Erfolgsneutrale Eigenkapitalveränderungen nach US-GAAP

Öffentlichkeitswirksame Bilanzskandale wie Enron, Flowtex oder Sunbeam haben in den letzten Jahren zunehmend Zweifel an der Berichterstattung von Unternehmen aufkommen lassen und die internationalen Finanzmärkte verunsichert. Oft führten fragwürdige Bilanzierungspraktiken und das unsachgemäße Ausnutzen von Beurteilungsspielräumen dazu, dass die im Jahresabschluss dargestellte Situation eines Unternehmens von der tatsächlichen abwich und als Folge zahlreiche Investoren wie auch Gläubiger empfindliche Verluste hinnehmen mussten.


Bilanzkosmetik und Bilanzmanipulationen sind jedoch nicht die einzigen Ursachen dafür, dass das financial reporting seiner Aufgabe, Investoren in ihrer Entscheidungsfindung bestmöglichst zu unterstützen, nicht immer gerecht wird. Selbst eine regelkonforme Anwendung der US - amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften ist kein Garant dafür, dass der Jahresabschluss die wirtschaftliche Verfassung eines Unternehmens zutreffend widerspiegelt, wie beispielsweise die jüngsten Debatten bzgl. der Bilanzierung von Stock Options, Goodwill oder Pensionsverpflichtungen nahe legen. Im Rahmen dieser Diskussionen gerieten auch erfolgneutrale Eigenkapitalveränderung zunehmend in die Kritik.


Nach US-GAAP schlagen sich nicht alle Aufwendungen innerhalb der GuV nieder. Einige Sachverhalte, zumeist Aufwendungen und Erträge, die aus Wertveränderungen bestimmter Vermögenswerte resultieren, können direkt erfolgsneutral mit dem Eigenkapitel verrechnet werden. Sie sind in einer gesonderten Eigenkapitalposition, dem accumulated other comprehensive income, zu akkumulieren und werden erst in Folgeperioden erfolgswirksam in die GuV zurückgeführt.


Die Frage, in wie weit erfolgsneutrale Eigenkapitalveränderungen als stille Lasten bzw. Reserven zu beurteilen sind und das Ausmaß ihrer praktischen Bedeutung aus Sicht von Investoren und Gläubigern, ist in der Literatur nach Kenntnisstand des Autors bislang nur unzureichend geklärt. Das Ziel der folgenden Arbeit ist es deshalb, diese Lücke am Beispiel der US- amerikanischen Rechnungslegung zu schließen. Da die Vorschriften nach US-GAAP weitgehend mit den IAS – Regelungen übereinstimmen, gelten die im Rahmen dieser Arbeit getroffenen Aussagen zumeist für beide Rechnungslegungsstandards. Sofern Unterschiede auftreten, wird auf diese in den farblich hervorgehobenen Fußnoten hingewiesen.


Im folgenden Kapitel wird zunächst auf die Erfolgserfassungskonzeption nach US-GAAP eingegangen. Es wird dargestellt, in welcher Form Aufwendungen und Erträge zu erfassen sind und welche Sachverhalte zu erfolgsneutralen Eigenkapitalveränderungen führen können. Im einzelnen betrifft dies die Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen, von Fremdwährungsumrechnungsdifferenzen, sowie von derivativen und nicht derivativen Finanzinstrumenten. Die Bilanzierung dieser Sachverhalte wird in Kapitel drei näher erläutert. Im Anschluss daran soll die praktische Bedeutung erfolgsneutraler Eigenkapitalveränderungen in Kapitel vier veranschaulicht werden. Dazu wird zunächst auf die Bedeutung der erfolgsneutralen Eigenkapitalveränderungen im Dow Jones eingegangen, bevor die Relevanz für den deutschen Markt untersucht wird. Zum Abschluss der Arbeit erfolgt eine Zusammenfassung der im Rahmen dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse.