• Insgesamt würde ich dem Artikel und MMI recht geben: Das Auto ist Opfer seines eigenen Erfolges. Mittlerweile ist die Verkehsrdichte so hoch, dass es sich meist selbst im Weg steht, egal ob mit Benzin-, Diesel- oder Elektromotor. Und wenn es sich nicht selbst im Weg steht, dann steht es auf Bürgersteigen anderen Leuten im Weg. Der Grenznutzen eines Autos in den Städten geht runter, die Kosten je Einheit aber tendenziell hoch, und der Flächenverbrauch für diese Technologie ist mittlerweile einfach zu hoch. Bei Autos gilt mittlerweile "weniger ist mehr".


    Und MMI hat auch recht, die Carsharing und Uber/Lyft Angebote lösen bestenfalls das Problem mit dem ruhenden Verkehr, aber nicht das mit dem fahrenden.


    Politisch spricht gegen Uber aber auch, dass das Geschäftsmodell in Wahrheit weniger mit den alten Mitfahrzentralen gemein hat, sondern eher etwas mit dem Taxigewerbe. Und das es eher davon profitiert, dass ihre selbständigen Fahrer die Betriebskosten nicht anständig kalkulieren können, weitgehend auf Selbstausbeutung setzen und vermutlich idR keine Steuern und bezahlen. Uber mag in den Suburbs der USA, wo es oft weder öffentlichen Transport noch Taxis gibt, seine Existenzberechtigung haben. In Deustchland würde ich das in Gegenden wie Brandenburg, MVP oder Niedersachsten ähnlich sehen. Aber in den Städten ist das kontraproduktiv.

  • Ganz am Schluß wird sich das Thema Elektroauto aber beim Konsument entscheiden: Wenn das E Auto in der Anschaffung nicht mehr teurer ist, fast genauso weit fährt, mehr Platz bietet und im Unterhalt deutlich billiger ist, wird es sich durchsetzen. Ansonsten nicht.

    Sehe ich genauso.
    Unterhalt: Ein Freund betreut einen Fuhrpark von etwas über 100 Autos, 10% elektrisch. Er sagte, die Unterhaltskosten der E-Autos seien schon heute niedriger als jenen mit Verbrennungsmotoren.
    Anschaffung: Bei der enormen Komplexitätsreduktion im Antriebsstrang gehe ich fest von einer preiswerteren Herstellung aus, sobald die Vorteile der Massenproduktion greifen. VW kündigt ja schon Preise unter 30.000€ für den ID.3 an, da wird es interessant.
    Platz: Motor und Antriebsstrag gehen, Batterie kommt. Batterie scheint gerne an der Unterseite des Autos angebracht zu werden. Das spräche entweder für mehr Platz im Motorraum oder aber für komplett neue Designansätze. Ich denke, im Endeffekt wird es Autos mit mehr und Autos mit weniger Platz und kleineren Abmaßen geben (hilft bei Parkplatzknappheit), schon um den unterschiedlichen Kundeninteressen zu entsprechen.

    Die schon jetzt günstigeren Unterhaltskosten und die absehbar günstigeren Anschaffungskosten haben mich davon überzeugt, dass es bis zum massenhaften Durchbruch des E-Autos nicht mehr lange dauern dürfte. Weniger als 10 Jahre.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Wenn ich Diktator wäre, würde ich in der Innenstadt PKWs verbieten (auch für den Bürgermeister oder Draghi) und für die user kostenfreie Busse überall cruisen lassen.


    Wenn ich nach Ffm fahre, stell ich sowieso mein Auto in ein Parkhaus und mache alles zu Fuß, ggbfls. bei Starkregen mit Taxi, wollte ich mit dem Auto rumfahren, bräuchte ich wenigstens die doppelte Zeit (Parkplatzsuche).


    Aber darauf gibts keine Aktien für uns und Autoindustrie für die Wirtschaft ...

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Aus aktuellem Anlass: Government and banks are joined at the hip.

  • Nur um das klar zu stellen: Ich bin generell auch für weniger Autos und mehr ÖNV ooder Fahrrad. Deswegen bin ich kein so großer Fan von Uber und Co. weil das in Städten mit gutem Öffentlichen zu einem Substitutionseffekt und mehr Starßenverkehr führt.

    Ganz meiner Meinung.


    Daher graust mir übrigens auch vor dem Autonomen Fahren, und ich verstehe überhaupt nicht warum das als Heilsbringer für Verkehrsprobleme gilt.

    Denn was passiert wenn man ein autonomes Auto hat?

    Man fährt überall damit hin. Eine Stunde Stau ist egal, weil man ja Zeitung lesen kann oder hier im Forum schreiben.

    Parkplatzsorgen sind auch passé, man lässt sich am Marienplatz absetzen und schickt das Auto alleine in den Vorort zum parken nur um sich drei Stunden später wieder abholen zu lassen.


    Das wird ein absoluter Graus was das Verkehrsaufkommen betrifft. Und die Staus werden einfach so stark zunehmen, bis der Schmerz trotz autonomen Fahrens wieder genau so groß ist wie jetzt ohne.


    wp

  • Autonome Autos verhalten sich aber nicht wie Idioten. Sie gaffen nicht bei Unfällen, fahren nicht dicht auf, bei Rot auf die Kreuzung oder über durchgezogene Linien, sie parken nicht im Halteverbot oder in der zweiten Reihe (zumindest ist das meine Hoffnung/Annahme). Außerdem dürften sie unter einander Kommunizieren können und so über eine Art "Schwarmintelligenz" zu einem deutlich flüssigeren Verkehrsfluss führen (Ein zentraler Großrechner kennt alle eingegebenen Fahrziele sowie die Positionen und Geschwindigkeiten und kann die Routen für alle Teilnehmer optimieren).

  • Da bin ich doch etwas skeptischer, was das Sozialverhalten autonomer Autos angeht.

    (Ein zentraler Großrechner kennt alle eingegebenen Fahrziele sowie die Positionen und Geschwindigkeiten und kann die Routen für alle Teilnehmer optimieren).

    Wieviele Tote wird die erste, von einem Computervirus erzeugte Massenkarambolage haben?


    Ich denke an die vergleichsweise einfache Situation im Cockpit eines Flugzeuges. Was wollen wir vergleichen? Notlandung auf dem Hudson River durch einen erfahrenen Piloten und Bodenrammen vermittels MCAS?

  • Sehe ich vollständig anders.


    Es gibt jedes Jahr aktuell ca. 1,35 Mio. Verkehrstote weltweit.

    Alleine in Deutschland 3.500.


    Makaber gedacht: selbst wenn es mal den einen oder anderen Hackerangriff geben wird, dann wird (sollte es funktionieren) autonomes Fahren MASSIV sicherer sein als eigenes fahren. Viren hin oder her. Deine Enkel werden Dich dann wahrscheinlich fragen warum Du so geisteskrank warst mit 180 km/h in einem selbstgelenkten Auto auf einer Autobahn unterwegs gewesen zu sein.

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klaman

  • Der Vergleich mit einem Flugzeug zeigt aber auch noch einmal, dass selbst in so einer vergleichweise einfachen Aufgabe, ein Flugzeug innerhalb seines Flight-Envelopes zu halten, Menschen im Zweifel noch überlegen sind. Autonomes Fahren in Städten mit Fußgängern Radfahreren, schlecht einsehbaren Einmündungen und Baustellen ist um Größenordnungen schwieriger.


    Ich sehe nicht, dass das in den Städten bald kommt.

    Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers

    Edited once, last by nixda ().

  • Autonomer Fern- & Nahverkehr ist die Zukunft, damit kann man die Taktzeiten verringern.

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

  • Um die Sicherheit mache ich mir auch nicht so viele Gedanken, ich denke da könnte es tatsächlich unter dem Strich zu Verbesserungen kommen.


    Aber verbesserter Verkehrsfluss? Really?

    Wir hatten hier doch die schönen Videos der Google-Fahrzeuge. Die gehen eigentlich ständig und überall in diesen abgesicherten Schnecken-Modus oder bleiben einfach hilflos stehen.

    Auch fehlt der Augenkontakt, der (unter Menschen) ein blitzschnelles Verhandeln unklarer Situationen zulässt, wie jeder Großstadt-Radler sicher bestätigen wird.


    Auf absehbare Zeit reche ich daher damit dass autonomes Fahren (bzw die fatale Mischung aus autonomen und nichtautomatischen Verkehrsteilnehmern) den Verkehrsfluss signifikant verschlechtern wird.

    Da werden noch einige Träume platzen.


    wp

  • Das Problem ist doch, dass es sich um eine brutale technologische Neuerung handelt. Der Atari, das Internet oder das erste Mobiltelefon waren auch clunky und erstmal schlecht zu bedienen. Das hatten bis 1995 nur wenige - und danach "fast alle". Wenn es funktioniert, dann ändert sich das relativ zügig.

    Die Vorteile sind einfach zu groß. Insebsondere wenn man verschiedene Vorteile von Autonom und EV miteinander kombiniert.


    Ich sage nicht, dass das morgen kommt - aber ich bin mir relativ sicher, dass das ein heute <40-jähriger mit normaler Lebenserwartung auf jeden Fall noch mitbekommt wie das Fahren als "normaler Mensche" eine Randerscheinung wird.

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klaman

  • Dieser Deep Dive zum Auto könnte ganz gut in die Debatte passen:


    Mit einem amerikanischen Value Investor (über 30% p.a. in den letzen Jahren) habe ich mich auch noch länger über Carvana unterhalten. Die Veröffentlichung des Videos dauert leider noch etwas. Die These fand ich aber sehr spannend.

  • Da bin ich doch etwas skeptischer, was das Sozialverhalten autonomer Autos angeht.

    Ich glaube kaum dass autonome PKW zugelassen werden, deren Programmierung die ständige Verletzung der StVO beinhaltet (was ja sicherlich für die überwiegende Zahl der Unfälle ursächlich ist). Aber Schummel-Software gab's ja schon einmal, kann also sein dass Porsche dann seine Produkte so einstellt, dass sie immer 10% über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fahren? Dürfte allerdings ziemlich schnell auffallen...

  • Ich glaube kaum dass autonome PKW zugelassen werden, deren Programmierung die ständige Verletzung der StVO beinhaltet

    Ebensowenig werden völlig autonome PKW zugelassen werden, die Passagieren keine Eingriffsmöglichkeiten bieten: Notbremsen wird es geben müssen. Fast alle Standardaktionen müssen deaktivierbar sein: Manchmal muss man eben in 2. Reihe halten, manchmal muss man die StVO verletzen, und wenn es dazu dient, Polizei- oder Notfallwägen Platz zu machen. Wozu Schummelsoftware, wenn ein Schalter genügt?

  • Manchmal muss man eben in 2. Reihe halten,

    Nein, das muss man nie, und darf es auch nie (§12 StVO). Faulheit ist kein Grund.

    Quote

    manchmal muss man die StVO verletzen, und wenn es dazu dient, Polizei- oder Notfallwägen Platz zu machen.

    Nein, das ist in §11(2) StVO (Rettungsgasse) und §38(1) StVO (Anordnung, sofort freie Bahn zu schaffen) geregelt.

  • Nein, das muss man nie, und darf es auch nie (§12 StVO). Faulheit ist kein Grund.

    §12 StVO verbietet das Parken in 2. Reihe, nicht das Halten. Lies ruhig mal nach. Und kotzende panische Kinder auf der Rückbank sind meiner Meinung nach ein Grund.

    Nein, das ist in §11(2) StVO (Rettungsgasse) und §38(1) StVO (Anordnung, sofort freie Bahn zu schaffen) geregelt.

    Die Regelung, sofort freie Bahn zu schaffen, impliziert situationsabhängig das temporäre Aufheben anderer Regelungen der StVO. Exakt hier gibt es einen situationsabhängigen Ermessensspielraum, der nicht global in einer Software implementiert werden kann. Stell Dir vor, es gibt einen Großbrand in der Innenstadt, verbunden mit einem partiellen Zusammenbruch der Stromversorgung, und die Feuerwehr kommt nicht ran, weil die autonomen Autos sich an die Default-Regeln der StVO halten und alles blockieren.

  • Ist mal einer von euch in Neapel Auto gefahren? Oder in Istanbul?

    Wo auf 3 Fahrbahnen 5 Kolonnen fahren, dazwischen Mofas, Orangensaftverkäufer, Scheibenputzer, Bettler, Polizisten, Fussgänger, Kinder, Tiere?


    Bin echt gespannt auf die "KI" die das managen soll.


    Auf Autobahnen wird das kommen. Im Stadtverkehr...glaub ich nicht dran dass das zu meiner Lebzeit noch was wird.


    Das ist ähnlich wie mit dem Wetterbericht. In den 80er Jahren konnte man das Wetter zuverlässig 3 Tage vorher sagen.

    Und man dachte, wenn man erst 1000x schnellere Rechner hätte könne man das Wetter Monate vorhersagen.

    Heute sind die Rechner 100.000x schneller.

    Und man kann wenn es gut läuft 3,5 Tage zuverlässig vorhersagen.

    Stichwort Chaotisches System.

    Nun ist der Verkehr zwar strenggenommen kein chaotisches System, aber gewisse Eigenschaften eines solchen hat er eben doch.


    Strong sell wer auf dieser Erwartung sein Geschäftsmodell aufbaut.


    wp

  • Zum halten: ok, hatte ich zu schnell gelesen. Halten ist ja auch kein Problem, nach spätestens 3min sollte es wieder fliessen. Und bei einem autonomen PKW kann man sich ja um das kranke Kind kümmern, man muss ja nicht am Steuer sitzen.


    Ich glaube auch nicht, dass man Autonom/nicht Autonom gemeinsam gut auf die Strasse bekommt.


    Und zum 'chaotischen' (nicht-Gleichgewicht) System: natürlich. Ist auch von Kollegen ausführlich untersucht worden, wenn jemand Interesse hat:

    https://www.elsevier.com/books…hneider/978-0-444-52853-7

  • Und zum 'chaotischen' (nicht-Gleichgewicht) System: natürlich. Ist auch von Kollegen ausführlich untersucht worden, wenn jemand Interesse hat:

    https://www.elsevier.com/books…hneider/978-0-444-52853-7

    Klingt interessant.


    Aber 122 USD für ein eBook. Und das nach 30% Ermäßigung?

    Sportlich, sportlich.

    Ich glaub da hat einer das Prinzip der optimalen Gewinnmaximierung beim Monopol noch nicht ganz begriffen...;-)