China und die USA - neuer kalter Krieg oder friedliche Koexistenz?

  • Ich habe chinesische Aktien. Da die Sanktionen nur militärisch unterstützende Firmen betrifft, denke ich, bin ich mit Techtronic, Alibaba und BYD nicht betroffen. Investieren würde ich nicht in sanktionierte Firmen. Wenn man nur noch auf den Binnenmarkt angewiesen ist, hat man meist kein Wachstum und alte Technologien. Außerdem möchte ich gerne auch in USA Urlaub machen können, oder weiterhin einen Computer mit US Patenten nutzen.


    Da kann man nur hoffen, dass das diplomatische Geschick von Biden auf beiden Seiten die Wogen glättet. Ich bin auf die Gegenmaßnahmen von China gespannt.

  • Hätte ich nicht gedacht, dass China ohne die USA nicht in der Lage ist, in absehbarer Zeit ein großes Passagierflugzeug zu bauen. Raumfahrt scheint gegenüber Luftfahrt eher einfache Technologie zu sein.


    https://www.faz.net/aktuell/wi…ie-angreift-17068894.html


    In der Chipindustrie sieht es ähnlich aus, obwohl derzeit versucht wird, mit einem Multimilliardenplan aufzuholen.


    Vielleicht haben sie zu früh zu sehr auf den Putz gehauen.

    Bekanntlich hält man ja nur jene Menschen für normal, die man noch nicht so gut kennt. (SPON)

  • Sie haben vor allem ein Grundproblem. Jede(r) Chinese*in die ich kenne, würde sich, soweit ich mich erinnere nach eigenerer Aussage "nie in ein chinesisches Flugzeug setzen". Ob nun berechtigt oder nicht.


    Ich meine, die hätten damals lieber mal die CSeries vom Bombardier übernommen. Das war von Größe etc. her ganz ähnlich, Technik sehr gut, Kraftstoff-effizient und schon am Markt gewesen, als Bombardier noch einen Käufer gesucht hat. China hätte alles eingebracht was Bombardier gefehlt hat, Geld, das damit zusammenhängende Durchhaltevermögen und zudem, die hätten schon Käufer rangebracht. Just my two cents.

    When a management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.


    W. B.


    Investment is most intelligent when it is most businesslike.


    B. G.


  • Da sag noch mal einer wir seien den Medien hier im Forum nicht vorraus ;-)

    "Calm seas never made a good sailor"

    "Es gibt nichts Schöneres als einen warmen Regen nach einer kalten Dusche"

  • Von den westlichen Medien eher nur am Rade berichtet ist übrigens die Chinesische Mondmission erfolgreich abgeschlossen worden.


    https://www.tagesschau.de/ausl…gestein-gelandet-101.html


    Riesen TamTam wenn Elon eine Rakete in den Orbit schießt, aber die Chinesen legen mal eben eine Landung und Rückkehr zum Mond hin, die erste seit 44 Jahren.

    Der "Sputnik Schock 2.0" steht damit kurz bevor, denn demnächst werden sie das sicher bemannt wiederholen.

    Denke auch sie werden als Erste beim Mars sein.

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  • Geopolitisch eine "interessante" Zeit aktuell.


    Offenbar ist Biden in den Tritt gekommen, das Impfende in den USA ist abzusehen und man hat wieder Energie für Außenpolitik.


    Gleich drei latente Konfliktherde entwickeln sich diese Woche weiter:


    1) Ukraine kocht wieder hoch. Für mich etwas unklar ob mit (echtem) akuten Anlass oder einfach nach der "Bösewicht im Wandschrank" Theorie an der Zeit das wieder aufzukochen.


    Bzgl Aktien:

    Für russ. und ukrainische Aktien droht dadurch Rückschlaggefahr oder Kaufgelegenheit, je nach balls.

    Würde mich auch nicht wundern wenn das Ganze in Zusammenhang mit NS2 gebracht würde.


    2) China.
    Es wird plötzlich über Boykott der Winterolympiade diskutiert.

    Ich habe ja schon länger die These dass hier ein neuer eiserner Vorhang emporwächst, aber so schnell? Wow.

    Nun gut, hier hatte ja jemand vor drei Wochen das sensationell spannende Video von dem Treffen in Alaska damals verlinkt. Das war harter Tobak, ich denke die Konfrontation geht jetzt direkt in die offene Phase über.

    Mal sehen ob China dann nicht direkt Olympia Tokio boykotiert und zack haben wir die den Älteren hier noch bekannten "Blöcke" in neuer Auflage zurück.
    Ich war noch nie in China, muss mich wohl ranhalten das zu besuchen bevor es schwierig wird.
    Na gut, die Chinesischen Tourimassen in Europa werden mir nicht fehlen, aber schon krass das alles.

    Denke der Countdown um Taiwan läuft auch, ich sage mal weniger als 5 Jahr und das ist bei China, siehe unten.


    Bzgl. Aktien:

    It all happend before (cold war).

    Nur das wirtschaftlich m.E. diesmal nicht der Westen sondern China den längeren Atem haben wird.
    Daher habe ich hohes Interesse dort Aktien aufzubauen, die möglichst nicht von Sanktionen etc betroffen sein werden. Bucc hat es mal gut gesagt: Firmen die beide Märkte bedienen werden Probleme bekommen (da sind viele deutsche Konzerne darunter).

    Also suche ich Aktien die nur China machen. China Mobile hab ich.

    Alibaba zB finde ich spannend.

    Andere Ideen jemand?!


    3) Türkei

    Das Land das ich von allen am Besten kenne und von dem ich bekanntlich (seinen Chef mal außen vor) eine gute Meinung habe.

    Geostrategisch sind die auch am spannendsten, weil (noch) eine "wildcard".

    Letztlich laviert die Türkei seit 7-10 Jahren, also seit der Enttäuschung endgültig festzustellen bei der EU nicht mitmachen zu dürfen, zwischen den Blöcken hin und her.

    Ob das die richtige Strategie ist sei mal dahingestellt. Aber es ist eine mögliche Strategie, denn alle drei Blöcke (Nato, Russland, China) wollen die Türkei auf ihrer Seite. Und die Türkei wiederum braucht definitiv die Nato/Europa (Wirtschaft, Technologie) UND ein gutes Verhältnis zu Russland (Energie). Und China schadet zumindest nicht, ist aber wohl am wenigsten essentiell für die Türkei von den dreien.

    Nicht so umgekehrt! Die Türkei unter chinesischem Einfuss, das wäre der Jackpot, die Kronjuwele chinesischer Diplomatie, daher wird eben auch zwischen diesen Beiden zumindest kokettiert.

    Erdogan spielt letztlich Poker und will die "Gebote" aller Parteien hochtreiben.

    Wer die türkische Geschichte kennt weiß aber dass die am Ende sich sehr wahrscheinlich doch wieder im Nato/EU Lager wiederfinden wird.
    Ich glaube bis zu dieser "Entscheidung" ist es gar nicht mehr so weit hin (siehe versöhnliche Töne gestern beim EU Besuch dort).


    Bzgl Aktien:

    Die Wirtschaft, die Demographie, die Lage, das alles ist aussichtsreich WENN sie denn die Querelen überwinden mit der EU/Nato.

    Klar, viele träumen davon das Erdogan weg muss. Wäre nett, wird aber nicht passieren.

    Muss aber auch kein Hindernis sein, die EU kam in den Nuller Jahren mit Erdogan super aus und wird es wieder tun wenn es nur beide wollen.

    Es wurde auch das Risiko einer Währungskrise angesprochen. Das erachte ich aus obigen Gründen für gering. Die Fakten sind ja nicht schlecht mit nur 40% Verschuldung, Wachstum, fortschreitende Industrialisierung etc.

    Eine Krise käme nur wenn der Westen die Finanzierung schlagartig entzieht.

    Und dann steht wer bereit mit seinen fetten USD Reserven die es eh nicht ordentlich einsetzten kann? Eben. China.

    Das weiß der Westen, daher wird man sie nicht fallen lassen.

    Somit finde ich die Idee mit den Bankaktien dort ehrlich gesagt ziemlich cool.

    Aber das ist kein Advise, eh klar, es kann auch noch Jahre weitergehen mit dem Poker, und die Regierung dort drängt ihre Banken gerne mal zu politischen Kreditvergaben, who knows. Nun ja, andererseits halt KGV 3 nicht 30.


    Soviel meine zwei Cent zur aktuellen Geopolitik.


    Die wird also unruhig werden going forward. Genauso wie es innenpolitisch unruhig werden wird sobald der Corona-Deckel weg ist und die ganzen Rechnungen aufgemacht werden.

    Der Westen wird beschäftigt sein beide Unruheherde unter Kontrolle zu behalten. China hat nur einen davon und wird daher weiter davon ziehen. Daher auch meine These das Taiwan bald "fällig" ist. Wenn zB die USA sich wieder ernsthaft in der Ukraine mit Russland verstricken, wäre das China Chance zuzuschlagen. Das Auge Saurons, äh der aktuellen Weltmacht, kann immer nur in eine Richtung gucken.


    Schau mer mal.


    woodpecker

    "Calm seas never made a good sailor"

    "Es gibt nichts Schöneres als einen warmen Regen nach einer kalten Dusche"

  • Passender Artikel dazu: China nutzt Corona Quarantäne um ausländische Firmen auszubooten:


    https://www.spiegel.de/wirtsch…10-4c21-8bc8-e3b690f805a2


    Quote


    Wer schließlich in China gelandet ist, dem droht mitunter ein tage- oder gar wochenlanger Zwangsaufenthalt in Quarantänehotels: »Die Unterbringung in den Quarantänehotels ist gemessen an europäischen Standards häufig unzumutbar«, kritisierte Ackermann. Firmen hätten unter anderem von sehr kleinen Hotelzimmern, teilweise ohne Fenster und ausreichende Belüftung, berichtet, von fehlendem Wäschewechsel, sowie mangelhaften Hygienebedingungen, unter denen auch Coronatests durchgeführt worden seien.


    und


    Quote


    Christof Boensch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Frimo Group GmbH, beklagte: »Chinesische Wettbewerber nutzen die ›Abriegelung‹ Chinas, um in unsere Märkte weiter einzudringen, und nutzen die Nichtverfügbarkeit der deutschen Experten als Verkaufsargument.«


    mmi

  • Der Fairness halber, das gibt es auch anderswo, bzw. könnte so dort unterstellt werden. Ich kann z.B. seit längerem nicht mehr nach Japan einreisen, obwohl Visa-Genehmigung. Und wenn, dann auch so ähnlich, 2 Wochen Quarantäne, etc. etc. Oder Australien, da hat ein Kollege genau das gleiche erzählt, 2 Wochen fensterloses Hotel usw.

    Der Punkt ist, das ist massiv Geschäfts-schädigend, wenn man denn "von außen rein verkaufen will". Bei uns sind außer mir alle Kollegen in Japan vor Ort, d.h. so gesehen hilft es uns sehr. Weil eben auch Ausländer nicht rein können, d.h. generell ist im Vorteil, wer bereits vor Ort ist. In Japan trifft es z.B. auch Chinesen, weil die sonst sehr aktiv dort sind, Messen, usw., aber eher weniger feste Präsenz dort haben.


    Was ich krasser finde, gestern gelesen und leider den Link grad nicht mehr da (ich glaube es war die NYT): Da hieß es, dass China nur Leute in's Land lassen wird (zumindest momentaner Stand), die mit dem chinesischen Impfstoff geimpft sind. Auch Ausländer. Das wäre richtig heftig finde ich. Ist auch so eine gewisse Sekten-Methodik, zeig mal dass du unser Zeug magst und nicht den anderen glaubst. Aber ganz nüchtern betrachtet, das heißt momentan (wenn es stimmt, wovon ich ausgehe), dass z.B. Leute aus Hongkong nicht nach China einreisen können, wenn sie sich mit Pfizer/BioNTech impfen ließen, der ja dort auch bestellt wurde. Obwohl der einen Wirkungsgrad von etwa 95 % hat, und der chinesische von ca. 50 %. Das könnte man durchaus auch als Abschottungs-Politik bezeichnen, denn nachdem ich davon ausgehe, dass man eh nur geimpft wieder reisen wird können, werden sich viele Leute, gerade aus dem Westen, fragen, warum sie sich nochmal mit dem chinesischen Impfstoff impfen lassen sollen, wenn sie schon einen anderen bekommen haben.


    So, jetzt hab ich doch noch einen Artikel zum Thema gegoogelt, irgendwas sollte man ja schon verlinken:

    https://fortune.com/2021/03/17…ntry-visitors-foreigners/


    Naja, und das ist etwas, wofür ich keinerlei Verständnis habe. Es hieß ja auch schon öfters, dass es in China Propaganda gegen die westlichen Impfstoffe gibt, keine Ahnung. Aber das ist etwas, m.M. nach völlig daneben. Ähnlich daneben wie in Russland, die Millionen Dosen ins Ausland verkaufen, aber die eigene Bevölkerung nicht geimpft bekommen (oder wollen). Oder ich versteh da auch einfach was nicht. Wirkt nämlich so, als wären der Export und die damit einhergehende Propaganda wichtiger, als die Gesundheit der eigenen Bevölkerung.

    When a management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.


    W. B.


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    B. G.

  • Ähnlich daneben wie in Russland, die Millionen Dosen ins Ausland verkaufen, aber die eigene Bevölkerung nicht geimpft bekommen (oder wollen). Oder ich versteh da auch einfach was nicht. Wirkt nämlich so, als wären der Export und die damit einhergehende Propaganda wichtiger, als die Gesundheit der eigenen Bevölkerung.

    Zu Russland:

    Quote

    Die Mehrheit der Russen (62 Prozent) will sich nicht gegen Covid impfen lassen, 64 Prozent denken, dass es sich bei diesem Virus um eine biologische Waffe handelt

    [...]

    Gleichzeitig liegt Russland unbestritten an der Weltspitze, was die schnelle Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs gegen Covid betrifft. Und es bildet die Weltspitze, was die Hilfe für andere Länder bei der Impfung betrifft: 39 Länder haben den russischen Impfstoff zugelassen, darunter zwei EU-Staaten, die nicht die EU-Zulassung abgewartet haben – Ungarn und die Slowakei.

    Natürlich ist das ein Sieg. Die Frage ist: ein Sieg über wen?

    Die russische Propaganda hat sich selbst besiegt und die eigenen russischen Bürger. Die jahrelange Verbreitung von Verschwörungstheorien und diversem antiwissenschaftlichem Unsinn hat dazu geführt, dass sich in dem Land, das in der Impfstoffentwicklung an der Spitze steht, die Menschen vor Impfungen fürchten.


    https://www.dekoder.org/de/art…mpfung-sputnik-propaganda

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • ....

    Was ich krasser finde, gestern gelesen und leider den Link grad nicht mehr da (ich glaube es war die NYT): Da hieß es, dass China nur Leute in's Land lassen wird (zumindest momentaner Stand), die mit dem chinesischen Impfstoff geimpft sind. Auch Ausländer. Das wäre richtig heftig finde ich. Ist auch so eine gewisse Sekten-Methodik, zeig mal dass du unser Zeug magst und nicht den anderen glaubst. ...

    Diesen Streit gibts schon länger. Die EU hatte Pläne Menschen mit chinesischer "Impfung" nicht in die EU zu lassen.

    Das Problem hat der eine oder andere aus der Türkei, die sich mit dem chinesischen Impfstoff haben impfen lassen. Die bekommen für die EU keine Visa.


    "...Zugleich kritisierte die Global Times, dass EU-Pläne für einen europäischen Impf-Pass eine Bewegungsfreiheit in Europa nur für - mit in der EU zugelassenen Vakzinen wie Biontech, AstraZeneca oder Moderna - Geimpfte vorsieht. Dass Peking selbst die gleiche Politik der Bevorzugung des eigenen Vakzins fährt, scheint der Zeitung nicht groß aufzufallen..."


    https://www.merkur.de/politik/…tionalismus-90245236.html

  • Wobei bei dem Chinesischen Impfstoff die Wirksamkeit schon ein echtes Thema ist. Der Impfpass macht ja nur Sinn wenn man nicht mehr Überträger sein kann. Die Zahlen für die komplette Vermeidung einer Infektion gehen bei dem Chinesischen Impfstoff von ca. 50% bis gut 80%:


    https://en.wikipedia.org/wiki/CoronaVac


    Das ist schon einen ganze Klasse schlechter als bei BionTech und vermutlich auch AZ.

  • Ich denke mit Sinnhaftigkeit oder Moral kommt man hier nicht weiter wenn man verstehen will was vor sich geht.

    Der Westen nimmt zB die Uiguren in Schutz (die ihm genau wie die Tibeter jahrelang wurst waren als die Geschäfte liefen), China nimmt die armen US-Schwarzen in Schutz (die ihm jahrelang ebenso wurst waren als die Geschäfte liefen), das ist doch Klamauk.


    Beide Seiten (der Westen, als auch China) WOLLEN zunehmend den Vorhang hochziehen, beide wollen ihre Wirtschaft unabhängiger vom anderen aufstellen (sprich den anderen jeweils rausdrängen aus etlichen Bereichen), beide sehen den anderen zunehmend als Konkurrent (und bald schon als Gegner fürchte ich) denn als Partner.


    Der Rest ist eine Folge davon, da sind (wie immer in der Geschichte) alle möglichen Bandagen recht und es wird halt (auch wie immer) irgendwie hinargumeniert so dass es zumindest der jeweils eigenen Bevölkerung oder bislang parteilosen Dritten gerechtfertigt erscheint.

    "Calm seas never made a good sailor"

    "Es gibt nichts Schöneres als einen warmen Regen nach einer kalten Dusche"

  • ...

    Der Westen nimmt zB die Uiguren in Schutz (die ihm genau wie die Tibeter jahrelang wurst waren als die Geschäfte liefen), China nimmt die armen US-Schwarzen in Schutz (die ihm jahrelang ebenso wurst waren als die Geschäfte liefen), das ist doch Klamauk.

    ...

    Der Westen nimmt die Uiguren nicht nur in Schutz, sondern profitiert zum Teil davon.

    VW lässt die Uiguren Autos zusammenbauen um weiter Ihre Geschäfte in China betreiben zu können.


    "SPIEGEL: Betreibt VW den Standort also nur, um sich damit die Erweiterung anderer Standorte zu erkaufen?

    Siebert: Genauso ist es. Und so widersinnig der Betrieb auf den ersten Blick erscheint: In der Gesamtbilanz fallen 20.000 unrentable Autos bei insgesamt zehn Millionen produzierten Pkw einfach nur unter die "sonstigen Kosten"..."


    https://www.spiegel.de/auto/ak…gebaut-hat-a-1298154.html

  • Man muss m.E. die "moralische" und die "spieltheoretische" Seite trennen, wenn man Geopolitik verstehen und ggf. sogar vorhersagen will.

    Ich sage nicht dass moralisches Denken nicht notwendig ist. Aber für uns kleine Sterbliche ist es v.a. wichtig dort moralisch zu agieren wo man Einfluss hat, also im direkten Umfeld. Das ist mir immer wichtig und ich versuche das absolut zu einem Leitstern meines Handelns zu machen.


    Weniger sinnig ist die Moralbrille allerdings als unbedeutender Beobachter eines großen Spiels indem mal selber exakt null Einfluss hat.

    Denn da muss einem immer klar sein dass man selber das Ziel, das zu manipulierende Objekt des Moralgeschwurbels ist.

    Dieses Spektakel wird oft (ich sage nicht immer! aber doch meistens) nur veranstaltet um etwas im Betrachter (das sind wir und der Rest der Bevölkerung der Welt) auszulösen.

    Und zwar seit tausenden von Jahren immer das selbe: Nämlich sich hinter der Führung zu versammeln.

    Vielleicht ist das sogar soziologisch notwendig oder gar legitim wenn man ein Land zu Erfolg führen will, vielleicht ist eine Führung ohne dieses Instrument dem Untergang geweiht oder verliert wie der DalaiLama (der einzige Führer den ich kenn der dieses Instrument konsequent nicht einsetzt) einfach sein Land, keine Ahnung.


    Wie auch immer, um die Dinge wirklich zu verstehen, muss man diese ablenkende Beeinflussung ausblenden und sich des Instruments der eiskalten Spieltheorie bedienen.

    Mit diesem Instrument konnte man klar erkennen dass HK am Ende an China fallen wird. Dass am Ende Russland die Krim behalte wird. Dass sie aber besser mit der Krim hätten zufrieden sein sollen und der Donbass eine ungute Idee war/ist. Dass NS2 vermutlich zu Ende gebaut werden wird.

    Man kann vorhersagen dass Taiwan an China fallen wird, man kann die Rolle der Türkei besser verstehen usw. Man kann vorhersagen das ziemlich sicher China die USA als Weltmacht ablösen wird in den nächsten 50-100 Jahren.

    Es gibt durch diese Brille gesehen einfach deutlich weniger Überraschungen auf dem Tableau der Weltpolitik.


    Natürlich ist das für den einfachen Bürger eher Privatvergnügen, man kann ohne all das auch gut leben.

    Aber bei mir ist das halt ein Hobby, mich fasziniert Geschichte, die Entwicklung und der Fall von Zivilisationen, die ganz großen Zeiträume und die langsamen aber gewaltigen Kräfte von Gesellschaften und ihrer Ausrichtung. Das ist quasi Evolution v2.0, eigentlich ne irre Sache.

    Und ich investiere halt auch gerne in diesen Länden, da ist es dann schon wichtig eine These zu haben wie es weitergeht.


    Nun ja, genug Exkurs.


    Wie haltet ihr es denn mit China-Aktien?

    Hat da außer mir irgendwer den Gedanken dass es cool wäre dort ein Portfolio zu haben?

    Gleichzeitig ists ja auch schwierig. Ich bin nicht sicher ob nicht die Risiken die Chancen überwiegen.

    Nicht wirtschaftliche Risiken, da bin ich sehr bullish für China, sondern politisch Risiken, Handelsverbote etc. Geht ja schon los.


    Würde mich über Meinungen freuen.

    "Calm seas never made a good sailor"

    "Es gibt nichts Schöneres als einen warmen Regen nach einer kalten Dusche"

  • woodpecker


    Der Exkurs gefällt mir. Vermutlich, weil die diversen Punkte meiner Einschätzung entsprechen. ;-)

    Bei mir allerdings ganz ohne Spieltheorie, von der ich keine Ahnung habe.


    Macht neugierig. Was empfiehlst Du zum Einstieg an Lektüre bzgl. Spieltheorie/Politik?

  • Ich hatte mir letzte Jahr mal Yuan-Anleihen angeschaut. Die waren einigermaßen gut verzinst, und die Währung hat vermutlich eher Potenzial nach oben, wenn die Fixierung aufgehoben wird.

  • Ich hatte mir letzte Jahr mal Yuan-Anleihen angeschaut. Die waren einigermaßen gut verzinst, und die Währung hat vermutlich eher Potenzial nach oben, wenn die Fixierung aufgehoben wird.

    Haben die nicht fürchterlich große Mindestnominale im Börsenhandel?

    "Hey Du, möchtest Du ein A kaufen?" Standard & Poor's (zitiert aus: Marc-Uwe-Kling: Der falsche Kalender - 365 falsch zugeordnete Zitate)

  • Wie auch immer, um die Dinge wirklich zu verstehen, muss man diese ablenkende Beeinflussung ausblenden und sich des Instruments der eiskalten Spieltheorie bedienen.

    Auch wenn ich mit deinen Prognose hier übereinstimme, so muss ich doch als Spieltheoretiker qua Beruf hier Einspruch einlegen. Denn für viele deiner Prognose benötigt man vor allem weit mehr als Spieltheorie, denn diese erklärt (oder sagt vorrraus), was rational agierende Akteuer tun, um ihren Nutzen zu maximieren.

    Den Punkt, den du machst, nämlich, dass sie auf Moral sche**en, ist zwar durchaus wichtig, aber viel entscheidender (und da kommen andere Fachrichtung als die Spieltheorie zum tragen) ist aber zu wissen, _was_ bestimmt denn überhaupt die Nutzenfunktion der Akteure (hier wohl die Staaten). In einigen Ländern hat Moral sehr wohl einen Einfluss auf die Entscheidungen, denn es sieht schlecht aus/ die Bevölkerung muss kostspieleig überzeugt werden/etc. wenn man etwas "unmoralisches" tut.


    Die Spieltheorie nimmt lediglich an das wir es miot rational agierenden Akteuren zu tun haben und sagt dann voraus, das die Entscheidungen ein Gleichgewicht bilden. Kurz: Für jeden gibt es keine bessere Entscheidung gegen die Entscheidungen der anderen.


    Problem der Spieltheorie in der Praxis:

    - Akteure sind häufig nicht rational. Menschen z.B. sind häufig emotional und darüberhinaus lausig im Berechnen von Erwartungswerten.

    - Die Nutzenfunktionen sind nicht wirklich bekannt.