Persönliches Kursziel finden

  • Hallo zu meinem ersten Beitrag im Forum!


    Habe leider kein passenden Thread gefunden, deswegen mache ich einen neuen auf.

    Es soll darum gehen wie ihr euch eure Kursziele und damit Verkaufszeitpunkte zu gekauften Aktien setzt (und eine kleine Einführung geben was ich hier suche :D).

    Kurz zu mir und dem Hintergrund der Frage:

    Ich bin wie der Name schon verrät blutiger Börsenneuling. Im Februar letzten Jahres habe ich meine individuelle Mobilität aufgegeben und mein Auto verkauft. Da ich den Verkaufserlös auf mittelfristige Sicht nicht benötige dachte ich mir dass das der perfekte Moment ist um sich mit dem Investieren zu beschäftigen. Der Corona-Crash kam mir dann sehr gelegen und ich habe mit zugegebenermaßen recht spärlichem Wissensstand und frei nach dem Motto "BTFD" aus verschiedenen Branchen Werte gekauft die recht stark gefallen sind. Nach ein paar Wochen bin ich dann auf dieses Forum gestoßen und bin seit dem begeisterter stiller Mitleser und teilweise auch Lemming. Also zunächst mal ein Kompliment für die Art und Weise wie hier diskutiert und sich ausgetauscht wird und auch für die interessanten Gedankengänge die viele hier haben!

    Nun zum Eigentlichen Thema:

    Naja auf jeden Fall bin ich mit meiner Strategie bis heute mit mehr Glück als Verstand ziemlich gut gefahren, finde aber dass die Kursanstiege einige Aktien in etwas luftige Höhen gehoben haben. Deshalb überlege ich diese Aktien in Teilen oder ganz zu verkaufen. Mir fehlt allerdings das Werkzeug um diesen Aktien einen Preis zuzuordnen den ich für angemessen halte. Daher meine Frage: Welche Fundamentaldaten nutzt ihr für eure eigenen Kursziele und habt ihr Quellen aus denen man sich über diesbezügliche Methoden genauer informieren kann? Wie berücksichtigt ihr die jeweilige Branche in der das Unternehmen agiert. In der Automobilbranche sind ja beispielsweise deutlich geringere KGV's üblich als in der IT. Und zuletzt bleibt ja immernoch der Aspekt des Ausblicks für das Unternehmen den es zu bewerten gilt. Ich denke hier kommt auch viel persönliche Einschätzung ins Spiel, aber wie würdet ihr sowas gewichten?

    Kandidaten für einen Verkauf aus meinem Depot wären:

    -Wacker Chemie bei heute 128,50€
    -Voestalpine bei heute 30,73€

    -Taiwan Semiconductor bei heute 107€ <- ist eigentlich ein vielversprechendes Unternehmen. In der 3nm Technologie ganz vorn dabei, Pläne für 2nm und die weiter Zukunft, wachstumsstark aber wenn man die Bewertung mit der von bsp. Samsung vergleicht passt dass doch nicht ganz?

    Als langfristige Strategie habe ich mir überlegt:

    Ein Großteil des Depots (~60%) kommt in dividendenstarke Aktien mit längerer anständiger Historie. Das soll der Teil werden um den man sich nicht täglich kümmern muss und trotzdem solide Einnahmen generiert.

    Ungefähr 30% in Antizykliker ohne Dividendenfokus

    10% als Zockereien.

    Bei der Anlage denke ich eher an mittelfristiges solides Wachstum. Habe Zeit und Geduld, aber was in 5 Jahren ist kann keiner wissen.

    Würde mich über Kommentare und Anregungen freuen.

    Viele Grüße!

  • Hallo und herzlich willkommen,

    ich mach jetzt mal den Klugscheisser und leg mal los.

    Zunächst finde ich es persönlich besser, wenn man zuerst mal auf die Fresse fliegt und das Geld "verzockt".

    Das tut weh und zwingt einen der Sache nachzugehen, woran es gelegen haben könnte.

    In Deinem Fall steht also noch die Reifung für das Erste bevor. Hast Mut gezeigt und im Crash zugegriffen wo die meisten abgehauen sind.

    Zu Deinen Werten kann ich nichts spezielles sagen, aber ich denke Du solltest den Gedanken von Dividenden Starken Firmen mit langfristiger Historie nochmal überdenken.

    Siehe die "Sprit" Branche.

    Ich denke wir sind in einer Umbruchszeit, in der sich noch sehr vieles verändern wird.

    Ich denke auch nicht , dass Nestle & Co. weiter an Ihrer Strategie festhalten werden können, denn das Konsumverhalten verändert sich rasant und auch die Gegenseite (der Handel) baut immer mehr Eigenmarken auf.

    Wenn Du jung bist, verteile lieber das Geld in Firmen die wenig DIVI ausschütten , sondern das Geld lieber in das eigene Unternehmen stecken und noch Wachstum vor sich haben. Ok, aktuell sind einige Wachstumwerte zu weit gelaufen , aber aktuell spinnt gerade fast alles.

    Nur meine Meinung und ich hoffe das klingt nicht nach Klugscheisser.

    Ich lerne selber sehr viel von vielen Teilnehmern hier im Forum.

    Aber eins kann ich Dir sagen , ich denke aktuell ist es in anderen Foren (wsb?) vermutlich lustiger mit den ganzen Bildern und Clips als hier :-)

  • Auch von mir ein Willkommen.

    Zum Thema Kursziele: Habe ich nicht und hatte ich auch noch nie. Wenn mir ein Unternehmen gefällt, es sich positiv entwickelt und Mr. Market keine Mondpreise aufruft, bleibe ich dabei. Ausnahme: wenn ich etwas besseres finde.

    “Investment is most intelligent when it is most businesslike.” -Benjamin Graham

  • Hallo erstmal - auch von meiner Seite!

    Super, dass Du Dir schon viele Gedanken machst und fragst.

    Sprechenden Menschen kann geholfen werden - und hier kann man normalerweise gut fragen!

    Börse hat sehr viel mit Erfahrung zu tun.

    Das braucht seine Zeit, wenn man dabeibleibt ist es kein Hexenwerk.

    Verschiedene Dinge:

    • Ich würde tatsächlich empfehlen am Anfang ersteinmal relativ breit zu streuen (auch gerne über ETFs) und sich an das Thema heranzutasten. Wie mobilpage schon sagt: Kleinere Verluste und Rückschläge am Anfang sind nichts schlechtes - eventuell sogar gut! Gut weil man lernt ob man sie aushält und mit eigenem Geld lernt es sich sehr viel schneller weil es mehr weh tut. :-D (Verluste im höheren Alter und mit größeren Summen sind etwas völlig anderes!)
    • Leg doch hier im Board einen Depot-faden an. Mir (und anderen) hat es EXTREM geholfen die eigenen Gedanken und das Portfolio aufzuschreiben. Dann kann man sich nachher in seinen Fehler suhlen und lernen. Du wirst auch Input von mehreren Seiten bekommen.
    • Wenn Du "wirklich" tiefer rein willst, dann kommst Du nicht drumherum die Grundzüge von Bilanz, G+V und Cashflow zu verstehen. Das ist die Sprache die man beherrschen MUSS wenn man es wirklich ernst meint.
    • Wähle am Anfang Unternehmen/Produkte die Du gut einschätzen kannst. Was weißt Du wirklich über Wacker Chemie oder Taiwan Semiconductor? (Ich habe von den Unternehmen keine Ahnung). Manche Unternehmen lassen sich leichter einschätzen - manche deutlich schwieriger. Es lernt sich leichter, wenn man eine rudimentäre Ahnung vom Geschäftsmodell hat.

    Anonsten Feuer frei - auf viele Fragen und Beiträge.

    Matze

    P.s. Ach ja: Zum Thema Kursziel.... Im Grunde ganz ganz einfach: Die Summe aller freien Cashflows die ein Unternehmen in Zukunft macht - mit einem fairen Zins auf heute abdiskontiert. Theoretisch ganz einfach... in der Praxis höllisch schwierig.

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Hallo und Willkommen !!!

    Eine Anmerkung zum Thema Kursziel:

    Ich persönlich setzte mir mittlerweile eher "unverbindliche" Kursziele. Insbesondere sollte man die Kursziele immer im Zusammenhang mit einer erwarteten Entwicklung sehen. Einer der größten Fehler in meiner Karriere als Investor war, gute Aktien viel zu früh beim Erreichen des Kurszieles zu verkaufen, obwohl es deutlich besser lief als geplant. Von daher sollte man immer seine Kursziele entsprechend anpassen wenn es fundamental besser läuft.

    Zur Strategie:

    Zitat

    Als langfristige Strategie habe ich mir überlegt:

    Ein Großteil des Depots (~60%) kommt in dividendenstarke Aktien mit längerer anständiger Historie. Das soll der Teil werden um den man sich nicht täglich kümmern muss und trotzdem solide Einnahmen generiert.

    Ungefähr 30% in Antizykliker ohne Dividendenfokus

    10% als Zockereien.

    Du solltest Dir nochmal grundsätzlich überlegen ob Du tatsächlich Einnahmen brauchst oder ob Du eher Vermögen aufbauen willst. Falls Du die Einnahmen nicht wirklich brauchst, macht es Sinn auch einigermaßen vernünftig bewertete Aktien aufzunehmen die evtl. wenig Dividende zahlen, dafür aber gute Wachstumsaussichten haben.

    Aber die Hauptsache ist: Spaß haben, Sachen ausprobieren, Fehler machen, Lernen, besser werden.

    MMI

  • Danke allerseits schonmal für die Antworten,

    mit den Verlusten habt ihr sicherlich recht, nicht umsonst heißt es Lehrgeld. Ich denke aber, dass das mit der Zeit von ganz alleine kommt, spätestens wenn es wieder unruhiger am Markt wird, vielleicht ja schon eher als ich hoffe. Das heißt ja aber noch nicht, dass man "sehenden Auges ins Unglück" rennen muss und sich nicht vorher mal ein paar Gedanken machen kann um die Verluste zumindest zu begrenzen.


    Bei den dividendenstarken Unternehmen habe ich schon Gegenwind erwartet. Langfristig wird es natürlich immer besser sein, dass Unternehmen steckt seine Gewinne in Wachstum als es an Anleger zu verschenken. Mittelfristig kann ich mir aber bei einigen Unternehmen schon vorstellen, dass sie über ein paar Jahre ganz gut Dividende zahlen können ohne sich ihre Marktposition zu ruinieren und einem so relativ sorglose, wenn auch kleine Rendite verschaffen können. Natürlich ist da Vorsicht bei der Auswahl der Branchen geboten. Zuviel Umbruch sollte es nicht sein. Mir kommen da Werte wie Mapfre in den Kopf, wobei die sicher nicht sorglos sind, oder BCE als Telekommunikationsunternehmen.

    Aber eins kann ich Dir sagen , ich denke aktuell ist es in anderen Foren (wsb?) vermutlich lustiger mit den ganzen Bildern und Clips als hier :-)

    Dazu kann ich nur sagen: Ich bevorzuge die subtileren ironischen/sarkastischen Töne hier im Forum :D

    Auch von mir ein Willkommen.

    Zum Thema Kursziele: Habe ich nicht und hatte ich auch noch nie. Wenn mir ein Unternehmen gefällt, es sich positiv entwickelt und Mr. Market keine Mondpreise aufruft, bleibe ich dabei. Ausnahme: wenn ich etwas besseres finde.

    Durch meine sorglos-Käufe am Anfang und deren recht starke Kurs-Rallys gibt es sicherlich einiges "bessere". Wartet nur drauf von mir erkannt zu werden. Wobei gerade sicherlich wenige "Schnäppchen" möglich sind.

    • Ich würde tatsächlich empfehlen am Anfang ersteinmal relativ breit zu streuen (auch gerne über ETFs) und sich an das Thema heranzutasten. Wie mobilpage schon sagt: Kleinere Verluste und Rückschläge am Anfang sind nichts schlechtes - eventuell sogar gut! Gut weil man lernt ob man sie aushält und mit eigenem Geld lernt es sich sehr viel schneller weil es mehr weh tut. :-D (Verluste im höheren Alter und mit größeren Summen sind etwas völlig anderes!)

    Also breit gestreut bin ich. Habe eher zu viele Werte um mich mit denen anständig auseinanderzusetzen. Und sicher sind ETF's ein gutes Mittel für den Einstieg. Aber auch ein fürchterlich langweiliges. Außerdem glaube ich, dass man aus ETF's wenig Lektionen zieht außer: "Kurse ändern sich. Oft sogar in ungeahnte Richtungen."

    • Leg doch hier im Board einen Depot-faden an. Mir (und anderen) hat es EXTREM geholfen die eigenen Gedanken und das Portfolio aufzuschreiben. Dann kann man sich nachher in seinen Fehler suhlen und lernen. Du wirst auch Input von mehreren Seiten bekommen.

    Ich denke das ist eine gute Idee und das werde ich tun sobald ich Zeit dafür finde und meine Gedanken sortiert bekomme. Schreibe da momentan etwas dürftig eine Excel Liste.

    Naja ich sehe schon, dass mit den Kurszielen ist nicht so einfach. Billige Unternehmen zu identifizieren scheint aus Kennzahlen etwas leichter zu sein als festzustellen wann sie nicht mehr billig/zu teuer sind.

  • Du solltest Dir nochmal grundsätzlich überlegen ob Du tatsächlich Einnahmen brauchst oder ob Du eher Vermögen aufbauen willst.

    Da möchte ich einhaken: Wie dringend brauchst du das Geld, das du an der Börse investierst?

    Die Börsen sind derzeit sehr volatil. Aktien können sich in recht kurzer Zeit verdoppeln - aber Abstürze sind in aller Regel noch schneller als Anstiege, der Einsatz kann auch schnell weg sein.

    Dringende Empfehlung: Stecke nur das Geld in die Börse, bei dem du auch eine Werthalbierung oder einen Totalausfall mental verkraftest.

    Zitat

    Im Februar letzten Jahres habe ich meine individuelle Mobilität aufgegeben und mein Auto verkauft.


    Falls du im nächsten Jahr wieder ein Auto kaufen musst (oder die Möglichkeit dazu nicht verlieren willst), dann lege das Geld für ein kleines Auto beiseite. Im Unglücksfall wird es das kleine Auto, im Börsen-Glücksfall könnte das Auto oder der Urlaub größer ausfallen.

  • Eine Anmerkung zum Thema Kursziel:

    Ich persönlich setzte mir mittlerweile eher "unverbindliche" Kursziele. Insbesondere sollte man die Kursziele immer im Zusammenhang mit einer erwarteten Entwicklung sehen. Einer der größten Fehler in meiner Karriere als Investor war, gute Aktien viel zu früh beim Erreichen des Kurszieles zu verkaufen, obwohl es deutlich besser lief als geplant. Von daher sollte man immer seine Kursziele entsprechend anpassen wenn es fundamental besser läuft.

    Aber auch da brauchst du ja eine Grobe Richtung nach der du dein unverbindliches Ziel festlegst, oder? Allgemeine Marksituation spielt wohl auch noch eine Rolle. Gerade ist im Verhältnis ja alles teurer als noch im März/April.

    Zur Strategie:

    Du solltest Dir nochmal grundsätzlich überlegen ob Du tatsächlich Einnahmen brauchst oder ob Du eher Vermögen aufbauen willst. Falls Du die Einnahmen nicht wirklich brauchst, macht es Sinn auch einigermaßen vernünftig bewertete Aktien aufzunehmen die evtl. wenig Dividende zahlen, dafür aber gute Wachstumsaussichten haben.

    Aber die Hauptsache ist: Spaß haben, Sachen ausprobieren, Fehler machen, Lernen, besser werden.

    Nein ich brauche die Einnahmen mittelfristig nicht. Bin mir aber auch nicht sicher ob es für mich wirklich Sinn macht sich ein riesen Vermögen fürs Alter aufzubauen. Ich habe eine Krankheit die mir keine besonders rosigen Lebensumstände fürs Rentenalter vorhersagt. Vermutlich lautet mein Investment-Case daher: Geld anlegen, sodass der Kauf eines Eigenheims näher in die Gegenwart rückt. Danach eher Rückzug aus dem Aktienmarkt und Geld für das Leben ausgeben. Falls sich bis dahin keine intensive Liebe zum Aktienmarkt mit Liebeskummer entwickelt hat :D
    Wahrscheinlich ist für diesen Investment-Case das investieren in verhältnismäßig günstig bewerteten Wachstumsunternehmen wirklich sinnvoller, aber auch mit mehr Aufwand und vor allem immer dieser schwierigen Entscheidung des Ausstiegs bei "nicht-mehr-günstig-bewertet-sein" verbunden.

  • Da möchte ich einhaken: Wie dringend brauchst du das Geld, das du an der Börse investierst?

    Die Börsen sind derzeit sehr volatil. Aktien können sich in recht kurzer Zeit verdoppeln - aber Abstürze sind in aller Regel noch schneller als Anstiege, der Einsatz kann auch schnell weg sein.

    Dringende Empfehlung: Stecke nur das Geld in die Börse, bei dem du auch eine Werthalbierung oder einen Totalausfall mental verkraftest.


    Falls du im nächsten Jahr wieder ein Auto kaufen musst (oder die Möglichkeit dazu nicht verlieren willst), dann lege das Geld für ein kleines Auto beiseite. Im Unglücksfall wird es das kleine Auto, im Börsen-Glücksfall könnte das Auto oder der Urlaub größer ausfallen.

    Siehe Beitrag darüber zum Investment-Case. Und ich habe momentan nur den Anteil meines Vermögens investiert von dem ich unter Worst-Case-Szenarien für die nächsten paar Jahre keine Notwendigkeit sehe. Also bin ich da relativ sicher.

    Danke auch dir! Bin ganz überrascht, von den zahlreichen Antworten. Wenn auch mehr zu meinem blutigen Anfängertum als zu der Frage der Bewertung :D

  • Grüß Dich,

    also ich mach es so, dass ich wenn ich von einer Firma überzeugt bin und sie ist teuer ich mit einer kleinen Position einsteige. Falls Rücksetzer nachlegen.

    War schon oft der Fall das ich bei zu teuren Unternehmen nicht investiert habe und den Kursen wehmütig hinterher geschaut habe. So entledige ich mich mal mit diesem Problem.

    Bei Dividendenzahler schau auf das Wachstum und den Payout, das heißt hat das Unternehmen überhaupt Spielraum für Dividendensteigerung.

    Groben Überblick hol ich mir kostenlos über Morningstar https://financials.morningstar.com/ratios/r.html?t=veev

    am Beispiel Veeva, so soll ein Unternehmen aussehen Umsatzwachstum, Bruttomarge, operatives Wachstum, operative Marge, Freecashflow und Verschuldung schaut hier super aus. (Achtung keine Werbung für die Firma, dient nur als Beispiel, zur Zeit nicht nur teuer sondern Sauteuer).

    Danach wenn passendes Unternehmen gefunden, kann man sich im Geschäftsbericht schlauer machen.

  • Achja und verkaufen tu ich bei solchen Firmen generell nicht außer Sauteuer, gewichtige Depotgröße und hier auch nur Teilverkäufe.

    Bei Zockerkäufen erfolgt der Verkauf nach Bauchgefühl.

    Einmal editiert, zuletzt von Kantoke (3. Februar 2021 um 18:20)

  • Ich orientiere mich bei der Bewertung an recht konservativen Bewertungskennzahlen:

    1. KGV: Wie viele Jahre Gewinn dauert es, bis die aktuelle Marktbewertung verdient ist?

    Bei einem KGV unter 10 werde ich sehr jieprig, bei über 20 braucht es starke andere Argumente, um mein Interesse zu wecken.

    2. EV/Ebdita: Ist eine andere, teils aussagekräftigere Kennzahl, weil beim Gewinn unter dem Strich manches geschoben werden kann. MMI hat sich dazu gerne ausgelassen.

    3. KCV: Der Cashflow ist oft aussagekräftiger als der Gewinn.

    4. KBV: Kurs versus Buchwert: Wie gut sind die materiellen Werte eingepreist, wie stark sind immaterielle Werte eingepreist?

    Mit diesen Parametern wird man erfolgreichen Wachstumsunternehmen aber oft nicht gerecht. Ich bin eher schlecht im Abschätzen, welche Wachstumsunternehmen ein so stabiles Wachstum hinlegen, dass sie fette Aufschläge verdienen, daher bin ich bei den Bewertungen (und dem Mitbesitz) von Wachstumsunternehmen oft raus. Diese Abschätzung, aber auch die Sorgfalt vor Überoptimismus zu lernen ist nicht einfach und geht nicht ohne blaue Flecken ab. Letztlich ist Börse eine (bzw. viele) Wette auf die zukünftige Entwicklung von Unternehmen, Branchen und allgemeiner Marktstimmung. Es gibt keine allgemein gültige Bewertung.

    Und das ist auch ganz gut so, denn große Gewinne lassen sich erzielen, wenn man früher als der Markt (aber auch nicht viel zu früh) eine Fehlbewertung der Märkte sieht und ausnutzt. Also antizyklisch handelt.

    So ein Handeln ist mental nicht immer einfach, und bei der Entwicklung der Einschätzungen hilft (zumindest mir) der diskursive Austausch beispielsweise in diesem Forum. Aber da allen ihre eigene Unwissenheit bewusst ist, finden sich nur selten harte Empfehlungen, oft eher Nachfragen im Sinn von "Hast du diesen Aspekt auch bedacht?" oder Hinweise wie "Denke über jenen Aspekt noch einmal nach..."

    Einmal editiert, zuletzt von Al Sting (4. Februar 2021 um 08:03) aus folgendem Grund: Tippfehler korrigiert

  • Kursziele haben mag zwar schön sein. Wichtiger ist es imho aber, nur Unternehmen zu kaufen von denen man überzeugt ist und, 2. WICHTIG! nicht zu verkaufen wenn es gegen einen läuft (eher zukaufen wenn man nach wie vor überzeugt ist). Wenn ich in den Autothread schaue, hat niemand den heutigen Kurs von Daimler oder Renault erwartet. Gut gelaufen. Hat keine 2 Jahre gedauert. Verkaufen ja, wenn der Depotanteil zu groß geworden ist und wenn man andere Aktien auf der Watchliste hat, von denen man ebenfalls überzeugt ist und die noch nicht gelaufen sind weil die Mehrheit sie nicht mag. DCF und ähnliches sind ebenso ungeeignet wie Analystenmeinungen um ein Kursziel festzumachen. Sinnvolles kaufen und Rebalancing macht imho mehr Sinn. Kurz gesagt Kursziele machen für Momentum (Chart) Investoren Sinn. Für Antizykliker imho nicht.

    p.s. Cash flow ist wichtig aber immer auf den FCF achten KCV ist meist aus dem OCF.

    "If it sounds too good to be true, it probably is."

    "Theoretisch gibt es keinen Unterschied zwischen der Theorie und der Praxis. Praktisch stimmt das aber nicht."

    "Erfahrung ist das was man bekommt, wenn man nicht bekommt was man möchte."

  • Aber auch da brauchst du ja eine Grobe Richtung nach der du dein unverbindliches Ziel festlegst, oder? Allgemeine Marksituation spielt wohl auch noch eine Rolle. Gerade ist im Verhältnis ja alles teurer als noch im März/April.

    Grobe Richtung trifft es gut. Ich unterscheide mittlerweile nur zwischen Aktien wo ich auf 2-3 Jahre 30-50% Kurspotential sehe und Firmen wo ich längerfristig deutlich höheres Kurspotential sehe.

    Bei den kürzeren orientiere ich mich auch eher an meinem Kursziel, bei den längerfristigen schaue ich eigentlich nur ob die Richtung stimmt.

    Alles andere versuche ich zu vermeiden. Entweder zu riskant oder den Aufwand nicht wert.

    Eine Frage die Du Dir stellen solltest ist aber auch: Wann verkaufst Du wenn es gegen Dich läuft.


    Zitat


    Geld anlegen, sodass der Kauf eines Eigenheims näher in die Gegenwart rückt. Danach eher Rückzug aus dem Aktienmarkt und Geld für das Leben ausgeben. Falls sich bis dahin keine intensive Liebe zum Aktienmarkt mit Liebeskummer entwickelt hat :D

    Wenn Deine Erwartung ist, dass das ab 10 Jahre oder später der Fall sein soll ist das OK. Für kürzere Zeiträume würde ich Dir ehrlich gesagt dass aktuell nicht wirklich raten. Die Wahrscheinlichkeit dass es mal richtig rummst und sich nicht so schnell erholt ist durchaus da.

    Da wäre es vielleicht sinnvoller gleich mit mehr Hebel die Immobilie zu kaufen um das "Erlebnis" gleich zu haben.

  • Bei den Kurszielen, kann ich dir nicht helfen. Da habe ich selbst noch keine seriöse Methode gefunden. Ich selbst versuche mein Depot wenig umzuschichten. Solange ich vom Unternehmen überzeugt bin, darf es bleiben, auch wenn es teuer ist. Am Jahresende mache ich für mich eine Bestandsaufnahme und schaue mir die drei schlechtesten genau an. Wie ist die Konkurrenz stattdessen gelaufen.

    z.B. ABB war letztes Jahr relativ mies zu Siemens. Dann ist die Frage, sollte man Abb verkaufen, weil z.B. das Unternehmen schlecht gemanagt ist, oder kauft man lieber nach, weil ABB im Gegensatz zu Siemens recht günstig ausschaut.

    Dividenden sind zwar schön, aber bei Wachstumsaktien, wie TSMC, hast du ein wesentlich höheres Wachstum und damit mehr Profit (wenn man verkauft). Negativ an Dividenden sind die hohen Steuern (vor allem im Ausland). TSMC hat momentan Rekordumsatz und ein Oligopol (wenn nicht sogar bald ein Monopol) Mir sind die zu teuer zum Kaufen. Komplett verkaufen, würde ich sie auf keinen Fall.

    Das Problem ist eher, dass die Positionen im Depot von der Gewichtung aus dem Ruder laufen, wenn Einzelne extrem gut laufen. Die Kursschwankungen dieser Werte schlagen auf das Depot durch. Daher ist es besser die Gewichtung ab und an anzugleichen. Nachkaufen, oder verkaufen.

  • Willkommen. Und gleich ein sehr interessantes Thema. Danke.

    Ich musste erkennen, dass ich mich extrem schwer tue, Aktien zu verkaufen.

    Inzwischen habe ich dafür eine Lösung gefunden, die allerdings nichts mit Kurszielen zu tun hat.

    Kaufen fällt mir leicht. Meist irgendwo eine Anregung oder nette Story zu der Firma gelesen, ein bisschen über die Zahlen der letzten 5-10 Jahre, Entwicklung von Umsatz, Spanne, Verschuldung, FCF positiv? Familiengeführt/Gründergeführt ist ein Plus. Zu Geschäftsberichten reicht bei mir die Geduld dann eher selten. Dann lege ich mir eine Anfangsposition zu. Vielleicht 1% Depotgröße. Damit bin ich motiviert etwas mehr über die Firma zu lernen. Wenn mir die Firma immer noch gefällt, dann stocke ich auf, gerne nach einem Rücksetzer, (theoretisch) gerne aber auch zum neuen Höchstkurs, letzteres fällt mir aber schwerer, Hausfrauengeiz. Solange sie steigt, möchte ich dann gar nicht verkaufen. Seitwärts oder auch mal 20% runter vom letzten Top ist auch kein (großes) Problem. Schwierig wird es, wenn sie weiter fällt. Nachkaufen ist meist keine gute Idee (wiederholt Lehrgeld gezahlt). Verkaufen aber fällt mir schwer. Was tun?

    Ich habe das so gelöst: investiert bin ich praktisch immer zu 100% mit dem für Aktien vorgesehenen Kapital. Neue Firmen kaufe ich meist auf Margin. Na und der muss halt auch wieder innerhalb kurzer Zeit zurückgeführt werden. D.h. damit zwinge ich mich, die am wenigsten attraktive Firma teilweise oder ganz rauszuwerfen.

    Alternativer Verkaufsanlaß: realisierte Kursgewinne wollen am Jahresende versteuert werden. Ein Grund schon während des Jahres den einen oder anderen Verlustbringer rauszuwerfen und zum Steuersparen zu verwenden.

    Ausnahmen sind offenkundige Preisfehler. Da kann ich mich dann auch zum Verkauf überwinden. Z.B. letzte Woche im Rahmen der Gamestopmania sind auch iRobot extrem stark gestiegen. mal kurz verdoppelt von zuvor ca. 80 auf 160 USD in der Spitze. Da habe ich die Chips vom Tisch genommen.

    Ich denke, da muss jeder seine persönlichen Lösungen finden. Diese hier funktioniert für mich seitdem ich wieder an der Börse bin (2010 - vorher hatte ich wg. Immokauf kein Geld übrig) ein Stück besser als ein DAX ETF und macht deutlich mehr Spaß.

    Edit: Crash ist auch nicht so schlimm. 5-10 Jahre später ist der (hoffentlich vorbei). Und man sollte weitere Standbeine haben als Notfallvariante.

  • Geld anlegen, sodass der Kauf eines Eigenheims näher in die Gegenwart rückt.

    Nachdem ich nicht nur mit Aktien (1987 und 2000) sondern auch schon mit einer selbstgenutzten Immobilie ordentlich Geld verbrannt habe:

    Das mit dem Eigenheim hat viele Aspekte. Einer davon: es ist meist ein hoch gehebeltes, massives Klumpenrisiko. Von der sprichwörtlichen Immobilität mal ganz abgesehen.

  • Nachdem ich nicht nur mit Aktien (1987 und 2000) sondern auch schon mit einer selbstgenutzten Immobilie ordentlich Geld verbrannt habe:

    Das mit dem Eigenheim hat viele Aspekte. Einer davon: es ist meist ein hoch gehebeltes, massives Klumpenrisiko. Von der sprichwörtlichen Immobilität mal ganz abgesehen.

    Für mich ist das Eigenheim auch kein Investment sondern mehr sowas in Richtung Erfüllung eines großen Wunsches.

    Crash sehe ich durchaus auch als möglich an in der Zeit bis Eigenheim (geht in Richtung 10 Jahre). Deswegen werde ich sicher auch kein Full-Throttle in Aktien gehen. Und muss im Falle des Falles eben noch ein paar Jährchen länger warten.

    Eingestiegen bin ich eigentlich weil ich die Finanzmärkte sehr interessant finde und mehr darüber lernen wollte. Learning by doing funktioniert bei mir am besten. Vielleicht muss ich da auch an meiner Perspektive fürs Investieren auch noch etwas arbeiten um strukturierter an die Sache ranzugehen.

    Danke auf jeden Fall nochmal an alle für das Feedback bis hier. Waren schon einige Punkte dabei die mich zum Nachdenken und Hinterfragen gebracht haben.

  • Kusziele kann ich bis heute nicht vernünftig setzen. Das liegt daran, dass Aktienkurse mehrere Treiber haben, nicht nur das Schicksal der ausgewählten Firma, sondern auch die Bewegung des Gesamtmarktes. Die letztere kann ich nicht vorhersagen, und deswegen kann ich für einzelne Aktien auch keine Kusziele in EUR angeben.

    Eine Aktie wird verkauft, wenn es andere gibt, die günstiger sind. Eigentlich sollte man erst verkaufen, wenn es andere gibt, die günstiger sind und auch besser laufen. Günstige Aktien brauchen oftmals eine Weile, bis sie laufen.

    Generell hätte ich viele Aktien länger halten können, als ich mich getraut habe. Hin und her macht Taschen leer.

    Du schreibst von "luftigen Höhen". Ich glaube, jeder muss einmal ernsthaft überlegen, ob der den Markt timen kann und ob er das versuchen will. Wenn ja, dann würde ich es gerne lernen, denn ich kann es noch nicht. Trotzdem ist die Versuchung groß, sich gerade an diesem Punkt zu überschätzen. Das ist sehr gefährlich.

    Wer den Markt nicht timen will, der sollte sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass es irgendwann einen 40%-Einbruch oder schlimmer gibt, bei dem er mit durch den Keller fährt. Wer das nicht aushält, sollte dringend vorher über den Investitionsgrad nachdenken und ggf gleich von Anfang an weniger Geld einsetzen. Das schlimmste ist, unter Druck oder aus Angst zu verkaufen, denn das passiert ziemlich sicher in der Nähe des Tiefs und ist für den langfristigem Anlageerfolg ein Desaster.

    Irgendwann kommt ein großes Erdbeben in Kalifornien, und in Minuten steht der Markt 60% tiefer. Niemand kann so etwas vorhersagen. Vielleicht erleben es erst unsere Enkel. Vielleicht passiert es morgen. Hältst Du das aus?

    Ich an Deiner Stelle würde mir z.B. auch überlegen, was passiert wäre, wenn Du im November 2019 an der Börse angefangen hättest. Wie wärest Du mit dem Verlauf in 2020 umgegangen, wenn Du nicht mit dem Einstieg so ein Glück gehabt hättest?

    Balkenchart