Sibanye Stillwater: Kritische Metalle ganz nebenbei...

  • Sibanye Stillwater (ISIN ZAE000259701) ist ein alter Bekannter hier im Forum, wenn man die Forumssuche bemüht: Mit verstreuten Beiträgen von cktest, Gulbenkian, wisi, 1000prozent, Winter , quant und yps, meist zum Thema Platin- oder Gold-Minen. Schon deshalb lohnt ein eigener Thread.

    Bei mir gilt der alte Forscherspruch: "I'm so far behind, I think, I'm the first".... Ich bin auf die Aktie gestoßen, als ich die KI mit Fragen zu kritischen Rohstoffen gequält habe, welche unverzichtbar, nicht substituierbar und knapp sind. Genannt wurden: Iridium, Kupfer, Lithium, Flussspat, Grafit und Seltene Erden. Iridium? Iridium laut KI deshalb:

    Zitat

    Iridium (Platingruppe)

    • Unverzichtbarkeit: Katalysatormaterial für die PEM-Elektrolyse zur Herstellung von grünem Wasserstoff.
    • Substituierbarkeit: Nahezu nicht substituierbar, da kein anderer Stoff der extrem korrosiven, sauren Umgebung in den Elektrolyseuren standhält.
    • Defizit: Die Jahresförderung ist extrem gering (ein Nebenprodukt des Platinabbaus in Südafrika), was Iridium zum zentralen Flaschenhals der globalen Wasserstoffstrategien macht.

    Einer der 5 wichtigsten Iridium-Hersteller: Sibanye. Ok, ich halte die Vision von einer Wasserstoff-Wirtschaft zwar für einen feuchten grünen Traum, aber aus der Liste der 30 Firmen (6 Rohstoffe x je 5 Hauptproduzenten) stach Sibanye zusätzlich auch mit moderaten Bewertungen hervor. Eigentlich als einzige Firma, neben Johnson Matthew... Also auf die Watchlist.

    Zum Spaß die KI nochmal gefragt, ob eine der 30 Firmen bei mehreren der 6 kritischen Rohstoffe aktiv ist. Bingo, schon wieder Sibanye-Stillwater, die offenbar auch im Bereich Lithium und Kupfer aktiv sind. Kupfer wird wohl so nebenbei mitgeschürft, aber bei Lithium sind sie federführend in einem strategischen europäischen Projekt:

    Zitat

    Auch Finnland baut seine Position als Rohstoffstandort weiter aus. Sibanye-Stillwater ZAE000259701A2PWVQ etwa entwickelt dort mit Keliber eines der wenigen integrierten Lithiumprojekte Europas. Vom Erzabbau bis zur Produktion von Lithiumhydroxid soll ein großer Teil der Wertschöpfung innerhalb Europas stattfinden. Obwohl der Lithiumpreis zuletzt unter Druck stand, hält das Unternehmen an seiner langfristigen Projektentwicklung fest. Das unterstreicht, dass strategische Rohstoffprojekte zunehmend über kurzfristige Marktzyklen hinaus betrachtet werden.

    (Quelle)

    Sibanye tanzt also auf etlichen Hochzeiten, sowohl bei den Rohstoffen als auch geografisch gesehen. Die Firma war offenbar dermaßen akquisitions- und expansionsfreudig, dass sie den Bogen überspannt hat:

    Zitat

    2021 was peak expansion for Sibanye-Stillwater. Valued at $16bn on the JSE – an all-time high – the company in that year unveiled a $1bn deal for two mines in Brazil. It was the latest in a string of expansions driven by the group’s founding CEO, Neal Froneman.

    If concluded, the transaction would have seen Sibanye-Stillwater developing new mineral production on three fronts: the Keliber lithium project in Finland; an option to develop a lithium/boron project in the US; and in Brazil, the reopening of the Santa Rita nickel-cobalt and Serrote copper/gold mines. This was in addition to platinum and palladium recycling output in the US, and platinum, palladium and gold production in Sibanye-Stillwater’s South African base which, crucially, provided the bulk of the group’s free cash flow.

    The platinum group metals (PGM) market was buoyant at the time, thanks to rocketing palladium and rhodium prices. Then, suddenly, the bottom fell out of the market. In a trice, Sibanye-Stillwater’s balance sheet looked dangerously over-exposed – as some analysts warned it might do.

    (Quelle)

    Resultat: Die Firma schreibt aktuell Verluste, mit einem negativen KGV von -24. Auch Umsatz und Cashflow waren rückläufig, das Netto-Cash in der Bilanz war einmal. Der CEO wurde ausgetauscht und der Neue versprach kürzlich eine Fokussierung auf das bestehende Geschäft, also Schluss mit neuen Projekten und Akquisitionen. Die Analysten sind optimistisch und erwarten für nächstes Jahr Umsätze und Gewinne, die laut SWS ein KGV von 5,3 und ein KUV von 0,7 bedeuten würden. Nach zwei Jahren Pause gab es im März wieder eine Dividende und das Management tätigt Insider-Käufe - das sieht nach einem gelingenden turn-around aus.

    Wo die Aktien bei den Composite-Bewertungen steht, kann ich leider nicht sagen, weil der Quant-Screener Südafrika nicht berücksichtigt. Ich würde mal das billgste Fünftel aller Aktien vermuten, und definitiv die günstigste Aktie aus der KI-Liste mit den 30 Herstellern von kritischen Rohstoffen.

    Der Chart (unten in Rand-Cent an der Börse Johannesburg) läßt mich wünschen, ich hätte schon früher gekauft, so wie einige von euch - aber ein Verdoppler könnte drin sein:

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  • In meiner Wahrnehmung läuft SS vor allem mit dem Platin- und Palladiumpreis, und den kann ich nicht einschätzen. Und die Firma hat sich in der Vergangenheit so dämlich angestellt, dass sie bei mir noch "Bewährung" hat. Sind im Kurs ja auch gar nicht mehr so niedrig. Ich drück dir aber trotzdem die Daumen damit, kann klappen. Ich hab das jetzt auch deshalb aufgeschrieben, damit ich später selbst sehen kann, dass ich mal wieder eine Chance habe liegenlassen...

  • ... und damit setzt man ironischerweise nicht nur, wahrscheinlich sogar weniger auf die Wasserstoffwirtschaft, das zwar auch, sondern vor allem auf Diesel- und Benzinautos (Katalysatoren). Südafrika ist für mich allerdings nicht investierbar, daher habe ich davon Abstand genommen. Sonst wäre es einen antizyklischen Zock wert gewesen - aber eben vor allem das.

    In "unserer Demokratie" werden keine Minderheiten unterdrückt oder zum Schweigen gebracht (Boris Pistorius). Sondern die Mehrheit.
    "Unsere" Demokratie verhält sich zur Demokratie wie Transfrauen zu Frauen.

  • Winter : Südafrika gewinnt schlagartig an Charme, wenn man berücksichtigt, dass es BRICS-Mitglied ist und dass die BRICS-Staaten (unter der Führung von China) anscheinend ein Handelssystem jenseits von SWIFT und US-Dollar aufbauen. Die Gold-Käufe und die De-Dollarisierung der chines. Zentralbank sind ja allseits bekannt.

    Was an mir völlig vorbeigegangen ist: Im Jahr 2024 wurde das BRICS-Bündnis massiv erweitert um die Staaten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arab. Emirate, Iran (alle mit Öl....), Indonesien (führend bei Nickel) und Äthiopien. Die basteln - unbemerkt von den MSM - massiv an Direkthandel in lokaler Währung (ohne USD), einem eigenen Zahlungsabwicklungs-System, und eben Reduktion der USD-Reserven im Austausch gegen Edelmetall-Reserven. Wenn die BRICS-Staaten ihr Handelssystem teilweise mit Rohstoffen hinterlegen (wovon viele Beobachter ausgehen), dann spielt nicht nur Gold eine Rolle, sondern auch andere Edelmetalle/Rohstoffe, je nach nationaler Verfügbarkeit. Denn: Nur mit Gold wird das nicht zu machen sein, und da kommen dann eben bei Südafrika auch die PGMs (Platin-Gruppen-Metalle) ins Spiel.

    So ein Szenario ist keine Voraussetzung für ein PGM-Investment, aber es würde - wenn es so eintritt - den Preis von PGMs dauerhaft stabilisieren.

    DER Katalysator für diese De-Dollarisierung war wohl der Ausschluss Russlands 2022 aus dem SWIFT-System und die Beschlagnahmung der russischen Besitztümer durch die EU und die USA im Rahmen der Sanktionen wegen der Ukraine. Bei Licht betrachtet ist da in den letzten 4 Jahren im BRICS-Bündnis extrem viel passiert.

  • Das ist interessant, aber das ändert nichts an der Frage der Eigentumsrechte in Südafrika, Stichwort Enteignung.

    In "unserer Demokratie" werden keine Minderheiten unterdrückt oder zum Schweigen gebracht (Boris Pistorius). Sondern die Mehrheit.
    "Unsere" Demokratie verhält sich zur Demokratie wie Transfrauen zu Frauen.

  • ... und Infrastruktur. Ok, Gold- und Platinminen sind nicht so sehr auf die Eisenbahn angewiesen wie Kohle ...

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis

    Everything will be allright!

  • Sibanye Stillwater muss eine "Gewinnwarnung" fürs HJ1 rausgeben, weil der erwartete Gewinn deutlich höher liegt als bisher angenommen:

    https://thevault.exchange/?get_group_doc…7August2026.pdf - hier auf deutsch

    Avisiert werden 5,7 - 6,3 Rand/Aktie statt der bisher erwarteten 5,1 Rand. Die offizielle H1-Präsentation erfolgt nächsten Dienstag.

    Grund für den Gewinnsprung sind nicht höhere Abbau-Volumina, sondern v.a. die Preissteigerungen in allen Segmenten und das "herausragende" Ergebnis der US-Recycling-Betriebe. Die Vorbereitungen für den Lithium-Abbau in Norwegen kommen auch gut voran.

    Der Kurs an der Börse Johannesburg kämpft gerade mit dem psycholog. Widerstand bei 5000-Rand-Cent.