Klimawandel - Entwicklungen, Strategien, persönliche und gesellschaftliche Lösungsansätze

  • Klimakiller Zement:

    Quote

    Der Handel mit Emissionsrechten hat bislang seine Ziele verfehlt, auch das ist Teil dieser tristen Realität. Statt Druck aufzubauen, haben die geschenkten Zertifikate für Zusatzgewinne der Unternehmen gesorgt. Seit 2005 ist der CO2-Ausstoß der deutschen Zementindustrie nicht mehr gesunken.


    Ein Ausweg aus dem Dilemma ist nicht in Sicht. Die Wundertechnik CCS ist heute kaum mehr als ein Planspiel auf Papier. Und der Emissionshandel, so er denn endlich funktioniert, wird bei Zement bald an Grenzen stoßen. Er wird schon deshalb nicht zu einer weiteren Reduktion der Treibhausgase führen, weil die Naturgesetze das nicht zulassen. Er wird aber Zement und damit das Bauen verteuern. Das muss die Gesellschaft wissen, und sie muss es wollen. Wie gesagt, die Welt wäre eine andere ohne Zement.

    Gleichzeitig kauft sich Artisan Partners weiter bei HC ein. Die Aktie sieht antizyklisch fast interessant aus.

  • Zement ist ein Thema.


    Hier werden ein paar Dinge ziemlich konträr laufen die nächsten Jahr:


    Einerseits wird man CO2 einsparen und bepreisen wollen, so dass Zement teurer wird.


    Gleichzeitig will man bauen, bauen, bauen.

    Einerseits Wohnungen, andererseits Infrastruktur.
    Und Bauen soll billiger werden, während der Rohstoff teurer werden soll.


    Kaum aufzulösen, falls das nicht irgendwie doch klappt mit dem CCS.


    Der Satz aus dem Greenlight Link trifft auch hier zu:

    Supply reduction is done quicker than demand reduction.

    "Calm seas never made a good sailor"
    "Fear is the path to the dark side. Fear leads to anger. Anger leads to hate. Hate leads to suffering." - Meister Yoda


  • Im besten Fall wird dadurch der CO2-Verbrauch besser eingepreist - und der Markt kann ganz eigenständig daran gehen, alternative Baustoffe mit geringerem CO2-Abdruck zu stärken.

    Wenn die Rahmenbedingungen richtig gesetzt sind, findet der Markt tolle Lösungen.

    Darum war der planwirtschaftliche Sozialismus a la DDR auch wesentlich umweltschädlicher als marktwirtschaftliche Kapitalismus a la BRD.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Wir hatten schon einmal hier im Forum Baukosten diskutiert. Vor 7 oder 8 Jahren nannte mir ein Architekt mal €2100 Baukosten im Geschosswohnungsbau, jeweils ein Drittel Rohbau, Trockenbau und Haustechnik. Wohnungen wurden damals aber schon für €4000 aufwärts verkauft, der Rest geht letztlich für das Grundstück und den Gewinn des Projektentwicklers drauf.


    Damals also €700/qm Rohbau, vermutlich die Hälfte davon auch noch für Rohstoffe und der Rest für Arbeit und Gerät, dann scheint mir der Einfluss des Zementpreises nicht dermaßen hoch.

  • Wir hatten schon einmal hier im Forum Baukosten diskutiert. Vor 7 oder 8 Jahren nannte mir ein Architekt mal €2100 Baukosten im Geschosswohnungsbau, jeweils ein Drittel Rohbau, Trockenbau und Haustechnik. Wohnungen wurden damals aber schon für €4000 aufwärts verkauft, der Rest geht letztlich für das Grundstück und den Gewinn des Projektentwicklers drauf.


    Damals also €700/qm Rohbau, vermutlich die Hälfte davon auch noch für Rohstoffe und der Rest für Arbeit und Gerät, dann scheint mir der Einfluss des Zementpreises nicht dermaßen hoch.

    Guter Ansatz.

    Für eine Tonne Zement wird offenbar 590 kg CO2 ausgestoßen.

    Sagen wir fairer CO2 Preis mittelfristig 100 EUR pro Tonne (das ist was man sich mittelfristig an Kosten für DAC, direct air capture, erwartet), also 59 EUR pro 1000 kg Zement.

    Wenn jetzt noch jemand weiß wieviele kg Zement pro qm nötig sind, haben wir eine Zahl.

    "Calm seas never made a good sailor"
    "Fear is the path to the dark side. Fear leads to anger. Anger leads to hate. Hate leads to suffering." - Meister Yoda


  • Ich kann die Daten hier leider nicht einstellen, aber man nimmt momentan an, dass:


    - die Kosten für 100% dekarbonisierten Beton (Zement+ Sand+ Wasser) ca. 50% höher sind als bislang und dass das insgesamt +5% bei den Baukosten macht.

    - Damit kann man sich p3er Dreisatz den Anteil von beton an den Baukosten ausrechnen

    - Zement macht wiederum ca. 80% an den aktuellen Kosten für den Beton aus


    Am einfachsten scheint es, CO2 entweder in den Beton einzumischen oder eine mineralisierte Version in den Sand.

  • - die Kosten für 100% dekarbonisierten Beton (Zement+ Sand+ Wasser) ca. 50% höher sind als bislang und dass das insgesamt +5% bei den Baukosten macht.

    +5%.

    Nun gut, unschön, aber das geht doch eigentlich im Rauschen der ständigen Baukostensteigerungen unter.


    Also wären die Mehrkosten zumindest im Wohnungsbau kein echtes Hindernis CO2 mal fair einzupreisen.

    Während auf der Herstellerseite, da würde das schon einen CO2-Sparanreiz geben, weil dort +50% Kosten potentiell zu vermeiden wären, würde sie es CO2-neutral hinbekommen, korrekt?


    Jemand ne Ahnung wie es bei Infrastruktur aussieht?
    Nehme an bei einer Autobahnbrücke ist der Anteil der Betonkosten ggf höher? Oder vielleicht auch nicht?

    "Calm seas never made a good sailor"
    "Fear is the path to the dark side. Fear leads to anger. Anger leads to hate. Hate leads to suffering." - Meister Yoda


  • Meine These: Der Innovationstrigger (=Suche nach guten, CO2-armen Alternativen) sollte den Dämpfungseffekt durch die höheren Preise mittel- bis langfristig übertreffen.


    In den Achtzigern klagte die produzierende Industrie (Chemieindustrie, Grundstoffe etc. pp.) über existenzbedrohende neue Umweltauflagen zwecks Reinhaltung von Luft und Wasser. Aus den Nuller Jahren erinnere ich die Klagen ob der Reach-Einführung. Ähnlich schätze ich es jetzt wieder ein.


    Dass die deutsche Industrie gerade in Chemie und Grundstoffen im Vergleich der westlichen Länder sehr stark aufgestellt ist, dürfte auch mit den relativ frühen Anpassungsschmerzen zusammenhängen, die zeitlich früher Innovationsdruck steigerte. Die resultierend entwickelten Produkte ließen sich international vermarkten, wenn ähnliche Umweltforderungen mit Verspätung anderswo zu Nachfrageveränderungen führte und deutsche Unternehmen bereits fertig entwickelte Lösungen anbieten konnten.


    Den Zeit"vorteil" der früheren Schmerzen und dem resultierend früher auftretenden Innovationsdruck sehe ich mittlerweile als wichtige mittel- bis langfristige Exportförderung.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Das ist auch meine These. Deutschland ist weltweit führen in Prozesstechnik was einer der wesentlichen Treiber in dem ganzen Komplex ist.


    Das hat ein extremes Potential wenn wir uns nicht ganz dämlich anstellen. Meine Hoffnung ist das evtl. die Kombi FDP & Grüne da was voranbringen kann. Die Hoffnung stirbt immer zuletzt....

  • Sehe ich auch so.


    FDP & Grüne ist ne starke Kombi, das sorgt für ne gute Balance.

    Ob mit SPD oder Union ist da schon fast wurscht.


    Aufpassen muss man nur bei ideologischen Scheuklappen.

    CCS, Atom, Gas, (auch Tempolimit, auch Schuldenaufnahme) sollte man alles genauso nüchtern betrachten und durchrechnen wie Wind, Solar, Wasserstoff, Ammoniak etc.

    Aber auch hier ist meine Hoffnung dass beide Seiten zumindest ein wenig ihre Scheuklappen lupfen werden müssen.

    "Calm seas never made a good sailor"
    "Fear is the path to the dark side. Fear leads to anger. Anger leads to hate. Hate leads to suffering." - Meister Yoda


  • Sehe ich auch so.


    FDP & Grüne ist ne starke Kombi, das sorgt für ne gute Balance.

    Ob mit SPD oder Union ist da schon fast wurscht.

    Es freut mich, dass sich meine Frage aus dem September nach Bereichen, in denen sich Grüne und FDP verstärken können, endlich produktive Antworten finden. Es reicht ja nicht, dass die Parteien sich einigen, auch ihre Anhänger müssen dem folgen.


    Wobei es mich immer noch fasziniert, dass diese Gedanken im September noch völlig ausblieben und nur Vorwürfe an "die andere Seite" geäußert wurden. Das zeigt auch, wie sehr es im letzten Monat in Bereichen zu einem Stimmungsumschwung kam.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Also wenn du mich meinst, eher kein Umschwung.

    Ich hielt die Kombi Gelb Grün immer schon für gut, sah aber nie viele "Gemeinsamkeiten" nach denen du damals fragtest.


    Stark ist die Kombi für mich ja grade weil es wenig Gemeinsamkeiten gibt und somit beide zu Kompromisse gezwungen werden.
    Kompromisse finde ich als Mann der Mitte und Freund Hegelscher Dialektik (😉) immer gut!

    "Calm seas never made a good sailor"
    "Fear is the path to the dark side. Fear leads to anger. Anger leads to hate. Hate leads to suffering." - Meister Yoda