Ich persönlich vermute ja eher daß ich, wenn es denn dereinst so weit ist, bessere antizyklische Value-Gelegenheiten auf dem Aktienmarkt finde und somit nicht darauf angewiesen bin schon wieder beamtete Sesselfurzer per Staatsanleihen zu finanzieren. Solche Investments müssten sich m.E. auch schon vor/während der Gold-Blowoff-Phase finden lassen womit sich das Problem des missing links lösen ließe.
Insofern ein Apell an alle Antizykliker von echtem Schort und Korn: nicht verzagen angesichts der aktuellen Misere beim Aufstöbern antizyklischer Kaufgelegenheiten. Diesbezüglich kommen auch wieder bessere Zeiten. Man muß nur seine Munition in der Zwischenzeit trocken halten. Ich persönlich bevorzuge hierfür Edelmetalle statt Cash.