Diskussionen zu What Works On Wall Street, 4. Ausgabe

  • Wie versprochen nun hier die Diskussion zum "Buch des Forums", zur Bibel des mechanischen Investierens, What Works On Wall Street von James P. O'Shaughnessy, 4. Ausgabe (nicht 4. Auflage, wie Amazon fälschlicherweise schreibe), derzeit nur auf englisch (ISBN-13: 978-0071625760).


    Ich kopiere die Beiträge aus dem Beitragsfaden "Bücherliste" herüber, da sie erstens dort nicht hingehören und zweitens viel zu wichtig sind.


    Winter:

    Quote

    Die 4. Ausgabe von What Works On Wall Street ist letzten Dezember erschienen.


    Ich bin erst mittendrin, kann aber jetzt schon sagen, daß es zweifellos das wichtigste Buch aller Zeiten für antizyklisches und mechanisches Investieren ist. Ich würde es selbst denen, die die vorherigen Ausgaben bereits kennen, dringend empfehlen, da es wichtige neue Erkenntnisse enthält, v.a. neue Kennzahlen. Unter anderem ist auch das KUV jetzt nicht mehr die beste Einzelkennzahl, und das KBV wird regelrecht zerlegt. In der Tendenz bleibt jedoch bzgl. der bekannten Kennzahlen (natürlich) alles beim alten, aber die Anfangskapitel scheinen grundlegend überarbeitet, auch der Analysezeitraum u.a. wurde verändert. Für alle anderen sei wegen der Unterschiede weiterhin zusätzlich die dritte Ausgabe als eines der wichtigsten Bücher empfohlen.
    Ich werde demnächst den nötigen Diskussionsfaden dazu eröffnen.


    woodpecker:


    MMI hat bereits eine kurze Zusammenfassung für Erstleser geschrieben:
    http://valueandopportunity.com…-wall-street-4th-edition/

  • Sehe gerade, dass Winter einen Extra-thread für die 4. Auflage aufgemacht hat. Dann kopier ich meinen neuen Senf aus dem alten O'S-Thread mal hier rein.
    O'S stellt hier übrigens wieder Zusatzmaterial ins Netz:
    http://www.whatworksonwallstreet.com/supplement.html
    ______________________


    woodpecker fragt im Bücherthread, wie es sein kann, dass bei jeder neuen Auflage von O'S eine neue Kennzahl durch's Dorf getrieben wird und ob man aus derartig variablen Befunden überhaupt valide Strategien ableiten kann.


    Die Frage ist absolut berechtigt.


    Winter hatte im Bücherthread erwähnt, dass speziell das KUV in der 4. Auflage "entthront" worden ist. Ich besitze das Buch nicht, bin aber zufällig bei Amazon über die "Blick-ins-Buch"-Funktion ins KUV-Kapitel gestolpert. Dort auf S. 147 diskutiert O'S Woodpeckers Frage:


    Zitat:The unseating of PSR [=KUV] as the top value factor can be attributed to two things: (1) By analyzing the PSR-ratio's composited decile data, as opposed to simply reviewing the 50 lowest PSR-stocks on a single December rebalance cycle, we broaden the scope of analysis. [...] (2) Two very bad years for PSR in 2007 and 2008.
    One thing has troubled me about all single factor returns is the speed with which a few years can change the results of our findings. While directionally the results remain the same [...] it is still troubling to see a few bad years change the relative return of a factor over a 46 year period.




    Anders gesagt: Die Top-50-Portfolios von O'S sind - im Vergleich zur Dezil-Methode viel zu pointiert und wenig robust. Und man darf nicht jedes Zehntelprozent Rendite einer Kennzahl auf die Goldwaage legen.


    Das alles, ebenso wie die Forderung nach systematischen Multifaktor-Modellen oder das Befremden über das Ausklammern von Microcaps, wurde hier im Forum schon nach der ersten oder zweiten Auflage von O'S diskutiert. O'S läßt jetzt offenbar seine Leser in jeder neuen Auflage an einigen dieser Erkenntnisse teilhaben. Aus seiner Sicht verständlich, denn er will sein Buch verkaufen.


    Ich habe keine Lust, nach jeder Auflage meine Strategie neu zu kalibrieren und finetuning zu betreiben. An der Grunderkenntnis hat sich nichts geändert, dass man Aktien billig kaufen soll und dass ein robuster Kennzahlenmix (Multifaktorstrategie) jede Kennzahlen-Mode überdauert. Auf diesem Level sind und bleiben die O'S-Strategien valide und bringen eine beachtliche Überrendite (meine Erfahrung bisher: etwa 7% p.a. im Vergleich zum CDAX).


    Von daher bin ich O'S nach wie vor dankbar, aber ich frage mich auch, ob sich der Kauf der 4. Auflage wirklich lohnt.

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • Die Fragen von woodpecker sind zweifellos berechtigt - endlich stellt sie überhaupt mal jemand! Wäre das so, daß alle paar Jahre eine Strategie nicht mehr funktioniert, und irgendeine neue aufkommt, durch die hinzugekommenen Jahre, dann wäre die Aussage nahezu wertlos, weil der Zeitraum offenbar zu kurz wäre, und die Daten daher nicht repräsentativ. So ist es jedoch zum Glück nicht.


    Es gibt nämlich gravierende Änderungen in der Methodologie. Zum einen beginnen die Datenreihen diesmal nicht mehr wie ursprünglich am 1.1.1952 und endeten 1994 bzw. 2003 in der dritten Ausgabe, sondern sie beginnen erst am 1.1.1964 und endeten Ende 2009. Der Grund dafür ist, daß er die Strategien nicht mehr wie bisher am jeweils nur am 1.1. beginnen läßt, sondern, um saisonale Effekte zu glätten, den Mittelwert aus zwölf verschiedenen Startmonaten nimmt (ist das überhaupt sinnvoll? - mir scheint, daß das, was man dadurch gewinnt, weit weniger wert ist als das, auf was man dadurch verzichtet), und die Daten dafür gibt es eben erst ab 1964. Ich müßte nochmals nachlesen, aber es kann eigentlich nur daran liegen, daß er quartalsweise Daten nimmt, z.B. den TTM-Gewinn bis Ende März und Portfolioformation Ende September statt Ende Juni, und die erst seit 1964 verfügbar sind. Jedenfalls, das bedeutet, daß von den 15 Jahren, die seit der 1. Ausgabe am Ende des Zeitraums hinzugekommen sind, 12 vorne wieder wegfallen. Oder anders gesagt: Der Betrachtungszeitraum ist in der 3. Ausgabe länger (52 vs. 43 Jahre) und diese damit wahrscheinlich valider. Bei einigen wenigen Kennzahlen geht er sogar bis Anfang 1927 zurück, indem er auf die CRSP-Datenbank zusätzlich zur Compustat-Datenbank zurückgreift. Das ist der Grund, warum z.B. das KBV beinahe ent-"wertet" wird, weil in den ganzen 37 Jahren der CRSP-Datenbank zwar das KBV die typische linear absteigende Rendite über die Dezile erbringt, jedoch das Sharpe-Ratio des 1. Dezils das schlechteste ist. Zwischen 1927 und 1939 ist die Rendite-Reihenfolge bis auf das teuerste Dezil jedoch exakt umgekehrt, und das beste Dezil hat als einziges sogar eine negative Performance, und das auch noch deutlich mit über -6%. Gleichermaßen negativ sieht es aus zwischen 1.5.2007 und 28.2.2009. Insgesamt rentiert das billigste Dezil schlechter als das 2. oder 3., und hat ein schlechteres Sharpe-Ratio (wenngleich diese Kennzahl unsinnig ist) als das 6. Dezil. Das Risiko manifestiert sich also während der großen Rezessionen und damit käme die EMH partiell zu ihrem Recht, leider. Meines Erachtens taugt das KBV allerdings immer noch als Kennzahl, jedoch nur in Kombination mit anderen.
    Beim KUV war es leider auch so, daß es während des letzten Baisse überhaupt nicht funktionierte (das war allerdings von mir vorhergesehen, wegen der minimalen Value-Spreizung 2007). Die Zahlen gehen dafür nur bis 1964 zurück - hoffentlich wäre es damit nicht gleich wie für das KBV...
    Jedoch "funktioniert" das KUV immer noch gut, v.a. für das schlechteste Dezil, dort sogar besser als für andere Kennzahlen (diese Aktien ziehen weiterhin die Anleger an wie der Honig die Bienen, teils auch hier im Forum).


    Vor allem haben laut O'S - leider unbelegten - Aussage nach die Kennzahlen auch in den neueren Jahren alleine weiterhin funktioniert. Man kann das vielleicht noch verbuchen darunter, daß die eine Kennzahl eben mal etwas besser, und die andere schlechter wird. Ich werde mir mal den Vergleich mit der 3. Ausgabe genau anschauen. Die neue Ausgabe enthält darüber hinaus v.a. Bilanz-Kennzahlen, die vor allem als Warnlampe funktionieren. Es bleiben aber noch sooo viele andere offene Fragen für jeden, der sich dem Buch ernsthaft gewidmet hat.

  • Quote

    Original von Winter
    ..., um saisonale Effekte zu glätten, den Mittelwert aus zwölf verschiedenen Startmonaten nimmt (ist das überhaupt sinnvoll?


    Das halte ich nicht für sinnvoll.
    Saisonale Effekte treten doch per definitionem nur innerhalb eines Jahres auf. Wenn ich immer in Ein-Jahresschritten weitergehe, habe ich saisonale Effekte doch grade ausgeschaltet?!
    Oder befürchtet er, dass bei einer Depotüberprüfung immer am 1.1. z.B. ein Bauwert zu oft gewählt wird, weil der im Winter grad wenig Gewinn produziert und daher am Markt evntl. "zu billig" zu haben ist?
    Gibt es denn Hinweise auf einen solchen Effekt? Wenn ja, dann sollte man die auf jeden Fall darstellen!


    Das Problem was ich mit dem Argument: "Die Ergebnisse haben sich geändert weil wir mehr/andere Daten verwenden" habe, ist eben dass das Risiko von Data-Mining-Effekten steigt.
    Man sollte m.E. möglichst nur einmal eine Datenbasis definieren und dann nur auf dieser arbeiten.


    Quote


    ... Die neue Ausgabe enthält darüber hinaus v.a. Bilanz-Kennzahlen, die vor allem als Warnlampe funktionieren. Es bleiben aber noch sooo viele andere offene Fragen für jeden, der sich dem Buch ernsthaft gewidmet hat.


    Das klingt interessant.
    Bin aber noch sehr unentschlossen ob ich nur deswegen das Buch kaufen möchte.
    Wenn das nicht zu viel Aufwand ist, vielleicht möchte jemand diese Warnlampen kurz auflisten?


    Gruß,
    woodpecker


    -----------------


    Und hier noch die Kopie meine Antwort auf Witchdream im alten O'S thread:


    witchdream :


    Immerhin erfreulich, dass O'S sich hier seiner eigenen logoschen Inkonsistenz bewußt ist.


    Ich selber verwende auch ein Multifaktor-Modell, arbeite aber nicht mit Dezilen sondern mit Zielkursen die aus den einzelnen Kennwerten abgeleitet und dann unterschiedlich gewichtet zusammengeführt werden.


    Von daher bin ich zwar nicht direkt im Mark erschüttert wenn sich die Aussagen zu einzelnen Kenngrößen ändern, aber dennoch spielt es für mich eine Rolle, da die Gewichtung einzelner Kenngrößen dann in meinem Modell ggf. adjustiert werden sollte.


    Ich hatte mir das Buch bisher nicht gekauft weil ich ein dauerndes Nachjustieren meines Modells eigentlich minimieren möchte und wie gesagt O'S Aussage sich eigentlich ja nicht ändern sollte.


    Das sie es doch tut ist daher schon etwas beunruhigend, denn wer garantiert, dass nicht auch andere Erkenntnisse in einigen Jahren über Bord geworfen werden müssen.


    Ich schätze O'S' Arbeit absolut und denke nach wie vor dass sie mit das wertvollste auf diesem Gebiet ist, aber auch er ist offenbar noch ein gutes Stück von endgültig perfekter Datenauswertung entfernt (sonst hätte er die Empfindlichkeit von gewissen Vorhersagen schon früher erkennen können).


    Gruß,
    Woodpecker


    ps. weiß jemand wo man die jüngste performance von seinem Fonds findet?

  • Ohne die Frage von wp beantworten zu können, noch ein kurzer Kommentar zur wechselhaften Rentabilität der einzelnen Kennzahlen:


    Es ist ja auch so, dass alle Naslang die Bilanzierungsvorschriften geändert werden. Ein KGV von 1950 - 1990 ist schon alleine deshalb nicht perfekt mit einem KGV von 1991 - 2012 vergleichbar, weil sich das "G" über neue Bilanzvorschriften geändert hat. Mit dieser Art von wechselhafter Rentabilität muss man als Mechaniker leben.


    Alle Nichtmechaniker dagegen müßten eigentlich ihre langjährigen Gewinnreihen entsprechend "bereinigen".

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • Quote

    Original von witchdream
    Ohne die Frage von wp beantworten zu können, noch ein kurzer Kommentar zur wechselhaften Rentabilität der einzelnen Kennzahlen:


    Es ist ja auch so, dass alle Naslang die Bilanzierungsvorschriften geändert werden. Ein KGV von 1950 - 1990 ist schon alleine deshalb nicht perfekt mit einem KGV von 1991 - 2012 vergleichbar, weil sich das "G" über neue Bilanzvorschriften geändert hat. Mit dieser Art von wechselhafter Rentabilität muss man als Mechaniker leben.


    Alle Nichtmechaniker dagegen müßten eigentlich ihre langjährigen Gewinnreihen entsprechend "bereinigen".


    Das war ja grade das, was das KUV in meinen Augen so attraktiv gemacht hat - geringe Manipulierbarkeit.


    Daher schon bedauerlich, wenn es wirklich an Aussagekraft verlieren sollte.


    woodpecker

  • winters KPV alias "KGV10" zeigt worauf es beim KUV ankommt:
    KPV = KUV/Durchschnittsmarge(10)


    Ein Grosshaendler hat typischerweise ein sehr niedriges KUV, allerdings sind bei einem Grosshaendler auch die Margen typischerweise sehr niedrig.
    Beispiel Nord-West-Handel, wo value immer sagte, er misstraue den niedrigen KUVs der Grosshaendler.


    Setzt man nun aber KUV ins verhaeltnis der Durchschnittsmarge der vergangenen 10 Jahre, so hat man den "grosshaendler-Effekt" eleminiert.


    Worauf ich hinaus will: das KUV ist nur die halbe Seite einer Medalie. Es ist eine unvollstaendige Betrachtung, und der "heilige Gral" KPV zeigt worauf es ankommt.
    Natuerlich wird ein KPV niedriger, je niedriger das KUV ist. In der Tendenz wird das KUV also funkionieren.
    Auch erscheint mir logisch, dass hohe Margen Trittbrettfahrer anlockt, die in diesem Margenstarken geschaeft mitmischen wollen, weshalb hohe Margen ueber Jahre erodieren koennen (wenn es keinen Buffettschen "Burggraben" gibt).
    Deshalb funktioniert das KUV grundsaetzlich fuer sich alleine, jedoch funktioniert eine isolierte Margenbetrachtung allenfalls wenn man das schlechteste Margen-Dezil meidet.


    Ich habe mir das Buch von O'S gestern bestellt, Lieferzeit 3-12 Tage.
    Die Gruende es nicht zu lesen leuchten mir nicht ein. O'S eleminiert einige Fehler der alten Ausgaben. Wie z.B. meine Kritik der "besten 50". Denn was sind die besten 50 Aktien? 1952 sind es ca. die oberen 10% und 2007 sind es 50/9000 Aktien, also ca. die oberen 0.5%. Diesen Fehler soll O'S nun beseitigt haben -und das alleine ist ein guter Grund sich nun die 4. Auflage zu besorgen. Denn die "besten 50"-Analysen sind wertlos. Erst jetzt ist what works on wallstreet ein sehr gutes Buch.
    Glaube ich. Gelesen habe ich es noch nicht...

    Früher war sogar die Zukunft besser.

    Edited once, last by Joe ().

  • Quote

    Original von Joe
    der "heilige Gral" KPV zeigt worauf es ankommt.


    Es bringt jede Menge Erkenntnisse, wenn man ganz, ganz tief in die Daten und statistischen Methoden eintaucht und dann sogar eine (zum aktuellen Zeitpunkt) optimale Kennzahl destilliert. Das große Verdienst von O'S ist, dass er solche Tauchgänge ermöglicht, dank des guten Datenmaterials. Es ist auch unbestritten, dass O'S hier im Forum vor elf Jahren - mitten im Untergang des Neuen Marktes - einen erkenntnismäßigen Erdrutsch ausgelöst hat.


    Inzwischen wurden die Ergebnisse von O'S aber dutzendemal repliziert: Von anderen Autoren mit den gleichen Daten, mit Daten aus anderen Zeiträumen, mit Daten aus anderen Ländern, mit modifizierten Kennzahlen... Und O'S war - nebenbei bemerkt - akademisch gesehen auch nicht einmal der Pionier dieser Forschung. Man muss nur die gute, alte und kostenlose Kundenbroschüre What Has Worked in Investing von Tweedy, Browne & Co (hier im Forum entdeckt...) lesen und sieht die fantastische Flut an Publikationen, die die Basis für value-investing darstellt.


    Die Basis-Erkenntnis ist so simpel, dass es fast schmerzt: Billige Aktien bringen mehr Rendite. (Das ist fast schon deckungsgleich mit der tiefschürfenden Erkenntnis, dass man Aktien billig kaufen und teuer verkaufen muss.) Aber, wie an anderer Stelle erwähnt: Diese Erkenntnis muss und soll man sich erarbeiten. Dann ist m.E. aber auch gut damit.


    edit: Link erneuert dank Hinweis von Nicolas Darvas

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

    Edited once, last by witchdream ().

  • Witch, die Schwierigkeit ist nicht so sehr zu wissen, dass guenstiger = besser ist.
    Sondern die Kunst ist, zu erkennen wann etwas guenstig ist, und wann etwas nur guenstig aussieht. Da habe ich dann die Erkenntnis gewonnen, dass es nicht so wichtig ist, die beste aller Aktien zu finden, sondern dass es am wichtigsten ist, etwas scheinbar guenstiges zu vermeiden. Zusammengefasst gehe ich damit einen schritt weiter als Du. Es sind vereinfacht gesagt bei mir dann 2 Schritte und nicht nur einer:


    1. kaufe guenstig
    2. vermeide Fehler

    Früher war sogar die Zukunft besser.

    Edited once, last by Joe ().

  • Witchdream, wenn Du das Buch gelesen hättest, dann hättest Du die Bestätigung, daß Du gar nichts feinzutunen brauchst - denn die beste Strategie von allen (abgesehen von 4 Microcap-Strategien mit 10-50 Aktien basierend v.a. auf KBV) ist im Prinzip Deine - wobei Du die Rentabilitätskennzahl (ROI) weglassen solltest, sie verwässert nur. Value + kurze RS reicht. Damit wüßtest Du auch, daß der Kritikpunkt der fehlenden Kombistrategie längst weggefallen ist, und ebenso die Begründung für die ausgeklammerten Microcaps "nachgeliefert" wurde.
    Und es stimmt: Es ist auch nicht wichtig, ob die eine oder die andere Kennzahl minimal besser ist. Die Tendenz gilt unverändert (die 3. Auflage ist nach wie vor das (zeitlich) umfassendste Werk, das ich kenne; man braucht wohl nicht alle anderen durcharbeiten). Allerdings klingst Du auch ein wenig nach dem, was ich im Lage-Thread auf die Schippe nahm... ;-)


    Trotzdem ist die Berücksichtigung von Joes Kritik an den Top 50 (der Unfug mit den Market Leaders wird hingegen beibehalten) noch nicht die Erklärung für das schlechtere Abschneiden des KUVs. Eigentlich gibt es keine, denn das Top-Dezil in der 3. Ausgabe brachte 17,46% vs. 13,00% der All Stocks. Jetzt 14,49% vs. 11,22%. Das untere Dezil verbesserte sich sogar. Aber wenn über 11% Renditespread "nicht funktionieren" bedeutet, dann weiß ich auch nicht mehr...


    Jedenfalls, ich mag jetzt doch keine Zusammenfassung für Faule oder Geizige schreiben - lest das Buch selber! Es hat übrigens 654 Textseiten, vs. 391 der 3. Ausgabe.


    Doch nicht verkneifen kann ich mir aber z.B. die Bestätigung meiner Vermutung, daß nach einem Crash (-40%) die RS nicht bloß ignoriert werden kann, sondern das schlechteste RS-Dezil am besten rentiert. Market-Timing eben!

  • "Wie aber kann es dann sein, dass eine Kennzahl (z.B. das KUV) noch vor einigen Jahren bejubelt wurde, nun aber nicht mehr funktionieren soll?!?"


    das steht so sicher nicht im buch (ich habe es gelesen). das kuv hatte nur wären des letzten bärenmarktes eine schwächere performance als die vergleichsbenchmark und hat in diesem zusammenhang seine spitzenposition als beste einzelkennzahl verloren. insgesamt ist das kuv immer noch eine der stärksten einzelkennzahlen und auch die letzten rollierenden 5 jahresergebnisse haben alle deutlich besser als der gesamtmarkt abgeschnitten.

  • Quote

    Original von Winter
    Witchdream, wenn Du das Buch gelesen hättest, dann hättest Du die Bestätigung, daß Du gar nichts feinzutunen brauchst


    Wenn du mir den Mund schon so wässerig machst, dann lade ich mir das Buch womöglich doch noch auf den Kindle, als Lesestoff für die nächste Wanderung. Freundlicherweise enthüllen O'S und Amazon die "Highlights" schon im Vorwort über den "Blick-Ins-Buch" auf S. XX - XXI.


    Vielversprechend:


    Quote

    A simple strategy that buys the 25 best performing stocks based on a six month price momentum from the stocks scoring in the upper 10 percent of one of our value composites earns more than 20 percent per year since 1963, with lower levels of risk than the All Stocks universe.


    Also Multifaktor-Value, daraus das beste Dezil, und dann die 6-Monats-RS als finales Auswahlkriterium. Klingt gut.

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • für die die das buch nicht gelesen haben. beim kbv zeigt die dezilverteilung das das günstigste dezil nicht so gut performed wie das 2.günstigste (der datensatz reicht dabei von 1927 - 2009). der rest der verteilung ist so wie man das erwartet, je teurer um so schlechter die performance. o's zeigt nun das das beste dezil beim kbv während den gesamten 30iger jahren grausam underperformed hat. die schlußfolgerung ist wohl das während wirtschaftlich schlechten jahren ein sehr niedriges kbv mit verstärktem insolvensrisiko einher geht.


    zurück zum kuv. dort reicht der datensatz leider nur von 1964 - 2009. wenn ich mir die dezilverteilung anschaue fällt mir auf das das günstigste dezil im verhälts zum 2.günstigsten nicht so gut abschneidet wie ich das rein optisch beim anblick aller dezile erwarten würde. das erinnert mich etwas an die kbv verteilung - kurzer gegencheck bei den kennzahlen zum gewinn und cashflow, dort ist das günstigste dezil auch immer klar der beste performer.
    meine vermutung: den effekt den es beim buchwert scheinbar gibt, nämlich die günstigsten performen nur in wirtschaftlich guten zeiten in relation zum gesamtmarkt sehr gut, in wirtschaftlich schlechten zeiten sind es dagegen klare underperformer, den gibt es auch beim kuv. das würde auch das schlechte ergebnis vom kuv während der letzten baisse erklären.
    zusatz: wenn ich die rollierende 5 jahresperformances von kbv und kuv des besten dezil im zeitraum 1968 - 2009 vergleiche fällt mir auf das beide sehr ähnlich aussehen. wenn das kbv eine schwächephase hat ist auch das kuv schwach, bei stärke gilt das selbe nur andersrum. scheint meine these zu stützen.

  • Zum besten Dezil beim KBV. Ich dachte, dass wir auch das hier schon irgendwo besprochen haben. Wir dachten tatsaechlich, dass es an Pleite-Kandidaten liegt. Ebenso beim KUV. Dort tauchen dann auch Firmen mit stark fallendem Umsatz ganz oben in der Liste auf (der Kurs ist schon weiter gefallen, aber der Umsatz aus dem 6-12 Monate alten GB ist noch hoch).


    Die Loesung ist, entweder ein zweites Kriterium (z.B. irgendwas mit Gewinn) zu verwenden, oder Firmen mit systematisch sinkenden Umsaetzen von Hand zu filtern. In Kombination mit RS sollten diese Firmen ebenfalls nicht mehr auftauchen.


    Balkenchart

  • was mir so allgemein zu den strategien und zu den mehrfaktormodellen einfällt. ist natürlich nur meine persönliche meinung und auch habe ich keinerlei ausbildung im bereich statistik. aber wenn mir jemand erzählt das das risiko einer strategie deutlich geringer ist und genau das lese ich aus so einem faktor wie zum beispiel dem sharpe ratio heraus (das bei allen seinen outperformancestrategien deutlich besser ist als das der vergleichsbenchmark), gleichzeitig aber die angegeben maximalverluste** der vergleichsbenchmarken (-50.x% bis -58,x%) und der outperformancestrategien ungefähr alle identisch* sind dann hat das für mich einen sehr schlechten beigeschmack. mir scheint niedrigeres risiko heißt da vor allem höhere gewinne bei gleichzeitig gleichgroßen prozentualen rückschlägen. das verwundert mich schon das die risiken (im sinne von maximalverlust) bei den strategien nicht spürbar reduziert werden konnten.


    *
    der vollständigkeit halber es gab genau eine branchenstrategien von ganz grob geschätzten 100 die einen deutlich geringere maximaldrawdown (34,x%) aufwies.
    **
    wichtig ist dabei noch zu erwähnen das für den großen vergleich aller strategien am ende des buches nur der zeitraum ab 1964 verwendet wurde. in der großen depression wären die rückschläge noch deutlich größer.

  • Quote

    wichtig ist dabei noch zu erwähnen das für den großen vergleich aller strategien am ende des buches nur der zeitraum ab 1964 verwendet wurde. in der großen depression wären die rückschläge noch deutlich größer.


    Da steht zu hoffen, daß die Datenreihen bezüglich dieser Lücke bald geschlossen werden. Vermutlich ist dann bald eine 5. Ausgabe erforderlich. ;)

    Gold functions like the sun, with all currencies as planets orbiting around it, with only the sun in fixed position (Zijstra)

    Edited once, last by vinas ().

  • Quote

    Original von Balkenchart
    Zum besten Dezil beim KBV. Ich dachte, dass wir auch das hier schon irgendwo besprochen haben. Wir dachten tatsaechlich, dass es an Pleite-Kandidaten liegt. Ebenso beim KUV. Dort tauchen dann auch Firmen mit stark fallendem Umsatz ganz oben in der Liste auf (der Kurs ist schon weiter gefallen, aber der Umsatz aus dem 6-12 Monate alten GB ist noch hoch).


    Die Loesung ist, entweder ein zweites Kriterium (z.B. irgendwas mit Gewinn) zu verwenden, oder Firmen mit systematisch sinkenden Umsaetzen von Hand zu filtern. In Kombination mit RS sollten diese Firmen ebenfalls nicht mehr auftauchen.


    Balkenchart


    Das geht einfacher: EV/EBITDA ist da eine sehr gute Zahl, an der man potentielle Pleitekandidaten oft recht schnell erkennt.


    KBV und KUV ignorieren ja die verschuldung komplett, bei EV/irgendwas sieht man das viel besser.


    Ich vermute mal dass auch EV/Umsatz besser funktionieren würde als KUV.


    MMI

  • MMI,


    welche Definition von Enterprise Value nimmst Du?


    Marktkapitalisierung der Aktien plus Nominalwert langfristiges Fremdkapital?


    Oder ... plus alle Verbindlichkeiten, die nicht aus LuL sind, aber dafuer dann minus Barmittel?


    Balkenchart