• Danke für die Blumen.

    Zitat

    Original von Al Sting


    Schuss ins Blaue: Operativer Cashflow und Verschuldungslage?

    Wie oben schon angedeutet: Das ist ein etwas monströses Bündel an Kennzahlen, die gewichtet und kombiniert werden. Details siehe angefügter screenshot.

    Für mich machbar sind als fraud-detector die Scaled Total Accruals (STA) = (Gewinn - Cashflow) / Bilanzsumme. Das ist aber nur eine von vielen Kennzahlen zu diesem Thema, und auch noch eine vereinfachte Version der im Buch angewandten...

    edit: Der screenshot wirkt vermutlich in seiner mathematischen Kompaktheit eher abschreckend. So ist das Buch nicht. Und aus Praktiker-Sicht: Ich denke mal, 90% der Überrendite sind machbar mit einer vernünftigen Value-Auswahl, wo dann die Besten der Besten über Piotroski-F-Score ermittelt werden - und für mich noch eine Prise Relative Stärke.

  • Hallo witchdream,

    auf von mir Danke für die ausführliche Buch-Besprechung.

    Ein Teil des von Dir eingefügten Bildes sieht nach dem Beneish M Score aus den auch https://www.antizyklisch-investieren.com/www.value-investing.eu vor kurzem implementiert hat.

    Haben sie auch ALTMAN-Z zur vorzeitigen Insolvenz-Erkennung einbezogen? Den hat ja Susan Leverman als Bestandteil von Ihrem Screener verwendet.

    Sind sie auch auf die Bücher bzw. Erkenntnisse von Schilit/Perler und Mulford/Comiskey eingegangen?

    Danke und Viele Grüße,
    Achtsamkeit

    First focus on risk, before focus on return! (Seth Klarman)

  • Zitat

    Original von witchdream
    Für mich machbar sind als fraud-detector die Scaled Total Accruals (STA) = (Gewinn - Cashflow) / Bilanzsumme. Das ist aber nur eine von vielen Kennzahlen zu diesem Thema, und auch noch eine vereinfachte Version der im Buch angewandten...


    (Gewinn-OCF)/Bilanz? Klingt interessant.
    Nicht nur als Fraud-Detection (wenn der Wert besonders hoch ist), sondern vielleicht auch als früher Turn-Around-Indikator. Wenn der Wert besonders niedrig ist, weil das Unternehmen noch viel investiert und Verluste schreibt, aber der hohe CF schon das zukünftige Ertragspotential anzeigt.
    Bislang arbeite ich da mit EV/OCV. Mal nachdenken...

    Ansonsten: Ja, der Scan sieht abschreckend aus. Deine Rezension=Übersetzung gefiel mir besser. ;-)

  • Mebane Faber - Global Value: How to Spot Bubbles, Avoid Market Crashes, and Earn Big Returns in the Stock Market.

    Mebane Faber hat ein neues Buch bzgl. Antizyklischem Investieren auf globaler Ebene veröffentlicht. Bevorzugte Kennzahl zur Auswahl der Werte ist das Shiller 10Year CAPE (Cyclically Adjusted Price/Earnings) ratio. Als Märkte werden die 11 am meisten unterbewerteten Länder aus 1. und 2.Welt (developed countries and emerging markets) selektiert. Wesentlicher Vorteil der Umsetzung einer "globalen Strategie" wäre hier eine Diversifikation des Portfolio weg vom "Home Bias", Schwachpunkt die Frage bzgl. direktem Marktzugang in (ggf. illiquide) fremde Märkte.

    Näheres hierzu, u.A. auch mit Blick auf einen ETF nach der von Mebane Faber im Buch besprochenen Strategie:

    http://www.etf.com/sections/featu…own-stocks.html

    Gegebenenfalls einen Blick wert - hat hier schon jemand in das Buch reinlesen können? Das Feedback auf amazon.com ist gemischt:

    http://www.amazon.com/Global-Value-B…er+global+value

  • Zitat

    Original von Sq1
    Mebane Faber - Global Value: How to Spot Bubbles, Avoid Market Crashes, and Earn Big Returns in the Stock Market.

    Mebane Faber hat ein neues Buch bzgl. Antizyklischem Investieren auf globaler Ebene veröffentlicht. [...]
    Gegebenenfalls einen Blick wert - hat hier schon jemand in das Buch reinlesen können?

    Das Buch gibt es für den Kindle für 3,70¤, also deutlich günstiger als das Taschenbuch:
    http://www.amazon.de/Global-Value-B…ds=mebane+faber
    Wer keinen Kindle hat, kann sich die kostenlose Kindle-App für den PC herunterladen. Es empfiehlt sich sowieso, das Buch am PC zu lesen, denn es ist gespickt mit links zu guten, aktuellen und kostenlosen Artikeln. Schon alleine für diese Lese-Empfehlungen lohnt sich der Kauf. Das Buch selbst ist erfreulich kompakt gehalten und läßt sich locker an einem Wochenende reinziehen.

    Die Kernfrage des Autors ist, wie sich Börsenblasen erkennen lassen und wie man sie umgeht. Faber empfiehlt hierfür ein Kennzahlen-basiertes Vorgehen. Er verdeutlicht das am Beispiel des Shiller-KGV, verweist aber auch auf andere Kennzahlen wie die von Hussman oder einfach nur die Dividendenrendite eines Marktes. Seine Grundidee ist es, teuere Märkte zu vermeiden und in die relativ billigsten Märkte zu investieren. Die daraus resultierende Überrendite läßt sich noch steigern, indem man den Cashanteil hochfährt, wenn einige der relativ billgsten Märkte ein KGV10 von über 18 aufweisen. Das geht also durchaus auch in Richtung market-timing und ist hochinteressant angesichts der aktuellen market-timing-Diskussion hier im Forum. Interessanterweise schützt die Strategie aber nicht vor Kursverlusten während der bekannten Baisse-Phasen (2000-2003, 2008, 2011).

    Die primäre Idee ist es, den gesamten Markt zu kaufen, vermutlich über Indexzertifikate. Faber entwickelt dann einige hochinteressante Gedanken zu den Nachteilen von market-cap-basierten Indices, da die Indexschwergewichte den Index über Jahre durch eine deutliche Underperformance bremsen. Besser wären gleichgewichtete Indices oder value-basierte Indices.

    Das was Norbert bzw. StarCapital betreiben, geht letztlich noch einen Schritt weiter, weil dort nicht die gesamten Märkte gekauft werden, sondern innerhalb der Märkte stock-picking betrieben wird.

    Kurz gesagt: Zum Kindle-Preis eine eindeutige Kaufempfehlung.

  • Zitat

    Original von witchdream
    Ein Klassiker aus dem Jahr 1852, der immer wieder in Literaturlisten zum Thema Antizyklik auftaucht:

    Charles Mackay: Extraordinary Popular Delusions and the Madness of Crowds.

    Kostenloser download beim "Project Gutenberg" unter
    http://www.gutenberg.org/etext/24518

    [...]

    Gibt es mittlerweile auch für den Kindle als kostenlosen download, wie ich eben entdeckt habe:

    http://www.amazon.de/Memoirs-Extrao…99215486&sr=1-1

  • Zitat

    Original von Lando
    Also, mein lieber Schwan, der schwarze von Taleb ist unterhaltsame Lektüre, besser als jede Zeitung. Er hätte das kürzer fassen können aber ist halt eine amüsante Plaudertasche und der Verlag hats verlangt. Ich sag's gleich, was er auch nicht weiß ist wie man diese Biester vorher erkennt. Er weiß nur, dass es sie gibt und belegt das mit vielen Beispielen und Aspekten, nennt dabei ne Menge interessante Autoren.

    Klassischer sSchwan (short): die Weihnachtsgans, wird gehätschelt und gefüttert und es geht ihr immer besser bis plötzlich Weihnachten ist. Da crasht der Kurs.

    Er hält auch viel von Mandelbrot, ist ja klar, das ist mit Sicherheit so'n kosmisches Prinzip. Zeit ist einsinnig und man weiß nie was kommt - so langsam steigt die Wissenschaft auch dahinter. Zu seinen Idolen gehört Popper, was schon mal gut ist. Diese Autoren hat er wenigstens zwei Mal gelesen: Plutarch, Livius, Sueton, Diodorus, Siculus, Gibbon, Carlyle, Renan, Michelet. Plutarch, Sueton, Gibbon, Carlyle und Renan kenne ich auch.

    Er weist auf die Schwachstellen der Statistik hin, wohlgemerkt, der Statistik an sich und entlarvt die "platonische" Sicht der Dinge als falsche Annahme unter dem Deckmantel der Vereinfachung.

    Er empfielt als Ex-Trader 85% risikolos in die Buffett'schen Staatsbonds, weil einen die Schwäne immmer beißen, und 15% in vielversprechende Experimente mit der Zukunft, Lewis Carroll nannte das "hunting the snark", die alle vielleicht danebengehen dürften.

    http://www.amazon.de/Black-Swan-Imp…21261382&sr=1-1

    Lando hat diesen Mittlerweile-Klassiker hier 2008 vorgestellt, direkt nach der Erstauflage. Inzwischen gibt es eine deutsche Übersetzung aus dem Hanser-Verlag für den Kindle für spottbillige 3,99 ¤.

    http://www.amazon.de/Der-Schwarze-S…schwarze+schwan

  • The Signal and the Noise: Why So Many Predictions Fail-but Some Don't
    von Nate Silver

    Ein gutes Buch als Einstieg zu Bayessche Statistik, Denken in Wahrscheinlichkeiten und zur Aufstellung von besseren Prognosen. Das Buch ist kurzweilig geschrieben und schneidet viele Themengebiete an (Nutzung von Statistiken in Baseball, Wettervorhersagen, Klimaforschung, Poker, CDS und Kreditmärkte und mehr) und kann natürlich nicht in die Tiefe gehen. Es sind leider ein paar Fehler im Buch (vertauschte Überschriften in Statistiken, fehlerhafte Beschriftungen/Grafiken, etc), nichtsdestotrotz ein gutes Buch.

    beati pauperes spiritu

    "we shall fight on the landing grounds, we shall fight in the fields and in the streets, we shall fight in the hills; we shall never surrender.“ W.C.

    “Facts do not cease to exist because they are ignored.” – Aldous Huxley


  • Für alle Freunde des mechanischen Investierens habe ich ein kleines highlight entdeckt: Ein sehr systematisch angelegter Überblick über die Renditen von einzelnen Kennzahlen, und vor allem: von kombinierten Kennzahlen. Aktienuniversum: Etwa 1.500 europäische Aktien aus den 15 Euro-Ländern von Juni 1999 bis Juni 2011. Die Methode ist so, wie man es von O`Shaughnessy oder Tortoriello kennt: Sortieren aller Aktien anhand der getesteten Kennzahl, Aufteilen in Quintile und Berechnung der Quintil-Renditen bei jährlicher Neueinteilung der Portfolios. Die Aktien kommen gleichgewichtet ins Depot.

    Die meisten Befunde sind wenig überraschend: Kennzahlenbasierte Strategien bringen ordentliche Überrendite, und in Kombination mit Relativer Stärke explodieren die Renditen auf z.T. über 20% (bei einer Gesamtmarkt-Rendite von 2,25%)! Neu ist (für mich) der Einbezug von Piotroskis F-Score, der eine gute Ergänzung zu KxV und/oder RS darstellt. Sehr positiv auch, dass die Autoren bei den Einzelkennzahlen die Rendite nach Marktkapitalisierung getrennt untersuchen (smallcaps von 15-100 mio / midcaps von 100-1.000 mio / bigcaps über 1 Mrd). Überraschendes Resultat: die midcaps tendieren zu besseren Renditen als die smallcaps, d.h. man muss sich nicht unbedingt die winzigsten Zwergerl ins Depot legen. Sehr schön auch, dass sämtliche erfolgreichen Einzelkennzahlen systematisch über Kreuz als Kombi-Strategie getestet werden. Bei O'S war es so, dass er zwar KUV+RS in den Himmel gelobt hat, aber offen ließ, wie KBV+RS abschneidet (hier ist es die beste Strategie!).

    Das Buch umfasst gerade mal 54 Seiten, verzichtet auf weitschweifige historische und psychologische Ableitungen sowie auf eine Erklärung der Kennzahlen, sondern kommt sofort zur Sache bzw. zu den Ergebnistabellen. Die beiden Autoren betreiben die Datenbank http://www.valuestockscreener.com/ und das Buch gibt es entweder kostenlos für Abonnenten oder als Kindle-eBook für günstige 7,66 €: http://www.amazon.de/Quantitative-V…07249408&sr=1-1

    Ach ja: Es heißt Quantitative Value Investing in Europe - What Works for Achieving Alpha, Autoren sind: Philip Vanstraceele und Tim du Toit.

  • Untertitel: A History Of Risk, Reward, And Delusion On Wall Street
    erschienen 2011, http://www.amazon.de/Myth-Rational-…08794727&sr=1-1
    Kostet 3,88 € für den Kindle

    Das Buch taucht in den must-read-Listen von Meb Faber und Patrick O'Shaughnessy auf, in der Kategorie Börsengeschichte. Justin Fox ist Journalist, offenbar mit Schwerpunkt Finanzen, und hat im Lauf der Jahre unzählige Finanz-Professoren in den USA interviewt, bis hin zu den Nobelpreisträgern. Aus der Fülle seines Materials hat er eine detaillierte Chronik geschrieben über den Aufstieg und (teilweisen) Niedergang der Theorie der Effizienten Märkte (aka EMH bzw. Efficient Market Hypothesis). Für Value-Investoren ist die EMH sowohl die Pest (wegen der abstrusen Theorie) als auch ein Glücksfall (weil viele Investoren sich gar nicht erst auf die Suche nach unterbewerteten Aktien machen). Von daher hat mich das Thema schon immer interessiert.

    Das Buch bietet natürlich keinerlei Anlagestrategien, erfreulicherweise auch keinerlei mathematischen Ableitungen der EMH, sondern skizziert das Entstehen der entscheidenden Ideen und Hypothesen bei den Schlüsselfiguren der Finanzlehre, und zwar in einer gut lesbaren Form. Also viel biographische Information - das Personenregister ist ein who-is-who der einschlägigen Forschung. Sehr schön wird dokumentiert, wie anfängliche Ideen sich zur EMH als Arbeitshypothese verdichteten und schließlich zum Dogma verkrusteten. Und dann eben auch der Abstieg der EMH, mit all den "Anomalien", die in die EMH eingearbeitet wurden, bis sie bis zur Unkenntlichkeit verbogen war. Und trotzdem dominiert sie noch heute große Teile des Finanzsektors, etwa bei den Indexfonds und -zertifikaten.

    Wer Dreman gelesen hat, wird keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse erhalten, aber natürlich eine Unmenge an wissenschaftshistorischen Details. Wenn es für mich einen Aha-Effekt gab, dann die Erkenntnis, dass die kümmerlichen Forschungsansätze zum Thema market-timing letztlich auch ein Resultat der EMH sind.

    Kurz gesagt: Eine Lese-Empfehlung, wenn einen das Thema EMH speziell interessiert.


  • Ach ja: Es heißt Quantitative Value Investing in Europe - What Works for Achieving Alpha, Autoren sind: Philip Vanstraceele und Tim du Toit.


    Mal eine Frage eines interessierten Laien zum Thema Quantitative Investing: Die Ergebnisse sind ja beeindruckend, aber wie stark muss man den Effekt einschätzen, dass ex-post eine Anpassung der Faktoren auf die Ergebnisse der Vergangenheit gemacht wurde, und das diese Strategien nicht 1:1 ex-ante auf die Zukunft anwendbar sind?

    "Die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers"

    (Kurt Tucholsky)

  • wie stark muss man den Effekt einschätzen, dass ex-post eine Anpassung der Faktoren auf die Ergebnisse der Vergangenheit gemacht wurde, und das diese Strategien nicht 1:1 ex-ante auf die Zukunft anwendbar sind?

    Zum 2. Teil der Frage: Eine 1:1 Übertragung der Ergebnisse auf die Zukunft ist natürlich nie möglich. Ich würde aber wegen der Anlegerpsyche davon ausgehen, dass value-Strategien per se auch in Zukunft funktionieren werden.

    Zum 1. Teil der Frage: Data mining würde ich hier ausschließen, da die Autoren so ziemlich alles an Kennzahlen verwurstet haben, was erfolgversprechend aussah. Die tatsächlich erfolgreichen Kennzahlen wurden dann systematisch jede mit jeder kombiniert.

  • Hjalmar Schachts Erinnerungen. Gut geschrieben, enthält Aufschlußreiches über die Zwischenkriegszeit. Die Siegermächte dachten tatsächlich, sie könnten Deutschland gleichzeitig den Warenexport verbieten und Reparationen in Devisen erhalten.

    http://de.scribd.com/doc/78329214/H…agie-des-Geldes

    (Wenn man es herunterladen will, muß man etwas heraufladen.)

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis

    Everything will be allright!

  • Wer Anregungen für (englischsprachige) Finanzbücher braucht:

    http://www.investingbythebooks.com/

    Mit vielen Rezessionen und Buchvorschlägen

    beati pauperes spiritu

    "we shall fight on the landing grounds, we shall fight in the fields and in the streets, we shall fight in the hills; we shall never surrender.“ W.C.

    “Facts do not cease to exist because they are ignored.” – Aldous Huxley