Corona Pandemie 2020 und die Folgen für die Börse

  • Ist auch ne Meinung. Nicht unbedingt meine, wahrscheinlich auch nicht Eure, aber nun ja:


    https://www.cnn.com/2020/03/23…ing-guidelines/index.html


    Ich glaube manche kapieren es einfach nicht. Na gut, er ist ja Governor, da wird er schon ein Intensiv-Bett bekommen. Man sollte ihn mal fragen ob er die gleiche Meinung hätte, wenn man ihm aufgrund von zu vielen Fällen keines mehr geben könnte.

    Krass.

    Die wiederholen exakt den Fehler Italiens (bzw planen zu wiederholen).

    Erinnert sich noch wer?!

    Kurz vor dem vollen shut down waren die auch dabei in der Lombardei wieder an die Arbeit zurück zu kehren.

    Das ist es was den Mist dort böse verzögert hat...

    Exponentialfunktion zu Polynomfunktion zu linearer Funktion verhält sich wie: Darth Vader zu Frodo zu Mickey Mouse.

    "If you have a nail and a hammer, then use it!"

  • Ist auch ne Meinung. Nicht unbedingt meine, wahrscheinlich auch nicht Eure, aber nun ja:


    https://www.cnn.com/2020/03/23…ing-guidelines/index.html


    Ich glaube manche kapieren es einfach nicht. Na gut, er ist ja Governor, da wird er schon ein Intensiv-Bett bekommen. Man sollte ihn mal fragen ob er die gleiche Meinung hätte, wenn man ihm aufgrund von zu vielen Fällen keines mehr geben könnte.

    Ach, Bolsonaro in Brasilien ist noch schmerzbefreiter. Der spricht noch immer von einer einfachen Grippe.

    So dass in den ersten Favelas in Rio die dortigen Banden einen Lockdown verhängen, nach dem Motto
    "Wenn die Regierung nicht in der Lage ist, das Problem zu beheben, wird das organisierte Verbrechen es lösen."
    https://twitter.com/AndrewCesare/status/1242174265547468803
    (Link via Fefe)


    Edit: Hier aus einer brasilianischen Seite:
    "Se o governo não tem capacidade de dar um jeito, o crime organizado resolve"

    https://www.correio24horas.com…colher-em-favelas-do-rio/

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • So weit muss man gar nicht gehen. Ex Goldman Sachs Chef und jetzt Heuschrecke Dibelius sagt genau das Gleiche:


    https://www.finanznachrichten.…oesen-versprechen-003.htm


    Quote


    Für Dibelius "ist der akute Absturz der Weltwirtschaft mit all seinen Folgewirkungen" der weit größere und gefährlichere Stresstest als Sars-CoV-2. Das Credo des Investors: "Besser eine Grippe als eine kaputte Wirtschaft."

  • Krass.

    Die wiederholen exakt den Fehler Italiens (bzw planen zu wiederholen).

    Erinnert sich noch wer?!

    Kurz vor dem vollen shut down waren die auch dabei in der Lombardei wieder an die Arbeit zurück zu kehren.

    Das ist es was den Mist dort böse verzögert hat...

    Naja, man muss sich einen Shutdown auch leisten können.
    Für Freiberufler oder stundenweise auf Leiharbeit Beschäftigte ist es hierzulande schon richtig brutal, die ganze Kultur- und Tourismusbranche steht vor existenziellen Problemen.


    Ohne Kündigungsschutz und Kurzarbeitsregelungen schlägt ein Lockdown auch direkt und existenzbedrohend auf die restliche Bevölkerung durch. Da ist es verständlich, dass viele Menschen und resultierend auch die von diesen gewählten Staatslenkern abwägen, was schlimmer ist: Die Krankheit oder die Kur.

    Europa hat einen Sozialstaat, der Kuren ermöglicht.

    Und ein Steuerniveau, dass einen Sozialstaat ermöglicht.

    In ärmeren bzw. rücksichtsloseren Ländern sieht das anders aus.

    Beispielsweise in Teilen der angelsächsischen Welt.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Ich will's nur mal sagen, weil ich's grad nochmal seh. Porsche ist sooo billig. Daimler ist unten, Renault, BMW Vz., aber ich sehe nichts was so extrem billig ist wie Porsche.


    Eigentlich ist die Frage ja nur, zumindest ich sehe das so, wie die Firmen einige Monate oder eben den worst case überstehen können. Daimler klingt ja da eher optimistisch, ich kann mir nicht vorstellen dass das nur Geschwätz ist wenn die sagen in China läuft es wieder an und sie brauchen keine Staatshilfen etc. (außer Kurz-Arbeitsgeld etc.). Was ich sagen will, ich glaube nach wie vor dass die mittel- bis langfristige Nachfrage sich nicht groß verändern wird. Und wenn die Struktur dieser Firmen so ist dass sie es gut durchstehen können (z.B. viele Kosten an Zulieferer ausgelagert, politische Unterstützung etc.) dann ist Porsche aber ziemlich günstig würde ich meinen.


    Ganz allgemein glaube ich übrigens gar nicht dass sich die Welt groß verändern wird wie viele jetzt meinen. Ich glaube eher die Leute werden sobald es geht wieder losrennen, "jetzt endlich auf Malle", was weiß ich, etc. Bzw. auch einfach wieder das gewohnte Leben leben wollen, ich merke bei mir persönlich dass mir vor allem Restaurant-Besuche abgehen. Naja, ich meine nur, ich glaube nicht an große nachhaltige Verhaltens-Änderungen. Vieles hört man ja jetzt auch nach dem Motto, positiv sehen, endlich ist es besinnlich, endlich kann man sich wieder auf's Wesentliche konzentrieren, die Familie, lesen, etc. etc. Nee, glaub ich nicht. Die die vorher schon so waren, so wie ich, haben eh kein großes Problem in Quarantäne. Liest man halt, schaut was an, etc. etc. Und wer ständig raus will und Freunde treffen und dann gleich wieder was und ständig unterwegs, ja, da ist es halt ganz ganz hart. Die heulen dann jetzt grad die Leute wie mich voll wie hart das ist wenn man mal ein paar Wochen allein sein muss. Naja, aber gut, die Leute sind unterschiedlich. Lange Rede, kurzer Sinn, an nachhaltige Verhaltens-Änderungen glaube ich nicht, vielleicht geht's sogar andersrum. Vielleicht bingen jetzt alle Netflix durch und kündigen es danach weil sie erst mal keinen Bock mehr haben wenn sie wieder raus können.


    Übrigens, ich weiß nicht ob irgendjemand im Einzelnen bei den ganzen Konjunktur-Hilfen etc. etc. noch mitkommt. Ich nicht, ich sehe nur dass es offensichtlich gewaltig ist. Man stelle sich mal vor wenn das in einigen Wochen doch einigermaßen einbekämpft ist. Dann könnte das im Nachhinein so extrem drüber sein. Gerade in Amerika hab ich ja schon das Gefühl dass da von einigen Lobbyisten jetzt noch alles möglich reingeschrieben wurde. Wer schaut da jetzt noch hin in so einer Situation, viel hilft viel.

    When a management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.


    W. B.


    Investment is most intelligent when it is most businesslike.


    B. G.

  • Nur so ne Info am Rande bzgl. Tourismus-Brnache:


    Auch die hiesige Jugendherbergen stehen vor dem Ruin.


    Hatten über Osten in der Jugendherberge Konstanz gebucht und nun stornieren müssen. Die Vorauszahlung kam bisher nicht zurück.

    Auf meine telefonische Nachfrage wo denn mein Geld bleibe, meinte die Dame, dass Sie auf Anweisung der Landesgesellschaften wartete, welche Fälle zuerst bearbeitet werden dürfen. Bisher kam keine Info und sie dürfen keine Gelder zurückzahlen. Aber ich solle mir keine Gedanken machen.


    Ich denke nach dieser Aussage mache ich mir Gedanken.

  • Ok ok, also man jammert in Deutschland auf hohem Niveau über Merkels Zaudern. ;)


    Der lockdown wird folglich nur umso länger dauern müssen, oder?

    Es dürften also in den USA noch nicht einmal das "28 days later" Szenario eingepreist sein, geschweige denn der zweite Teil, nämlich die "28 weeks later", es wird ja nicht einfach die Rückkehr zur vollen Normalität erfolgen können?

    Jedoch: Spielt das für den deutschen Aktienmarkt eine Rolle, wenn die Pandemie dort weit größere Ausmaße annimmt? Gerade die Finanzmärkte sind zwar global vernetzt und deutsche Firmen liefern weltweit und haben auch Niederlassungen in den USA, aber ein Großteil hängt doch vom deutschen/europäischen Markt ab.

  • Mal ein Blick auf dem Zeitstrahl:


    - Italien. Ist uns ca. 2 Wochen voraus


    Dort ist der peak bei den Verstorbenen überschritten, mit ca. 14 lag zur nationalen lock-down.

    Die These wäre dass dort nur expontial decay einsetzt, mit Halbwertszeit ca. 3-4 Tage. Kann man direkt testen demnächst: Tote am peak 793, würde man also zB übermorgen ca. 400 erwarten.

    Die gemeldeten Infektionszahlen haben auch erst vorgestern ihren peak erreicht, die machen natürlich keinen Sinn.

    Aber wie wir gesehen haben, sind die wertlos wenn #wahrer neuer Fälle pro Tag > #Testkapazität pro Tag, was vermutlich in Italien schon langer der Fall ist.

    In DE dagegen nicht (denke ich). Falls nicht, sollte man in DE einen "response" der gemeldeten Fälle auf die Massnahmen mit einem lag von max einer Woche sehen, also sehr bald.


    - Hubei. Ist uns ca. 6-8 Wochen voraus


    Abriegelung wurde qua heute aufgehoben, man darf die Provinz wieder verlassen.

    Man darf auch raus, neulich sah ich aber einen Bericht dass die Massnahmen schon weiter streng sind. Alle nur mit Masken, alle haben Handyapps mit denen sie zB bei einem Restaurantbesuch ihre Unbedenklichkeit vorweisen müssen.

    Also: Mitte/Ende Mai sind wir auch wieder "draussen", aber wie Balkenchart sagt und der Drosten nun auffällig oft erwähnt: An Masken wird man sich gewöhnen müssen. Im Sommer Urlaub auf Bali geplant? Vergesst es.


    - Süd Korea, 4-6 Wochen voraus


    Fehlen mir Infos. Jemand Lust auf nen Lagebericht dort?


    - USA


    Puhhh. Die eiern rum wie zuvor das UK. Und wie zuvor auch Italien, das ja auch vor zwei Wochen "wieder aufsperren" wollte.

    Wie ist denn das Sentiment vor Ort, buccaneer ?


    - Entwicklungsländer


    Ich weiß, interessiert keine Sau.
    Aber ich will das im Gedächtnis behalten.
    Denn es wird dort einfach nur furchtbar werden.

    Ich finde die EU und andere sollten nicht nur Billionen in die eigenen Wirtschaft pumpen.

    Da kann man ruhig noch mal 100 Milliarden Hilfsfonds draufsatteln, ist ja auch egal.

    Norwegen schlägt ähnliches grade vor, sehr gut!

    China wird das auch tun, natürlich nicht ohne geopolitischem Hintergedanken. Es wird seine Rolle in der Weld dadurch enorm festigen können. Wie die USA nach WWII in Europa.


    Vorhersage DE


    Was noch auffällt: Auch wenn das dann vll. gar nicht nötig ist, kam bislang immer eine Verschäftung der Ausgangsbeschränkungen in der "dunklen Stunde".

    Vermutlich weniger wissenschaftlich getrieben als politisch...man will / muss Handlung zeigen. Aktuell in Spanien und Frankreich.

    Ich nehme an das wird hier auch kommen, kann man sich mal drauf einstellen.

    Ansonsten steigt die Todeszahl halt weiter exponentiell an mit Rate 1,3 (anfangs instabil, mit steigender Fall zahl stabiler, Gesetz der großen Zahlen) um dann in max 14 Tagen zu peaken und in den exponentiellen decay zu wechseln. Wo der peak sein könnte? Siehe anderer Faden.


    Märkte?


    Die Erholung in Italien wird wohl einen Hoffnungsschub auslösen?

    Der dann irgendwann von der Ernüchterung in den USA abgelöst werden könnte.

    Schwierig, jetzt spielen halt diverse gegenläufige Effekte zusammen, anders als vor ein paar Wochen.

    Mir persönlich ist die Börsen-"Stimmung" noch zu gut, auch bei uns hier (auch mich eingeschlossen).

    Noch sehe ich nicht das heftige Leiden, den Verlust der Hoffnung, das "stiller werden", wie es Joe korrekt beschrieb.

    Das ist komisch, da VDAX ja bereits >90 war und noch bei 70 ist.

    Da fehlt mE noch die Phase der "Kapitulation", wo man sagt "Schei* Aktien. Aber was solls, gibt ja eh wichtigeres im Leben".

    Aber wer weiß.


    Meinungen?!

    Exponentialfunktion zu Polynomfunktion zu linearer Funktion verhält sich wie: Darth Vader zu Frodo zu Mickey Mouse.

    "If you have a nail and a hammer, then use it!"

  • Also ich finde nicht, dass die, die die Wirtschaft nicht einfach an die Wand fahren wollen, grundsätzlich dumm sind. Sie ziehen oft nur die falschen Schlüsse bzw. übertreiben es ("alle ganz normal zur Arbeit" etc.). Ich wäre für folgenden harten, aber wahrscheinlich effektiven Mittelweg: Die Risikogruppen (also Alte und Kranke) konsequent unter Quarantäne stellen (auch nicht einkaufen/Gassi gehen) und bei Verstößen drakonische Strafen verhängen. Der Rest lebt ein normales Leben und arbeitet. Zusätzlich setzt der Staat ein offizielles Hilfsprogramm auf, sodass die quarantänisierten Menschen optimal zuhause versorgt sind. Wenn das ohne Ausnahmen so umgesetzt wird, hat man wenige Krankenhausfälle, geringen Schaden für die Wirtschaft und trotzdem zügig 70% der Gesellschaft infiziert.

  • Ja habe ich auch schon drüber nachgedacht. Klar - super ätzend für die >65 Jährigen.


    Bin mir nicht sicher ob das "so einfach" ist - aber einen monatelangen Shutdown können sich die meisten Unternehmen nicht leisten.

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Also ich habe die Kapitulation schon erlebt wp, insofern. Mein Vater, der ist quasi meine Zentralbank und Broker. Broker weil ich nie einen TAN-Generator dabeihabe wenn ich unterwegs bin und ihm dann sage was er bitte für mich eingeben soll (finde ich immer gut wenn man noch eine zweite Meinung hat, nein, meistens nicht immer; und Eure hab ich ja auch noch). Zentralbank weil der im Gegensatz zu mir immer noch ein bißchen Cash hat, sogar Anleihen (bäh), und wenn's ist dann leih ich mir ein paar Monate CashFlow (also was bei mir innerhalb einer relativ kurzen Zeit wieder reinkommt), aber nie mehr. Weil ich eben meistens ziemlich voll investiert bin. Das Ganze hat ihm jetzt so zugesetzt, der Abschwung nur ein bißchen sagt er, aber auch vor allem weil er 67 ist und sich als Risiko-Gruppe sieht. Der hatte einfach genug. Ich wollte eben noch Talanx kaufen, hab ihn noch gebeten mir ein bißchen was zu leihen und zu 22 einzugeben. Und Fresenius. Nein. Einfach keinen Bock mehr. Ich nenne es mal Angst vor Welt-Untergang, wirklich jetzt, also gefühlt. Und der investiert seit Jahrzehnten. Der hat immer nachgekauft, noch in jeder Krise. Naja. Für mich persönlich, das war etwas ungewöhnlich.


    Südkorea, ein ehemaliger Kollege von mir wohnt dort, er ist Deutscher und lokal verheiratet. Der sagt nach seiner Meinung handhabt kein Land es so gut wie Südkorea und er macht sich gar keine Sorgen dass die das jetzt recht schnell in den Griff bekommen.


    USA. Ja, ich bin noch bis morgen da, bzw. bei Euch heute. Alles verrückt. Mein ursprünglicher Rückflug Anfang April wurde gecancelt (ohne eine Email, Danke Lufthansa). Dann habe ich am Samstag kurzerhand einen Flug für Sonntag (gestern) nach Japan gebucht, weil wir da auch ein Büro haben, bzw. die Zentrale. Da ist es erstens nicht so schlimm (auch schon wieder einigermaßen normal, Schulen sind wieder offen, etc.) und zweitens gehen da noch Flüge nach Müchen. Man lies mich aber nicht fliegen, weil die gesagt haben kein Visa on Arrival in Japan für Europäer mehr. Ich hab gesagt das kenne ich so nicht, ich hab gelesen nur wenn man in Europa war innerhalb der letzten 14 Tage. Naja, Amerikaner hätte gedurft, ich nicht, obwohl ich seit 2 Monaten hier bin. Egal, so ist es, dann bin ich aber am Flughafen zu einem Lufthansa-Schalter und konnte da wenigstens meinen Flug umbuchen (telefonisch so gut wie keine Chance). Jetzt fliege ich morgen (hoffentlich geht der dann auch) über San Francisco nach Frankfurt. Da kann ich dann schaun wie ich heim (Nähe München) komme. Dann 2 Wochen Quarantäne. Das war jetzt eher privat, aber der Hintergrund, ja, USA, wird rapide schlimmer grad, also bei den Fallzahlen. Aber das ist ja klar. Ich schätze persönlich es ist auch nur etwas Europe hinterher, aber das Gesundheits-System ist halt eine ganz andere Sache. Viele illegale Einwanderer trauen sich wahrscheinlich generell nicht zum Arzt, weil sie nicht registriert sind. Und andere haben vielleicht Angst vor den Behandlungs-Kosten, ob der Test jetzt umsonst ist oder nicht. Das ist eher das Problem. Ich hätte zwar jetzt keine Angst hier zu bleiben, aber es bringt grad gar nichts, Termine sind jetzt eh keine etc. Wie es dann weitergeht in ein paar Wochen, wird man sehen müssen.


    PS: Compounder, den Gedanken hatte ich fast genauso auch schon ein paar Mal. Das Problem das ich sehe, ist dass vielleicht viele dann "schmarotzen" wollen würden. Also jüngere bzw. keine Risiko-Gruppen die trotzdem sagen, nee nee, macht Ihr mal, ich bin dann auch bei den 30 %, in ein paar Wochen ist das ja vorbei (wer es sich leisten kann). Und das zweite Problem ist dass es wahrscheinlich schwierig umzusetzen ist, weil viele ältere Menschen mitgepflegt werden, von Leuten die aber auch raus müssen etc.

    When a management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.


    W. B.


    Investment is most intelligent when it is most businesslike.


    B. G.

  • Karl Lauterbach meinte vorhin im Fernsehen, man würde das ganze Jahr über immer mal wieder bremsen und wieder lockern müssen. Über die USA mache er sich große Sorgen, dort würde Trump seine Strategie nicht aufrechterhalten können, sonst würden die Toten in die Millionen gehen.

    Gehe ich recht in der Annahme, daß dann der lock-down nur umso länger anhalten muß?

  • Also ich finde nicht, dass die, die die Wirtschaft nicht einfach an die Wand fahren wollen, grundsätzlich dumm sind. Sie ziehen oft nur die falschen Schlüsse bzw. übertreiben es ("alle ganz normal zur Arbeit" etc.). Ich wäre für folgenden harten, aber wahrscheinlich effektiven Mittelweg: Die Risikogruppen (also Alte und Kranke) konsequent unter Quarantäne stellen (auch nicht einkaufen/Gassi gehen) und bei Verstößen drakonische Strafen verhängen.

    Ich gebe dir Recht dass man abwägen muss und Herdenimmunität an sich eine valide Strategie wäre.


    Warum "wäre"?

    Ich fürchte halt praktisch geht das nicht so einfach, es ist leider zu "theoretisch" gedacht.


    Problem 1:


    Man muss ja 60-70% der Bevölkerung immun bekommen für die Herdenimmunität. Wieviele Leute würden wir eigentlich in Quarantäne schicken?

    Sagen wir 30%?

    Bleiben nur 70% der Bevölkerung übrig. Die durchseuchen aber wiederum nur zu ca 65%, weil dann die Pandemie ja zum Stillstand kommt.

    Nimm nun die 30% aus der Quarantäne wieder raus -> zack ist die kritische Masse wieder erreicht dass sich das Virus wieder ausbreiten kann.

    Ergo: Man müsste alle draussen gezielt und zu 100% anstecken.

    Ginge theoretisch leicht, jeder muss einmal am coronaverseuchten Handtuch lecken, aber was ist hier mit Freiheitsrechten, Unversehrtheit etc?


    Problem 2:


    Man hat immer noch Tote.

    Also k.A. je nach Gruppe zwischen 0 und 1,5% wenn ich mich recht erinnere. Nehmen wir mal 0,1% über alles.

    Macht also:

    (82mio Deutsche)*70%(die die nicht in Quarantäne sind)*0,1% = 57.400 Tote.

    Junge Tote!

    In einer exponentiellen Welle, mit entsprechend 10x mehr KH Aufenthalten! Knirsch.


    Problem 3:


    wenn man diesen Weg eingeschlagen hat muss man ihn zu Ende gehen.

    Am schlechtesten ist das was UK machte (und USA): Rumeiern. Erst also einen auf Herdenimmunität machen, Zeit verlieren, und dann plötzlich umschwenken weil einem jemand die Zahlen von oben erklärt hat.


    Problem 4:


    Fast alle Simulationen zeigen. Die Isolation ist nicht Durchzuhalten, es wird zu unzähigen Ausbrüchen bei den Quaratänierten kommen.

    Pfleger, Putzleute, Gärtner, Besucher, Handwerker, Köche, die alle müssen ja rein ins Altersheim. Häuslich Pflegende sind auch betroffen. Etc.


    Zusatzargument:


    Wenn man Herdenimmunität fährt kann man bald nicht mehr zurück.

    Unser Ansatz erlaubt uns dagegen später immer noch auf Herdenimmunität umzuschalten wenn es sich als erfolgreich heraus stellt.


    Das sind m.E. die Gründe warum praktisch jede Regierung, selbst die Autokratischen, selbst die Chinese zB, davon Abstand nimmt.


    Die Türkei übrigens will es glaube ich dennoch so machen (oder schwenken die auch um?)

    Die haben aber auch viel weniger Alte, sind eines der jüngsten Länder Europas.

    Und sind im zweifel autokratisch genug um das auch im Angesichts der vielen kommenden Toten durchzuziehen? Wer weiß.

    Exponentialfunktion zu Polynomfunktion zu linearer Funktion verhält sich wie: Darth Vader zu Frodo zu Mickey Mouse.

    "If you have a nail and a hammer, then use it!"

  • Also ich finde nicht, dass die, die die Wirtschaft nicht einfach an die Wand fahren wollen, grundsätzlich dumm sind. Sie ziehen oft nur die falschen Schlüsse bzw. übertreiben es ("alle ganz normal zur Arbeit" etc.). Ich wäre für folgenden harten, aber wahrscheinlich effektiven Mittelweg: Die Risikogruppen (also Alte und Kranke) konsequent unter Quarantäne stellen (auch nicht einkaufen/Gassi gehen) und bei Verstößen drakonische Strafen verhängen. Der Rest lebt ein normales Leben und arbeitet. Zusätzlich setzt der Staat ein offizielles Hilfsprogramm auf, sodass die quarantänisierten Menschen optimal zuhause versorgt sind. Wenn das ohne Ausnahmen so umgesetzt wird, hat man wenige Krankenhausfälle, geringen Schaden für die Wirtschaft und trotzdem zügig 70% der Gesellschaft infiziert.

    Das versucht die Türkei.

    Ausgangssperre für Ü65 und Kranke.

    Das Problem ist aber, dass in einer 18 Millionen Metropole wie Istanbul, diese Risiko-Gruppe sich nicht dran hält. Die Polizei rennt den ganzen Tag hintern diesen Rentnern her.

    Die meisten sind trotz Androhung von Strafen immer noch unterwegs .

    Hört sich krass an, aber es müssen einige dieser Risiko-gruppen sterben, sodass sie den ernst der Lagen verstehen.

    Bisher halten die das für Verschwörung und so, nachdem Motto mir wird nichts passieren.

  • Bei dem englischen Versuch des "Wir müssen durch die Krankheit durch und die Opfer aushalten" fühle ich mich immer wieder an Irland 1845-1849 sowie Bengalen (Indien) 1943 erinnert. Die Iren und die Inder denken noch heute mit Grauen und Hass an diese Hungersnöte, die von den Engländern nicht gemildert, sondern im Gegenteil noch verschärft wurden. Die Iren sind nicht zuletzt deshalb nie dem Commonwealth beigetreten, und in Indien wird diese Erfahrung angesichts der englischen Brexit-Liebesavancen wieder explizit aufgefrischt.


    Feiner Unterschied: Heute würde es sich bei den Betroffenen um Wähler in den englischen Kernlanden handeln. Und die Erfahrung "Ihr lasst uns sterben, damit die Wirtschaft (aka die Reichen) weniger Geld verlieren" bleibt auf Jahrzehnte in den Köpfen der Betroffenen. Diesen Preis kann die Oberklasse und die Tories nicht ohne weiteres zahlen, selbst wenn es ihren erlernten Urinstinkten entspräche. Daher musste Johnson irgendwann wackeln.


    Apropos Ausgangssperre und Disziplin: Natürlich, kaum jemand außerhalb Ostasiens hat eine Pandemie am eigenen Leib erlebt und damit in den Erfahrungshorizont integriert. Das muss wohl schmerzhaft gelernt werden, beim nächsten Mal geht es besser.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Gehe ich recht in der Annahme, daß dann der lock-down nur umso länger anhalten muß?

    Wenn ich mir vanilla.ice's Modell so anschaue, dann gelingt es durch einen Lock-down den Neu-Infektionsstand ab 14 Tage später linear auf ein niedriges Niveau zu bringen, vielleicht sogar relativ unabhängig davon, wie weit sich die Epidemie vorher ausgebreitet hatte. Erst Jeder offene Tag lässt dann die Infektionen wieder ansteigen.

    Ob Trump aber ab dem Tag der Einsicht 14 weitere Tage exponentiellen Wachstums ansehen möchte, bezweifle ich. Zumindest zeitweise wird sich die Zahl der Toten weiterhin mit Faktor 1,3 erhöhen ( 1,3^7 bis 1,3^14 würde versechs- bis vervierzigfachung zum jeweiligen status quo bedeuten).

    Nicht auszudenken aber, was in Ländern passiert, die eine Quarantäne nicht jederzeit landesweit durchsetzen können.

  • Das passt in diesen Thread:


    https://marginalrevolution.com…ndemic-and-recession.html


    Quote

    The 1957 Asian Flu Pandemic killed around 70 to 100 thousand people in the United States (the 57 flu was not as infectious or deadly as COVID-19). In the last quarter of 1957 the growth rate (on an annualized basis) was -4% and in the first quarter of 1958, -10%, the largest such decline in post WWII history, bigger even than in the financial crisis. By the third and fourth quarters of 1958, however, the growth rate had surged back up to nearly 10% and for the year as a whole GDP declined by less than 1%–a bad recession, 3rd worst by depth in post WWII history, but not unprecedented.

    Here’s what is interesting. Many sources don’t even list the pandemic as a cause of the recession (e.g. here, here, here, Wikipedia lists it as one among several causes). Indeed, the pandemic was soon forgotten. James Patterson’s Grand Expectations: The United States, 1945-1974 doesn’t even mention the pandemic or the recession, just the boom years of the 1950s. I am not entirely surely what to make of this. The recession was worldwide which makes me think it was the flu (deaths were low but many more people would have been sick) but this FED review from August of 1958 doesn’t mention the flu either.

  • Wenn ich mir vanilla.ice's Modell so anschaue, dann gelingt es durch einen Lock-down den Neu-Infektionsstand ab 14 Tage später linear auf ein niedriges Niveau zu bringen, [...]

    Das ist aber mit großer Vorsicht zu genießen, da ich einfach nur den koreanischen Verlauf als Vorlage genommen habe. Die Koreaner dürften jedoch, wie Al Sting oben schon schrieb, in diesen Situationen über mehr Erfahrung und sicher auch mehr Disziplin verfügen. Ob das für Deutschland wirklich so funktioniert, können wir nur abwarten.

    "Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil." - Albert Einstein -

  • In Südkorea gab es aber gar keinen Lockdown, sondern nur viele Tests. Ob das reproduzierbar funktoniert, probieren möglicherweise gerade die Isländer aus, wo die Testquote pro 100.000 Einwohner nochmal deutlich höher ist (26.700 Tests/Million; zum Vergleich Südkorea 6.100 Tests/Million und Deutschland 2.000 Tests/Million (Quelle).

    Our World In Data hat noch eine Menge anderer interessanter Daten zum Coronavirus und zum Testen.

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer