Aktien, die resistent sind gegen die Ankunft der AGI

  • Siehe dazu die Diskussion in anderen Threads zum Thema künstliche Intelligenz, in denen ich die Sorge schon aufgebracht habe, wie sich dann die Wirtschaft selbst, nicht nur die Börse verändern wird. Letzteres ist nochmals eine andere Frage, wahrscheinlich würde die Ineffizienz dann endgültig aus den Märkten verschwinden und damit jeder Vorteil für aktive Anleger. Bis dahin kann es freilich neue, vielleicht auch bislang unbekannte, weil nicht-menschliche Arten von Kapitalmarkteffekten geben, wobei z.B. Extrapolation aus der Vergangenheit nicht ganz so neu wäre...

    Aber das wäre alles noch das geringste Problem. Dann hat man halt ab dann, eventuell nach einer gewissen Übergangsphase, bis sozusagen das neue Gleichgewicht gefunden wird, nur noch die Marktrendite, die selbst wiederum höher oder, wahrscheinlicher, niedriger sein kann als bisher gewohnt. Sie wird aber nicht null sein.

    Aber was wird aus den bisherigen Firmen? Vielleicht übertreibe ich, durchaus bewußt zur Verdeutlichung. Man kann zu den Gekniffenen gehören, wenn man die falschen Aktien hat. Nicht jedes Unternehmen wird gleich wertlos, denn es wird weiterhin Kapital benötigt werden, aber viele Wettbewerbsvorteile verschwinden, weil der Wert schließlich oft, wenn auch nicht immer, in den Köpfen liegt, wie man so schön sagt. Das wird alles weg sein, bis auf das, was in Patenten begründet liegt, wobei die bestehenden Patente vermutlich immer weniger Bedeutung haben werden. Jeder Maschinenbauer kann es prinzipiell mit jedem anderen aufnehmen. Anders gesagt: nicht nur die Überrendite für den Anleger würde verschwinden, auch die für die Firmen selbst, jedenfalls für viele, gerade diejenigen, die stark von Technologie oder eben dem Know-How der Mitarbeiter abhängen. Zugleich würde es wohl eine Tendenz zur Konzentration geben, d.h. wegen der Gleichförmigkeit bleiben nur einige wenige große Anbieter übrig.

    Was wäre aber ziemlich sicher? Ein paar Ideen:

    - Infrastruktur wie Häfen, Flughäfen, Autobahnen (Vorsicht jedoch mit zeitlich begrenzten Konzessionen), Skilifte etc.

    - Aber auch natürliche (regulierte) Monopole wie Versorger, evtl. auch Dinge wie Börsenbetreiber.

    - Auch Immobilien, wobei Büros problematisch sind im Gegensatz zu Wohnen, Logistik oder auch noch Einzelhandel, auch wenn sie prinzipiell umgewidmet werden können.

    - Alles, was nah am menschlichen Konsumenten ist, z.B. griechische Joghurthersteller, Weingüter, Reisen/Freizeit wie Hotels, Betrieb von Sehenswürdigkeiten (Immobilien!), vielleicht auch Einzelhandel,

    - Dienstleistungen, die reguliert bleiben (z.B. Juristerei) oder bei denen ein Mensch erwartet wird (z.B. Pflege)

    - weitere, konkrete Beispiele?

    Oder übertreibe ich hoffnungslos?

    Die typische Antwort, die ich schon gehört habe und auch hier erwarte: Sämtliche Firmen profitieren von der KI! Also zumindest jede einzelne. ;) Denn das senkt doch die Kosten! (Vgl. Teleperformance) Ich halte das für einen klassischen Denkfehler, der von wenig Verständnis des Kapitalismus zeugt - und ich frage mich, ob die Leute bei der Aktienanalyse den gleichen Fehler machen, zumindest auf längere Perspektive, nämlich einem Unverständnis der Wettbewerbsdynamik. Was passiert denn, wenn alle Firmen in einer Branche die gleichen Kostenersparnisse haben? Es geht nicht der Profit hoch, sondern der Preis runter. À la longue profitiert ausschließlich der Kunde.

    Also, entwerfe ich ein Szenario wie Karl Marx oder Josef Schumpeter, das dann so gar nie eintritt? Wir hätten in den letzten hundert Jahren schließlich z.B. schon längst erleben können, daß alles von oligopolistischen Großkonzernen beherrscht wird. (Man kann darüber streiten, ob das vielleicht teilweise zutrifft, z.B. von den tausenden Autoherstellern der Anfangszeit sind nur noch wenige übriggeblieben) Nicht alles, was in der Theorie in äußerster Konsequenz zu erwarten ist, stellt sich in der Praxis auch ein, was zumindest in der Wirtschaftswissenschaft nichts Neues wäre.

    In "unserer Demokratie" werden keine Minderheiten unterdrückt oder zum Schweigen gebracht (Boris Pistorius). Sondern die Mehrheit.
    "Unsere" Demokratie verhält sich zur Demokratie wie Transfrauen zu Frauen.

  • Oder übertreibe ich hoffnungslos?

    Ja, du übertreibst.


    Die KI wird die Ineffizienz des Marktes auf bekannte Information zu reagieren sicherlich verringern.


    Berechnungen oder Einbeziehen der

    - unbekannten Informationen (z.B. Fa. im Turnaround, der sich verzögert in den Zahlen zeigt)

    - Entscheidungen einzelner Menschen,( die ja durchaus Kurse massiv beeinflussen können)

    - Timing der Ereignisse (wann kommt die kapitalerhöhung, spinn off etc hat massiv Einfluss auf die Rendite)

    - unplanbaren Ereignisse (wie Schwarze Schwäne)

    - Entwicklung über lange Zeithorizonte

    - nur wenigen Menschen bekannten und nicht dokumentierten Informationen

    - der Psychologie der Anleger


    sind zu komplex für die aktuellen KIs und aus meiner Sicht auch für zukünftige.

    Der Mensch ist eine hochbegabte kreative Intelligenz mit vielen Fehlern. KIs setzt man ein wie Taschenrechner - da wo sie einen vorteil in einem abgegrenzten Bereich haben.

    Da wo man Börse abgrenzen kann, wird die KI gut sein. Aber welche KI denn? Sicherlich nicht die werbefinanzierte Free ChatGPT Variante die allen zur Verfügung steht. Sondern die am besten trainierte Börsen KI, die von klugen Menschen auf abgegrenzte definierte Situationen der Börse trainiert und optimiert ist.

    Da es einfacher und lukrativer ist die KI für kurze Zeiträume zu trainieren, wird das vor allem ein Problem für Hedgefond Manager, die ja auch jetzt schon sich quartalsweise für ihre Ergebnisse verantworten müssen.

    Für private Anleger sehe ich langfristig noch gute Möglichkeiten und ggf. sogar Vorteile, wenn der ganze Markt in die gleiche Richtung rennt, weil alle die gleiche (beschränkte—>dumme) KI haben.

  • Frage ist, wen muss ich denn schlagen. Auch jetzt gibt es schon Quant-Spezialisten, die Wetterphänomene und sonstige Daten in hochgezüchteten Prognosemodellen verarbeiten. Die haben traumhafte Renditen( wenn es so ist, wie man hört).

    Reicht dir die Markttendite? Reicht dir Inflationsausgleich? Reicht dir besser zu sein als x% der Marktteilnehmer? Willst du Buffett schlagen, der Beste sein?

    Dementsprechend wähle deinen Ansatz nach dem Motto.


    Jeden Morgen wacht in Afrika ein Löwe auf. Er weiß, er muss schneller als die langsamste Gazelle sein, wenn er nicht verhungern will.

  • Winter Wofür steht "AGI" im Threadtitel?

    Oh sorry. Englisch: artificial general intelligence. Also ähnlich dem Menschen, so wie wir das aus Science-Fiction-Filmen kennen (HAL, C3PO usw.). Elon Musk meinte kürzlich, wir hätten bis Ende des Jahrzehnts eine KI, die mehr leisten könnte als nicht nur jeder einzelne Mensch, sondern 100x mehr als die Menschheit als Ganzes. Die Kritiker werden jetzt darauf verweisen, wie lange wir schon auf seine selbstfahrenden Autos warten und was dabei bisher alles schiefgeht.

    phoenics: Mir ging es hier um die Frage, wie sich die Wirtschaft selbst verändert. Für die Frage nach dem Kapitalmarkt gibt es einen eigenen Thread: Bringt KI das Ende des Alphas.

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  • Es ist zugegebenermaßen phantastisch gedacht, aber falls sich die Vision nicht nur von Elon Musk, Eric Schmidt, Geoffrey Hinton und anderen bewahrheiten sollte, dürfte es schon ein schwarzer Schwan für die Börse mit weitreichender Auswirkung werden. Ich will nicht andeuten, daß das außerhalb von NVidia heute schon eingepreist wird an der Börse, aber wenn einmal der technologische Durchbruch absehbar ist, wird es (zu) spät sein für uns, auch wenn es dann nochmals dauern wird, bis das in der Praxis ausgerollt ist (vgl. Autoindustrie): if you panic, panic first. Es schadet nicht, sich einmal Gedanken darüber zu machen, gerade wenn man vorhat, noch ein halbes Jahrhundert von Kapitalerträgen zu leben.

    Mir fällt noch ein:

    - Rohstoffförderer. Eine lange Reichweite der Reserven oder bestehende Claims bleiben ein wertvolles Asset.

    Man kann es auch umgekehrt angehen, was ist am anfälligsten für eine KI-Disruption? Ich meine: Alles, was mit Dienstleistungen zu tun hat außer die oben genannten, was eben nicht kapitalintensiv ist. Dazu gehört z.B. auch die Erstellung von Software. Ausnahme zu einem gewissen Grad das zur Verfügungstellen von Kapital, welches weiter benötigt wird, also Banken, Versicherungen, wobei sich die Kapitalrenditen normalisieren sollten. Eigentlich das, worauf wir Antizykliker die ganze Zeit schon setzen, nämlich die mean reversion. So gesehen vielleicht dann auch eine Chance für die Aktien von schlechteren = günstigen Firmen? Jeder wird schließlich Zugriff auf die gleiche KI haben.

    Es gibt sicher Ausnahmen, wie Visa & Co, die meist eh zu teuer für uns sind, oder die bereits genannten Börsenbetreiber.

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  • Wenn die KI darauf programmiert wird, den größtmöglichen Gewinn aus menschlichen Kunden rauszuholen, müsste sie erst einmal die Psyche menschlicher Kunden verstehen. Das dürfte schwierig werden - das haben in 150 Jahren Kapitalismus noch nicht einmal die Marketing-Experten geschafft.

  • Es gab ja schon genug Leute die gedacht haben, dass sie den Markt schlagen können.

    Bestes Beispiel ist Long-Term Capital Management, oder Knight Capital Group. Die Gründer von LTCM waren sicherlich schlauer als die meisten an der Wall-Street. Trotzdem endete die ganze Geschichte im Fiasko. Falls die KI am Ende nicht so schlau ist wie angepriesen, könnten sich bestehende Überbewertungen auch noch weiter aufblasen.

    A nation which can prefer disgrace to danger is prepared for a master and deserves one.

  • Aus meinem Depot würden mir folgende einfallen:

    - Kazatomprom (möchte ich jedoch eigentlich bei nächster Gelegenheit verkaufen, da Uran zu heiß (gelaufen), im Mai letztes Jahr war ich etwas zu gierig)

    - Die 4 Ölaktien Petrobras, Ecopetrol, Geopark und Parex Resources, besonderes erstere wegen der Reichweite der Reserven.

    - LS Invest (möchte ich eigentlich auch bei passender Gelegenheit verkaufen)

    - Deutsche Real Estate - jedoch Anteil Büroimmobilien ist nicht optimal

    - Abrdn Euro Logistics Income (keine Dauerposition, da Liquidation, Kurs weiter gefallen)

    - SBM Monaco (alle vier Immobilienaktien, letztere langweilig, aber vor dem Hintergrund attraktiv)

    - BAT (solide Dauerposition)

    - Eurokai

    - evtl. Saga Furs (Auktionshaus), wobei das nicht als Dauerposition gedacht ist

    - evtl. ebenso die polnische Börse GPW

    - evtl. CTT Correios de Portugal (Netzwerk, Bank - soll aber verkauft werden)

    Sowas wie BAT oder Eurokai ist ideal. Manche sind keine geeigneten Dauerpositionen.

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  • Medical Facilities hätte ich evtl. noch nennen können, die habe ich jedoch am Montag verkauft mit +76% Gewinn zzgl. Dividenden in weniger als einem Jahr. Die betreiben chirurgische Kliniken. Diese Krankheitsbilder dürften am wenigsten betroffen sein von dem Fortschritt, den ich im Gesundheitswesen durch die KI erhoffe. Ferner dürften Operateure schwieriger zu ersetzen sein als z.B. Internisten, und selbst wenn sie durch OP-Roboter ersetzt werden sollten, müssen diese schließlich auch irgendwo operieren und die Patienten dort liegen. Das wird weiterhin in den gleichen Klinken der Fall sein.

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  • War kürzlich routinemäßig beim Hausarzt zum großen Check-Up.

    Da hast du schon Recht, eigentlich hätte die komplette Untersuchung, also Körperliche Übungen, Sonografie, EKG, Lungenfunktion, Blut, Urin, Befragung, Analyse & Debatte der Ergebnisse, Überweisung an weitere Fachärzte, automatisiert laufen können.

    Zu 100%!

    Und zwar ohne dasa die "KI" (ich sage lieber Maschine, weil sie hat keine Intelligenz) dazu irgendeine "Intelligenz" braucht, weil das alles nur Mustererkennung und Datenbankabgleich ist, was die Maschine sogar besser kann als der Arzt.

    Was fehlen würde wäre der menschliche Faktor, also ich habe gut geplauscht mit dem Doc, seiner Gehilfin, der Sekretärin usw.

    Aber rein ökonomisch könnte man die ganze Praxis durch eine Maschine ersetzen.

    Das trifft vermutlich auf viele Zweige der Medizin zu.

    Und auch auf die Pflege, ist bisst traurig die vorstellung, aber das könnten auch Roboter machen irgendwann.

    Muss ja, weil sonst die Gesundheitskosten die Gesellschaft killen.

    Bleibt die Frage ob eine Medizinaktie (nehmen wir ein Krankenhaus) davon nun profitiert oder nicht.

    Aus meiner Sicht absolut nicht beantwortbar.

    Aber ein Ansatz wäre, solche Aktien dann einfach zu meiden. Wenn man sie langfristig halten will....für 1-2 Jahre Haltedauer spielen sicher andere Faktoren eine größere Rolle?

    "I swear by my life and my love of it that I will never live for the sake of another man, nor ask another man to live for mine." - John Galt in "Atlas Shrugged"

    "If you act out of fear, anger, despair or suspicion - this will ruin everything." - Thich Nhat Hanh

  • Vermutlich haben die meisten dieses Rieck Video über die vielen Aspekte der AI schon gesehen. Ca. ab Minute 45 geht es auch um Aktienanlagen. Daneben wird das Handwerk immer wichtiger, weil es sich nicht durch KI ersetzten lässt. Und dann geht auch wieder mein Lieblingshassthema Bürokratie ;-) Also unbedingt das Video anschauen.

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  • Ja, das Werkzeug verbessert sich in bestimmten Bereichen selbst, für die es selbst konzipiert wurde.
    Es sind Dinge wie: Codestruktur, Bugs, Performance, Observability, Deployment-Kram.

    Das ist "selbst-verbessern" im Sinne von: Das Modell hilft, die Maschinerie zu verbessern, die sein nächstes Release hervorbringt.

    Codex 5.3 hat sich das neue Feature-Set nicht autonom ausgedacht und beschlossen.
    Daraus folgt für mich, dass dieses Werkzeug die Produktivität und Effektivität selbst steigert mit der neue Features hinzugefügt werden können bei der Entwicklung der nächsten Folgeversion.

    Und ja, das ist eine Verbesserung von sich selbst irgendwie.

    Analogie:
    Ein Schmied schmiedet einen besseren Hammer - mit seinem alten Hammer.
    Ein Schmied hat einen Hammer (Version 5.2). Der funktioniert gut, aber er merkt im Alltag:

    • Der Stiel liegt nicht optimal,
    • der Kopf ist etwas zu schwer/zu leicht,
    • bei bestimmten Schlägen "zieht" er zur Seite,
    • er würde gern eine andere Bahnform haben, damit die Arbeit schneller geht.

    Jetzt macht er einen neuen, besseren Hammer (Version 5.3). Wie macht er das?

    • Er benutzt seinen alten Hammer, Amboss, Zange, Esse – also sein bestehendes Werkzeug-Setup – um Metall zu formen, zu testen, nachzujustieren.
    • Der alte Hammer hilft ihm dabei enorm: ohne ihn würde der neue Hammer viel langsamer entstehen.
    • Er merkt beim Schmieden auch direkt: "Ah, bei dieser Form splittert’s weniger", "so sitzt der Keil besser", "so schwingt der Stiel ruhiger".

    Aber: Der alte Hammer "entscheidet" nicht selbst:

    • "Ich brauche jetzt eine neue Kopfform" oder
    • "Ich werde ab morgen ein Vorschlaghammer und bekomme neue Features."

    ;)

    3.) Gib nie mehr für einen Erwerb aus, als absolut nötig
    16.) Geschäft ist Geschäft (... bis sich ein besseres anbietet)
    218.) Kauf nie ohne zu wissen, was Du kaufst

    Einmal editiert, zuletzt von Zek (22. Februar 2026 um 12:36) aus folgendem Grund: Deutsch

  • Die typische Antwort, die ich schon gehört habe und auch hier erwarte: Sämtliche Firmen profitieren von der KI! Also zumindest jede einzelne. ;) Denn das senkt doch die Kosten! (Vgl. Teleperformance) Ich halte das für einen klassischen Denkfehler, der von wenig Verständnis des Kapitalismus zeugt - und ich frage mich, ob die Leute bei der Aktienanalyse den gleichen Fehler machen, zumindest auf längere Perspektive, nämlich einem Unverständnis der Wettbewerbsdynamik. Was passiert denn, wenn alle Firmen in einer Branche die gleichen Kostenersparnisse haben? Es geht nicht der Profit hoch, sondern der Preis runter. À la longue profitiert ausschließlich der Kunde.

    Nun, ich halte es für unwahrscheinlich, dass durch die Verfügbarkeit von KI "alle Firmen in einer Branche die gleichen Kostenersparnisse haben" werden. Da wird es - wie überall - die Pioniere und "early adopters" ebenso geben wie die Mitläufer und Nachzügler.

    Die erste Frage, die sich dann stellt, wäre: Ist es für eine Firma überhaupt ein Vorteil, an vorderster Front auf KI zu setzen? Was wiegt schwerer: Der Imagegewinn durch früh gewonnene Erfahrung oder der Imageverlust durch Anfängerfehler und unausgereifte Technik? Kurz gesagt: Es ist keineswegs ausgemacht, dass die Pioniere den Markt beherrschen werden.

    Den zweiten Punkt, der mir auffällt, illustriert sehr schön die Recherche von Joe mit seiner Tabelle, welche Aufgaben humanoide Roboter bereits beherrschen oder eben nicht. Dort erscheint wiederholt der Hinweis, dass es für bestimmte Arbeiten wie Rasenmähen bereits "specialized devices" (hier: Rasenmähroboter) gibt und ein humanoider Roboter keinen Mehrwert bietet. Bei der AGI sehe ich eine starke Analogie: Wozu braucht es eine AGI, wenn es für spezielle Aufgaben auch eine kleinteilige, spezialisierte KI-Anwendung tut?

    Wenn man nicht von der einen, allumfassenden AGI ausgeht und nicht von dem einen, alles könnenden humanoiden Roboter, welche gemeinsam die gesamte Wirtschaft umkrempeln, sondern von lernfähigen Geräten für ganz spezielle Anwendungen, dann ändert sich das Bild radikal und es eröffnen sich unzählige Nischen und Anwendungsmöglichkeite für zig Firmen anstelle eines Trends zu wenigen AGI- und Robotik-Monopolisten.

    Zur Illustration: Meine Dermatologin verwendet bereits seit Jahren ein "KI-System" zur Früherkennung von Hautkrebs, bestehend aus einer "Bühne" für die Patienten, einem hochauflösenden Kamerasystem, einem EDV-System zur Verwaltung der Patienten-Bilder und -Daten und vor allem einem trainierbaren System zur Mustererkennung für Haut-Anomalien auf diesen Fotos. Eine wunderbare Insel-Lösung für eine spezielle Aufgabe. Es wäre völlig hirnrissig, dieses System durch einen humanoiden Roboter mit AGI ersetzen zu wollen, weil der entweder nie den erforderlichen Spezialisierungsgrad erreichen würde und/oder unbezahlbar wäre.

    Die Aufgabe für die Firmen (und für den Aktien-Investor) besteht also darin, zu erkennen, welche kritischen (kostenlastigen, ergebnisrelevanten oder zeitaufwändigen) Arbeitsschritte elegant automatisiert werden können. Die resultierenden KIs und Roboter werden häufig enttäuschend trivial sein, wie etwa die geplante Robotik-Lösung von meinem Depot-Wert Kawada Technolgies (japanischer Brückenbauer), bei der Bauschutt eines Tages automatisch sortiert und befördert werden soll. Das ist ein Praxis-Problem, das nichts mit Salto-springenden Demo-Robotern zu tun hat.

  • Anders als meine Tabelle sind Roboter in Fabriken schon frueher dienstfaehig. Fuer jede Aufgabe braucht man eine neue Maschine, aber man braucht nur einen humanoiden Roboter fuer sich immer wieder aendernde Aufgaben.

    In Fabriken gibt es keine Haustiere, und Menschen sind verantwortungsbewusste Angestellte, stellen mit dem Roboter keinen Bloedsinn an. Es liegt kein Spielzeug am Boden, alles ist aufgeraeumt. Somit sind sie frueher einsetzbar als Haushaltsroboter.

    Die AGI ist natuerlich modular aufgebaut. Aus lauter spezialisierten KIs die Zusammenarbeiten. Fast schon wie beim Menschen, der aus verschiedenen Organen besteht, jedes Organ mit spezialisierten Faehigkeiten, dennoch ein kompletter Mensch. Somit: eine AGI, mit zig Modulen.

    Time is relative. We perceive time very differently depending on which side of the bathroom door we’re on.

  • Roboter in Fabriken gibt es seit 50 Jahren. Wo jetzt der Vorteil besteht, diesen eine humanoide Form zu geben erschließt sich mir in der Fertigungsautomatisierung überhaupt nicht, oder wo jetzt da der revolutionäre Vorteil besteht.

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

  • Naja, es sind vor allem die Haende. Die Beine braucht man nicht unbedingt, wenn es keine Treppen gibt.

    Vieles wird derzeit von Menschen gehandhabt, und Maschinen sind immer Spezial Loesungen fuer eine Taetigkeit.

    Ein humanoider Roboter wuerde genau das tun, was ein Mensch bisher tut, alles ist am Arbeitsplatz so angeordnet dass der Mensch leichten Zugang hat. Die Umstellung auf einen humanoiden Roboter ist am Einfachsten. Man kann ihn flexibel fuer mehrere Taetigkeiten einsetzen, gerade auch kleinere Firmen haetten gerne sowas. Beispiel: Spielzeugteile zusammenschrauben, testen, in die Schachtel legen, einpacken zum Verschicken. Naechste Woche ist es ein anderes elektronisches Spielzeug oder komplett was anderes dran, und der Roboter ist flexibel genug sich anzupassen was gerade gebraucht wird. Maschinen sind immer spezial anfertigung. Ein humanoider Roboter kann massenweise hergestellt werden und er passt immer, vielleicht auch deshalb die Beine. Elon Musk meinte, das teuerste am humanoiden Roboter sind die Haende. Vielleicht macht es preislich keinen so grossen Unterschied ob nun der Roboter rollt oder auf 2 Beinen laeuft? Und spaeter im Haushalt? Da braucht man ganz klar eher Beine. Elon Musk schaetzt 20K-30K USD pro Roboter. Das ist schon attraktiver als mehrere Maschinen per spezialanfertigung zu kaufen, gerade auch fuer Firmen die nicht immer die gleichen Ablaeufe hat.

    Time is relative. We perceive time very differently depending on which side of the bathroom door we’re on.

  • Aus dem anderen Faden:

    und das bedeutet fallende Preise.

    Jep. Das bedeutet: Niedrigere Zinsen.
    Also ein weiterer Gewinner: Anleihen.
    Oder Firmen die günstiger refinanzieren können.

    In Summe sehe ich die KI und Roboter als riesen Chance.
    Nein, eigentlich sogar als Rettung in letzter Minute!

    Weil, unser eigentliches Problem, was die meisten Leute aber nicht auf dem Schirm haben, ist ja die Demografie.
    Ohne enorme Verbesserung der Produktivität würden wir in 5 maximal 10 Jahren ein massives Problem bekommen...geht ja jetzt schon los...aktuell nur etwas maskiert durch die Rezession.

    Und genau in dieser, weltweit(!), enorm problematischen Phase serviert uns das Schicksal auf dem Silbertablett die KI und die Roboter.
    Meine These war >10 Jahre lang, das Demografieproblem wird so mächtig sein, dass es eine dunkle Phase für die ganze Menschheit einleiten kann. Das war anhand der Kurven berechenbar wie die Coronawelle, nur langsamer.
    Aber KI und Roboter hatte ich nicht auf dem Schirm, die ändern nun das Bild schlagartig.

    Ich finde da meint es jemand richtig gut mit der Menschheit!

    Zudem haben wir einen Präzendenzfall:
    dot.com.

    Ich denke vieles ist heute nicht unähnlich.
    Die übertrieben gehypten Firmen werden abstürzen, weil ihr Produkt (also KIs, damals Web-Firmen) sich zu schnell entwickelt, und zu leicht kopiert werden kann. Die low capital companies gehen auch runter, wie es witchdream beschreibt.
    Vielleicht reissen sie sogar den Gesamtmarkt mit.
    Vielleicht auch nicht, mal schauen, weil bei der Konzentration heute reicht es wenn Mag7 50% verliert, und es sieht im Index wie ein Crash aus. Selbst wenn alle anderen Aktien seitwärts oder hoch gehen.
    Diese Hypefirmen wird man erst nach ca. 5 Jahren wieder anfassen können....dann könnte sich, wie damals bei Microsoft&Co allerdings eine tolle Gelegenheit ergeben. Aber erst nach 5 Jahren! Nach einem langen, schmerzhaften Fall in Wellen nach unten.

    Die "old economy" wird aber eine Renaissance erleben. Zusätzlich gepushed durch die Regierungen, die grade wieder kalter Krieg (mit mehreren Fronten) spielen wollen, weswegen Geld da rein fließt.
    Ich habe wenig Sorgen mit solchen Firmen notfalls den Paternoster durch den Keller zu fahren.

    Der Verbraucher: Ja, es gibt Verlierer, wie immer. Aber unter dem Stich? Also ich bin heute schon Gewinner, und jeder der das verwendet wird es auch sein. Exakt wie beim Internet.
    Die Zinsen werden fallen, das ist auch wie damals bei dot.com. Egal wie man auf Greenspan schimpfte, er hatte Recht damit dass die neue Tech den Inflationsdruck senkt.


    Winter trifft es gut:

    Es muß natürlich nicht so kommen, aber das könnte das erste Mal sein, daß sich die Jobs eben nicht wandeln, sondern ohne Alternative wegfallen.

    Das wäre gut. Und nötig. Die Anzahl der arbeitsfähigen Bevölkerung in DE wird sich nämlich in den nächsten 30 Jahren um 30%(!) verringern.
    Die Frage ist freilich die Umverteilung, das schon. Ein zu starken Auseinanderdiften von Arm und Reich wäre ungut, aber das ist ein anderes Thema.


    Jedenfalls:
    Der doom den Joe beschreibt? No way. Das scheint mir zu technikfeindlich.

    Aber gut, er ist in Cash, ich bin investiert. Da hat man naturgemäß unterschiedliche Sichtweisen. Das macht den Markt ja erst interessant.

    "I swear by my life and my love of it that I will never live for the sake of another man, nor ask another man to live for mine." - John Galt in "Atlas Shrugged"

    "If you act out of fear, anger, despair or suspicion - this will ruin everything." - Thich Nhat Hanh