Beiträge von Balkenchart

    Zum Thema Fracking.


    Ich schrieb ja immer wieder, dass ich mittel- bis langfristig eher mit niedrigeren Ölpreisen rechne. Das tue ich immer noch.


    Aber das heisst nicht automatisch, dass die amerikanischen Fracking-Firmen in Schwierigkeiten geraten müssen. Aus zwei Gründen: Erstens ist der EURUSD-Wechselkurs flexibel. D.h. wenn Saudis und Russen zu EUR 30,00/bbl fördern und das US-Schieferöl USD 60,00/bbl kostet, dann ...


    Zweitens ist nichkonventionelles Öl dort politisch extrem wichtig, um die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren. Ich schätze, dass sie allen möglichen Spielraum nutzen werden, um die eigenen Ölfirmen zu subventionieren. Z.B. dass die Banken bei den Ölfirmen bei der Kreditvergabe besonders lax sind, dass es aber gleichzeitig eine Übereinkunft gibt, dass die Fed notfalls eingreift, etc.


    Gruß,


    Balkenchart

    Zumindest Trumps Leute (Wilbur Ross, Gary Cohn usw) haben ja recht klar gesagt, dass sie das Außenhalndelsdefizit abbauen und das Land re-industrialsieren wollen. Auf den ersten Blick sieht das so aus, als wollten sie es zunächst mit Protektionismus versuchen. Das wird natürlich nicht gehen. Am Ende führt kein Weg an einem deutlich niedrigeren Dollar vorbei.


    Im September 2016 sagte Draghi in der Pressekonferenz zum Thema Handelsbilanzüberschüsse


    [...] clearly to be in line with the recommendations of the Commission, lower surpluses, or a lower surplus for the euro area, would be welcome. And certainly any action to this extent is to be welcomed.


    Daher vermute ich mal, dass die EZB mit einem höheren Eurokurs konform geht. Es war ja auch mal ein Konstruktionsprinzip der Eurozone, dass sie mit einer ausgeglichenen Leistungsbilanz startet. Die Bilanz war auch in der Tat von 1999 bis 2011 immer nahezu ausgeglichen. Erst in 2012 kamen die Überschüsse.


    Grüße,


    Balkenchart

    Es gibt im Moment zwei Dinge, die den deutschen Autobauern zu schaffen machen. Erstens die Modewelle der Elektroautos, Tesla & friends. Zweitens der Diesel-Skandal.


    Generell bin ich tatsächlich positiv den Autoherstellern gegenüber eingestellt, aber kurzfristig mag ich zwei Dinge nicht:
    1. Die allgemeine Überbewertung am Markt. Meiner Meinung nach nicht eine Zeit, um die Aktienquote groß zu erhöhen.
    2. Die kurzfristigen Auswirkungen des Diesel-Skandals. Fahrverbote? Umrüstung möglich? Schadenersatz, falls Zulassungen entzogen werden?


    Wenn der Diesel-Skandal durch ist und der Aktienmarkt nicht mehr so blutig überbewertet ist, tippe ich, grob skizziert auf folgendes Szenario mittelfristig:
    a) Der Ölpreis in Euro fällt weiter.
    b) Tesla wird als Hype entlarvt. Sie werden nicht von jetzt auf gleich zu einem Massenhersteller. Nicht mit einem verkappten Jaguar-Chassis mit reingeklebtem iPad. Okay, das war polemisch. Aber so ganz weit weg sind wir nicht davon.
    c) Tesla erreicht den alten Höchstkurs nicht mehr und wird in 5-10 Jahren von Mitsubishi, Toyoa oder VW übernommen.
    d) Das billige Öl verhindert noch eine ganze Zeit lang, dass die Elektroantriebe den nötgen Skaleneffekt erreichen.


    Langfristig haben die Autobauer dann wieder ein "Problem", dass die Wertschöpfung sich verlagert. Beim Verbrennungsmotor machen die Firmen fast nur noch Design und Motoren selbst, und da liegt die Haupt-Wertschöpfung. Der Rest, die ganzen technischen Details, werden von Bosch erledigt. Nach dem Umstieg auf Elektroantriebe liegt die Wertschöpfung dann höchstens noch bei der Batterie. Elektromotoren sind einfach und billig. Bleibt also für die deutschen Hersteller nur noch das Design.


    Der andere Cool-Faktor von Tesla, die Elektronik und der Autopilot, sind nicht spezifisch an Elektroantriebe gebunden. Und die Fahrassistenzsysteme von Mercedes oder Audi sind eher besser als der "Autopilot" von Tesla, selbst wenn die deutschen Hersteller beim Marketing da eher tiefstapeln. Die Musterprozesse gegen Tesla werden vielleicht zeigen, dass das eine gute Taktik ist.


    Grüße,


    Balkenchart
    PS: Wieso sind wir im Witze-Thread?

    Gut, was du nicht als Handelswährung nutzt, brauchst du auch nicht in Reserve.


    Der Privatsektor hält natürlich jederzeit eine "Reserve" an allen Handelswährungen. Das hat aber zunächst nichts mit den offiziellen Währungsreserven zu tun.


    Die offiziellen Reserven gehen nahezu überall zurück, z.B. hier:






    Die offiziellen Reserven haben hauptsächlich mit den permanenten Interventionen der Vergangenheit am Devisenmarkt zu tun. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass die meisten der harten oder weichen Währungsbindungen mittlerweile aufgehoben wurden. Die wenigen wichtigen, die noch bestehen, sind meiner Ansicht nach der Hong-Kong-Dollar und der saudische Riyal.


    Meiner Ansicht nach ist die aus dem Abbau der FX-Reserven zu erwartende Dollarkrise schon in vollem Gange. Da zur Zeit aber noch das Kreditvolumen im Eurodollar-Markt schrumpft, sind die Folgen jedoch noch nicht offen sichtbar.


    Balkenchart

    Zu dem Hipster. Das war ein Bauchgefühl. Ich werde übrigens den Eindruck nicht los, dass der Typ aus irgendeiner Werbung rausgeschnitten wurde, die ich in den letzten Wochen gesehen habe, aber ich habe das Original nicht mehr gefunden.



    Die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik wurde in Deutschland von allen Bundesregierungen seit dem Amtsantritt Helmut Kohls vertreten. Es war genau dieser Bruchpunkt, der seinerzeit Otto Graf Lambsdorf dazu brachte, von keynesianer Helmut Schmidt zur Angebotspolitk Helmut Kohls zu wechseln. Das Wort angebotsorientierte Wirtschaftspolitk wurde damals auch noch verwendet.


    Insofern bleibe ich dabei, das Perry's Lektion "Here’s a little economics lesson: supply and demand. You put the supply out there and the demand will follow." von allen Parteien CDU, SPD, Grünen und FDP vertreten werden, was ja genau als Problem der Alternativlosigkeit bei Wahlen auftritt.


    Also ich finde die dem Saye-Theorem zugrundeliegende Idee völlig plausibel. Stellt Euch mal eine geschlossene Volkswirtschaft vor. Es wird was produziert. Alles wird verkauft - entweder an Konsumenten oder als Kapital für Ersatzinvestitionen. Das Volkseinkommen verteilt sich ebenso auf Konsum und Investitionen.


    Jetzt gibt es eine exogene Änderung: Jeder reisst sich ein bisschen zusammen, bleibt abends 30 Minuten länger in der Firma und arbeitet einfach freiwillig und unbezahlt ein bisschen mehr. Das führt natürlich zu einem (im Vergleich zu früher) höheren Angebot und dem entsprechenden Preisverfall, wenn versucht wird, die Produkte zu verkaufen. Wenn die Gehälter und damit das Volkseinkommen zunächst gleich bleiben, dann ist auch die Kaufkraft da, um die größere Anzahl an nun billigeren Proukten auch tatsächlich nachzufragen. Da habe ich kein Problem damit.


    In der Politik wird die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik ("supply side economics") immer Ronald Reagan und Margret Thatcher zugeschrieben. Sie haben das Wort definitiv als Phrase verwendet. Mehr aber auch nicht. Beide haben realiter aber weiterhin die nachfrageorientierte Politik ihrer Vorgänger fortgesetzt, nur eben Kapital-freundlicher und weniger lohn-freundlich. M.a.W. angebotsorientiert wurde bei denen nicht wirklich umgesetzt bzw. so wie es gemacht wurde, hat es nicht funktioniert.


    Wir, d.h. Deutschland, fahren allerdings tatsächlich seit mindestens Ende der 1960er eine angebotsorientierte Politk. D.h. wir treiben uns immer weiter an, immer effizienter zu werden und sparen anstatt zu konsumieren. Das geht auch nicht erst seit Kohl so, sondern reicht wesentlich weiter zurück, bis mitten ins "Wirtschaftswunder".


    Inhaltlich habe ich mit der Idee hinter dem Saye erst ein Problem, wenn sie gedankenlos auf eine offene Volkswirtschaft angewendet wird. Die deutsche angebotsorientierte Politik schafft nämlich tatsächlich die zugehörige Nachfrage. Aber eben im Ausland. Nicht hier.


    Genauso wie die nachfrageorientierte Politik z.B. der USA oder des UK das zugehörige Angebot schafft. Aber eben nicht dort, sondern in Japan, China und hier bei uns.


    Da sind wir wieder bei den globalen Ungleichgewichten. Der zugehörige Handel fällt übrigens nicht unter "Der globale Wareaustausch macht das System effizienter und korrespondiert mit einer entsprechenden Spezialisierung". Tut er nicht. Der Teil des Handels, der die Ungleichgewichte füttert, der wird auf absehbare Zeit wieder verschwinden.


    Das Ergebnis der Ungleichgewichte ist, dass die Ingenieure und Fabriken in China, Japan und Deutschland ssind und dass die Nagelstudios, Hunde-Salons und die Marketing-Typen sich in den USA und im UK breitmachen. Wenn Du in Deutschland in einen Überland-Bus einsteigst, ist der Bus zwar nagelneu, aber dafür kann auch die letzte Omi ihren schweren Koffer noch selber in den Gepäckraum wuchten. Wenn Du in England in einem Überland-Bus fährst, ist die Karre 50+ Jahre alt, aber dafür lächeln Dich an der Haltestelle zwei Mitarbeiter freundlich an und helfen Dir mit dem Gepäck. Diese Entwicklung der letzten 40+ Jahre hat die Länder tatsächlich geprägt.


    Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass die Entwicklung, zumindest bis vor 3-4 Jahren, auch politisch so gewollt war. D.h. die USA konsumieren mehr als sie produzieren, und wir haben das Los, dafür zu arbeiten. So war das Verhältnis der USA/UK mit Deutschland, Japan und China eben (jeweils einzeln und nicht zusammen). Geändert hat sich das erst mit der Abkehr der BRICS vom amerikanischen Block, eine Entwicklung, an die wir Europäer uns nun dranhängen. Zum Glück.


    Wenn Ihr mal die Rahmenbedingungen an Steuern und Lohnnebenkosten in Deutschland mit anderen Ländern vergleicht, dann haben wir einen riesigen Spielraum, unser internationales Angebot zugunsten einer heimischen Nachfrage zu reduzieren. Als ich im UK meinen ersten Job hatte, da gingen vom Gehalt ca. GBP 150 pro Monat (fix) für die Krankenkasse ab (NHS), ein winziger Abzug für die Rente, und es gab eine zweistufige Einkommensteuer (22% bis ca. GBP 50.000,00 und 40% danach). Der Rest landete ohne weitere Abzüge in meiner Tasche. Die Abzüge insgesamt waren bei mir ca. 25%. Bei meinem ersten Job in Deutschland dagegen lagen die Abzüger bei ca. 45%, bei direkt vergleichbarem Brutto-Gehalt.


    Stellt Euch mal vor, die Regierung sagt, "Bei einem Jahres-Brutto von unter EUR 25.000,00 übernimmt die Staatskasse die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung, und zwar sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil. Finanziert wird das durch eine Erhöhung der Einkommensteuer." Ha, was meint Ihr, was wir da für einen Nachfrageschub bekommen. Bisher läuft unsere Binnen wirtschaft nämlich mit hart angezogener Handbremse. Ebenso ist in den letzten Jahren das Steueraufkommen durch MWSt immer weiter gegenüber der Einkommensteuer gewachsen. Die kleinen Leute werden klein gehalten, und das ganze Volkseinkommen läuft bei Ärzten, Architekten usw. auf, die nicht wissen, wohin mit dem Geld, und die es zu ihrer Bank bringen, die es dann an Ausländer mit höherem Konsumanteil verleiht. Der Kreis schließt sich.


    Stellt Euch mal vor, die Ungleichgewichte verschwinden wieder aus der Welt. Da werden sich noch einige umgucken.


    Balkenchart

    Jo. Der ist zu "scharf" für die Tiefenschärfe des restlichen Photos. Aber trotzdem coole Idee.
    Balkenchart

    Zum Gas. Wenn die USA mit ihren Flüssiggas-Lieferungen (zunächst an Osteuropa, Baltikum) in Konkurrenz zu den Russen mit Nord-Stream 2 treten, dann ist das erstmal positiv für Europa, denn es führt tendenziell zu niedrigeren Energiepreisen. Da wir praktisch unsere ganze fossile Energie, außer einem kleinen Rest Kohle, importieren, ist das für uns wie ein Geldgeschenk.


    Meiner Ansicht nach wird Nord Stream 2 kommen. Habt Ihr Euch mal die Details des Vertrages zwischen Wintershall und Gazprom angesehen? Deutschland hat gerade ca. 70 Milliarden Kubikmeter Erdgas in Sibirien gekauft:


    https://www.wintershall.com/pr…-complete-asset-swap.html


    Die Kapazität von Nord Stream 2 wird deutlich höher ausfallen als nötig wäre, um nur den deutschen Markt zu versorgen. Gleichzeitig wird der Anschluss an den OPAL-Interconnector ausgebaut, so dass man Tschechien und Ungarn "von hinten" versorgen kann. Die Ukraine als Gas-Transit-Land wird dadurch marginalisiert. Wenn NS2 einmal in Betrieb ist, können die Russen der Ukraine problemlos den Hahn zudrehen, ohne dass ein wichtiger, der "dahinter" liegt, beeinträchtigt würde.


    Der Asset-Tausch zwischen Wintershall und Gazprom sowie der Baubeginn von NS2 wurde während der Ukraine-bedingten "Sanktionen" durchgezogen. Aha. Die Sanktionen spielen offenbar gar keine so wichtige Rolle. Hier macht die Merkel-Regierung ganz cool langfristige Wirtschaftspolitik, und zwar mindestens an den USA vorbei, wenn nicht sogar offen gegen sie. Deutschland hat längst ganz klar Position bezogen.


    Zu Saudi-Arabien. Vor ein paar Wochen wurde dort tatsächlich die "Religionspolizei" oder wie die sonst immer übersetzt werden, weitgehend entmachtet. Sie dürfen jetzt nicht mehr in den Straßen patroullieren. Eine völlig neue Freiheit dort im Land. Das wurde schon vor dem Austauschen des Kronprinzen umgesetzt. Ihre Position zur Moslem-Bruderschaft in Ägypten war schon immer recht deutlich. Als General al-Sisi gegen die Moslem-Brüder putschte, froren die USA sofort ihre Wirtschaftshilfe für Ägypten ein. Einen Tag später bekam die neue Regierung von al-Sisi in Ägypten dann einen zinsfreien Kredit über USD 1 Mrd von den Saudis. Der Einbruch des Ölpreises von über USD 100/Barrel auf unter USD 50 im Herbst 2014 begann auch genau als Abdullah im Sterben lag und es klar war, dass Salman die Macht übernehmen würde. Ende Januar 2015, gleich nach Amtsantritt Salmans, verlängerte Obama dann eine Indien-Reise und flog nach Riyadh. Das geplante Dinner im Königspalast fand dann aber nicht statt, und Obama reise einen Tag früher als geplant wieder ab. Seit Herbst 2014 war der saudische Außenminister (damals noch der alte al Saud) dann regelmäßig in Moskau. Die neue Zusammenarbeit zieht sich bis zur jüngsten OPEC-Konferenz in Wien, die praktisch die ganze Zeit über gemeinsam von Saudis und Russen moderiert wurde (obwohl Russland nicht mal Mitglied ist). Insgesamt recht klarer Auftritt der neuen saudischen Regierung, oder ?


    In Katar ist die größte US-Militärbasis in der Region.


    Gruß,


    Balkenchart

    Kurzes Update.


    New Gold Pool at the BIS Basle, Switzerland: Part 1
    Hier war einer im Archiv der Bank of England. Es geht um die Zeit nach 1980.


    Laut aktueller TIC-Daten ziehen ausländische Zentralbanken ("foreign official") derzeit etwa USD 200 Mrd jährlich an Investitionen in US-Staatsanleihen ab. Das ist eine Umkehr des Trends, der 1970 bis 2014 bestanden hat, und sollte nicht spurlos am Dollar vorübergehen.


    Das ist natürlich auch den Öl-Exporteuren der Welt klar, und nachdem der Iran jetzt gegen EUR verkauft und Saudi-Arabien für die Exporte nach China nun CNY nimmt, sollte die Rolle des USD als Handelswährung weiter zurückgehen. Was würden sie nehmen, wenn sie wirklich frei entscheiden könnten? Eine Mischung aus EUR, CNY und Gold?


    Auch die Bindung der Golf-Währungen an den USD sollte zur Disposition stehen wie auch eine Währungsunion dieser Länder. Am Donnerstag, den 25.5. ist die OPEC-Konferenz in Wien und Anfang Juli dann G20 in Hamburg. Angela Merkel hat in der letzten Zeit zwei Reisen unternommen, "um den G20-Gipfel vorzubereiten", wie die Presse schrieb: Eine nach Saudi-Arabien und eine nach Russland. Da geht es beim G20-Gipfel bestimmt um Datteln und Tschaikowski.


    Balkenchart

    Ich warte noch auf den Zero-Day-Exploit, bei dem sich der Wurm erstmal still verbreitet und bei dem dann am Tag X auf allen Rechnern das Zertifikat fürs Secure Boot ungültig (revoke) gemacht wird.


    Dann hört der Sch**ß endlich auf.


    Balkenchart


    Zum anderen (wenn man mal vom Außenhandelsgleichgewicht ausgeht) entspricht die Schuldenaufnahme des Staates exakt dem Vermögensaufbau des privaten Sektors. Wenn wir also keine Neuverschuldung des Staates zulassen, unterbinden wird den Aufbau von Vermögen im privaten Sektor. Wenn der Staat Schulden zurück zahlt, sinkt das Vermögen im privaten Sektor.


    Ich schließe mich der Kritik an dieser Aussage an.


    Der Privatsektor kann problemlos Vermögen aufbauen, indem er investiert. Damit meine ich Investitionen in die reale Wirtschaft, also Kapital erwerben, das dann von irgendwem produktiv eingesetzt wird. Das geht über Direkbeteiligungen/Firmengründungen/Selbständigmachen genauso wie über die Beteiligung an den Kapitalerhöhungen und Neuemissionen von AGs wie auch über Kredite an Unternehmen, die von dem geliehenen Geld dann irgendwelche Maschinen kaufen.


    Ersparnis = Investitionen. Alles andere sind Luftbuchungen.


    Das Erwerben von Staatsschulden dagegen ist nur ein zweifelhaftes "Vermögen", das der Privatsektor aufbauen kann. Wir zahlen ja einierseits Steuern, andererseits empfangen wir (viele von uns) irgendwelche Transferzahlungen. Da ist eine von uns gehaltenen Saatsanleihe nur eine Differenz-Forderung, die unsere zukünftige Steuerlast rechnerisch etwas senkt. Ob irgendwer von dem Geld (unser Konsumverzicht) einen realen Wert schafft, ist nicht klar. Vielleicht konsumiert auch nur ein anderer (z.B. ein pensionierter Beamter) den Konsumanteil, auf den wir gerade verzichten. Dass mein Konsumverzicht beim Erwerb einer Staatsanleihe zu einer Investition führt, ist eher unwahrscheinlich (im Mittel so ca. 20% der Summe).


    Der Privatsektor braucht Staatsschulden jedenfalls nicht, um wohlhabend zu sein. (Außer die Leute berauschen sich beim Anblick von Bundesanleihen auf ihrem Depotauszug und das erhöht tatsächlich ihre Lebensqualität - ist bei mir aber z.B. nicht so). Der Staat braucht die Staatsanleihen eigentlich auch nicht. Er kann sich genausogut durch Steuern finanzieren oder durch Kreditaufnahmen bei Banken, also durch geschöpftes Geld.


    Balkenchart

    Als Anfang 2009 in Kanada die Immobilienpreise anfingen nachzugeben, hat die Regierung die Bedingungen für die Versicherung von Hypotheken gelockert! Hat ja funktioniert.


    Ende 2015 dann kauften gerade an der Westküste so viele Chinesen im Rahmen ihrer Kapitalflucht den Kanadiern die Immobilien weg, dass die Regieurng unter erheblichem öffentlichen Druck eine Sondersteuer für Immobilienverkäufe an Ausländer eingeführt hat (zumindest die Landesregierung in British Columbia).


    Die Hypothekenversicherung in Kanada läuft analog zu Freddie Mac und Fannie Mae (2008 lässt grüßen) über eine halbstaatliche Firma, die CMHC (Canada Mortgage and Housing Corporation). Anders als Freddie und Fannie hat die CMHC eine explizite Staatsgarantie. Ich glaube, es lässt sich nicht abschätzen, in wiefern die großen Banken (Royal Bank of Canada, Bank of Nova Scotia, Canadian Imperial Bank of Commerce, Toronto Dominion Bank, Bank of Montreal) in der Klemme sind, aber am Ende dürften wackeligen Papiere im Staatshaushalt landen.


    Gruß,


    Balkenchart
    PS: Schaut mal auf den Anfang dieses Threads. Das war vor sieben (!) Jahren.

    Ich hatte, ehrlich gesagt, spontan auch an den Ausstieg vom Brexit gedacht. Wie war das noch mit den Wahlumfragen, die damals "remain" oder einen Sieg von Hilary Clinton verhergesagt haben?


    Ich würde Labour mal nicht unterschätzen. Das Establishment hackt zwar ständig auf dem Corbyn herum, aber Corbyn ist ein klarer Bruch mit dem mittlerweile wenig beliebten Blair-Clan. Er fährt dabei eine hart linke Linie und spricht all diejenigen an, die von den vergangenen 20 Jahren seit Blairs Erscheinen enttäuscht sind. Zum erstenmal seit zig Jahren hat Labour eine Welle von Neueintritten. Die Versuche der alten Garde, Corbyn wieder loszuwerden, scheiterten alle daran, dass er, obwohl ein Außenseiter, doch breite Unterstützung in der Basis hatte. So ein bisschen wie Trump, nur eben auf der linken Seite.


    Gruß,


    Balkenchart

    Dass das da ziemlich chotisch läuft, vom verfehlten Ende des Obama-Care bis hin zu diversen außenpolitischen Ansagen, ist ja offensichtlich.


    Ich interpretiere es mal so, dass der Trump in Wirklichkeit gar nicht regiert. Bei der Gesundheitsgeschichte ist ihm seine eigene Partei nicht gefolgt. Vielleicht will er ja tatsächlich einen Flugzeugträger nach Korea schicken, aber die Navy fährt einfach nicht dort hin, sondern woanders, und schaut stattdessen zu, wie er sich lächerlich macht und dabei zur lahmen Ente wird.


    Gruß,


    Balkenchart

    Sieht meiner Ansicht nach so aus, als ob er gar nicht die Kontrolle im Land hat.


    Erst muss er den Flynn aufgeben, dann den Bannon aus dem Sicherheitsrat nehmen. Staatsbesucht empfängt er auf seinem Anwesen in Florida und nicht im weißen Haus - gut möglich, dass er denen gar nicht traut.


    "He, Donald, Du machst jetzt schön, was wir sagen, und bombardierst jetzt Syrien." - "Nee." - "Doch, machst Du. Und wenn nicht, dann liefern wir Bilder von sterbenden Kindern 24-Stunden am Tag, so dass jeder glabt, Du bist ein Schwächling". Naja. Da sind wir jetzt.


    Habt Ihr Euch mal gefragt, wieso der Assad immer genau dann Giftgas einsetzt, wenn er gerade erhebliche Gewinne gegen den islamischen Staat erzielt hat und wenn kurz vorher jemand in Washington den Amerikanern erklärt hat, dass genau das die rote Linie ist?


    Balkenchart

    Du bist Nachwuchs-Journalist, möchtest noch Karriere machen, brauchst interessante Themen und Zugang zu relevanten Quellen, Leuten, Politikern. Du brauchst einen Mentor, der Dir beim Sprung auf die nächste Stelle hilft. Da kommt einer derjenigen auf Dich zu, der so ein Mentor sein könnte, und sagt, "Ich hab da eine Sache. Die müssten wir eigentlich unbedingt bringen. Aber wenn ich das unter meinem Namen schreibe, dann sehen alle, dass das eigentlich von meinem Freund X kommt. Das geht leider gar nicht. Kannst Du das nicht mal nehmen, ein bisschen umformulieren, und dann unter Deinem Namen schreiben? Ich passe auch auf, dass Du deswegen keine Schwierigkeiten kriegst. Ach, und nächsten Monat, da ist doch die Konferenz in Wien? Da bist Du als Joungster noch nicht auf der Liste, oder? Wenn Du hinfahren dürftest, dann könntest Du vielleicht den Y interviewen oder mit dem Z sprechen. Das wird sowieso das Thema der nächsten Monate. Also hinfahren müsste eigentlich jeder, den es interessiert. Schade, dass Du nicht auf der Liste bist. Hm, mal sehen, vielleicht kann ich da was machen. Aber kümmer Dich erstmal um den Artikel, den ich Dir gegeben habe."


    Wie soll das sonst laufen?


    Ignoriert mal die Überschrift des folgenden Videos. Es ist ein Ausschnitt aus "Die Anstalt" im ZDF vom 29.4.2014.



    Die Netzwerke sind ja gar nicht sooo geheim. Man muss auch nicht alles 100%ig kontrollieren. Man muss auch nicht jeden Artikel beeinflusen. Einer von zwanzig tut es auch. Er reicht ja, wenn jeder, der Einfluss hat, hier und da ein bisschen "schiebt".


    Balkenchart
    PS: Bittner und Joffe haben wegen dieser Sendung gegen das ZDF geklagt und erreicht, dass die Sendung aus der Mediathek entfernt werden musste. Dadurch ist die Folge natürlich erst zu Berühmtheit gelangt und im Netzt außerhalb der Mediathek verweigt worden.

    Ich halte die These vom abiotischen Öl für abwegig. Eine Anekdote dazu. Schon vor dem 2. Weltkrieg war den Strategen in Deutschland klar, dass Deutschland im Gegensatz zu England oder Russland keinen vernünftigen Zugang zu Erdöl hatte. Gleich zu Kriegsbeginn wurden dann z.B. die neuen Diesel-Schnellzüge aus dem Verkehr gezogen und wieder durch Züge mit Dampf-Lok ersetzt, um Diesel zu sparen. Parallel wurde fieberhaft an alternativen zu Erdöl gearbeitet und an der synthetischen Erzeugung von Dieselkraftstoff. Es gelang schließlich, unter hohen Kosten, aus Steinkohle. D.h. Deutschland "rettete" sich, zumindest teilweise, indem man die Idee der biologischen Entstehung von Erdöl ernst nahm und synthetisch imitierte.


    Ich glaube gleichzeitig, dass Peak Oil zwar eine theoretische Grenze darstellt, aber dass die Russen insofern recht haben, dass sie nicht praktisch relevant ist und dass zumindest die Peak-Oil-Geschichten, die nach 2000 aus den USA kamen, im wesentlichen von wirtschaftlichen Interessen geleitet sind und nicht von geologischer Einsicht. Die USA brauchten nach 2000 dringend eine höhere Förderung im Inland, und die war nur mit einem höheren Preis machbar. Da spielt ihnen der Glaube an die Relevanz von Peak-Oil natürlich in die Hand. Die USA wären die letzten, die da nicht eine hübsche PR-Campagne durchzögen, incl. Al Gore's Rolle und Filmen wie z.B. "The Day After Tomorrow".


    Wir sehen jetzt, etwa seit dem Herbst 2014, dass viele Produzenten noch unvermutet hohe freie Kapazitäten haben. Keiner, weder Russland, noch Saudi-Arabien, Iran oder Irak verhalten sich so, als würde ihre maximale Fördermenge in den nächsten 10 Jahren zwangsläufig sinken. Insbesondere lässt sich der Ölpreis nur erhöhen und die Fördermenge begrenzen, wenn es echte Kartell-Absprachen der Produzenten gibt oder wenn einzelne Förderländer wegen Krieg oder Sanktionen ausfallen. Haben wir alles durch.


    Öl ist und bleibt eben hoch politisch.


    Balkenchart

    Man beachte mein Eingangs-Posting von vor knapp sieben (!) Jahren.


    Ein schönes Beispiel dafür, dass Trends wesentlich länger laufen können, als man sich zunächst vorstellen kann (und als gesund ist natürlich).


    Balkenchart