Zahlen & Fakten zu SARS-CoV-2 (Corona Virus)

  • Nachdem wir ja einen Corona Investitionsthread haben, wollte ich hier mal einen Thread aufmachen um echte Zahlen und Daten zu sammeln.


    Mein Statistik Studium ist zwar schon lange her, aber mir graust es wenn ich sehe wie Zahlen die auf völlig unterschiedlicher Basis erhoben werden, zueinander in Relation gesetzt werden und dann daraus Schlüsse gezogen werden.


    Einfaches Beispiel: Aktuell stehen in Deutschland 2 Zahlen im Vordergrund: Die gemeldeten Infektionen und die Todesfälle.


    Die Zunahme der gemeldeten Infektionen wird gemeinhin als Maßstab genommen wie sich die Infektion verbreitet. Das ist m.E: aber grundverkehrt. Wir wissen dass die Dunkelziffer um ein Xfaches höher ist. Um Tatsächlich die Verbreitung zu messen müsste nämlich erstmal mit der Anzahl der Tests "Normalisiert" werden. Selbst bei einer konstanten Infektionsrate würde z.B. eine verzehnfachung der Tests pro Tag einen extrem starken Anstieg an gemeldeten Infektionen verursachen.


    Ich habe noch keine verlässliche Datenquelle gefunden, wieviele Tests in Deutschland pro Tag durchgeführt wurden. hat jemand diese zahlen ?


    Ich habe nur sehr grobe Zahlen gefunden, z.B. hier:


    https://www.quarks.de/gesundhe…ie-funktioniert-der-test/



    Quote

    Reichen die Tests aus?

    Bis Mitte März war die Probenentnahme für mehr rund 35 000 Menschen gemeldet worden, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mitteilte. Viele Menschen konnten nicht getestet werden. Anschließend wurde die Testkapazität von anfangs 12 000 auf mittlerweile mehr als 160 000 Tests pro Woche erhöht. Seitdem ist nicht bekannt, wie viele Tests insgesamt durchgeführt worden sind.

    Laut dem Robert-Koch-Institut gibt es lokale Unterschiede, ob genügend Corona-Tests gemacht werden können oder nicht. Es kann daher an einigen Orten zu Engpässen kommen, woanders sind dafür Kapazitäten frei. Die Organisation soll weiter verbessert werden.

    Artikel Abschnitt: Wie viele Tests wurden bereits durchgeführt?


    Was ich hier interessant finde: Wenn aktuell ca. 25 Tsd Menschen in Deutschland pro Tag getestet werden, die sowohl Symptome haben, wie auch Kontakt zu Risikogebieten oder Personen haben, dann finde ich jetzt 1000 gemeldete Infektionen noch nicht so schlimm.


    Wenn sich zudem wie dort beschrieben die Testkapazität mehr als verzehnfacht hat, muss sich selbst bei gleichbleibender Infektionsquote die Zahl der gemeldeten Fälle verzehnfachen (mit Timelags natürlich).


    Wo bleibt eigentlich die Schxxxx Künstliche Intelligenz wenn man sie mal braucht ? "Quantum my ass" [Rant off]


    P.S.: Mein Eindruck ist dass Virologen und Mediziner nicht wirklich gute Statistiker sind. Gibt es hier Virologen und Mediziner und können die mal sagen wie viel Statistik sie im Studium hatten ?

  • Mal eine einfache Vergleichsrechnung mit folgender Annahme:


    17.3.: Hier wurde schon mit ca 23 tsd tests am Tag gearbeitet (Seit 15.3. Timelag 2 Tage).


    Gemeldete Neu Infizierte: 1723


    https://www.rki.de/DE/Content/…df?__blob=publicationFile


    10.3.: Hier gab es lt. oben vmtl. nur 1700 Tests am Tag


    Neue Fälle 10.3.: 1.296- 1.139 (Wert Vortag)= 157 Neue Fälle


    https://www.rki.de/DE/Content/…df?__blob=publicationFile

    https://www.rki.de/DE/Content/…df?__blob=publicationFile


    Theoret. Wert durch Erhöhung Anzahl Tests bei gleichbleibender Infektionsquote : 23000/1700*157: 2124 Neue Fälle bei 23 tsd Test/Tag



    Nach "Normalisierung" seiht es also nicht dramatisch aus, eher besser als vor einer Woche. Natürlich gibt es diverse statistische Unsicherheiten, aber die Zahl der gemeldeten Infektionen lässt m.E: keinen Rückschluss auf eine "explosionsartige Verbreitung" zu.


    Oder habe ich hier einen Fehler gemacht ?

  • Ich arbeite an einer deutschen Uniklinik. Die Virologen, Mikrobiologen und Infektiologen arbeiten häufig mit mathematischen Modellen und Simulationen. Sind schon eher theoretische Fächer, die im engeren Sinne nicht klinisch tätig sind. Also deutlich statistikaffiner als die ganzen "richtigen Kliniker". Jede Uniklinik hat auch üblicherweise ein Statistikinstitut, hier vor Ort sind da fähige Leute.


    Die Testkapazität mittels PCR lässt sich nur noch sehr eingeschränkt erweitern und kann keinesfalls mit der exponnetiellen Ausbreitung des Virus Schritt halten. Die Infektionsrate der Bevölkerung wird dann massiv unterschätzt. Es wird nur noch die Spitze des Eisberges getestet (Tote, schwere Fälle und medizinisches Personal). Das sieht man IMO in Italien gerade.

  • Berlin, aktuell mit Bezirk & Altersgruppe, allerdings in Grafiken : https://www.berlin.de/presse/p…Coronavirus%3A+Derzeit%22

    ... warte schon auf die Daten von heute ...

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

  • eine wichtige Zahl, die ich nicht finde, wäre der tägliche Anstieg in Prozent. Es heißt ja, dass die Rate unter 20, 15, 10%/Tag fallen soll.

    Gibt es so etwas für die deutschen Bundesländer oder weltweit?

    Nee, das muß man sich selbst stricken.


    Bzw. Diese von nixda war ganz gut: https://www.worldometers.info/coronavirus/country/germany/


    Momentan, noch kein Gipfel in Sicht :-(

    18-03-_2020_18-56-59.jpg

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  • eine wichtige Zahl, die ich nicht finde, wäre der tägliche Anstieg in Prozent. Es heißt ja, dass die Rate unter 20, 15, 10%/Tag fallen soll.

    Gibt es so etwas für die deutschen Bundesländer oder weltweit?

    Wie ich oben gesagt hatte, ist diese Prozentzahl "völlig Latte" wenn man nicht die Anzahl der Tests berücksichtigt.


    Aber das scheint ausser mir wirklich niemanden zu interessieren ?????

  • Auch diese Grafik ist gelinde gesagt völliger Schwachsinn.

  • Wie ich oben gesagt hatte, ist diese Prozentzahl "völlig Latte" wenn man nicht die Anzahl der Tests berücksichtigt.


    Aber das scheint ausser mir wirklich niemanden zu interessieren ?????

    Mich schon.. wie gesagt du hast vollkommen recht.. alles andere ist Bild Zeitung... ich habe vorhin einen link von euromomo geteilt... alles andere ist Murks...

  • Das RKI veröffentlicht nicht, wie viele Tests durchgeführt werden. Das ist einer meiner Kritikpunkte.


    Gestern hieß es in mehreren Presseveröffentlichungen, man sei mit der Testkapazität am Limit. Das passt ganz gut zu diversen Erfahrungsberichten, z.B. von einem FAZ-Redakteur in Frankfurt.


    Der Anstieg der Fälle verläuft schon seit längerer Zeit exponentiell, die Verdopplungsrate in Tagen beträgt ziemlich konstant (wie im vorigen Beitrag von @dev zu sehen) etwa 3 bzw. wir haben eine Verfünffachung in einer Woche. Im Gegensatz dazu sieht man in Italien eine leichte Abflachung, die Verdopplungsrate in Tagen liegt dort inzwischen bei über 5.


    Den täglichen Anstieg in Prozent kann man sich genauso wie die Verdopplungsrate aus den Zahlen ausrechnen.


    Die Modellrechnung von memyselfandi007 hat meiner Ansicht nach den Fehler, dass sie von einem systematischen Sampling der Bevölkerung ausgeht. Für diesen Fall ist zu erwarten, dass man mit mehr Tests auch mehr Fälle findet (bei gleichbleibender Infektionsrate sollte man 10x so viele Fälle finden, wenn man 10x so viele Tests macht). Ein systematisches Testen der Bevölkerung findet aber nicht statt, sondern es werden nur Leute getestet, bei denen man ohnehin eine Infektion befürchtet. Das sind 1) Personen mit respiratorischen Symptomen, die engeren Kontakt zu einer bereits mit SARS-CoV2 infizierten Person hatten 2) Personen mit resipratorischen Symptomen, die aus einem Risikogebiet zurückgekommen sind 3) Personen mit Hinweisen auf eine virale Lungenentzündung ohne Alternativdiagnose. Offenbar gibt es immer mehr solche Personen, und zum Teil läßt sich nicht mehr herausfinden, wo die sich eigentlich angesteckt haben. Auch dafür wäre es hilfreich, zu wissen, welcher Prozentsatz der Tests positiv ist.


    Euromomo sagt über seine Daten: "The number of deaths in the recent weeks should be interpreted with caution as adjustments for delayed registrations may be imprecise."

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

  • memyselfandi007 Ich bin leider ein absoluter Laie, was dieses Thema betrifft und kann deshalb mit dem Begriff Latte nichts anfangen. Deshalb vestehe ich auch nicht, was die Anzahl der Tests mit der Anzahl an Neuinfektionen zu tun hat, bzw. dem täglichen Anstieg an Neuinfektionen. Wenn z.B. in Baden-Württemberg am 17.3. der Anstieg 39% gegenüber dem 16.3. beträgt, in Bremen aber nur 2% oder in Bayern "nur" 15%, ist das schon ein Unterschied. Es kann natürlich sein, dass in Baden-Württemberg einfach mehr getestet wird als in Bayern.


    Edit: Link fehlte: https://www.rki.de/DE/Content/…df?__blob=publicationFile

  • Auch diese Grafik ist gelinde gesagt völliger Schwachsinn.

    Soweit würde ich nicht gehen, aber solange nicht 100% der Bevölkerung, täglich getestet wird, wird es immer eine Dunkelziffer geben.

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

  • Quote

    Die Modellrechnung von memyselfandi007 hat meiner Ansicht nach den Fehler, dass sie von einem systematischen Sampling der Bevölkerung ausgeht. Für diesen Fall ist zu erwarten, dass man mit mehr Tests auch mehr Fälle findet (bei gleichbleibender Infektionsrate sollte man 10x so viele Fälle finden, wenn man 10x so viele Tests macht). Ein systematisches Testen der Bevölkerung findet aber nicht statt, sondern es werden nur Leute getestet, bei denen man ohnehin eine Infektion befürchtet. Das sind 1) Personen mit respiratorischen Symptomen, die engeren Kontakt zu einer bereits mit SARS-CoV2 infizierten Person hatten 2) Personen mit resipratorischen Symptomen, die aus einem Risikogebiet zurückgekommen sind 3) Personen mit Hinweisen auf eine virale Lungenentzündung ohne Alternativdiagnose. Offenbar gibt es immer mehr solche Personen, und zum Teil läßt sich nicht mehr herausfinden, wo die sich eigentlich angesteckt haben. Auch dafür wäre es hilfreich, zu wissen, welcher Prozentsatz der Tests positiv ist.

    Das ist m.E: kein Fehler sondern nur eine Annahme. Was Du sagst ist, dass v.a. Leute mit höherer Wahrscheinlichkeit getestet werden. Aber auch da gilt, dass 10x soviele tests statistisch 10x soviele Infizierte Patienten ergeben soll. Wenn die Infektionsrate insgesamt steigt, sollten noch deutlich mehr positiv getestet werden als es das einfache Modell voraussagt.


    Für diese einfachen statistischen Zusammenhang ist es egal wie hoch der Anteil der Infizierten tatsächlich ist. Und die Frgae ob es immer mehr solcher Perosnen gibt lässt sich aus den gemeldeten Zahlen nicht herauslesen.

  • memyselfandi007 Ich bin leider ein absoluter Laie, was dieses Thema betrifft und kann deshalb mit dem Begriff Latte nichts anfangen. Deshalb vestehe ich auch nicht, was die Anzahl der Tests mit der Anzahl an Neuinfektionen zu tun hat, bzw. dem täglichen Anstieg an Neuinfektionen. Wenn z.B. in Baden-Württemberg am 17.3. der Anstieg 39% gegenüber dem 16.3. beträgt, in Bremen aber nur 2% oder in Bayern "nur" 15%, ist das schon ein Unterschied. Es kann natürlich sein, dass in Baden-Württemberg einfach mehr getestet wird als in Bayern.


    Edit: Link fehlte: https://www.rki.de/DE/Content/…df?__blob=publicationFile

    Der Zusammenhang ist einfach: je mehr ich teste desto mehr Infizierte melde ich, unabhängig davon ob die tatsächliche Zahl der Infizierten steigt oder nicht.


    Um die Anstiege in BaWü vs. Bayern zu interpretieren müsste man wissen wie viel mehr Tests an diesen Tagen im vergleich zum Vortag gemacht werden. Gerade jetzt wo die Testanzahl sehr stark hochgefahren wird, kann das einen starken EInfluss haben.


    Deswegen nochmal: Die tägliche Veränderung der gemeldeten Infizierten ist aktuell m.E. völlig aussagelos.

  • Der Zusammenhang ist einfach: je mehr ich teste desto mehr Infizierte melde ich, unabhängig davon ob die tatsächliche Zahl der Infizierten steigt oder nicht.


    Um die Anstiege in BaWü vs. Bayern zu interpretieren müsste man wissen wie viel mehr Tests an diesen Tagen im vergleich zum Vortag gemacht werden. Gerade jetzt wo die Testanzahl sehr stark hochgefahren wird, kann das einen starken EInfluss haben.


    Deswegen nochmal: Die tägliche Veränderung der gemeldeten Infizierten ist aktuell m.E. völlig aussagelos.

    check

  • memyselfandi007 In Ordnung, dann sind wir unterschiedlicher Meinung. Ich bin eher einfach gestrickt. Wenn weiter getestet wird (meine Annahme, es wird jetzt mehr als vor einer Woche getestet) und sich der prozentuelle Anstieg an neuinfizierten Personen verlangsamt ist das ein gutes Zeichen. Aber wie gesagt, bin ein Laie und du wirst schon Recht haben, dass es aussagelos ist.