Es geht hier um die grundsätzliche Strategie, nicht um konkrete Ideen, dafür gibt es z.B. den Thread Sondersituationen, und zwar nur für "all-cash tender offers", also (Zwangs-)Abfindungsangebote, ohne diejenigen, wo mit Aktien bezahlt wird, weil man dort eine Shortposition eingehen müßte, um das Marktrisiko zu hedgen.
Welche empirische Evidenz gibt es, welche Renditen lassen sich mit Merger Arbitrage erzielen, und inwieweit ist diese Strategie marktunabhängig? Es ist natürlich besonders wegen letzterem interessant. Soweit ich mich erinnere, hielten sich übrigens die Aktien, die "schuldenfrei und Cash dabei" aufwiesen, wie ich das voller Ahnung im März 2008 vor der GFC suchte, nicht gut im folgenden Crash.
Hängen die Renditen vom jeweils risikolosen Zins ab? Der ist heute nur in den USA so hoch wie 2007, in der EU deutlich niedriger. Wie verhält sich diese Strategie während einem Crash oder einer Baisse an der Börse - dann werden mutmaßlich überdurchschnittlich oft Angebote zurückgezogen?
Man müßte ggf. unterscheiden zwischen Angeboten, wo die Finanzierung bereits steht und es möglichst keine Bedingungen gibt, unter denen der Bieter noch zurückziehen darf, insbesondere regulatorische, und solchen, wo es sich lediglich um eine unverbindliche Absichtserklärung handelt, und allem dazwischen. Zu bedenken ist, daß der Bieter damit teils das Marktrisiko abwälzt, nach dem Motto: "Heads I win, tails you lose".
Lohnt sich das auch noch unter Berücksichtigung der Transaktionskosten? Die fallen hier stark ins Gewicht, weil die annualisierte Rendite sich aus einem relativ geringen Abschlag über einen kurzen Zeithorizont ergibt. Ein günstiger Broker ist hier vonnöten, gleichzeitig einer, der solche Situationen zuverlässig bewältigen kann, und das ist gerade bei den günstigen leider nicht immer gegeben.
Bei Squeeze-outs - Angeboten, die man nicht ablehnen kann - gibt es in Deutschland im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern die Möglichkeit, den Abfindungspreis in einem Spruchverfahren überprüfen zu lassen, weshalb diese Aktien mittlerweile oft über dem Abfindungspreis notieren. Wegen der sehr langen Dauer ist das in der Tat speziell und getrennt zu betrachten. Börsennotierte AGs wie z.B. Scherzer oder Allerthal beackern dieses Feld mit entsprechender Expertise. Nach dem, was ich las, sanken die Spreads bzw. die zu verdienende Rendite hier deutlich über die letzten Jahrzehnte.
Es gibt auch entsprechende Fonds, z.B. den Carmignac Portfolio Merger Arbitrage Plus, ISIN LU2585801256, oder den erfolgreicheren und länger am Markt befindlichen Oddo BHF Merger Arbitrage, ISIN IE00B3PJ7B28. Erstgenannten Fonds gibt es seit 2023 und der schreibt, daß diese Strategie von 1998 bis 2022 annualisiert 4,4% erbrachte oder 200 Basispunkte über dem risikofreien Zinssatz. Das wäre heute auch nicht mehr! Alternativ könnte man es im Microcapbereich mechanisch selbst nachbauen. Sofern man jeweils genug Gelegenheiten findet, was wegen der asymmetrischen Verteilung essentiell ist. Kann man nämlich das Kapital nicht reinvestieren, ist die durchschnittliche Rendite auch niedriger - was ein Problem ist, weil es oft nur eine einstellige Zahl an Live-Deals gibt, siehe Verdad unten. Selbst mechanisch ist das mit erheblicher Arbeit verbunden, weil man ja stets die Nachrichten verfolgen muß, um ggf. zu verkaufen, z.B. bezüglich Genehmigungen durch Behörden oder die HV.
Immer eine gute Adresse für solche Fragen ist Alpha Architect, wo verschiedene Studien ausgewertet werden: https://alphaarchitect.com/merger-spread/
Swedroe schreibt, die Rendite sei nur in steigenden Märkten unkorreliert... Die Renditen von ETFs lagen von 2009-2023 nach Gebühren nur zwischen 2,1% und 4,0%, während einer durchgehenden Schönwetterphase an der Börse. Verdad fand gar nur 1,5% von 2000-2020, immerhin weniger korreliert als High Yield. Fonds zwischen 3,0% bis 3,9%, einer 6,2% (survivorship bias!). https://verdadcap.com/archive/merger-arbitrage
ChatGPT nennt Erfolgsraten um 95% für Large Caps und um 90% für Microcaps, die beiden Quellen auch 90%. Während Corona seien jedoch 8-10% und in der GFC 12-15% zurückgezogen worden laut unbenannter Quelle. Verdad zeigt bis zu 40% während der GFC, und weniger als 50% profitable Deals im Jahr 2003.
Dieser Markt sei ziemlich effizient, und offenbar wurde er das zunehmend. Die Spreads sind im Längsschnitt gefallen, und im Querschnitt bedeutete ein niedrigerer Spread auch eine niedrigere Rendite. Höhere Rendite war mit höherer Quote an gescheiterten Fällen verbunden, also mehr Risiko. Es paßt auch zu meiner o.g. Beobachtung, daß das mittlerweile ziemlich abgegrast ist. Es wundert auch nicht, daß der Markt hier sehr effizient ist, weil es um die Einschätzung eines kurzfristigen, konkreten Ereignisses geht. Vielleicht ist es im Microcap-Bereich noch besser.