Netflix - boom or bust

  • Wenn ich Netflix wäre, würde ich das insbesondere bei Neukunden eine zeitlang zulassen und dann ganz langsam den "Saft abdrehen". Wenn die Leute erst angefixt sind, zahlen sie auch ein paar EUR mehr.


    Würde mich nicht wundern wenn die das ganz genau auf dem Schrim haben....

    Ja natürlich haben die das auf dem Schirm. Die haben halt im Moment andere Themen die wesentlich wichtiger sind.

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Ich habe seit drei Tagen das Probeabo, weil jetzt Krankheitsbedingt Zeit für einen Monat. Hätte ich jetzt nicht geglaubt, gefällt mir aber richtig gut das Ganze. Verlängern werde ich nicht, mir fällt schlicht die Zeit danach, aber wenn mal Urlaub oder es tut sich mal weniger auf hab ich und meine Frau vor aufs Geradewohl auf die schnelle für einen Monat ein Abo abzuschließen. Die Unkompliziertheit gefällt mir hier richtig gut. Der Preis ist akzeptabel, bei meiner Tochter mit Anhang sehe ich auch die Unbekümmertheit das man mehrere Abos nebeneinander hat (zusätzlich noch Amazon prime) und jederzeit kündigt wenn gerade ist oder neu abschließt. Hier könnte in Zukunft auch der Verkauf von BlueRays samt Player leiden, falls alles an Serien/Filmen und Dokus online bleibt. Ich habe Lust auf z.B. diesen einen Film, da schließe ich einfach über wenige Klicks ein Abo ab und schau was es so noch neues gibt. Der Abo-Preis entspricht eine Kinokarte für eine Person.

    Im Laufe der Zeit mit dem Content der nicht weniger wird, sehe ich einen gewissen Moat, sozusagen als first mover.

    Auch die Produktionen die mit Schauspielern und Geschichten unterschiedlicher Nationen gedreht wurden ist interessant und als Identifikation für das Publikum der jeweiligen Nation zu betrachten.


    Für meinen Teil denke ich das ich das Streaming massiv unterschätzt habe und fürs erste zu spät ist um neu einzusteigen, zu teuer wie so viele gute Unternehmen zur Zeit. Leider

    So war das bei mir am Anfang auch. "Gelegenheitskündigung".

    Ich habe bestimmt schon 20x seit 2013/2014 gekündigt und bin immer wieder zurückgekommen.


    Mittlerweile kündige ich fast gar nicht mehr....

    Das zeigen im übrigen auch die Zahlen und Aussagen von Netflix selber.

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  • So langsam wird der TV-Markt ähnlich dem in den USA.

    Nun erhöht Disney die Preise für den streaming Dienst Disney Plus von 6,99€ auf 8,99€.


    TV Konsum kostet ja mittlerweile richtig Geld:

    Netflix - Disney Plus - Apple TV- Amazon prime - freenet - usw. - dann noch die GEZ und zusätzlich HD+-Kosten.

    Acnhso die ganzen Sport Dinger Sky - DAZN Europsort + usw gibts ja auch noch

    Dazu noch paar Music Streams Spotify - Tidal - Dezer - Apple Music usw.


    Und abgesehen von den materiellen Kosten, kostet das ganze auch noch richtig viel "Zeit".

    Wahnsinn.


    EDIT: Bei Netflix sehe ich die Probleme, dass die Lizenzen für die ganzen Disney Produktionen bald auslaufen und die es bisher nicht geschafft haben, Ihre eigenen Superhelden Serie aufzubauen.

    Es besteht die Gefahr, dass nun die Erwachsenen weg von Netflix hin zu Disney wechseln.

  • TV Konsum kostet ja mittlerweile richtig Geld:

    Netflix - Disney Plus - Apple TV- Amazon prime - freenet - usw. - dann noch die GEZ und zusätzlich HD+-Kosten.

    Acnhso die ganzen Sport Dinger Sky - DAZN Europsort + usw gibts ja auch noch

    Dazu noch paar Music Streams Spotify - Tidal - Dezer - Apple Music usw.

    Das hast du alles parallel abonniert?

    Vor ein paar Jahren hat man für ne Stunde Musik auf ner silbernen Scheibe noch mindestens 20 Makk investieren müssen. Die Doppelscheibe kam auch gerne nen Fuffi.

    Und für ne Makk bekam man bekanntlich mindestens das gleiche wie heute für einen Euro.

    Aber Heute will man für Musik, Kino, Software, Bücher oder anderes geistiges Eigentum nichts mehr zahlen, weil es das ja "kostenlos" im Internet geben muss.... :thumbdown:

  • Damals als ich noch gependelt bin hab ich 1 bis 2 LPs pro Monat gekauft. Zum Teil auch gebraucht.

    z.T. mit in den Müller tigern und sich die CDs vorher anhören... soviel zum Thema Zeit ;)


    Damals hab ich tatsächlich gedacht wenn ich ein Abo für 20€ bekomm und alles hören kann wäre das ein GEILER Deal!!

    Also ich feier Streaming total... selbst wenn man nix in der Hand hat... schon allein die Möglichkeit ne neue CD anzuhören ohne sich vorher entscheiden zu müssen...

  • Ich hab die Tage alles gekündigt außer Amazon prime und Amazon Musik.

    Dazu noch die Mediatheken der ÖR und Youtube für die kids, und 2-3x im Monat nen Film online dazuleihen, da hat man doch mehr als genug content!

    Und dabei hab ich sogar eher viel Zeit weil ich nciht auch noch Twitter, FB, Snap, TikTok, Clubhaus, Discord mache.


    Vermute mal die meisten Abos laufen bei den Leuten einfach weil sie vergessen die zu kündigen, weil man könnte es ja nochmal brauchen.


    Alles in allem ist der Markt aber nah an der Sättiungsgrenze und bald beginnt das Kanibalisieren.

    Wäre echt vorsichtig mit Langfristinvests die auf dauerhaftes Wachstum bauen in dem Sektor.

    "Calm seas never made a good sailor"

    "Es gibt nichts Schöneres als einen warmen Regen nach einer kalten Dusche"

  • Da ist noch Potenzial. Wir haben hier im Hausalt von dieser Liste: Disney Plus. Und das auch erst seit letztes Jahr Weihnachten.


    Seit 3 Wochen ist die Fernsteuerung für die Mii-Box verschwunden, mit der man das sehen kann. Seitdem schaut das auch niemand mehr.


    Nachtrag: Das hat mich daran erinnert, das ich Disney+ Abo zum Ende der Laufzeit kündigen wollte (gerade getan zum Ende des Jahres). Ehrlich, ich saß neulich mal abends vor dem Fernseher und klickte mich durch das Angebot, und da war eigentlich nichts dabei, was mich interessiert hätte.

    41% aller Statistiken sind frei erfunden.

    Edited once, last by nixda ().

  • Ich hab die Tage alles gekündigt außer Amazon prime und Amazon Musik.

    Dazu noch die Mediatheken der ÖR

    Wir ham noch Netflix, weil wir da mit paar Serien angefixt wurden :whistling:

    Aber was sind das durch 2? 10-15€ pro Nase? Ich zahls nicht, sondern "schmarotze" nur....


    Und für Weiterbildung gibs ab und zu für 9,99 oder 12,99 richtig geile Kurse bei udemy. Einige Dinger wären mir sogar die 1xx€ Wert, bei über 20h super strukturiertem Content. Ja, gibt auch viel Müll, aber ich habe da für die berufliche Weiterbildung für mich eine echte Goldgrube entdeckt! Müll kann man ja zudem auch 30 Tage lang zurückgeben.

    Weiterbildung 2021: in der Badewanne liegen, sich essen servieren lassen oder auf der Massagematte, im Sommer in der Hängematte :) und nach 30-60min kurz "quizzen" um zu verifizieren, dass man den Content begriffen hat :thumbsup:

  • Gar nicht zur Aktie, aber weil ich's zufällig gesehen hab, bei Youtube gibt's einen Netflix-Film für 2 Tage zum ansehen (ich glaube bis morgen noch):


    The Trial of the Chicago 7


    https://www.youtube.com/channel/UCWOA1ZGywLbqmigxE4Qlvuw


    Hab's noch nicht gesehen, aber die Kritik bei Filmstarts sagt 3,5 von 5, also ok-gut, wahrscheinlich Geschmackssache:


    http://www.filmstarts.de/kritiken/130085/kritik.html

    When a management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.


    W. B.


    Investment is most intelligent when it is most businesslike.


    B. G.

  • Netflix profitiert von Singles und von medieninteressierten Tweenies und Threenies (das gibt's), vor allem über eigene Prestigemarken wie "The Witcher", "Altered Carbon", "The Last Kingdom" etc. und hat in der Vregangenheit über seine Serien natürlich auch noch den Marvel-Boost mitgenommen. Darüber (und über die behindertengerechte Hörfilm-Funktion) hinaus hat Netflix aber wenige klare Alleinstellungsmerkmale. Von gelegentliche Auftritten von Superstars (Tom Hanks, Kevin Costner, Chadwick Boseman) mal abgesehen hat man aber sonst keine Marktführer-Merkmale á la Amazon (mediales Gesamtpacket, Prestigemarken wie "The Expanse", "Lord of the Rings", etc.) oder Disney (mit Marvel, Star Wars, und der Klassiker-Videothek).

    Die große Frage ist, nach den Glücksgriffen der letzten Jahre, wie viele (Überraschungs-) Hits kann Netflix noch landen? - "The Witcher", die meistgesehene Serie der letzten Jahre, hat Potential für fünf oder sechs weitere Staffeln, bis die Bücher erschöpft sind, und auch "The Last Kingdom", "Lupin", oder das in der Zwischenzeit auf Eis gelegte "Mindhunter" hätten noch Potential, die Marke ein paar Jahre voraussehbar sicher zu vertreten. Daneben wird's aber durchaus ein offener Wettbewerb um die Gunst der Zuschauer:


    Dieses Jahr kommen als Prestige-"Mega"-Produktionen (soviel ich weiß) voraussichtlich die Comic-Verfilmungen "Sandman", "Cowboy Bebop" und "Masters of the Universe" - und vielleicht noch drei, vier weitere Eigenproduktionen, wie "Army of the Dead". Was davon echtes Hit-Potential haben wird, besonders im Vergleich zur Konkurrenz, darf aber bezweifelt werden: Amazon hat mit "The Lord of the Rings" und "The Wheel of Time" zwei relative Safe-Sales. Disney hat Marvel und die diversen "Star Wars" -Spinoffs. HBO hat "Game of Thrones", "DC Comics", und diverse weitere prestigeträchtige Eigenproduktionen wie "Perry Mason" oder "Westworld".

    ...Ob sich Netflix da besonders langfristig behaupten kann, würde ich sehr bezweifeln. Wenn die zweite Staffel "Witcher" nicht so gut wird, wie man es gerne hätte, läuten vielleicht schon die ersten Trauerglocken. Denn so nett die sonstigen Netflix-Eigenproduktionen sind: Wenn wir die Wahl haben, uns "Falcon & Winter Soldier" reinzudrehen, oder die neue Staffel von "Der junge Wallander", dann gewinnt halt meistens langfristig nicht das Ah-Brain-Fernsehen. Dass Netflix langfristig gegenüber Amazon und Disney ein Player bleibt, halte ich unwahrscheinlich - es sei denn, Netflix weitet sein Geschäft auch in andere Bereiche aus.


    ---

    Nebenbei, i bims, der Coucy. Ich mag lange Spaziergänge am Strand und den Hardcore-Modus von "Call of Duty". Ein paar von Euch kennen mich vielleicht vom WPF. Mein Investmentziel: Ich will so reich werden, dass ich mir eine eigene Insel kaufen kann, wie Sancho Panza aus dem "Don Quijote". Bin auch garantiert kein Bot, mag keine Witze über Spanier, und dass ich mich hier ent-lurke hat gar nichts damit zu tun, dass im Moment alle Bars zu sind. In diesem Sinne, beep boop beep.

  • Hallo Couchy,

    erstmal willkommen.


    Ich persönlich habe keine Ahnung ob Netflix in 10 Jahren noch so dominant ist wie jetzt. Allerdings gehöre ich nicht zu der von Dir genannten Zielgruppe und habe auch noch keine einzige von Dir genannte Serie gesehen, bin aber trotzdem sehr zufriedener Netflix Abonnent.


    Das "Geheimnis" von Netflix ist meines Erachtens, dass sie sehr viele verschiedene Zielgruppen bedienen. Mit hat z.B. "Queens Gambit" gut gefallen oder aktuell schaue ich eine Französische Serie namens "Joint Venture". Auch die Muskidokus sind in der Regel sehr gut.


    Was Netflix sehr gut kann ist bekannte Altstars aus der Versenkung zu holen und Ihnen eine Rolle auf den Leib schreiben z.B. die Kominsky Method mit Michael Douglas.


    Aber wir werden sehen und ich habe ausser dem Abo "keine Aktien im Spiel".


    MMI

  • Früher hat ein Studio einen Film in US, DE, etc. produziert und dann die Rechte international verkauft.


    Die Stärke von Netflix zum alten Modell sehe ich in

    1. Global aufgestellt

    Dark aus DE, Der Schacht oder Haus des Geldes aus ES können International Hits werden


    2. Direkter Kundenkontakt

    2a) die Kinos, die Fernsehsender, die Internationalen Rechteverwerter etc..

    all diese "alten" Kosten hat das Netflix Modell nicht mehr


    2b) Wahrscheinlich der größte Vorteil ist, die Analyse des Kundengeschmacks inhouse und in realtime. Nicht nur die Quoten von Nielsen, MediaControl oÄ bekommen


    3) Eigene Produktion

    Vielleicht ist das "Friends" oder "The Office" dieser Generation von Netflix

    Diese "Feel good im Hintergrund laufen lassen" Serien

    Ein Verwertungsrecht das Netflix 100mio (Friends) gezahlt hat.

  • Apropos Kominsky Method, kann man auch mal wieder Catch-22 gucken, mit Alan Arkin als jungem Hecht. Alte Spielfilme findet man aber mehr bei Amazon.

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Klimaneutralität ist kommunistische Planwirtschaft in neuem Gewand.

  • Das Problem scheint halt zu sein: Seine jetzige Reichweite hat Netflix nicht durch das erwähnte, hochwertige "Premium TV" entwickelt, sondern, weil es massengefällige Angebote und Marken hat (-te), deren Alleinstellungsmerkmale in den Augen Publikums sehr hoch waren. Die Marktbelegung erfolgte zu einem Zeitpunkt, als es in der Sparte keine vergleichbaren Wettbewerber gab.


    Heute aber gehören die weltweit erfolgreichsten Entertainment-Franchises bis auf wenige Ausnahmen aber alle zu Unternehmen, die mittlerweile selbst eigene Streaming-Plattformen anbieten. Wie und wo da also noch Wachstumsmöglichkeiten für Netflix bestehen könnten, die vergleichbar mit den Margen des letzten Jahrzehnts wären, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar. Disney+ zeichnet sich wegen der Kinder-/Jugendfreundlichkeit der Inhalte langfristig als Marktführer ab.

    Ob Netflix langfristig mit Eigenmarken ("Sex Education", "Rake") gewissermaßen als ARTE der postmodernen Streamingdienste seine Sparte findet - und ob der Zugang zu solchen Inhalten dem Durchschnittsbürger dann ca. zehn Euronen im Monat (oder mehr) wert ist - wird davon abhängen, denke ich, wie sich die Konkurrenz entwickelt. Und mittelfristig haben alle drei Hauptkonkurrenten (Amazon, Disney+, und HBO MAX) das inhaltlich höherprofilige Angebot. Ich denke, das macht wahrscheinlich auch viel bei der Akquise von Neukunden aus: "Queen's Gambit" und "The Haunting of Hill House", schön und gut, aber bei Disney+ sind halt Jack Sparrow, Luke Skywalker, Captain America, und eben halt auch seit dem Fox-Merger Jack Bauer, Peter Griffin, und die Simpsons. Da ist eigentlich klar, was mehr ziehen sollte.

    ...Netflix zu shorten, vielleicht durchaus ganz reizvoll. (Ohne, dass ich mir das je im Detail angeguckt hätte.)

  • ...Netflix zu shorten, vielleicht durchaus ganz reizvoll. (Ohne, dass ich mir das je im Detail angeguckt hätte.)

    Kleiner Tipp: Lies mal den Thread von Anfang an durch. Mit der gleichen Begründung (Content) wurde das hier schon vor 7 Jahren diskutiert. Da gibt es m.E: klarere Short Kandidaten.


    Ich selber habe Netflix mit genau diesen Argumenten 2011 geshortet nachdem Whitney Tilson sehr überzeugend argumentiert hat dass Netflix niemals Erfolg haben kann.


    https://seekingalpha.com/artic…on-why-were-short-netflix


    Mit mehr Glück als Verstand habe ich damals sogar 30% Gewinn gemacht. Die Aktie hat sich seitdem mehr als verzwanzigfacht.


    "fundamentale Shorts" sind meines Erachtens extrem schwierig.


    MMI

  • ja lass das mit dem shorten lieber.

    Ich hab mir damit ebenso die Finger verbrannt.


    Aber long auf Sicht 5 oder gar 10 Jahre?

    Würd ich auch nicht gehen.


    Dein Argument dass sie als first mover damals gut streaming Rechte kaufen konnten, in Zukunft aber nicht mehr, ist übrigens sehr gut. Das kommt zur allgemeinen Markt-Sättigung hinzu.

    "Calm seas never made a good sailor"

    "Es gibt nichts Schöneres als einen warmen Regen nach einer kalten Dusche"

  • first mover damals gut streaming Rechte kaufen konnten, in Zukunft aber nicht mehr

    nennt man das nicht "moat" bzw. Burggraben?

    Und warum genau ist das jetzt schlecht?


    So einen moat kann man doch wunderbar nutzen, die Produktpalette auszubauen und zu ergänzen zu Billigstpreisen, bei denen die Konkurrenz mangels moat nicht mitkann. Amazon.


    disclaimer: nein, ich habe keine netflix

  • Jo, also ich hatte schon länger ein Kauflimit für Netflix drin, das wurde heute bedient. Bin ja bekanntermaßen ein Netflix-Bulle :)..


    Wollte also nur ein paar Sachen anmerken, nicht weil ich jemanden überzeugen muss, aber weil es eben sehr interessant ist. Denn natürlich ist das KGV nach traditionellen Maßstäben ziemlich bis sehr hoch.


    Allerdings, damit fange ich mal an, vermute ich, dass Netflix in Zukunft bei steigendem Umsatz stark überproportional den Gewinn steigern wird können.

    https://www.boerse.de/fundamen…etflix-Aktie/US64110L1061


    Ich nehme an, grobe Schätzung, dass Netflix innerhalb einiger Jahr den Umsatz verdoppeln wird können und der Gewinn dabei ähnlich wie bei der Umsatzverdoppelung zwischen 2016/2017 und 2019 zulegen wird, sich also eher z.B. verfünffachen könnte. Das klingt vielleicht extrem, aber wie mehrmals geschrieben, ich sehe sehr gleichbleibende Fixkosten, die über immer mehr Nutzer umgelegt werden können. Sofern die Nutzerzahlen also weiter ansteigen werden, das ist die generelle Prämisse für den long-case, sehe ich das sehr positiv. Ich würde erwarten, dass das KGV gleichzeitig weiter zurückgehen wird, vom Gewinn aber überkompensiert werden wird und so würde ich über einige Jahre zumindest eine Verdopplung des Kurses sehen. Ist aber für mich nicht entscheidend, ich sehe es tatsächlich eher als defensive Aktie, so komisch das erst mal klingen mag. Aber ich sehe bei weiter steigenden Nutzerzahlen wenig Downside, daran hängt es natürlich.


    Was nun die Nutzerzahlen betrifft, würde ich neben dem Hinweis von mmi auf den Faden seit Anfang, z.B. auch auf den Faden von Facebook verweisen. Den hab ich neulich mal durchgelesen und meinte, große Parallelen zu sehen. Vor allem, dass wir immer aus der westlichen Perspektive draufschauen und schon eine gewisse Sättigung sehen, während es in Asien und anderen Teilen der Welt noch großes Potential gibt. So sehe ich es zumindest. Und ich habe eben das Gefühl, dass Netflix da sehr große Vorteile bzw. Abgrenzungen zu Mitbewerbern wie Disney oder Amazon hat. Also ich bin ja auch Dauer-Long für Disney, aber für mich ist das ein ganz anderes Produkt. Disney hat die Marken, Kinder, Family, etc., schon klar, dann die Verbindung mit Merchandising und den Theme Parks, etc. etc. Alles sehr gut. Aber Netflix macht eben Serien, Filme und UNGLAUBLICH viel davon. Und es wird immer mehr.


    Vor allem würde ich der Auffassung widersprechen wollen (Hi, Coucy übrigens, herzlich willkommen hier!), dass sie die letzten Jahre bei den Serien Glücksgriffe hatten. Also, man kann das so sehen, ja, aber ich sehe es eher als systematisch an. D.h. sie haben natürlich irgendwo sehr erfolgreiche Serien dabei, weil sie einfach eine große Vielfalt an Sachen machen und ausprobieren, etc. Und neben dieser großen Vielfalt an Sachen, sehe ich vor allem auch eine zunehmend starke Regionalisierung, und das sehe ich als große Vorteile und Abgrenzungsmöglichkeiten zu anderen Services. Und dann, kommt dazu, sehe ich eh nicht so viele pot. globale Konkurrenten. Disney, Amazon, klar. Aber darüber hinaus scheinen mir viele der neuen Streaming-Player eher auf Nordamerika beschränkt zu sein. Das mag an Kultur, Reichweite, vielen Dingen liegen, aber vor allem an den Rechten. Und Netflix entwickelt jetzt so vieles selbst und hat dann einfach globale Rechte dafür. Ein "truly global" Service, würde ich sagen und da sehe ich gar nicht so viel Konkurrenz. Und dann glaube ich nicht, dass Netflix zwingend verliert, wenn jemand z.B. Disney+ mag. Ich glaube viele werden eher beides haben.


    Ich habe übrigens keinerlei Bedarf, mich da bestätigt oder richtig liegend zu sehen (außer dem, dass natürlich für mich persönlich finanzielles dran hängt). Aber ich finde es wirklich eine sehr, sehr interessante case study. Alle haben die gleichen Informationen, trotzdem gibt es ganz unterschiedliche Einschätzungen. Das ist doch sehr faszinierend!


    Abschließend nochmal meine übliche Anmerkung. Wer sich mit Netflix beschäftigt, dem kann man (finde ich) wirklich nur die Shareholder Letter etc. empfehlen. Die sind sehr direkt in ihren Informationen an die Aktionäre und meiner Meinung nach haben sie sich über die Jahre sehr präzise und im Nachgang korrekt in ihren Einschätzungen gezeigt.


    Der letzte z.B. nochmal hier (Matze hatte ihn schonmal verlinkt):

    https://s22.q4cdn.com/95985316…20-Shareholder-Letter.pdf

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