Siehe dazu die Diskussion in anderen Threads zum Thema künstliche Intelligenz, in denen ich die Sorge schon aufgebracht habe, wie sich dann die Wirtschaft selbst, nicht nur die Börse verändern wird. Letzteres ist nochmals eine andere Frage, wahrscheinlich würde die Ineffizienz dann endgültig aus den Märkten verschwinden und damit jeder Vorteil für aktive Anleger. Bis dahin kann es freilich neue, vielleicht auch bislang unbekannte, weil nicht-menschliche Arten von Kapitalmarkteffekten geben, wobei z.B. Extrapolation aus der Vergangenheit nicht ganz so neu wäre...
Aber das wäre alles noch das geringste Problem. Dann hat man halt ab dann, eventuell nach einer gewissen Übergangsphase, bis sozusagen das neue Gleichgewicht gefunden wird, nur noch die Marktrendite, die selbst wiederum höher oder, wahrscheinlicher, niedriger sein kann als bisher gewohnt. Sie wird aber nicht null sein.
Aber was wird aus den bisherigen Firmen? Vielleicht übertreibe ich, durchaus bewußt zur Verdeutlichung. Man kann zu den Gekniffenen gehören, wenn man die falschen Aktien hat. Nicht jedes Unternehmen wird gleich wertlos, denn es wird weiterhin Kapital benötigt werden, aber viele Wettbewerbsvorteile verschwinden, weil der Wert schließlich oft, wenn auch nicht immer, in den Köpfen liegt, wie man so schön sagt. Das wird alles weg sein, bis auf das, was in Patenten begründet liegt, wobei die bestehenden Patente vermutlich immer weniger Bedeutung haben werden. Jeder Maschinenbauer kann es prinzipiell mit jedem anderen aufnehmen. Anders gesagt: nicht nur die Überrendite für den Anleger würde verschwinden, auch die für die Firmen selbst, jedenfalls für viele, gerade diejenigen, die stark von Technologie oder eben dem Know-How der Mitarbeiter abhängen. Zugleich würde es wohl eine Tendenz zur Konzentration geben, d.h. wegen der Gleichförmigkeit bleiben nur einige wenige große Anbieter übrig.
Was wäre aber ziemlich sicher? Ein paar Ideen:
- Infrastruktur wie Häfen, Flughäfen, Autobahnen (Vorsicht jedoch mit zeitlich begrenzten Konzessionen), Skilifte etc.
- Aber auch natürliche (regulierte) Monopole wie Versorger, evtl. auch Dinge wie Börsenbetreiber.
- Auch Immobilien, wobei Büros problematisch sind im Gegensatz zu Wohnen, Logistik oder auch noch Einzelhandel, auch wenn sie prinzipiell umgewidmet werden können.
- Alles, was nah am menschlichen Konsumenten ist, z.B. griechische Joghurthersteller, Weingüter, Reisen/Freizeit wie Hotels, Betrieb von Sehenswürdigkeiten (Immobilien!), vielleicht auch Einzelhandel,
- Dienstleistungen, die reguliert bleiben (z.B. Juristerei) oder bei denen ein Mensch erwartet wird (z.B. Pflege)
- weitere, konkrete Beispiele?
Oder übertreibe ich hoffnungslos?
Die typische Antwort, die ich schon gehört habe und auch hier erwarte: Sämtliche Firmen profitieren von der KI! Also zumindest jede einzelne.
Denn das senkt doch die Kosten! (Vgl. Teleperformance) Ich halte das für einen klassischen Denkfehler, der von wenig Verständnis des Kapitalismus zeugt - und ich frage mich, ob die Leute bei der Aktienanalyse den gleichen Fehler machen, zumindest auf längere Perspektive, nämlich einem Unverständnis der Wettbewerbsdynamik. Was passiert denn, wenn alle Firmen in einer Branche die gleichen Kostenersparnisse haben? Es geht nicht der Profit hoch, sondern der Preis runter. À la longue profitiert ausschließlich der Kunde.
Also, entwerfe ich ein Szenario wie Karl Marx oder Josef Schumpeter, das dann so gar nie eintritt? Wir hätten in den letzten hundert Jahren schließlich z.B. schon längst erleben können, daß alles von oligopolistischen Großkonzernen beherrscht wird. (Man kann darüber streiten, ob das vielleicht teilweise zutrifft, z.B. von den tausenden Autoherstellern der Anfangszeit sind nur noch wenige übriggeblieben) Nicht alles, was in der Theorie in äußerster Konsequenz zu erwarten ist, stellt sich in der Praxis auch ein, was zumindest in der Wirtschaftswissenschaft nichts Neues wäre.