Weitere Beobachtungen:
In Buenos Aires und der angrenzenden Provinz regieren anscheinend weiter die Kirchneristen. Der öffentliche Nahverkehr ist gut und zumindest als Tourist auch nachgerade absurd günstig, personell aber brutal überbesetzt. Da turnen an jeder U-Bahn-Haltestelle 2-3 Leute rum trotz elektronischer Drehkreuze und für die Sicherheit sind die eher auch nicht zuständig. Die meiste Zeit hocken die da ziemlich gelangweilt in der Gegend herum. Ich nehme an das sind so Jobs, mit denen die Partei der Kirchners sich politische Loyalität erkauft, betriebswirtschaftlich aufgehen kann die Nummer nie und nimmer. Während meines Aufenthalts gab es hier auch eine Großdemo gegen das neue Arbeitsgesetz, mit dem u.a. der Kündigungssschutz gelockert und die Höchstarbeitszeit erhöht wird.
Ein Teil des ausgewiesenen Wirtschaftswachstum geht auf eine langsame, seeeeehr langsame Rückkehr von Teilen der Cash/Dollarbasierten Schattenwirtschaft in die regulären Kreisläufe zurück. Fährt man aus Buenos Aires mit dem Bus in die Provinz, fährt man durch eine Art "Rust Belt" mit vielen halb verfallenen und verlassenen Fabrikgebäuden, die einzigen Geschäfte die noch laufen, sind die Tankstellen.
Die (offizielle) Beschäftigung ist in den letzten 2 Jahren um ca. 500k gestiegen, der private Sektor hat bislang die Kürzungen im Staatssektor leicht überkompensiert, allerdings bei real schlechteren Löhnen und Arbeitsbedingungen. Allerdings ist der Peso immer noch überbewertet und die politische Lage auch aufgrund der Zahlungsbilanzprobleme, die ein Erbe der Vergangenheit sind, sehr fragil. Vor ca. 10 Jahren gab es eine große Amnestie wo viele Leute ihre inoffiziellen Bardollars in den normalen Umlauf gebracht haben, dann kamen die Kircheristen wieder an die Macht und haben nachträglich eine 40% Steuer erhöben. Nachdem auch schon mal Anfang der 00er Jahre Bankguthaben in Dollar in Pesos zwangskonvertiert wurden, ist das Misstrauen in die Regierung daher ingesamt sehr hoch.