Ich sehe gerade, ihr habt schon lebhaft weiter diskutiert. Ich komme erneut mit Verspätung, denn es hat wieder ein paar Stunden gedauert, die Gedanken irgendwie in Worte gepresst zu bekommen.
Mein erster Gedanke wäre allderdings:
Ja, die Anzahl der Permutationen wächst mit ser Fakultät, aber tut das auch die Anzahl der irgendwie brauchbaren/verwertbaren Mutationen? Sehr sehr wahrscheinlich nicht.
Aber dieser Part ist ja letztlich eh philosophisch, akademisch.
- Die Permutationen von vanilla bergen übrigens auch einen Gefahr:
Fast alle Permutationen werden wertlos sein. Weil es so unfassbar viele gibt und eben nur einige davon werthaltig. mathematisch gesehen 1-0 würde ich schätzen.
Wenn Innovationen / Startups die Permutationen sind, werden also viele viele faule Eier da drunter sein. Und so ist es ja auch.
Ja, das wird schon beinahe philosophisch hier, da hast du Recht.
Viele der Permutationen sind identisch. Viele von ihnen sind nutzlos oder gar schädlich. Es sind aber auch immer mal wieder richtige "Volltreffer " dabei, welche dann einen enormen Schub verleihen. Irgendwo in ihnen verstecken sich sicher auch Heilmittel und Impfstoff für Corona...
Ich sehe grade vanilla, du hast "länger" geschrieben.
D.h. du erwartest irgendwann auch ein Ende des exponentiellen Wachstums.
Das ist der Mathematiker in dir, dem ist klar, dass da was fishy ist wenn man das auf ewig annimmt. Soweit willst du dann doch nicht gehen
Erwischt! Alles was der Mathematiker nicht beweisen kann, bleibt eine Vermutung. Und Unendlichkeiten und Singularitäten begegnet man am besten immer mit Ehrfurcht.
Wenn ich annehme, dass die Anzahl der vorhandenen Atome endlich ist, dann ist auch die Anzahl ihrer Permutationen endlich. Auch die uns (auf welche Art auch immer) zur Verfügung stehende Energie sollte endlich sein.
Und um mal den Bogen in die Physik zu schlagen: Über allem steht die Thermodynamik. In einem abgeschlossenen System kann die Entropie nur zunehmen oder gleich bleiben. Nun ist die Erde kein abgeschlossenes System, aber zumindest das Universum als Ganzes könnte ein abgeschlossenes System sein.
Falls es so ist, dann wäre spätestens wenn das Universum selbst seinen Zustand größtmöglicher Entropie erreicht hat, also gewissermaßen im "thermodynamischen Paradies" angekommen ist, alles zu Ende.
Deshalb: Ja, ich gehe davon aus, dass jedes Wachstum irgendwann ein Ende finden muss.
Wie sich das Wachstum aber in naher Zukunft entwickeln wird, will und kann ich auch gar nicht beurteilen. Ich weiß es einfach nicht. Ich habe ehrlich gesagt noch nicht mal eine Meinung dazu. Vielleicht geht es exponentiell weiter, vielleicht auch nicht. Vielleicht sehen wir eine länger andauernde Abschwächung bis in ein- oder zweihundert Jahren die nächste "Dampfmaschine" erfunden wird und einen neuen großen Wachstumsschub auslöst.
Bei der Betrachtung von Menschheit und Wachstum habe ich ganz allgemein zwei wirklich große Probleme, nämlich Menschheit und Wachstum:
Menschheit
Ich sagte ja schon, wir haben das zu einem großen Teil selbst in der Hand. Die Menschheit kann gemeinsam (siehe Matzes TED-Talk-Video) an der Zukunft und ihrem eigenen Vorankommen arbeiten, sie kann aber auch Krieg führen und versuchen, sich gegenseitig zu behindern oder gar zu vernichten.
Ein Beispiel ist die Kernfusion. Wir können damit eine riesige (und weitgehend saubere) Energie"quelle" für die Zukunft auftun. Wir können aber auch (und haben das ja bereits) die Wasserstoffbombe bauen und (das haben wir zum Glück noch nicht) damit den gesamten Planeten in Schutt und Asche legen.
Die Auswirkungen unserer Handlungen auf das Wachstum können also höchst unterschiedlich sein. Es liegt wie gesagt an uns...
Wachstum
Wir reden die ganze Zeit über Wachstum, aber was wächst denn da eigentlich? Was wollen wir betrachten? Das Bruttoinlandsprodukt? Den Aktienmarkt oder das Geldvermögen? Pro Kopf oder gesamtwirtschaftlich? Mit oder ohne Inflationsbereinigung?
Stichwort Inflation: Hedonische Preisberechnung hat sicher ihre Berechtigung, aber sie bleibt immer auch subjektiv. Wie will man qualitative Verbesserungen denn exakt quantifizieren? Da würde wahrscheinlich jeder Mensch zu einem anderen Ergebnis kommen. Was dem einen sehr wichtig sein kann, ist dem anderen womöglich vollkommen egal.
Und es geht weiter. Was ist mit (freier) Zeit? Die soll ja bekanntlich auch Geld wert sein. Was ist mit Glück und Zufriedenheit? Das sind alles Größen, die man nicht messen kann, weil man sie einfach nicht (objektiv) definieren kann!
Wenn wir jetzt alle eine Stunde pro Woche weniger arbeiten würden, hätte das auf das BIP-Wachstum sicher eine dämpfende Wirkung. Aber wir hätten eine Stunde mehr Zeit für die Familie, für Hobbies usw. Das ist auch ein "Gewinn", nur lässt der sich nicht in Geld messen.
Ich würde beim Wachstum also am besten auf das Wachstum des Wohlstandes (im weitesten Sinne) abstellen, aber Wohlstand ist eben mehr als nur Geld. Er lässt sich nicht exakt in Zahlen messen und damit kann man auch keine Wachstumsrate für ihn ausrechnen.