Langfristige Aktienmarktprognose: Das Shiller-CAPE auf dem Prüfstand

Anleger konnten in den letzten 100 Jahren mit US-Aktien im Durchschnitt reale Wertsteigerungen von jährlich ca. 7% erzielen. Keine andere Anlageform – weder Anleihen, Kasse, Gold oder Immobilien – bot ein vergleichbares Renditepotenzial. Gleichwohl unterliegt der Aktienmarkt starken Schwankungen und die erzielbaren Wertzuwächse hängen maßgeblich vom Investitionszeitpunkt ab. Für Investoren stellt sich damit die Frage, wie sich die Zukunftsperspektiven an den Aktienmärkten möglichst treffsicher bestimmen lassen.


Das übliche Vorgehen, aus der Konjunkturentwicklung eines Marktes auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen zu schließen und aus der sich daraus ergebenden Aktienmarktbewertung das kurz- bis mittelfristige Aktienmarktpotential abzuleiten, ist in der Praxis selten von Erfolg gekrönt: Die Konjunkturentwicklung lässt sich allenfalls grob prognostizieren, die Gewinnentwicklung international aufgestellter Unternehmen koppelt sich zunehmend von der Konjunktur des Heimatlandes ab und das Gewinnwachstum korreliert kurz- bis mittelfristig nur sehr schwach mit der Aktienmarktentwicklung. Unvorhersehbare Ereignisse wie Terroranschläge, Ölpreisschocks oder Notenbankäußerungen und die daraus resultierende Stimmungslage beeinflussen das Börsengeschehen kurz- bis mittelfristig deutlich stärker als berechenbare Fundamentaldaten.


Traditionelle Kurs-Gewinn-Verhältnisse haben kaum Aussagekraft

Bewertungskennzahlen wie das gebräuchliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), welches die Unternehmensgewinne eines Marktes ins Verhältnis zum aktuellen Marktpreis setzt, stünden deshalb noch nicht einmal dann in einem verwertbaren Zusammenhang mit den Aktienmarktrenditen im nächsten Jahr, wenn sich die Unternehmensgewinne des Folgejahres exakt prognostizieren ließen (Abbildung 1). Bedauerlich, da doch ganze Heerscharen von Analysten tagtäglich um die zutreffendsten Gewinnprognosen wetteifern.



KGV hätte selbst mit korrekten Gewinnschätzungen keine Aussagekraft

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Abbildung 1: Zusammenhang zwischen dem KGV auf Basis korrekt geschätzter Gewinne des Folgejahres und dem S&P 500 Performance Index in USD im Zeitraum von 1881 bis 2016. Quelle: Robert J. Shiller, StarCapital.


Auch für längerfristige Aussagen ist das klassische KGV aus zwei Gründen kaum zu gebrauchen. Zum einen sind die in der Praxis allenfalls grob prognostizierbaren Unternehmensgewinne extrem volatil. So schwankten die Gewinne des S&P 500 bspw. von 2009 bis 2010 zwischen 7 und 77 Punkten (Abbildung 2). Das Gewinnniveau eines Jahres ist deshalb nicht zwangsläufig repräsentativ für die zukünftige Entwicklung. Zum anderen erscheint das KGV gerade in Krisenjahren, also zum Zeitpunkt der lukrativsten Einstiegsgelegenheiten, aufgrund niedriger Unternehmensgewinne unattraktiv. Als Prognoseinstrument ist das KGV auf Basis aktueller oder geschätzter Gewinne deshalb völlig ungeeignet. Erfreulicherweise lässt sich die Aussagekraft des klassischen KGV steigern.


Gewinnentwicklung des S&P 500 seit 1871
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Abbildung 2: Inflationsbereinigte Gewinne der S&P 500 Unternehmen seit 1871. Quelle: Robert J. Shiller, StarCapital per 31.12.2017.



Zyklisch bereinigtes Kurs-Gewinn-Verhältnis (CAPE)


Bereits 1934 vermuteten Graham und Dodd, dass sich zyklische Gewinnschwankungen negativ auf die Aussagekraft des KGV auswirken könnten. Sie empfahlen deshalb, einen langfristigen Durchschnitt historischer Gewinne für die Berechnung des KGV heranzuziehen. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert J. Shiller griff diese Empfehlung mit John Campbell 1998 auf. Die Professoren konnten nachweisen, dass die inflationsbereinigten Unternehmensgewinne im amerikanischen S&P 500 seit 1871 relativ stabil um jährlich knapp 2% wuchsen. Da überdurchschnittliche Unternehmensgewinne wirtschaftlich starker Jahre langfristig genauso wenig Bestand haben, wie hohe Unternehmensverluste in Rezessionsphasen, entwickelten sie ein zyklisch adjustiertes Kurs-Gewinn-Verhältnis (CAPE), welches den aktuellen Marktpreis ins Verhältnis zu den mittleren inflationsbereinigten Gewinnen der vorausgehenden zehn Jahre setzt. Dieses um den Konjunkturzyklus bereinigte CAPE misst folglich, ob ein Aktienmarkt im Vergleich zu einem Gewinnniveau zu dem er mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückfindet, hoch oder niedrig bewertet ist.


Tatsächlich erlaubt dieses um den Konjunkturzyklus bereinigte CAPE zumindest langfristig deutlich zuverlässigere Renditeprognosen als das klassische KGV. In den letzten 130 Jahren notierte bspw. das CAPE des amerikanischen Aktienmarkts bis auf wenige Ausnahmen in einer Spanne zwischen 10 und 22 und kehrte dabei regelmäßig zu seinem historischen Durchschnittswert von ca. 17 zurück (Abbildung 3).


Hohe Bewertungen kündigten im S&P 500 bislang stets verlustreiche Dekaden an
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Abbildung 3: Die Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen dem CAPE und dem S&P 500 Total Return Index in USD im Zeitraum von 1881 bis 2017. Die vertikalen Balken markieren alle Überbewertungsphasen in denen das CAPE den Wert 22 überstieg, die anschließenden Stagnationsphasen sind schwarz gepunktet markiert. Quelle: Robert J. Shiller, StarCapital per 31.12.2017.


Lediglich viermal brach das CAPE deutlich aus dieser Bandbreite nach oben aus: 1901, 1928, 1966 und 1995. In all diesen Jahren wurden plausible Argumente angeführt, weshalb alte Bewertungsmaßstäbe nicht mehr gelten sollten, bspw. die Einführung der Massenproduktion oder des Telefons, die Abkehr vom Goldstandard, das Computerzeitalter oder die Globalisierung. Auch die aktuell deutlich erhöhten CAPE-Niveaus begründen Autoren wie Siegel mit nachvollziehbaren Argumenten. So könnten extrem negative Zinsen geringere Risikoprämien rechtfertigen, geränderte Bilanzierungsvorschriften könnten das Ertragspotential der S&P 500-Unternehmen unterschätzen und ein verändertes Ausschüttungsverhalten mit steigenden Buybacks ermöglicht unter Umständen dauerhaft höhere EPS-Wachstumsraten. Alle diese Faktoren könnten höhere CAPE-Niveaus rechtfertigen und erst die Zukunft kann zeigen, ob diese Faktoren tatsächlich eine neue Bewertungswelt einläuten oder ob sich der Ausspruch Templetons „The four most expensive words are 'this time it’s different'“ einmal mehr bewahrheitet. Fest steht, dass sich in den letzten 130 Jahren alle noch so plausiblen Argumente für höhere Bewertungen als falsch herausstellten: alle Überbewertungsphasen markierten bedeutende Höchststände des S&P 500. Investoren, welche in diesen Überbewertungen investierten, verbuchten in der Regel über 15-20 Jahre reale Kursverluste. Anleger die sich dagegen in Phasen attraktiver CAPE-Niveaus und pessimistischer Marktstimmungen engagierten, konnten sich stets langfristig an überdurchschnittlichen Wertsteigerungen erfreuen.


CAPE erlaubt international Renditeprognosen


Dieser Zusammenhang zeigt sich dabei nicht nur im US-Markt. In einer empirischen Studie konnten wir einen vergleichbaren Zusammenhang in allen untersuchten Länderindizes im Zeitraum 1979-2015 nachweisen. Trotz deutlich kürzerer Untersuchungszeiträume, unterschiedlicher Bilanzierungsstandards und regionaler Besonderheiten gilt für alle Länder, dass auf attraktive Bewertungen hohe und auf Überbewertungen niedrige Renditen folgten (Abbildung 4).



Zusammenhang zwischen CAPE und langfristigen Aktienmarktrenditen
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Abbildung 4: Die linke Grafik verdeutlicht den Zusammenhang zwischen dem CAPE und den Renditen der 10–15 Folgejahre mithilfe aller Beobachtungspunkte im Zeitraum 01/1881–05/2015 (S&P 500) sowie 12/1979–05/2015 (sonstige MSCI-Länder). Hierbei sind der S&P 500 und der japanische Aktienmarkt exemplarisch hervorgehoben, da diese Märkte den Zusammenhang am stärksten negativ bzw. positiv beeinflussen. Alle Renditeangaben sind inflationsbereinigt, in lokaler Währung, inkl. Dividendenerträgen sowie annualisiert. Die Regressionsfunktion bezieht sich auf „Alle Länder“. Die rechte Grafik zeigt die durchschnittliche Rendite (Median) über die jeweils folgenden 10–15 Jahre in Abhängigkeit vom CAPE je Land. Quelle: S&P 500: Shiller [2015], andere Länder: MSCI, StarCapital. Weitere Details finden Sie in unserer Research-Studie „Aktienmarktprognose: Das Shiller-CAPE auf dem Prüfstand“, https://www.starcapital.de/fil…16-01_Aktienmarktprognose _Shiller_CAPE_Keimling.pdf.


So wurden bspw. in Deutschland auf attraktive CAPE-Niveaus von unter 10 im Mittel reale jährliche Wertsteigerungen von 10,2% über die folgenden 10-15 Jahre gemessen. Investoren, die sich dagegen in teuren Marktphasen mit einem CAPE von über 30 engagierten, hätten in den Folgejahren lediglich Wertzuwächse von 0,7% verbucht. Hervorzuheben ist hierbei auch der zu anderen Aktienmärkten gering korrelierte japanische Aktienmarkt, der sowohl durch überdurchschnittlich hohe Bewertungen von z. T. deutlich über 50 als auch durch extrem negative Folgerenditen auffällt und den internationalen Zusammenhang zwischen CAPE und langfristigen Folgerenditen hierdurch insgesamt ergänzt. Unterstellt man, dass dieser Zusammenhang auch in Zukunft fortbesteht, lassen sich folglich aus dem aktuellen CAPE grobe Renditeschätzungen für die kommenden 10-15 Jahre ableiten.


Schwächen des CAPE-Ansatzes


Hierbei sollten Investoren jedoch beachten, dass das CAPE auf der Annahme basiert, dass die Gewinne eines Aktienmarktes zu ihren 10-jährigen Durchschnitten zurückfinden. Dies kann insbesondere in kleineren Märkten mit strukturellen Brüchen oder in Märkten, deren Gewinnwachstum signifikant von dem der Vergangenheit abweicht, nicht gegeben sein. Dies lässt sich am Beispiel des MSCI Griechenland veranschaulichen: Die Anzahl der Aktien innerhalb des MSCI Griechenland schwankte in den letzten Jahren zwischen 2 (2013) und 20 (2006). Bei derartigen Veränderungen stellt sich die Frage, inwieweit die aggregierten Unternehmensgewinne dieser unterschiedlichen Unternehmen die Ertragskraft der aktuell 9 im Index vertretenen Unternehmen adäquat widerspiegeln und inwiefern eine Rückkehr zum zehnjährigen Gewinndurchschnitt, der maßgeblich durch hohe Erträge einer nicht mehr existierenden Finanzindustrie geprägt wurde, realistisch ist. Ein Vergleich des MSCI Griechenland mit dem breiter aufgestellten und strukturstabileren MSCI Griechenland Investable Market Index (IMI) lässt auf Grund vielfach höherer CAPE-Bewertungen erhebliche Zweifel aufkommen (Abbildung 5).



Strukturbrüche können die Aussagekraft des CAPE beeinträchtigen
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Abbildung 5: Der linke Chart stellt die Anzahl der im MSCI Griechenland enthaltenen Aktien im Zeitverlauf von 06/2006 bis 06/2016 dar. Der rechte Chart bildet das CAPE für den MSCI Griechenland sowie den breiteren MSCI Griechenland Investable Market Index (IMI) ab. Der strukturstabilere Investable Market Index bestand zu jedem Zeitpunkt aus mehr als 20 Aktien. Quelle: MSCI, StarCapital.



Kurs-Buchwert-Verhältnis verbessert Renditeschätzungen

Vor diesem Hintergrund erscheint es ratsam, neben dem CAPE auch weitere Kennzahlen zur langfristigen Renditeschätzung zu berücksichtigen. Hierbei bietet sich insbesondere das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) an, da die im Vergleich zu Gewinnen oder Cashflows weniger volatilen Buchwerte keiner zehnjährigen Glättung bedürfen, was die (nicht unproblematische) Annahme einer vergleichbaren Marktstruktur über die vorausgehenden zehn Jahre überflüssig macht. Das KBV eignet sich auch insofern, da es das ertragswertorientierte CAPE um eine Substanzwert-Komponente ergänzt.


Unsere Ergebnisse stützen diese These nicht nur theoretisch: Auch empirisch ermöglichte das Kurs-Buchwert-Verhältnis seit 1979 vergleichbar zutreffende Renditeschätzungen wie das CAPE (Abbildung 6). Dass der auf Aktienebene häufig genutzte „Value-Proxy“ auch auf Marktebene in einem Zusammenhang mit zukünftigen Renditen steht, erscheint plausibel. Vermutlich findet das Kurs-Buchwert-Verhältnis primär aus Gründen der geringeren Datenverfügbarkeit und damit auch der geringeren empirischen Überprüfbarkeit in der Praxis weniger häufig Anwendung als das CAPE.



Zusammenhang zwischen KBV und langfristigen Aktienmarktrenditen
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Abbildung 6: Die linke Grafik verdeutlicht den Zusammenhang zwischen dem KBV und den Renditen der 10–15 Folgejahre mithilfe aller Beobachtungspunkte im Zeitraum 12/1979–05/2015. Die Beobachtungen des japanischen Aktienmarktes sind exemplarisch hervorgehoben. Alle Renditeangaben sind inflationsbereinigt, in lokaler Währung, inkl. Dividendenerträgen sowie annualisiert. Die schwarze Regressionsfunktion bezieht sich auf „MSCI-Länder“. Die rechte Grafik zeigt die durchschnittliche Rendite (Median) über die jeweils folgenden 10–15 Jahre in Abhängigkeit vom KBV je Land. Quelle: MSCI, StarCapital. Weitere Details finden Sie in unserer Research-Studie „Aktienmarktprognose: Das Shiller-CAPE auf dem Prüfstand“, https://www.starcapital.de/ fileadmin/user_upload/ files/publikationen/Reseach_2016-01_Aktienmarktprognose_Shiller_CAPE_Keimling.pdf.


Das Bestimmtheitsmaß (R²), welches die Stärke des Zusammenhangs zwischen Bewertung und langfristigen Folgerenditen misst, weist für beide Indikatoren ähnlich aussagekräftige Werte auf. Mit einem R² von ca. 0,5 und einer Korrelation von knapp -0,7 zwischen dem jeweiligen Indikator und den langfristigen Folgerenditen besteht ein ähnlich starker statistischer Zusammenhang wie zwischen den jährlichen Renditen des DAX und des S&P 500 im Zeitraum von 1973 bis 2015 (R² 0,47 - Korrelation 0,68).

Im Vergleich dazu wiesen die Gewinnentwicklung des S&P 500 und die Aktienmarktrenditen der jeweils folgenden 15 Jahre von 1881 bis 2016 nur einen deutlich schwächeren Zusammenhang auf (R² 0,16 - Korrelation 0,40, Abbildung 7). CAPE und KBV erlauben damit deutlich zuverlässigere langfristige Renditeprognosen als es korrekt geschätzte Gewinnwachstumsraten für die folgenden 15 Jahre können.


Zusammenhang zwischen langfristigen Gewinnwachstum und Aktienmarktrenditen
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Abbildung 7: Die Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen dem realen Gewinnwachstum und den realen Renditen des S&P 500 über die nächsten 10–15 Folgejahre im Zeitraum von 1881 bis 2016. Quelle: StarCapital.


Welche Aktienmarktrenditen können Anleger erwarten?


Unter der Annahme, dass die Zusammenhänge der letzten 130 Jahre fortbestehen, lassen sich auf Basis aktueller CAPEs und KBVs langfristige Renditeschätzungen für internationale Aktienmärkte ableiten. So wird der US-amerikanische Aktienmarkt aktuell mit einem CAPE von 30,5 und einem KBV von 3,3 bewertet. In der Vergangenheit folgten auf vergleichbare Bewertungsniveaus im Mittel Wertsteigerungen von jährlich 3,0% über die folgenden 10-15 Jahre (Abbildung 8). Anleger die sich langfristig mit hohen Renditeerwartungen im US-Markt engagieren, sollten hierfür gute Gründe vorweisen können, denn eine solche Entwicklung würde über 130 Jahren Börsenerfahrung widersprechen.


Höhere Aktienmarktrenditen sind dagegen in einigen europäischen Märkten inkl. Deutschland zu erwarten. Der deutsche Aktienmarkt wird bspw. aktuell mit einem CAPE von 20,6 und einem KBV von 1,9 bewertet. In der Vergangenheit folgten auf Perioden mit vergleichbaren Bewertungen im Mittel langfristige Wertsteigerungen von jährlich 6,3%. Noch höhere langfristige Renditeerwartungen bieten derzeit die Emerging Markets. Auf Basis der aktuellen Bewertung scheinen langfristige Renditen von 7% p.a. wahrscheinlich.


Welche Renditen können Anleger langfristig erwarten?


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Abbildung 8: Die Tabelle zeigt die CAPE- und KBV-Bewertungen ausgewählter Länder und Regionen zum 31.12.2017 sowie die sich daraus ergebende Schätzung für die realen Aktienmarktrenditen für die kommenden 10–15 Jahre in lokaler Währung und inkl. Dividenden. Diese Schätzungen basieren auf den mittleren Prognosen der CAPE- sowie KBV-basierten Regressionsfunktion. Quelle: StarCapital. Weitere Details finden Sie in unserer Research-Studie „Aktienmarktprognose: Das Shiller-CAPE auf dem Prüfstand“, https://www.starcapital.de/fil…16-01_Aktienmarktprognose _Shiller_CAPE_Keimling.pdf.


Mit welcher Unsicherheit sind diese Prognosen behaftet?


Die prognostizierten Wertentwicklungen werden in der Regel jedoch nicht stetig, sondern unter starken Schwankungen erzielt. Diese unterschiedlichen Formen der „Mean Reversion“ können anhand von Szenarioanalysen beschrieben werden. In Abbildung 9 wird exemplarisch am S&P 500 dargestellt, welchen Verlauf Aktienmärkte in der Vergangenheit bei einer zu heute vergleichbaren Bewertungen über die jeweils folgenden 1 bis 15 Jahre nahmen.


Auf eine zu heute vergleichbare Bewertung folgten historisch überwiegend Wertzuwächse zwischen 0,6% und 3,7%. Übertragen auf den S&P 500 entspräche dies bei einer unterstellten Wiederanlage von Dividenden und einer konservativen Inflationsrate von 1% einem S&P 500-Stand von ca. 3.400-5.300 Punkten im Jahr 2032. Der in Abbildung 9 hellgrau markierte Korridor stellt damit die historisch übliche und vermutlich wahrscheinlichste zukünftige Wertentwicklung dar. Der eher seitwärtsgerichtete Korridor veranschaulicht, dass Investoren nicht davon ausgehen sollten, dass sich die Wertzuwächse der Vergangenheit von real ca. 7% auch in den kommenden 15 Jahren zeigen werden.


Bewertung macht S&P 500 von über 3.400 Punkten im Jahr 2032 wahrscheinlich

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Abbildung 9: Abgebildet ist der nominale S&P 500 seit Dez. 2000. Der US-Aktienmarkt wird per 31.12.2017 mit einem CAPE von 30,5 und einem KBV von 3,3 bewertet. Abgebildet sind die durchschnittlichen Folgerenditen über 1 bis 15 Jahre, die weltweit auf eine vergleichbare Bewertung folgten. Der hellgraue Korridor spiegelt 50% aller Beobachtungswerte wieder, der dunkelgraue 80%. Das „Worst Case“-Szenario entspricht der jeweils niedrigsten Folgerendite, die jemals auf eine vergleichbare Bewertung gemessen wurde. Der mittlere S&P 500-Verlauf (schwarze Linie) entspricht dem Durchschnitt aus mittlerer CAPE- und KBV-Folgerendite. Es wurde eine Inflation von 1% sowie eine Wiederanlage von Dividenden unterstellt. Quelle: StarCapital.


Der abgebildete Szenariokorridor erlaubt jedoch nicht nur Aussagen zum langfristigen Renditepotenzial, er gibt auch zu mittelfristigen Chancen und Risiken sowie zu den Grenzen fundamentaler Renditeschätzungen Auskunft. Entfernt man Ausreißer, d.h. die oberen sowie die unteren 10% aller historischer Perioden, wird deutlich, dass der S&P 500 auf Sicht von drei Jahren durchaus auf 1.700 Punkte zurückfallen, aber auch auf 4.900 Punkte steigen kann.


Das abgebildete „Worst Case“-Szenario mit einem Korrekturpotenzial auf 800 Punkte in drei Jahren entspricht der geringsten jemals auf eine vergleichbare Bewertung folgenden Rendite. Obwohl der Eintritt dieses – auf negativen Ausreißern – beruhenden Szenarios denkbar unwahrscheinlich ist, gibt diese Betrachtung eine grobe Indikation, welchen Einfluss Extremereignisse wie Weltkriege oder schwere Depressionen wie 1929 in der Vergangenheit auf die Kursentwicklung hatten. Genauso (un)wahrscheinlich wäre allerdings auch ein S&P 500 von 9000 Punkten innerhalb der nächsten drei Jahre (im Chart ist dieser „Best Case“ aufgrund des Ausreißer-Charakters nicht abgebildet).



Szenario-Analyse für den deutschen Aktienmarkt


Deutlich optimistischer fallen die Renditeverteilungen im deutschen Aktienmarkt aus. Auf eine zu heute vergleichbare Bewertung folgten historisch überwiegend Wertzuwächse zwischen 3,0% und 8,1% über die folgenden 15 Jahre. Übertragen auf den DAX entspräche dies einem Stand von ca. 23.000-48.000 Punkten (Abbildung 10).


Bewertung macht DAX von über 23.000 Punkten im Jahr 2032 wahrscheinlich
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Abbildung 10: Abgebildet ist der DAX 30 seit Dez. 2000. Der deutsche Aktienmarkt wird per 31.12.2017 mit einem CAPE von 20,6 und einem KBV von 1,9 bewertet. Abgebildet sind die durchschnittlichen Folgerenditen über 1 bis 15 Jahre, die weltweit auf eine vergleichbare Bewertung folgten. Der hellgraue Korridor spiegelt 50% aller Beobachtungswerte wieder, der dunkelgraue 80%. Das „Worst Case“-Szenario entspricht der jeweils niedrigsten Folgerendite, die jemals auf eine vergleichbare Bewertung gemessen wurde. Der mittlere DAX-Verlauf (schwarze Linie) entspricht dem Durchschnitt aus mittlerer CAPE- und KBV-Folgerendite. Es wurde eine Inflation von 1% sowie eine Wiederanlage von Dividenden unterstellt. Quelle: StarCapital.


Es wird deutlich, dass der DAX auf Sicht von drei Jahren durchaus auf 11.000 Punkte zurückfallen, aber auch auf ca. 25.000 Punkte steigen kann. Das „Worst Case“-Szenario mit einem DAX von ca. 9.000 Punkten im Jahr 2032, entspräche einem jährlichen Wertverlust von -3,2%. Ob dieses „Worst Case“-Risiko bei einer wahrscheinlicheren Renditeerwartung von ca. 5-10% p.a. auch bei anderen Anlageformen wie Staatsanleihen im Niedrigzinsumfeld und unter Berücksichtigung der aktuellen Staatsverschuldung ähnlich optimistisch ausfällt, darf bezweifelt werden.


Fazit


Die Aktienanlage ist langfristig nicht nur die lukrativste, sondern über lange Zeiträume und unter Berücksichtigung von Inflation und Liquidität auch eine der sichersten Anlageformen überhaupt. Dies gilt insbesondere für Phasen attraktiver Bewertungen – wie sie derzeit insbesondere in Europa und in den Emerging Markets vorliegen. Strategische Investoren, die sich nicht im Gleichklang mit der Masse der Anleger benchmarknah mit hohem USA-Gewicht positionieren, können deshalb langfristig mit jährlichen Wertsteigerungen von ca. 7% noch über die Inflationsrate hinaus rechnen. Keine andere Anlageklasse bietet derzeit ein ähnliches Potential.






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Fußnoten und Quellenangaben


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