Einschätzungen zur Straße von Hormus

  • ADNOC übernimmt das Öl via Schiff-zu-Schiff-Transfer in der Nähe von Fudschaira und bringt es sicher aus dem Golf heraus.

    yps danke für die Info.

    Weil ich mich für Geografie interessiere eine Frage: ich finde zu Fudschaira in googlemaps lediglich einen Hafen außerhalb des Persischen Golfs. D.h. ich nehme an, das Öl wird nach Fudschaira (und nicht von). Oder meinst du, dass es von Fudschaira in die Welt weiterverschifft wird?
    Mich würde interessieren, an welcher Stelle im Persischen Golf es ausgeladen und über den Landweg nach Fudschaira/Fujairah weitertransportiert wird. Passiert das am Hamriya Port?
    Oder habe dich falsch verstanden?

    Und noch eine Frage: gibt es inzwischen eine Pipeline nach Fudschaira oder wird das derzeit noch über LKWs transportiert?

    Das ganze hätte natürlich noch weitere Folgen, wenn es zu einer Einigung zur SoH kommt: Falls der Iran eine Maut erheben will, kann er die Kosten nicht beliebig hoch ansetzten, weil es eine Konkurrenz gibt. Allerdings ist der Landweg selbst ohne Gebühren durch das zweimalige Umladen und die Transportkosten auch ohne Aufpreis (= Gewinn) + Zeitaufwand teurer als ein Durchfahren der SoH mit dem Tanker. Diese Kosten sind dann quasi der Deckel für ein Maut.

  • yps danke für die Info.

    Weil ich mich für Geografie interessiere eine Frage: ich finde zu Fudschaira in googlemaps lediglich einen Hafen außerhalb des Persischen Golfs. D.h. ich nehme an, das Öl wird nach Fudschaira (und nicht von). Oder meinst du, dass es von Fudschaira in die Welt weiterverschifft wird?
    Mich würde interessieren, an welcher Stelle im Persischen Golf es ausgeladen und über den Landweg nach Fudschaira/Fujairah weitertransportiert wird. Passiert das am Hamriya Port?
    Oder habe dich falsch verstanden?

    Und noch eine Frage: gibt es inzwischen eine Pipeline nach Fudschaira oder wird das derzeit noch über LKWs transportiert?

    Das ganze hätte natürlich noch weitere Folgen, wenn es zu einer Einigung zur SoH kommt: Falls der Iran eine Maut erheben will, kann er die Kosten nicht beliebig hoch ansetzten, weil es eine Konkurrenz gibt. Allerdings ist der Landweg selbst ohne Gebühren durch das zweimalige Umladen und die Transportkosten auch ohne Aufpreis (= Gewinn) + Zeitaufwand teurer als ein Durchfahren der SoH mit dem Tanker. Diese Kosten sind dann quasi der Deckel für ein Maut.

    Fujairah (im Deutschen oft Fudschaira) ist eines der sieben Emirate der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Geografisch und strategisch zeichnet es sich durch ein fundamentales Merkmal aus, das entscheidend ist:

    • Lage: Es befindet sich an der Ostküste der Arabischen Halbinsel.
    • Küstenlinie: Als einziges der sieben Emirate hat Fujairah keinen Zugang zum Persischen Golf. Es liegt stattdessen vollständig am Golf von Oman (der direkt in das Arabische Meer und den Indischen Ozean übergeht).

    Da Fujairah außerhalb des Hormuz Nadelöhrs liegt, fungiert der dortige Hafen als eine Art Bypass. Mindestens vier Tanker mit irakischem Rohöl haben diesen Monat per Schiff-zu-Schiff-Umladung/Ship-to-Ship Transfer (STS) ihre Ladung durch Hormuz in die Gewässer nahe Fujairah transportiert. ADNOC Trading aus Abu Dhabi bot außerdem Rohöl aus Basra, das im August verladen werden sollte, per STS auf FOB-Basis (Free on Board, d. h. ohne Frachtkosten) in der Nähe von Fujairah an.

    Ganz grundsätzlich: der Westen neigt gerne dazu, die Araber als lustige, dekadente Folklore Beduinen mit lustigem Ghutra anzusehen. Quasi folkloristisch. Dabei geht vollkommen unter, dass die Vereinigten Arabischen Emirate , begründet auf deren Kultur von Umm al-Nar (2700/2600–2000 v. Chr.), sich -seit Jahrhunderten- im Umgang mit der aktuellen politischen Krise von ihren Nachbarn abheben: durch ihren Pragmatismus, ihr Bestreben, einen offenen Krieg mit dem kriegerischen Nachbarn zu vermeiden, und ihre bemerkenswerte Fähigkeit, den Handel zu ihrem Vorteil zu nutzen ;-)

    Lest aber auch den Artikel über den Irak. Dann wisst Ihr so in etwa, wie da gerade mit Öl gehandelt wird. ich mag mir gar nicht vorstellen, was das für eine Gemengelage ergibt, falls die Iraker weiterhin zu wenig Geld für ihren Staatshaushalt einnehmen werden.

    Iraq expands crude discounting as oil revenue falls | Latest Market News
    Iraq has approved a new crude discount mechanism in an attempt to restore exports and bolster oil revenue after traffic restrictions through the strait of…
    www.argusmedia.com
  • 2700/2600–2000 v. Chr. - wenn man soweit zurueck blickt moechte ich daran erinnern, dass Frauen damals mehr wert waren. Enheduanna (Herrscherin von Akkad/mesopotamisches Gebiet ca. 2300 v.Chr) oder Cleopatra (Herrscherin von Aegypten). Die Kultur has sich seitdem schon gewandelt, verdammter Islam.

    Time is relative. We perceive time very differently depending on which side of the bathroom door we’re on.

  • 2700/2600–2000 v. Chr. - wenn man soweit zurueck blickt moechte ich daran erinnern, dass Frauen damals mehr wert waren. Enheduanna (Herrscherin von Akkad/mesopotamisches Gebiet ca. 2300 v.Chr) oder Cleopatra (Herrscherin von Aegypten). Die Kultur has sich seitdem schon gewandelt, verdammter Islam.

    Oh Gott Joe, das gehört doch bitte maximal in den Stammtisch.

  • Oh gott yps, das dann hier auch?

    Zitat von yps

    Dabei geht vollkommen unter, dass die Vereinigten Arabischen Emirate , begründet auf deren Kultur von Umm al-Nar (2700/2600–2000 v. Chr.), sich -seit Jahrhunderten- im Umgang mit der aktuellen politischen Krise von ihren Nachbarn abheben: durch ihren Pragmatismus, ihr Bestreben, einen offenen Krieg mit dem kriegerischen Nachbarn zu vermeiden, und ihre bemerkenswerte Fähigkeit, den Handel zu ihrem Vorteil zu nutzen ;-)

    Es muss schon erlaubt sein auf Stammtischbeitraege zu antworten, auch dann, wenn Du gerne das letzte Wort haben moechtest und es nicht kommentiert haben willst.

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  • Ach Joe es geht mir doch gar nicht um das letzte Wort. Das kann haben wer will. Ich finde nur, dass solche Äußerungen in den Stammtischfaden gehören und nicht zur aktuellen Lage der Strasse von Hormuz.

  • Ach yps, Du meinst Auesserungen wie diese? :D^^:D (man erinnert sich an Beobachters 3 lachende Gesichter?)

    Zitat von yps

    Dabei geht vollkommen unter, dass die Vereinigten Arabischen Emirate , begründet auf deren Kultur von Umm al-Nar (2700/2600–2000 v. Chr.), sich -seit Jahrhunderten- im Umgang mit der aktuellen politischen Krise von ihren Nachbarn abheben: durch ihren Pragmatismus, ihr Bestreben, einen offenen Krieg mit dem kriegerischen Nachbarn zu vermeiden, und ihre bemerkenswerte Fähigkeit, den Handel zu ihrem Vorteil zu nutzen ;-)

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  • Nur mal ne blöde Verständnisfrage, wo genau findet der ship-to-ship Transfer statt und wieso sind von Fudschaira ablaufende Tanker nicht genauso durch Raketen/Drohnen aus Iran verwundbar wie welche, die durch die Strait fahren?

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis

    Everything will be allright!

  • Die Fahrrinnen (eine Ost-West und eine West-Ost) in der Straße von Hormus sind an der engsten Stelle jeweils etwa 3 km breit und insgesamt etwa 150 km lang. Eine optimale Geographie für Hinterhalte oder Minengürtel. Schiffe mit großem Tiefgang (wie z.B. Supertanker, ob nun beladen oder mit Balast) müssen die Fahrrinnen benutzen und können bei Angriff nicht ausweichen.

    Fudschaira liegt etwa 130 km von der Straße von Hormus entfernt und hat 180° freie See über hunderte von Kilometern. Supertanker können bei Angriff in alle Richtungen ausweichen.

    Was bedeutet Schiff-zu-Schiff Transfer: Ein Supertanker wartet 10 oder 20 km vor Fudschaira und wird von mehreren Shuttle-Tankern besucht, die ihre Ladung via Schläuche jeweils von Schiff zu Schiff transferieren. Die Shuttle-Tanker haben viel geringeren Tiefgang und benutzen nicht die engen Fahrrinnen, sondern die seichteren Gewässer nahe der Küste, sind also bei weitem nicht so gefährdet wie die Supertanker.


    PS: Nicht jeder popelige Hafen kann von Supertankern angefahren werden. Die Hafenbecken sind in allen drei Dimensionen zu klein. Deshalb muss das Umladen auf hoher See stattfinden.

    • 4 EL Limonensaft, 2 EL Zucker, 1 EL Fischsoße, 2 Knoblauchzehen, 1 Vogelaugenchili, Pfeffer
    • Britannia ruled the waves and America waives the rules
  • Iran hat übrigens auch ein selbstgemachtes Importproblem.

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    Und weitere Kleinigkeiten. Die Türkei hat gerade Top Optionen!


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    The oil price speaks for itself.

    (Inflationsbereinigter Chart.)

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    2 Mal editiert, zuletzt von Joe (26. August 2026 um 17:18)

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  • Da nun offenbar das rote Meer auch blockiert ist (Huthi im Jemen) hat das tatsaechlich empfindliche Auswirkungen auf die Oelversorgung.

    Der Oel-Preis sagt uns: ernst zu nehmen, Oel-Preis steigt stark an, schon bei $108, wird vielleicht schlimmer. Diesmal sage ich nicht, dass das eine Kleinigkeit ist, und der Oel-Preis bestaetigt das. Das Rote Meer ist nicht nur fuer Oel wichtig, ich weiss aber nicht wie wichtig. Gut ist es bestimmt nicht, der Oel-Preis alleine gilt halt nur fuer das Thema Oel, nicht fuer sonstige Waren, die ihren Weg durch den Suez-Kanal finden und Richtung Asien/Australien shippern. Natuerlich wird man dann eben um Suedafrika am Kap der guten Hoffnung vorbei "segeln" so wie frueher, es treibt halt die Transport Kosten. Zumal das Kap der guten Hoffnung nicht umsonst so heisst, staendig schlechtes Wetter dort, und entlang von West Afrika gibt es jede Menge Piraten, die Versicherung macht den Transport dann etwas teurer. Um das Ausmass abzuschaetzen genuegt der Blick auf den Oel-Preis nicht mehr.

    Was bleibt ist der Blick in die Vergangenheit: Problemen mit den Huthies gab's schon vorher wegen Gaza-Streifen Solidaritaet. Damals hatte es wohl kaum Auswirkungen, vielleicht waren die Huthis einfach zu schwach? Ob das immer noch so ist? Werden sie vielleicht unterstuetzt? Doch China wuerde sich nicht selbst ins Knie schiessen und der Iran kriecht auf dem Zahnfleisch. Woher also die Huthi Staerke? Oder ist es nur nichtssagender Medienwirbel? der Oelpreis signalisiert das es nicht nur Medien Getrommel ist.

    Edit: Oil price in der Spitze $110, nun zurueck auf $103, alles an einem Tag - nicht nur ich bin ratlos, der Markt offenbar auch.

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  • Ich bin weiter auf Diät, habe aber auch am Ölpreis gesehen, dass was passiert sein muss - reicht total, den zu beobachten, kein Mensch braucht Medien um Bescheid zu wissen was bzgl Iran los ist.

    Und ihr bestätigt es - kleine Straße nun auch dicht / semidicht / vielleicht dicht.

    Ungut.
    Andererseits:
    Die weltweiten Lager müssten angeblich doch seit langem leer sein, weil die Hauptstraße war doch durchgehend dicht, oder?
    Reisesaison ist auch noch, bzw. geht grade zu Ende, müsste Lager aber weiter geleert haben?

    Und dann, trotz der zusätzlichen Belastung Huthis "nur" auf 110 hoch?
    Das ist immer noch weniger als zu Beginn des Krieges, wo es auf 115 hoch ging, damals nur wegen Hormus-Angst bei noch vollen Lagern.
    Obwohl es doch nun eigentlich viel schlimmer ist, Lager leer, allen klar, es zieht sich, kleine Straße nun auch dicht, steigt der Preis weniger als damals.

    So gesehen interpretiere ich es etwas anders als Joe :

    Ja, angespannte Lage, das schon.
    Aber Panik? Oder krasser Engpass? Das imho immer noch nicht.

    Bei Preis >125, ok, dann vielleicht. Aber bei kurzzeitigen 110?

    Naja, sehr kleine Panik höchstens.

    -

    Ich bin ja selber verblüfft.
    Offensichtlich passt sich die Nachfrage viel schneller an als wir alle dachten.
    Oder der Überschuß war vor dem Konflikt höher als wir dachten.
    Oder irgendwer liefert heimlich mehr als wir denken.

    Was anderes ist viel interessanter:
    Die steigenden Anleihen-Renditen in den USA.
    Wenn den Trump EINES interessiert (außer natürlich "die Menschen" im Iran :rolleyes::rolleyes:zyn), dann der Markt, speziell der US-Anleihen Markt.

    Ich rechne also in Kürze mit Entspannungssignalen seitens USA.
    Was, wie wir gelernt haben, den Ölpreisanstieg stoppen sollte.

    Spannend wird dann eher ob es diesmal auch den Anstieg der Renditen stoppt.

    "I swear by my life and my love of it that I will never live for the sake of another man, nor ask another man to live for mine." - John Galt in "Atlas Shrugged"

    "If you act out of fear, anger, despair or suspicion - this will ruin everything." - Thich Nhat Hanh

  • UAE exports have risen 35% above pre-Hormuz crisis levels, following its Opec exit in May. Other non-Opec+ countries have also benefited from the current crisis, with exports from the Americas surging to plug supply gaps.

    Non-Opec+ production in focus as tankers see gains from rising exports
    Member states exiting the cartel have been targeting export markets intensively, creating opportunities for crude tankers
    www.lloydslist.com
  • Upsa, habe ich das richtig mitbekommen?
    Rote-Meer-Pipeline der Saudis nun auch außer Gefecht?

    War ja eigentlich nur eine Frage der Zeit.

    Somit ist dann nun wirklich der worst-worst-case eingetroffen, oder?

    Schätzungen wie der Ölpreis Montag eröffnet, anyone?

    Eigentlich würde ich sagen >120 wären nun wirklich gerechtfertigt.

    Selbst 120 ist soooo viel ja nicht.
    Wenn man es inflationsbereinigt sieht wäre das immer noch nur ungefähr das Mittel von 2012-2016 und weit unter den Peaks damals.
    Also eigentlich immer noch wenig für worst-worst case, eigentlich nüchtern gesehen immer noch keine Katastrophe.

    Aber wenn es sogar unter 120 bleiben sollte, das wäre ganz erstaunlich.
    Dann wäre ich ein weiteres Mal SEHR überrascht und würde mich, mehr noch als zuvor, fragen was wir eigentlich übersehen?


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  • Upsa, habe ich das richtig mitbekommen?
    Rote-Meer-Pipeline der Saudis nun auch außer Gefecht?

    hihihi, was soll ich sagen? woodpecker

    Zitat von Joe

    offenbar das rote Meer auch blockiert

    Jetzt verstehst Du mich vermutlich erst richtig:

    Zitat von Joe

    Der Oel-Preis sagt uns: ernst zu nehmen, Oel-Preis steigt stark an, schon bei $108, wird vielleicht schlimmer. Diesmal sage ich nicht, dass das eine Kleinigkeit ist, und der Oel-Preis bestaetigt das. Das Rote Meer ist nicht nur fuer Oel wichtig.

    ...

    Edit: Oil price in der Spitze $110, nun zurueck auf $103, alles an einem Tag - nicht nur ich bin ratlos, der Markt offenbar auch.


    Ob am Montag $120 erreicht werden? Vielleicht. Die Saudis koennten ja nach Europa abliefern, falls die Europaer das duerfen und Trump es nicht verbietet. Und China hat offenbar gewaltige Reserven, sagen die einen, die anderen sagen: niemand kennt die chinesischen Reserven. Vielleicht kommt China noch recht lange klar, es wird gemunklet dass China mehr Oel hat als alle anderen zusammen, haben sich auf so ein Scenario offenbar vorbereitet, benoetigen deshalb erstmal kein Oel vom Iran, und bekommen einiges von Russland. Das passt dann schon.

    Wir sehen es ja beide so: die einzige Info die wir brauchen kommt nicht von den Medien, sondern der Oel Preis wird es uns sagen.

    Das Auto ist erst einmal voll aufgetankt.

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