Gab es in historischen Baissen Sektoren die sich entkoppelten? Versuch einer datengetriebene Analyse

  • Glückstag für woodpecker: Ich habe eine brauchbare Excel-Datei wiederentdeckt, vom Juli 2001 mit monatlichen Kursen ab Juni 2000, also die erste Phase vor 09/11. Enthält alle deutschen Aktien, die im Juli 2001 entweder bei KBV, KUV oder KCV zum billigsten Quartil gehörten. Mit Angabe von Market-Cap und Branche. Datenquelle war der damalige gedruckte Statistikteil von Börse Online mit den meisten börsennotierten deutschen Aktien. In meiner Auswahl sind 86 Aktien, die man quasi als die damaligen deutschen Value-Aktien betrachten kann.

    Interessant ist natürlich deren Kursentwicklung. Das geht bei der 12-Monats-RS von +92% für Möbel Walther bis -97% für Amatech und Kinowelt. (Anekdote: Kinowelt kostete am 1.7.2000 noch 52,50€. Ich hab sie im Mai 2001 für 5,90€ gekauft und im April 2002 mit 94% Verlust für 0,38 € verkauft. Billiger geht immer....).

    Auf den deutschen Gesamtmarkt bezogen, musste im Juli 2001 das Top-Quartil für die 12-Monats-RS nur ein Kursplus von +1% liefern; 75% der Aktien waren schlechter gelaufen. Hier mal die Aktien in meiner damaligen Value-Auswahl, die dieses Kriterium erfüllten (mit absteigender RS):

    Möbel Walther ST662090Möbel
    Bilfinger & Berger Bau590900Bau
    Volkswagen VZ766403Automobil
    Villeroy & Boch VZ765723Fliesen/Tischkultur
    Varta500100Batterien
    Koenig & Bauer VZ719353Druckmaschinen
    Stöhr727700Textil
    Zanders Feinpapier ST785210Papier
    Salzgitter AG620200Stahl
    Drägerwerk555063Medizintechnik
    VDN Ver. Dt.-Nickel-Werk761200Nickelverarbeitung
    Celanese575300Chemie
    WMF VZ780303Haushaltswaren
    WMF ST780300Haushaltswaren
    Sanacorp VZ716313Pharmahandel
    NürnbergHyp808400Bank / Hypotheken
    Sedlbauer722460Elektrotechnik
    Jungheinrich VZ621993Flurförderzeuge

    (Interessanterweise sind Stöhr und Sedlbauer die einzigen microcaps unter 50mio MCap.)

    Leider kann man hier keine .xls-Dateien hochladen - warum eigentlich?.

  • Danke witchdream , tatsächlich sehr interessant!

    Einige deiner Aktien waren mir in meinen Unterhaltungen mit der KI auch schon aufgefallen.

    Frage:
    1) Würdest du mir die Excelliste ggf. zur Verfügung stellen? Dann kann ich da mal genauer reinschauen.

    2) Die Gretchenfrage: Deine Liste sind die Aktien, die ex post sich als gut gelaufen trotz Crash herausstellten. Fragt sich ob wir diese Aktien auch VOR dem Crash (der eigentlich kein Crash war, Crash kam erst 9/11, März 2000 war nur eine Rotation mit markantem Einfluss auf die Indizes, weil aus den Schwergewichten rausrotiert wurde) hätten identifizieren können?
    Ob die also irgendwelche Gemeinsamkeiten schon vorher hatten, oder ob es einfach Aktien waren die durch Zufallsevents sich dem Rutsch der Indizes entziehen konnten.

    3) Du sagst Top-Quartil musste nur +1% Kursplus liefern. Dazu also noch Dividende, war die bei den genannten Aktien nennenswert? Und wir schaut es beim Top-Dezil aus? Ich denke den Ehrgeiz das beste Zehntel auszugraben müssen wir schon haben, sonst können wir gleich liegenbleiben. Lohnte es dann mehr?

    "I swear by my life and my love of it that I will never live for the sake of another man, nor ask another man to live for mine." - John Galt in "Atlas Shrugged"

    "If you act out of fear, anger, despair or suspicion - this will ruin everything." - Thich Nhat Hanh

  • zu 1) Ich hab sie dir eben per PN geschickt - da geht das.

    zu 2) Gewinner vorab identifizieren? Nope. Ich weiß nur, dass billige bzw. teure Aktien auf Überraschungen asymmetrisch reagieren (teure Aktien leiden stärker unter negativen Überraschungen und billige Aktien profitieren stärker von positiven Überraschungen.) Überraschungen sind aber per definitionem nicht vorhersehbar. Von daher wäre meine Vermutung "Zufallsevents", wie du es nennst. Erschwerend kommt hinzu, dass in einer Depression / bei einem Crash positive Überraschungen Seltenheitswert haben.

    zu 3) Ich sage nicht, "das Top-Quartil musste nur 1% Kursplus liefern", sondern "Selbst mit dem Top-Quartil hast du im Einzelfall nur 1% Kursplus erzielt". Normalerweise wäre ich glücklich, überdurchschnittlich viele Depotaktien im Top-Quartil zu besitzen, aber hier wären in den meisten Fällen Tagesgeld oder Anleihen besser gewesen. Auch auffallend: Von den 86 "Value-Aktien" in der Datenbank haben es nur 18 ins allgemeine Top-Quartil geschafft, d.h. Value war im Top-Quartil eher unter- als überrepräsentiert.

    Das bringt uns insgesamt nicht wirklich weiter. Viel einfacher ist es, Regeln für einen Einstieg mitten im Crash zu entdecken (auch wenn die praktische Umsetzung dieser Regeln mental extrem schwierig ist). Aber: Dafür braucht man mitten im Crash erst mal Cash, und hier kommen wir wieder zur Frage von Joe, wann man am besten verkauft...

  • zu 1) Ich hab sie dir eben per PN geschickt - da geht das.

    Danke.

    zu 2) Gewinner vorab identifizieren? Nope. Ich weiß nur, dass billige bzw. teure Aktien auf Überraschungen asymmetrisch reagieren (teure Aktien leiden stärker unter negativen Überraschungen und billige Aktien profitieren stärker von positiven Überraschungen.) Überraschungen sind aber per definitionem nicht vorhersehbar. Von daher wäre meine Vermutung "Zufallsevents", wie du es nennst. Erschwerend kommt hinzu, dass in einer Depression / bei einem Crash positive Überraschungen Seltenheitswert haben.

    Hm, deine DB ist von Juni 2001, stellt also eine Rückschau dar, das "Crash" Event März 2000 lag bereits 15 Monate zurück.
    Man befand sich viel mehr bereits im Vorlauf für das nächste "Crash" Event. Mit Vorlauf meine ich nicht dass der Markt das Event ahnen konnte (konnte er nicht), aber er war vermutlich bereits (wieder) anfällig, was das Event 9/11 dann so heftig hat wirken lassen.

    Was man bräuchte um Klarheit zu gewinnen wäre die selbe Datenbank, aber von Februar 2000, also bevor der Rutsch begann.

    Dann könnte man schauen wie sich Aktien, die man zu diesem Zeitpunkt unter Value/Kennzahlen-Gesichtspunkten ausgesucht hätte, im März 2000ff gehalten hätten.

    Zitat

    zu 3) Ich sage nicht, "das Top-Quartil musste nur 1% Kursplus liefern", sondern "Selbst mit dem Top-Quartil hast du im Einzelfall nur 1% Kursplus erzielt". Normalerweise wäre ich glücklich, überdurchschnittlich viele Depotaktien im Top-Quartil zu besitzen, aber hier wären in den meisten Fällen Tagesgeld oder Anleihen besser gewesen. Auch auffallend: Von den 86 "Value-Aktien" in der Datenbank haben es nur 18 ins allgemeine Top-Quartil geschafft, d.h. Value war im Top-Quartil eher unter- als überrepräsentiert.

    Das bedeutet, die schlechteren Aktien im Top-Quartil hatten im Jahr davor +1% gemacht? (vielleicht könnte ich es aus dem Excel selber rauslesen, aber so schnell bin ich nicht bei fremden Sheets... ;-) )
    Das hilft in der Tat dann eher wenig.
    Weil das Jahr davor, das begann ja erst Juli 2000. Die wirklich spannende Phase, also März 2000 und die Monate danach, werden davon nicht beleuchtet.

    Zitat

    Viel einfacher ist es, Regeln für einen Einstieg mitten im Crash zu entdecken (auch wenn die praktische Umsetzung dieser Regeln mental extrem schwierig ist). Aber: Dafür braucht man mitten im Crash erst mal Cash, und hier kommen wir wieder zur Frage von Joe, wann man am besten verkauft...

    Mag sein .... dazu haben wir ja auch einiges an Ideen bereits, aber das ist nicht das Thema dieses Fadens.

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