Of the 1%, by the 1%, for the 1% / Occupy?

  • Quote

    Was soll daran böse sein, er hat ja im Kern recht. Oder meintest Du das jetzt ironisch?


    Jau, ich dachte eigentlich, das wäre offensichtlich - aber ich verheddere mich immer wieder in den Fallstricken des Internets... :whistling:

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • Allen lokalen Arm/Reich-Scheren zum Trotz mal eine gute Nachricht:


    Der prozentuale Anteil existenziell Armer an der Weltbevölkerung war noch nie so niedrig wie heute.


    http://www.spiegel.de/wirtscha…-der-armut-a-1056152.html

  • Es besteht Hoffnung.
    Ganz langsam sickert die Erkenntnis ein dass ein "so weiter wie bisher" nicht geht.
    Nein. Die Alternative ist nicht Kommunismus. Sondern soziale Marktwirtschaft mit verantwortungsbewußten Leistungsträgern. Also das Gegenteil von diesem Green-Heini im Zitat unten.


    http://www.faz.net/aktuell/wir…twirtschaft-14660246.html
    (Gastbeitrag von Stieglitz)



    wp

  • Mal ein gutes Beispiel wie eine Statistik zum Einen negativ ausgelegt wird:


    http://www.insm-oekonomenblog.…e-skandal-ist-ein-erfolg/


    Quote

    Neulich schrieb Alexander Hagelüken in einem Essay für die Süddeutsche (SZ) zur Lage der Mittelschicht: „Laut dem neuen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung verdienen die unteren 40 Prozent der Deutschen heute real weniger als Mitte der 90er Jahre. 40 Prozent: Da kann es sich nicht nur um jene gesellschaftlichen Gruppen handeln, bei denen Geld stets knapp ist. Da muss es sich um weite Teile der Mittelschicht handeln.“


    Das hört sich dramatisch an. Schaut man sich aber mal wirklich die Statisk an sieht man u.a. Folgendes:


  • Hier zB passiert (lt Zeit) genau das Gegenteil:


    http://www.zeit.de/politik/deu…g-kritik?campaign_id=A100


    Die Frage ist: Gibt es denn irgendwen der wirklich an der neutralen Wahrheit interessiert ist?


    Es ist doch so:
    Je mehr man selber zu den "Reichen" gehört und seine Schäfchen im Trockenen hat dank gutem Einkommen und florierendem Depot, desto weniger hat man Interesse am staus quo was zu ändern, denn das müsste man ja selber bezahlen.
    Wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich das durchaus an mir selber beobachten...denn sehr wahrscheinlich stehe ich selber mittlerweile auf der "reichen" Seite.


    Wp

  • Das Volk fühlt sich arm, es stimmt aber nicht. Deckt sich mit meinen anekdotischen Befunden bspw. aus der Craft-Bier und Craft-Schnaps-Szene. Wenn man mit einer Flasche Gordons Dry Gin einen Laden verlässt, schüttelt es Passanten innerlich und sie stecken einem Kleingeld zu ...


    http://www.faz.net/aktuell/wir…ssimistisch-14958024.html

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • Das Volk fühlt sich arm, es stimmt aber nicht. Deckt sich mit meinen anekdotischen Befunden bspw. aus der Craft-Bier und Craft-Schnaps-Szene. Wenn man mit einer Flasche Gordons Dry Gin einen Laden verlässt, schüttelt es Passanten innerlich und sie stecken einem Kleingeld zu ...


    http://www.faz.net/aktuell/wir…ssimistisch-14958024.html


    Mag sein, ist aber eine wertlose Erkenntnis.
    Etwa so wie die dass sich nie ein Reicher "zu reich" fühlen wird, und auch mit 4 Ferienhäuser und 3 Autos noch über den bösen Staat und seine Steuern schimpfen wird.


    Aber jetzt sind wir schon wieder in unseren alten, langweiligen Mustern hier, das führt zu nix.
    Lass uns doch mal was anderes versuchen:
    Wie fühlst du dich?
    Auch arm, mittel, oder reich? Oder gar zu reich? Und wo stehst du im Gegensatz dazu deiner Ansicht nach statistisch?


    Ich habs ja für mich schon geschriebe: Ich komme von klarer Mittelschicht, fühle mich auch weiter so, aber statistisch bin ich vermutlich bereits "reich" (und auch viel "reicher" als meine Eltern), gemessen am Bundesschnitt. Ist jetzt natürlich in München auch noch nix besonderes.


    Also wie siehts aus?


    wp

  • Ich habe vermutlich weniger Vermögen und Einkommen als meine Eltern und würde mich in der oberen Mittelschicht einordnen.
    Auf der Suche nach dem Artikel von Judith Niehues, der in dem von @Lando verlinkten FAZ-Artikel zwar erwähnt, aber nicht verlinkt wird (den wir hier aber im Forum sogar schon einmal diskutiert hatten; Edith: https://www.iwkoeln.de/_storage/asset/175256/storage/master/file/7408942/download/Ungleichheitswahrnehmung IW-Trends.pdf), fand ich einen anderen, in dem wichtige Vorurteile beim Vermögen und der Arbeit diskutiert werden: https://www.iwkoeln.de/_storag…encheck_Gerechtigkeit.pdf
    Daraus geht z.B. hervor, dass die Zahl der Personen, die nur Minijobs haben, seit 2004 ziemlich konstant bei knapp über 5 Mio. liegt; 1999 waren es allerdings nur ca. 3,8 Mio. Die Zahl der befristet Beschäftigten liegt seit 2005 bei ziemlich genau 10% mit leicht fallender Tendenz.

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

  • Ich fühle mich reich und schäme mich dessen nicht, hänge es aber nicht an die große Glocke. Mein Lebensstil ist eher bescheiden, aber ich zähle Rückgeld nicht ab und sowas. Aber ich bin da vielleicht anders gepolt, ich weiß gar nicht, was ich mir kaufen soll außer Büchern, Platten und Lebensmitteln. Schon zu Klamotten muss ich mich zwingen.

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    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • Meines Erachtens ist in der Deutschen Gesellschaft schon auch der "Neid" besonders stark ausgeprägt. Während in den USA Milliardäre bewundert werden, wird man hierzulande eher dafür als Auabeuter angefeindet.


    Aus meiner Sicht gibt es aber noch einen zweiten Effekt den ich oft beobachte (ohne das jetzt empirisch beweisen zu können):


    Früher haben viele Leute eine schlechtere wirtschaftliche Situation akzeptiert mit dem Ziel "dass es unsere Kinder mal besser haben".


    Diese Einstellung scheint mir mittlerweile (nicht nur in Deutschland) völlig abhanden gekommen zu sein. Hauptsache jetzt mehr (Zinsen, Rente, Jobs in umweltschädlichen Industrien, billige Atomenergie, Waffen, raus aus der EU und Zahlungen sparen etc.). Die Probleme in 20 oder 30 Jahren sollen dann die anderen lösen.


    mmi

  • ....


    Diese Einstellung scheint mir mittlerweile (nicht nur in Deutschland) völlig abhanden gekommen zu sein. Hauptsache jetzt mehr (Zinsen, Rente, Jobs in umweltschädlichen Industrien, billige Atomenergie, Waffen, raus aus der EU und Zahlungen sparen etc.). Die Probleme in 20 oder 30 Jahren sollen dann die anderen lösen.


    mmi


    Genau diese Einstellung lässt sich in jedem Land, in welchem das Volk reicher wird beobachten. Je reicher die Bürger, desto Egoistischer & materialistischer .

  • Neid erfüllt ja soziologisch durchaus auch eine sinnvolle Funktion:
    Er stachelt den Ehrgeiz an (solch ein Auto / Haus / etc will ich auch und besser noch ein größeres). Und er ist ein Motor für den Gerechtigkeitssinn. Beides ist ja in Deutschland nicht ganz zufällig ebenso überdurchschnittlich ausgeprägt.


    Umgekehrt wird das Schlagwort "Neid" auch gerne populistisch verwendet, um unbequemen Gerechtigkeitsdebatten aus dem Weg zu gehen.


    Natürlich hat Neid auch viele unschöne Seiten und ist für den Einzelnen ein unangenehmes Gefühl (mehr für den Neidenden übrigens als für den Beneideten).


    Ich bin also nicht so sicher ob ich die amerikanische Einstellung besser finde. Wenn der Milliardär wie z.B. Buffet oder Gates sein Vermögen selbst erwirtschaftete und sich auch verantwortlich verhält, klar, kein Thema, Hut ab!
    Wenn er aber z.B. durch Gaunerei oder nur durch Erben zu seiner Milliarde kam und nur rumprasst (nehmen wir als Beispiel den Trump), warum sollte er da bewundert werden?
    Ich denke die Gaunerei ist einfach in DE älter, da das Land älter ist, auch gab es historisch mehr Ausbeutung als in den jungen USA, daher sitzt die Skepsis hier gegenüber Privilegien tiefer. Und in den USA gab es in den letzten 100 Jahren mehr Raum sich zu entfalten, und zwar im wahrsten phyischen Sinn.


    Bin auch nicht so sicher, ob die Amis heute überhaupt noch wirklich so dermassen neid-frei sind.
    Ihr aktueller Präsident beschwert sich aktuell non-stop, sie würden "unfair" behandelt. Da ist von Bewunderung den Deutschen oder Chinesen gegenüber wenig zu spüren.
    Die spiessigen Leute aus dem mittleren Westen neiden den Eastcoast-Jungs ihre Coolness, die Banker in NY beneiden sich bestimmt heftig um ihre Boni, die schwarzen kids werden die weißen beneiden etc. Es wird vielleicht weniger ausgesprochen dort, aber ansonsten scheint mir das teils ein Klischee zu sein.


    Was die Kurzfristdenke anbelangt, bin ich bei dir.
    Nur dass wir beide vermutlich unterschiedliche Kräfte für das Aufkommen dessen verantwortlich machen würden. ;-)


    In meinem Fall sehe ich die Ursache im Materialismus und im Konsumdenken, befeuert von den Heilsversprechen der Werbung und einiger Populisten.
    Die Coolen sind in den Augen der meisten auch in Deutschland die, die einfach hemmungslos drauflos konsumieren, das kannst du doch bei uns im schönen München täglich beobachten.
    Als Idealist, der versucht das große Ganze zu sehen oder sich für Zusammenhänge interessiert, oder gar an die Zukunft der Menschnheit glaubt, wird man dagegen seit ca. 20 Jahren (Ende der Neunziger) in der breiten Menge eher als Depperle abgestempelt. Aber vielleicht ändert sich das ja mal wieder.


    wp


    ps. mobilpage: Wie neidisch / materialistisch sind eingetlich die Türken? Sie haben ja einen immensen Aufstieg hinter sich...

  • @woodpecker


    seitdem der Wohlstand auch in der Türkei Einzug gehalten hat, steigt die "Neidrate" deutlich. Man sieht oft Streitigkeiten wegen Erbe , wo die erben die alten Eltern vor Gericht zerren und dabei sich noch filmen lassen .


    Interessant.
    Wenn diese Korrelation belastbar ist, wäre Neid ja eine negative Wohlstands-Externalität, so wie Umweltverschmutzung.


    Diesem Thema müsste man sich mal wissenschaftlich nähern, also Korrelation Neid/Wohlstand, und warum das so ist.
    Vom Bauchgefühl würde ich sagen es hängt mit happiness economics zusammen, also die Tatsache dass Zufriedenheit vom relativen Wohlstand abhängt, nicht vom absoluten.
    Aber gelesen habe ich zum Thema Neid / Economics noch nie was vertiefendes...braucht irgendwer ne Doktorarbeit?!


    Und wenn man da weiterphilosophiert, würde auch reinpassen dass Neid vermutlich stärker aufkommt wenn Wohlstand offensiv gezeigt wird, und weniger wenn er bescheiden verdeckt wird... ?


    wp

  • Quote


    Und wenn man da weiterphilosophiert, würde auch reinpassen dass Neid vermutlich stärker aufkommt wenn Wohlstand offensiv gezeigt wird, und weniger wenn er bescheiden verdeckt wird... ?


    Das ist wohl ein Henne-Ei Problem. In einer Gesellschaft mit ausgeprägtem Neid wird man eher zurückhaltend mit Wohlstands-Zurschaustellung sein... Man möchte ja nicht in der ersten Reihe stehen wenn die Guillotinen wieder hervorgeholt werden (wenn ich mir aktuell so die MLPD/Linke Wahlplakate in NRW ansehe...).

  • Was mir an Warren Buffet gefällt, ist dass er die Augen nicht verschließt vor den immensen Ungleichgewichten im globalen Wohlstand. Das hat Größe.


    https://www.cnbc.com/2018/01/0…ml?recirc=taboolainternal


    https://www.cnbc.com/2017/06/2…y-is-people-like-him.html

    Quote


    "Warren Buffett says people like him are the problem with the U.S. economy."



    Da der Markt alleine dieses Probleme kaum heilen wird, könnten die Reibungen noch heftig werden. Trump und die populistischen Parteien sind eine Folge dieser Ungleichgewichte.
    Momentan kleistert der Boom noch alles zu an Rissen...aber die Rezession kommt näher...


    wp

  • Gedanken dazu:


    Der Staat garantiert und verteidigt nicht nur, sondern ermöglicht überhaupt Privateigentum. Mithin sind die Unterhaltskosten des Staates (Staatsausgaben) im Kern die Unterhaltskosten des Eigentums. Die Eigentümer haben es nun geschafft, diese Kosten zum Großteil den Konsumenten und Lohnarbeitern aufzudrücken, die in ihrer Mehrheit - was wohl - Nichteigentümer sind. In ihrer Verirrung finden die meisten das auch noch gerecht.


    Wenn ich Bankguthaben und Wertpapiere habe und sonst keinem Erwerb nachgehe, zahle ich allenfalls Kapitalertragssteuer, bei uns auf 25% gedeckelt, und Verbrauchssteuern, während mein Vermögen ungestört wachsen kann. Besagte Kapitalertragssteuer wird erst bei Veräußerung fällig, bei bescheidenem Lebensstil fällt die Steuer nur auf die Entnahmen an und ist höchst bescheiden.


    Wenn ich das ganze Jahr buckle, muss ich die Hälfte als Einkommensteuer abdrücken.


    Lösung: Einkommensteuer abschaffen und durch saftige Vermögenssteuer ersetzen. Wenn einer nichts tut, schwindet sein Vermögen zwangsläufig.

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • Der Staat garantiert und verteidigt nicht nur, sondern ermöglicht überhaupt Privateigentum. Mithin sind die Unterhaltskosten des Staates (Staatsausgaben) im Kern die Unterhaltskosten des Eigentums.

    Bisschen arg kurz gehüpft, so scheint mir. Du verkürzt die Staatsaufgaben auf Eigentumsgewährleistung. Das ist nur eine von vielen Aufgaben, siehe Grundgesetz.
    Dito Kapitalertragssteuern. Die Entnahmen zur Finanzierung Deines Lebensunterhalts sind zumindest bei Aktien auch von der Firma schon mal versteuert worden, die die Dividenden/Wertsteigerungen erwirtschaftet hat. In der Summe liegst Du im Bereich des Spitzensteuersatzes mit dem zusätzlichen Nachteil, dass Du keine Werbekosten gegenrechnen darfst.