Alles anzeigenIch würde gerne nochmal den Punkt "runway" diskutieren, weil ich da noch dran knabbere.
Es geht mir dabei jetzt garnicht so um Netflix, will da nix schlecht reden oder so.
Sondern darum wie ihr da rangeht wenn ihr auf eine runway wetten wollt.
Weil ich selber mir, nach 20 Jahren Börse, da ehrlich gesagt immernoch nicht zutraue das richtige zu "picken".
Gut, growth war nie mein Beuteschema, nicht zu letzt eben aus diesem Grund, aber spannend finde ich es schon, zumal stures value nach Kennzahlen wegen der vielen Umbrüche halt auch nicht mehr so easy läuft wie früher.
OK, also wenn du, buccaneer schreibst 20-30 Jahre runway, wie meinst du das?
Ich meine, 20-30 sind eine verdammt lange Zeit.
Gehen wir mal 30 Jahre zurück und bleiben wir in der Branche, dann war Anfang der Neunziger das Kabelfernsehen am Boomen.
Man hätte also auf ProSieben setzen können (ok ich glaube die waren da noch nicht an der Börse, egal, dann halt ein anderer Kabelsender).
Aber ich denke wir sind einig, es wäre damals ex-post nicht klug gewesen denen eine 20-30 Jahres runway zuzuschreiben. In Wahrheit stellte sich heraus dass die runway vielleicht 10-15 Jahre war, und danach kam direkt der Sinkflug.
Und: Man hätte das mit dem Wissen Anfang der Neunziger aber nicht vorhersehen können! Internet war damals so ein Ding für Nerds mit Modems, wirklich kein Mensch hätte Stream on demand auf dem Schirm gehabt.
Was ich sagen will:
Wie kann man sich mit runways sicher sein in Märkten die sich so schnell ändern, wie eben Technologie?
Wie kann man wissen dass nicht in 10 Jahren was kommt was Netflix, Disney usw. komplett wegfegt einfach so?
Fünf Jahre voraussschauen, meinetwegen, da bin ich grade noch dabei. Bei 10? Nein nicht wirklich, da muss jemand schon ein nachgewiesenes Händchen haben sehr gute Vorhersagen zu treffen und er muss Experte in dem Gebiet sein.
Aber 20-30 Jahre?
Also ich finde das echt superhart.
Nehmen wir andere Beispiele:
Microsoft, Apple, Google. Klar, toll, wer hätte die nicht gerne gekauft in den Neunzigern und bis heute gehalten.
Aber war wurde aus Nokia? Aus Yahoo? Aus IBM? Aus der Telekom? Was aus Atari (Pionier bei Computerspielen)? AOL?
Also, so eindeutig war es eben nicht wen man hätte wählen müssen.
Wie gesagt, null Angriff auf Netflix. Kann man schon machen, ich mache sicher oft dümmeres, alle hier (bis auf dev
) sind ja hoffentlich diversifiziert, usw, alles gut.
Mir geht es wirklich nur darum, wie kann man sowas beurteilen?
Ist es nicht besser Unternehmen zu suchen die auf den 5-Jahres Horizont gut aussehen?
Oder eben direkt auf die Marktpsychologie zocken und meinetwegen Netflix kaufen, aber in der Hoffnung dass sie sich im aktuellen Hype schnell verdoppeln und man sie dann schnell abstößt?
wp
20-30 Jahre runway, wie meinst du das?
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Ich bin der Meinung das es am schwersten ist, 20-30 Jahre auszuhalten, vor allem wenn es zwischendurch Korrekturen gibt, welche einem dann zu Gewinnmitnahmen verleiten.
So mancher bereut es heute sicher, das er mal Amazon für unter 10 im Depot hatte

Aushalten kann man es nur, wenn man sich an der Leistung des Unternehmens orientiert, also an der fundamentalen Entwicklung.
Solange diese dem Kurs einigermaßen folgen kann, kann man dabei bleiben.
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Wenn man sich mal anschaut wie die Welt vor 20-30 Jahren ausgeschaut hat ist es klar, dass nichts und niemand voraussagen kann wie sich eine spezifische Firma über 20-30 Jahre entwickeln wird. Klar gibt es im Rückblick die 100-Bagger aber die vorher zu erkennen ist verdammt schwierig.
Persönlich finde ich schon Zeiträume über 5-10 Jahre problematisch.
Wenn ich eine Aktie kaufe weil sie auf Sicht von 20-30 Jahren billig ist (und nicht auf 5-10 Jahren) dann ist sie vermutlich zu teuer.
Und in der Tat ist das eigentliche Problem das Durchhalten. Mein privater Rekord ist aktuell um die 11 Jahre (TFF), das ist aber die einzige Aktie und ich hatte schon einige Zweifel in der Zwischenzeit.
Je intensiver man sich mit einer Aktie beschäftigt und je mehr die in der Presse ist, desto schwieriger ist für mich zumindest das langfristige Halten.
MMI
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Je intensiver man sich mit einer Aktie beschäftigt und je mehr die in der Presse ist, desto schwieriger ist für mich zumindest das langfristige Halten.
MMI
Das gilt für das Beschäftigen mit Aktien allgemein.
Es gibt Untersuchungen von US-Brokern (Charles Schwab?) das diejenigen Depots am besten laufen wo die Leute gestorben sind und nicht mehr draufgucken.
Es ist unglaublich schwierig in einem "professionellen Setup" eine Haltefrist von >1 Jahr durchzusetzen. Das darf man nicht unterschätzen.
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Es gibt Untersuchungen von US-Brokern (Charles Schwab?) das diejenigen Depots am besten laufen wo die Leute gestorben sind und nicht mehr draufgucken.
Es ist unglaublich schwierig in einem "professionellen Setup" eine Haltefrist von >1 Jahr durchzusetzen. Das darf man nicht unterschätzen.
Da hab ich wohl einen kleinen Vorteil, ich kann mich schlecht trennen - ist aber gleichzeitig auch ein Nachteil, was zu der einen oder anderen Depotleiche führt.
P.S. bei der Verwaltung von Fremdkapital, ist es noch einmal eine ganz andere Nummer, man muß seine Strategie ständig verteidigen und muß auch handeln, obwohl man es besser weis. Da ist einfach zu viel Marktdruck, das muß ich als "Privatier" nicht.
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Wenn man sich mal anschaut wie die Welt vor 20-30 Jahren ausgeschaut hat ist es klar, dass nichts und niemand voraussagen kann wie sich eine spezifische Firma über 20-30 Jahre entwickeln wird. Klar gibt es im Rückblick die 100-Bagger aber die vorher zu erkennen ist verdammt schwierig.
Persönlich finde ich schon Zeiträume über 5-10 Jahre problematisch.
Wenn ich eine Aktie kaufe weil sie auf Sicht von 20-30 Jahren billig ist (und nicht auf 5-10 Jahren) dann ist sie vermutlich zu teuer.
Da werfe ich nochmals Amazon ein, die waren immer viel zu teuer.
Dennoch haben sie immer wieder bewiesen das sie es Wert sind, aber uns allen ist natürlich klar, das sie irgendwann ein "normales" KGV haben werden.
Aber das schwierige ist, wann und ob das K oder das G der Auslöser ist!
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Ein gutes Beispiel für 20-30 Jahre "Runway" ist der Energiesektor.
Ich denke es ist relativ klar, dass in 20-30 Jahren ein großer Teil des aktuellen Energieverbrauchs "elektrifiziert" sein wird.
Die Frage ist nur: Wie genau kommt man da hin und wer genau wird profitieren ? Und was ist man bereit dafür zu bezahlen ? Das ist schon schwierig in einem Sektor wo man das Endbild einigermaßen gut projezieren kann.
Für Streaming kann ich ehrlich gesagt nicht mal einschätzen wie das Endbild in 20-30 Jahren aussehen wird. Wird es noch Streaming geben ? Spielt sich alles nur noch in 3D virtuellen Spielwelten ab ? Spielen wir uns das Zeug direkt in die Birne mit einem Neurolink ?
MMI
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Oh Gott, der Thread-Titel, da hat's mich gleich geflasht :)..
Also, folgendes möchte ich einwerfen:
1. Mir ist völlig klar, dass man nicht mit Sicherheit einen Gewinner über einen so langen Zeitraum ausmachen kann. Der Gedanke ist aber eher, dass man, wenn man sich mit dem Mindset für ein paar entscheidet und bei zumindest einigen richtig liegt, damit enorme Renditen erzielen sollte. Und dann wäre das wichtigste wohl, dass man sich irgendwie dazu zwingt, zwischendrin nicht zu verkaufen. Dass man also versucht, ein Amazon, Microsoft, Walmart, etc. zu erwischen und es auch zu halten, das ist ja mitentscheident.
2. Weil das ja von Netflix herkam. In diesem Beispiel. Kann sein, das Netflix weiterhin sehr gut laufen und wachsen wird, kann sein dass sie es nicht tun. Mir wäre wichtig, ein bißchen investiert zu sein, weil ich zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit sehe dass es so sein wird und mir fest vorzunehmen, auf keinen Fall zu verkaufen.
3. 20-30 Jahre ist ja nur eine grobe Einordnung. Es geht halt darum, dass noch wesentliches langfristiges Wachstumspotenzial besteht und auch sozusagen in einem struktuellen Sinne. Bei den oben genannten ist das klar, dann z.B. Starbucks oder sowas und bei Netflix wäre da z.B. steigender Wohlstand in verschiedenen Regionen und entsprechende Internetverfügbarkeit, also die Erschließbarkeit von neuen pot. Kundengruppen.
4. Ein Grund für den Zeitraum ist für mich intuitiv noch, dass es etwa eine Generation ist. Und bei manchen Dingen, ist es ja evtl. so, dass es sich zuerst bei einer Generation durchsetzt, dann weiter, etc. Also um nochmal das Beispiel Netflix zu bemühen. Bei der jetzigen Eltern-Generation ist es wohl mehr und mehr präsent, wenn also jetzt viele Kinder damit aufwachsen etc., könnte das zu weiterem Wachstum führen. So wie bei Disney, wo die Eltern mit den Kindern die Neuauflagen von ihren Kinderfilmen anschauen. Also im Endeffekt, geht es doch darum zu sagen, ist z.B. Netflix schon mainstream? Einerseits ja, aber andererseits auch wieder noch nicht, da sehe ich noch viel Potenzial. Und dann gilt eben wieder Punkt 1.
Also, zusammengefasst, mir geht's nur darum, dass man zumindest versucht, langfristige Gewinner auszumachen und da wenigstens ein bißchen was anzulegen, sich dazu zu disziplinieren nicht zu verkaufen und somit zumindest die Chance zu haben, einen langfristigen Top-Performer zu haben. Dafür muss man vor allem gar nicht so viel Geld reinstecken, denn wenn das über lange Zeit gut läuft, kommt da schon was zusammen.
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Mir hat ein guter Investor mal ein relativ schönes Bild aufgemalt.
Er meinte, dass - wenn man auf diese Zeiträume schaut - nur wenige "universale Wahrheiten" behalten werden und vorhergesagt werden können. Also Dinge die in 20 Jahren noch genauso bestehen wie heute. Es komme dann sehr stark darauf an ob eine Firma das eigene Geschäftsmodell auf diese "universale Wahrheit" ausrichtet und eine Kultur habe die diese universale Wahrheit zu beschützen.
Wenn man so rangeht, dann ändert sich das Welt/Investitionsbild schon massiv.
Universale Wahrheiten war in dem Fall: "People will always want more for less" und "People are inherently lazy/convenient" and "social animals"..
Was insbesondere für Geschäftsmodelle spreche die eine hohe Kundenorientierung habe und Effizienzgewinne an die Kunden weitergeben.
Da fallen einem einige Geschäftsmodelle ein - Aldi/Costco (more for less), Apple (funktioniert besser = lazy / social animal) etc. und auch Netflix (wo dieser Treat herkommt) scheint die Botschafts sehr stark verinnerlicht zu haben..
Problem: ich beobachte bspw. bei Amazon - aber auch beispielsweise bei Google seit längerem, dass es einen Trend dazu gibt, dass der Kunde nicht mehr vollständig im Mittelpunkt steht. Da den Trade-Off zu finden wann das Geschäftsmodell nicht mehr diese inneren Werte lebt ist extrem schwer.
Ist z.B. bei Aldi auch so ein Thema -> ALDI ist seit dem Tod der Brüder WEIT weg vom ursprünglichen Modell. Costco lebt es aber noch! -
Da lob ich mir meine contrarian buden.
Bei denen ist für jeden Dödel offensichtlich dass das Geschäftsmodell nicht der Knaller ist.
Aber dafür sind die halt derart günstig dass es schon reicht wenn die nicht sofort komplett untergehen

Naja, man muss sagen WAREN günstig, es wird langsam echt schwierig richtig ausgebombtes Zeug zu finden.
Selbst die Ukraine und die Türkei rennt ja schon wie bescheuert die letzten Wochen...
An zurückgebliebenen Sektoren fällt mir eingentlich nur noch Banken ein, Versicherung, Agrar vielleicht.
Apropos Banken, ist in dem Sektor grade jemand unterwegs?!
Ok, bissl offtopic, sorry...
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Vielleicht denkt Mensch zu kompliziert und es sind die banalen Sachen die in Zukunft gefragt sind wie jetzt und in der Vergangenheit. An der Technik Wie Was in der Zukunft funktionieren wird keine Ahnung.
Denke an z.B. LVMH Luxus geht immer. Der Name ist Programm egal wie das Teil ausschaut. Hauptsache es ist von der Marke so und so und ist teuer.
Breite Palette an Luxusartikeln die haben für mich einen echten Moat der auch in Zukunft bestand haben wird.
Oder Hersteller von Geschmack-Duftstoffen/Spezialchemie mit ihren teils Jahrzehnte alten Bakterienstämmen wie z.B. Robertet, Novozymes, Chr. Hansen, Givaudan, Symrise, IFF, Sensient, Croda.....ein dutzend Unternehmen wo der Markt aufgeteilt ist, es eher schwer reinzukommen ist und überall mehr oder weniger mitmischen.
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Nachteil (oder Vorteil) der Contrarian-Buden: Du solltest alle 2-3 Jahre neue Werte suchen. Das ist nix zum "Kaufen und schlafen".
Wenn man (wie du und ich) nicht zum 20-Jahre-Schlafen gemacht ist, aber länger als 1 Jahr halten kann, sind contrarian-Werte immer wieder schön.
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Grundsätzlich sollte man nicht schlafen, denn jedes Geschäftsmodell kann sich ändern und dann muß man Wachsam sein, ob die Firmen sich anpassen oder jammern. ( Bsp: Kodak - Analog > Digital-Fotografie )
Allerdings sehe ich Streaming auch in 20 Jahren und ob das nun auf Gerät X läuft, in 2D oder 360° - sollte einem Anbieter der die Masse beglücken will, egal sein. Und Streaming kann meiner Meinung nach, nur noch unter gehen, wenn in der Verwertungskette jemand zu gierig wird und sich somit das schauen in den Luxus-Bereich verschiebt.
Hingegen sind Videotheken so gut wie weg!
Somit kann es sein das man ein gut laufendes und wachsendes Geschäft im Depot hat, aber es sich nicht gut genug an die sich stetig ändernden Kundenwünsche anpassen kann.
Das zweite sind die Konkurrenten, wenn diese ihre Dienstleistungen preiswerter produzieren bzw. anbieten können, muß man sich weiterentwickeln.
Somit muß ein Holzauge immer wachsam bleiben, ob es fundamental weiterhin stimmt und das schlafende sollte sich von Turbulenzen nicht wecken lassen.
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Das gilt für das Beschäftigen mit Aktien allgemein.
Es gibt Untersuchungen von US-Brokern (Charles Schwab?) das diejenigen Depots am besten laufen wo die Leute gestorben sind und nicht mehr draufgucken.
Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich lebe zwar noch, aber ich habe Friedhöfe alter Depotlisten (meist Jahresende). Obwohl die Hälfte der Firmen nicht mehr existieren, wobei die wenigsten pleite gegangen sind, sondern meist übernommen, aufgespalten oder sonst was worden sind, ohne Spin-offs, Dividenden und dergleichen, haben die meisten dieser Ex-Depots mein Realdepot und auch alle Indizes um ein Vielfaches outperformed. Meist war das wegen 1 oder 2 Firmen, die seitdem ein paar Hundert oder Tausend % zugelegt haben.