Der Titel sagt es schon, um das etwas von den einzelnen Aktien zu trennen, hier ein eigener Faden zum geopolitischen Verhältnis zwischen China und den USA.
Ich denke was wir aktuell sehen ist nicht mehr und nicht weniger als der Eintritt in eine neue geopolitische Phase.
30 Jahre nach dem Mauerfall erlebten wir nun (mehr oder weniger) die "pax americana", eine Phase die von einer einzigen dominanten Weltmacht geprägt wurde, und in der (mehr oder weniger) ein einziges Wirtschaft-/und Gesellschaftsmodell (die demokratische Marktwirtschaft westlicher Prägung) dominierte.
Die einzige Weltmacht hat sich bis vor wenigen Jahren (mehr oder weniger) verantwortungsvoll benommen, soweit man das von Weltmächten denn sagen kann.
Seit mindestens 20 Jahren baut nun aber China (mehr oder weniger still und leise) daran, ein eigenes Wirtschafts-/Gesellschaftsmodell in Stellung zu bringen - den Staats-Kapitalismus, mit knallharten kapitalistischen Mechanismen im Kleinen, und restriktiver Steuerung im Großen.
Es zeigt nun seine Weltmachtambitionen zunehmend offen, sichert sich weltweit Ressourcen, militärischen und ökonomischen Zugang und formuliert zunehmend Gebiets- und Hoheitsansprüche.
Bis vor wenigen Jahren hat das leidlich gut mit dem westlichen Modell ko-existiert, getragen von der westlichen Annahme dass wirtschaftliches Wachstum automatisch zu einer Konvergenz in Richtung Demokratie und freie Märkte führt. Und somit das westliche Modell nicht ernsthaft in Frage gestellt wird.
Dieser Lack ist aber mittlerweile ab.
Und Enter Trump 2017.
Es wird ja immer so getan als sei Trump hier im Alleingang unterwegs.
Ich glaube dagegen Trump ist nur der willkommene Exekutor einer in den USA mittlerweile weit verbreiteten Überzeugung:
Das China eingegrenzt werden muss, da es bei unveränderter Entwicklung sonst in wenigen Jahrzehnten an Platz Eins stehen wird. Ökonomisch, demographisch und irgendwann auch militärisch.
Das gefällt den Amis nicht, und sie wären auch die erste Weltmacht die das Ruder freiwillig übergibt.
Daher werden sie versuchen den weiteren Aufstieg Chinas zu verhindern.
Eine militärische Konfrontation Chinas ist (zum Glück) keine Option.
Also werden es die USA nun mit dem bewährten Mittel versuchen, mit dem sie schon einmal gewonnen haben:
Dem kalten Krieg.
Aus meiner Sicht sind die aktuellen Handelsquerelen nur der Auftakt.
Oder wie der Economist sinngemäß schreibt: "Wenn es zu einer Übereinkunft kommt, traue ihr nicht. Friedlicher Handel funktioniert auf Dauer nur zwischen Ökonomien mit ähnlichen Wertesystemen."
Das trifft es auf den Punkt.
Was heißt das alles?
Es könnte zu einer zunehmenden ökonomischen Entflechtung kommen.
Wie jemand im Huawai Thread schrieb, es werden alternative Systeme und Institutionen durch China entwickelt werden.
Es wird auch in Richtung getrennter Internets gehen (ist das der korrekte Plural?).
Es wird häufiger Stellvertreterkonflikte geben. Iran als Öllieferant Chinas, und Dollarkritiker ist ein erstes Beispiel.
Es wird öfter erwartet werden dass Nationen "Farbe bekennen" wenn diese aus Sicht einer Weltmacht zu opportunistisch agieren. Beispiel Iran: wird spannend wie sich zB Türkei, Russland, etc verhalten.
Es wird mehr Rüstung geben. Nicht nur Konventionell, sondern um Informations- und Deutungshoheit, Beherrschung von IT Systemen, Handelsrouten etc.
Eben alles wie im kalten Krieg, nur eben in der Variante 21.Jahrhundert.
Aber man kann dem Ganzen auch Gutes abgewinnen:
Es gibt wieder eine Konkurrenz zwischen den Systemen. Und Konkurrenz belebt das Geschäft.
Die USA können sich zumindest gegenüber ihren Verbündeten in dieser Situation nicht mehr dauerhaft aufführen wie die Axt im Walde (auch wenn es aktuell noch so aussieht). Sie werden irgendwann wieder beginnen müssen ihre Strahlkraft aufzupolieren.
Da das westliche System nach wie vor von der Zustimmung durch die Bevölkerung getragen wird, kann es sein dass wieder mehr getan werden wird um diese Zustimmung zu erlangen.
D.h., so paradox das ist, für die erweiterte Mittelschicht im Westen kann ein kalter Krieg die persönliche Lage verbessern.
So wie auch die soziale Marktwirtschaft grade unter der Drohung des Kommunismus am besten, und wie ich finde, auch am fairsten funktioniert hat.
Der Westen kann es sich während eines Konfliktes schlicht nicht leisten dass die eigenen Gesellschaft zersplittert oder uneins ist.
Und Aktien?
Die Märkte florierten während des kalten Krieges.
Es würde mich nicht wundern wenn sie das wieder tun in den nächsten Jahrzehnten.
Zumindest solange man dem westlichen Modell die höhere Fitness zutraut.
Ich tue das, zumindest für den Fall dass die soziale Marktwirtschaft wieder anfängt sich als Projekt für die gesamte Gesellschaft zu sehen und nicht nur als Vehikel für wenige superreiche Globalisierungsgewinner.
Wie seht ihr die Lage?
wp