Charterfirmen und Reeder antizyklisch

  • Wahrscheinlich mein krassester Flop des letzten Jahres. Vielleicht kann es zumindest anderen zur Abschreckung dienen (langer Text, die Pointe kommt am Schluss):


    Songa Bulk (WKN A2DHW1):

    1000 Stück gekauft am 23.08.2017 über Consors in Oslo für 4.684,40 €. Dabei hat Consors schon mal fluffige 61,51 € an Gebühren kassiert.


    Am 04.04.2018 gab es Dividenden in Höhe von 58,59 € (Steuern schon abgezogen).


    Am 09.07.2018 gab es ein Anschreiben zu einer Kapitalmaßnahme (Spin-Off): "Im Rahmen der Transaktion erhält die Songa Bulk ASA 144.550.000 USD und 13.688.000 Aktien der Star Bulk Carriers Corp." Im Bezugsverhältnis: 1 : 0,3817 sollten Songa Aktionäre zusätzliche Aktien von Star Bulk (WKN A2AM06) erhalten. In einem zweiten Anschreiben vom 31.07.2018 stand dann auch "Die neuen Aktien werden als Neuanschaffung zum Anschaffungskurs von 0 EUR eingebucht."


    Kurswert für 1000 St. Songa Bulk am 29.06.2018: 4.405,19 €


    Kurswert für 1000 St. Songa Bulk am 30.09.2018: 438,39 €

    + Kurswert für 361 St. Star Bulk am 30.09.2018: 4.028,76 €

    Soweit passt ja alles noch (die Star Bulk Aktien wurden in 3 Tranchen eingebucht, deswegen ist die Anzahl hier noch zu gering)


    Dazu noch Verkauf der Teilbezugsrechte im Gegenwert von 7,08 € + 0,52 € + 2,65 € = 10,25 €.


    Kurswert für 1000 St. Songa Bulk am 31.10.2018: 217,74 €

    + Kurswert für 379 St. Star Bulk am 30.09.2018: 3.683,88 €


    Kurswert für 1000 St. Songa Bulk am 30.11.2018: 235,11 €

    + Kurswert für 379 St. Star Bulk am 30.09.2018: 3.066,11 €


    Der Rest-Wert von Songa Bulk hat sich innerhalb von 2 Monaten also schon mal halbiert. Nun denke ich mir kurz vor Jahresende: Verkaufe ich doch mal den Restbestand und verrechne den Verlust (Kauf für 4684,40 € gegen Verkauf in Höhe von ca. 150,00 €) mit anderen Kursgewinnen aus diesem Jahr. Die neu eingebuchten Star Bulk Aktien sind ja steuerlich unwirksam und müssen voll als Gewinn versteuert werden (s. oben). Hätte mir immerhin ca. 1800 € Steuerersparnis gebracht für diesen Teil der Aktion gebracht. Hätte hätte Fahrradkette...


    Jetzt kommt's:

    Verkauf 1000 St. Songa Bulk am 28.12.2018 in Oslo zum Gegenwert von sagenhaften 28,97 € (Mitte Dezember ist der Kurs einfach so abgeschmiert).

    Dazu zieht sich Consors mal eben 54,95 € an Gebühren ab. Durch den Verkauf entsteht also ein Verlust von -25,98 €.


    Telefonische Aussage der Consors-Mitarbeiter:

    Wenn bei einem Verkauf ein Verlust entsteht, dürfen wir die Transaktion nicht in den Steuer-Verrechnungstopf schreiben. Mein Hinweis, sie könnten ja mal aus Kulanz die Gebühren reduzieren, damit der Verkaufserlös positiv bleibt und ich das verrechnen kann, beantwortet die Vorgesetzte mit "Tja, das hätten wir schon machen können. Aber das hat der Computer ja automatisch berechnet. Und nachträglich dürfen wir das nicht, könnte uns ja als Beihilfe zur Steuerhinterziehung ausgelegt werden".


    Mein Investment sieht also aktuell so aus:

    - Songa Bulk komplett verkauft mit einem Verlust von: 4.684,40 € - 58,59 € - 10,25 € + 25,98 € = 4.641,54 €, den ich nicht verrechnen darf.

    - Im Depot stehen Star Bulk Aktien mit einem aktuellen Gegenwert von 2.876,61 €, die ich aber bei einem Verkauf als Komplettgewinn versteuern muss. D.h. der aktuelle Wert für mich beträgt nur ca. 1.726,- €


    Das macht dann schon mal ca. 65% Verlust (aktuell, der Chart sieht nicht so vielversprechend aus). Die einzigen, die sich freuen können, sind unser Staat über ca. 1150,- € komplett ungerechtfertigte Steuern und Cortalconsors über satte 115,- € Gebühren. Vermutlich auch die Leute hinter Songa und Star Bulk, aber was weiß ich schon.


    Meine Lehren daraus (hinter die Löffel schreib!!!):

    - Keine Investments mehr in Charter / Reeder / Krypto und was weiß ich noch für dubiosen Klein-Kram. Ich hab mit sowas auch schon Gewinn gemacht, aber unter dem Strich ist es wie mit Optionsscheinen: Irgendwann wird man als Kleinanleger rasiert.

    - Ich hab mich jetzt zum wiederholten Mal über Consors geärgert. Ich hab zum Glück auch noch andere Depots, die zum einen billiger und (gelegentlich) auch kulanter sind. Pech für Consors, von nix kommt nix.


    Hat jemand so einen Fall schon mal mit dem Finanzamt "geregelt"? Ich lese den §20 EStG so, dass so ein Spin-Off Geschäft als zusammenhängende Transaktion zu verstehen ist. Die Regel, dass negative Verkaufserlöse nicht berücksichtigt werden, hat die Finanzverwaltung einfach aufgestellt und den Banken aufgedrückt.

    Ich habe ein aktuelles Urteil des BFH gefunden (https://juris.bundesfinanzhof.…richt=bfh&Art=pm&nr=37726), nach dem das Finanzamt meinen Verlust auch ohne Steuererklärung meiner Bank anerkennen müsste. War das bei jemandem schon mal der Fall?

  • Übel!

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Ich würde das bei der Steuererklärung einfach so darstellen und einfordern, dann müssen die erklären warum nicht, und so ein Bescheid ist dann rechtsmittelfähig.


    Hatte gerade in 2018 das Erlebnis, dass ein 15 (fünfzehn) Jahre anhängiger Streit ohne Gerichtsverfahren mit einem ganzen Bündel korrigierter Steuererklärungen zu meinen Gunsten zuende ging.


    Es gibt nicht nur schlechte Friseure, sondern auch eine Menge schlecht gemachter Rechtsvorschriften, gerade bei der Steuer.


    Es ist nicht aussichtslos, auf sein Recht zu pochen.

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • In der Steuererklärung angeben, Anschaffungskosten (Kaufbeleg) und Verkaufs-"Erlös" (Verkaufsbeleg) beilegen, Verlust vorrechnen. Sollte problemlos akzeptiert werden, aber der zusätzliche Aufwand (und die Verrechnung erst im nächsten Jahr) ist natürlich ärgerlich.

  • So volatil innerhalb eines Jahres? Wow!

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)