Of the 1%, by the 1%, for the 1% / Occupy?

  • Erbschaftssteuer ist ungerecht, weil das Vermoegen zu lebzeiten des Verstorbenen bereits versteuert wurde.


    Das Gegenargument ist mehr oder weniger: "Du kamst mit leeren Taschen, du gehst mit leeren Taschen."


    Scheint mir eine faire Sache zu sein. Allerdings sehe ich da massive Probleme bei der Umsetzung. Das geht los bei unterschiedlichen Regelungen in unterschiedlichen Ländern und hört nicht auf beim Verschieben von Vermögen während Lebzeiten.


    Quote

    Statt Erbschaftssteuer kann man auch direkt ansetzen: Besteuerung waehrend der Besitzer noch lebt. Wozu warten bis er stirbt?


    Um wenigstens den Schein des Rechts aufrecht zu erhalten? Angesichts alleine von Einkommen und Kaptialertragssteuern im 50% Bereich zzgl. zahlreiche weitere Besteuerungen geht das System eh schon Richtung Raubritter.
    Und da war auch noch was von wegen Kühe nicht schlachten, die man melken möchte.


    Quote


    Z.B. wie verhindert man, dass Grundstuecke ueberproportional teurer werden?


    Warum ausgerechnet Grundstücke? Warum nicht Lebensmittel? Fortbewegungsmittel? Kleidung? usw usf

  • Erbschaftssteuer ist ungerecht, weil das Vermoegen zu lebzeiten des Verstorbenen bereits versteuert wurde.
    Statt Erbschaftssteuer kann man auch direkt ansetzen: Besteuerung waehrend der Besitzer noch lebt. Wozu warten bis er stirbt?


    Zum ersten Punkt: Mit der Argumentation müsste man auch die Verbrauchsteuern abschaffen, weil ich diese aus versetuertem Einkommen bezahle.


    Zúm zweiten: Erbschaftssteuer ist völlig konsistent mit den Zuflussprinzip der Einkommenssteuer, es wird ja nicht der Erblasser besteuert, sondern der Erbe. Zudem gilt in diesem Punkt noch, dass mit der EkSt Leistungsseinkommen besteuert werden, leistungslose Einkommen wie die Erbschaftseinkünfte aber nur gering.


  • Dann kann ich dir Hoffnung machen. In den USA hat Thomas Stanley sein Leben lang die Vita und die Denke von Millionären untersucht ("The Millionaire Mind"). Seine Schlussfolgerung, was die Ausbildung betrifft: Da schaden die Elite-Unis eher. Die typischen Elite-Uni-Absolventen werden erfolgreiche und gut bezahlte Anwälte etc, aber nicht reich. Das werden eher risikobereite und arbeitsame Unternehmer. Bei letzteren ist der Anteil an self-made-Millionären mit miserabler Schulkarriere überproportional hoch. Wichtiger als die Elite-Uni und der reiche Papi sind offenbar Intelligenz und der Aufstiegswille. Lese-Empfehlung!


    http://www.amazon.de/Millionai…TF8&qid=1432243207&sr=1-2


    edit:


    Schau mal in der Hauptschule vorbei wo meine Frau unterrichtet.
    ...und vergleich die Startbedingung dann mal mit dem Starnberger Kids die zum 18ten nen SLK geschenkt bekommen.
    Was soll daran gerecht sein? Oder effizient?


    Das untermauert meine Argumentation geradezu. Denkst du umgekehrt, dass irgendwelche Schnösel, die mit 18 in einem geschenkten SLK rumfahren, zum Unternehmer taugen?

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

    Edited once, last by witchdream ().

  • Naja, der größte Teil des Vermögens, das die Reichen heute reicher macht, sind ja nicht Sachwerte, sondern Forderungen gegen andere, die das aber nie werden bedienen können. Die unvermeidliche Wertberichtigung wird kommen, und damit wird sich die Schere dann auch wieder schließen.


    Wenn es hart auf hart kommt, dann guckt der Anwalt und der Werbe-Fuzzi eben in die Röhre, aber beim Bäcker stehen sie Schlange, und der Dachdecker wird auch ganz dringend gebraucht. Wir leben in einer Blase, die sich seit Anfang der 70er immer weiter aufbläst (guckt Euch mal Verschuldung pro BIP oder außenwirtschaftliche Netto-Investitionsposition pro BIP an), und ich behaupte, dass diese Blase zum großen Teil für das beklagte Auseinanderklaffen von arm und "reich" verantwortlich ist.


    Nach der Bereinigung wird dann auch in der Gesellschaft die Verhandlungsposition derer wieder stärker sein, die eine handfeste Tätigkeit ausüben und nicht nur die erste, zweite oder dritte Ableitung von der Arbeit anderer erledigen und von diesen mit gefüttert werden.


    Balkenchart

  • In der SZ war am Wochenende ein Interview mit Steinbrück zum Thema Erbschaftssteuer.


    War von mäßigem Informationsgehalt, interessant war allerdings die Frage:


    Warum tut sich sogar die SPD so schwer, hier vorzustoßen?
    Antwort: Die große Menge der Menschen (also auch der SPD Wähler) denkt, sie wäre selber betroffen und hofft selber darauf durch ein Erbe eines Tages an finanzieller Freiheit zu gewinnen.
    Das ist sicher korrekt, denn wer hofft das nicht?


    Wenn man also mit einer höheren Erbschaftssteuer (und im Gegenzug verminderter EK-Steuer) punkten will, muss erst mal klar machen, dass die 90% der kleinen Erben nicht betroffen sind.
    z.B. könnte man einen Freibetrag von 500k oder gar 1mio ansetzen, inklusive Immobilien.


    Allgemein scheint das Thema aber erfreulicherweise langsam in der Gesellschaft anzukommen.
    So wie das Thema Steuerhinterziehung vor 5 Jahren.
    Das ist es ja grade, was mir bzgl. Deutschland gefällt.


    Hier in DE werden viel öfter schwierige Themen angegangen, und oft auch gelöst, als man auf den ersten Blick denken würde.
    Nur passiert das in DE immer recht unaufgeregt, still und leise, und auch irgendwie meist im Konsenz. Das ist eine Stärke der Gesellschaft, das bekommen die Amis zum Beispiel nicht so gut hin.


    Bevor jetzt jemand unglücklich damit ist, weil ihm die aktuelle Richtung vielleicht grade weniger gefällt: Dieser Effekt in DE geht in beide Richtungen, auch Liberalisierungen sind hier schon recht "friedlich" durchgesetzt worden, man denke an Agenda 2010.


    wp

  • Stimmt, wenn man über erhöhte Erbschaftssteuern spricht, werden die Leute nervös, wenn man aber sagt das Ehe-Partner/Kinder einen Freibetrag von 500/400k haben, dann legt sich das Problem ganz schnell!


    Steuertarif für Erbfälle und Schenkungen: http://de.wikipedia.org/wiki/E….C3.A4lle_und_Schenkungen

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

  • Naja, wenn man in München wohnt und eine Immobilie zu vererben hat (trifft auf mich nicht zu, dürfte aber eine Reihe von "Normalverdienern" betreffen), dann dürften 500K Freibetrag oft zu wenig sein. Der Freibetrag sollte also bei einer Reform deutlich angehoben werden.

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

  • Sagen wir mal ein Kind erbt eine Immobile im Wert von 1Mio, macht l.Wiki:


    1.000.000 Wert
    400.000 Freibetrag
    -----------
    600.000 zu versteuern, Steuersatz bis 600.000 15%


    => 90.000 Steuern also 9% auf 1.000.000 Wert - sollte man mit Leben können ;-)


    Bei 2 Kindern:


    500.000 Wert
    400.000 Freibetrag
    ----------------------
    100.000 zu versteuern, Steuersatz bis 300.000 11%


    => 11.000 Steuer je Kind


    Und man kann auch mit warmen Händen schenken ;-)


    PS: http://www.brutto-netto-rechne…schaftssteuer-rechner.php

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

    Edited once, last by dev ().

  • Das Problem ist: Nicht jeder hat die 90.000 einfach so als Cash rumliegen.
    Also musst du eine Hypothek aufnehmen, Grundschuld eintragen lassen. Bedeutet: Die Bank ist mit im Boot. Verhandeln, Lauferei, Ärger...


    Oftmals scheint mir, dass der Gesetzgeber denkt: Die Erben sind ja hochliquide. Die Zahlen ihre Steuern vom Festgeldkonto.

    "I am not buying anything right now. I am mainly looking out the window." (Jim Rogers, Feb. 2012)

  • Das Problem ist: Nicht jeder hat die 90.000 einfach so als Cash rumliegen. ...


    Finanzamt kann den Betrag zinslos stunden - Immobilien müssen nicht verkauft werden: http://www.welt.de/welt_print/…chaftsteuer-in-Raten.html

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

  • dass die 90% der kleinen Erben nicht betroffen sind


    Die Erbschaftssteueridee zur Verringerung der Vermögensschere mag ja gut klingen, wird aber in der Praxis grandios scheitern. Abgezockt wird bestenfalls der Mittelstand.


    Der wirklich reiche Bevölkerungsteil hat seine Werte in aller Regel in irgendwelchen Firmen. Und dass das mit der Erbschaftssteuer gar nicht so ganz einfach ist, sobald Arbeitsplätze ins Spiel kommen, das sehen wir ja aktuell.


    Zum anderen wäre Erbschaftssteuer aus Umverteilungsgründen vor allem auf die obersten 1% oder gar nur 0,1% zu zielen. Und genau dieser Personkreis hat sicherlich kein Problem damit, seinen Wohnsitz in die Schweiz, nach Österreich, London, USA etc zu verlagern.

  • Zum anderen wäre Erbschaftssteuer aus Umverteilungsgründen vor allem auf die obersten 1% oder gar nur 0,1% zu zielen. Und genau dieser Personkreis hat sicherlich kein Problem damit, seinen Wohnsitz in die Schweiz, nach Österreich, London, USA etc zu verlagern.


    Erbschaftssteuer in der Schweiz: Höhe abhängig vom Kanton (näheres hier)
    Erbschaftssteuer in Österreich: keine
    Erbschaftssteuer in GB: 40%, außer für Ehegatten (da keine)
    Erbschaftssteuer in USA: komplex, aber nicht unbedingt günstiger als in D


    Um der Umziehproblematik vorzubeugen, könnte man den amerikanischen Weg wählen, wo die Steuerpflicht an die Staatsangehörigkeit gekoppelt ist. Dann hilft auch das Umziehen nicht.
    Ich wäre für deutlich höhere Freibeträge, auch wenn ich davon gar nichts hätte. In den USA sind z.B. gut 5 Mio. USD steuerfrei.


    Interessant fand ich, dass die Erbschaftssteuer in Österreich abgeschafft wurde, weil sie einen hohen Verwaltungsaufwand verursachte, aber vergleichsweise wenig einbrachte (Quelle).

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

  • Ganz lustige Anekdote (finde ich zumindest):


    In der Financial Times am Wochenenede war ein Fragebogen für die Leser drin wo man persönliche Angaben machen kann und dann einsenden damit sie besser wissen wer die FT liest.


    Es wurde auch nach dem Einkommen gefragt. Die Top Kategorien waren (also anzukreuzen wenn man >= hat):


    - über 2 Mio EUR Jahreseinkommen (Vor Steuer)
    - mehr als 7,5 Mio EUR Investmentportfolio (Ohne Eigenheim)


    Jetzt wissen wir was nach FT Maßstäben als richtig reich gilt.....


    Die niedrigste Kategorien waren, also quasi die FT Armutsgrenze:


    <= 45 Tsd EUR Einkommen
    <= 45 Tsd EUR Investmentportfolio


  • Eine sehr interessante Meinung zum Thema:


    "Bildung und soziale Herkunft


    Die einsamen Bildungsaufsteiger"


    http://www.karriere.de/studium…ildungsaufsteiger-167811/


    Dies trifft m.M.n. zu 95% auf Immigranten-kinder zu.


    Der Artikel dazu "Ich Arbeiterkind" :


    http://www.zeit.de/2013/05/Arbeiterkind-Schulsystem-Aufstieg

  • Interessante Denkansätze zum Thema "Weiterentwicklung des Kapitalismus" in der aktuellen Recherchereihe der Süddeutschen Zeitung:


    http://www.sueddeutsche.de/wir…us-weiterdenken-1.2544315


    Quote

    Das Monstrum Kapitalismus zähmen? Schwierig. Aber zwischen Resignation und Revolution ist noch Platz für Ideen und Modelle, um die Allmacht des Kapitals zu brechen. Sieben Beispiele, wie es anders und besser gehen kann...

  • Ganz, ganz böse Gedanken zum Thema "Armutsschere = Bullshit":


    http://blogs.faz.net/whatsleft…hheit-ein-uebel-sein-271/


    Quote

    Nicht die Herstellung von Gleichheit, sondern die Bekämpfung der Armut auf der Welt wäre den Schweiß der Edlen wert. Dass beides gerne verwechselt wird, ist der eigentliche Skandal: Als ob die Armen etwas davon hätten, dass man die Reicheren ärmer macht. Offenkundig ist der Treiber der Ungleichheitsbekämpfung der Neid; der Treiber der Armutsbekämpfung hingegen ist das Mitleid. Lässt sich Mitleid in marktwirtschaftliches Wachstum übersetzen, weicht die Armut. Wer es nicht glaubt, soll sich in China umsehen.

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • Weiss nicht, wo das reinpasst, vielleicht in einen Thread, in dem man auch über den Sinn oder Unsinn der Sonderregelung der SEC für Berkshire Hathaway (und andere Großinvestoren) diskutieren kann.
    Heute las ich zum ersten Mal über den "Hound of Hounslow", der angeblich mit High Frequency Trading den Flash Crash 2010 verursacht haben soll. Dabei hat er, soweit ich das überblicke, auch nichts anderes gemacht als andere High Frequency Trader, sprich haufenweise fiktive Orders aufgegeben. Aber die USA möchte ihn gern aus dem UK ausgeliefert haben. In den USA drohen ihm 380 Jahre Gefängnis.

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer